Widmann, Hans

Lebensdaten
1570 oder 1571 – 1634
Geburtsort
Villach
Sterbeort
Venedig
Beruf/Funktion
Landmann in Kärnten ; Kaufmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 1206591498 | OGND | VIAF: 3631158491034611920002
Namensvarianten

  • Widmann, Johannes
  • Widmann, Johannes Baron
  • Widmann, Hans
  • Widmann, Johannes
  • Widmann, Johannes Baron
  • Widman, Hans

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Zitierweise

Widmann, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1206591498.html [19.02.2026].

CC0

  • Widmann, Hans (Johannes, Baron 1614)

    | Landmann in Kärnten, Großkaufmann, * 1570/71 Villach, † bald nach 4.4.1634 Venedig, Venedig, Kirche San Canciano, Kapelle S. Massimo. (katholisch)

  • Genealogie

    V Martin (1542–73), Bürger in Villach, Kaufdiener, S d. N. N., aus Augsburg, im Dienst d. Fugger;
    M Maria Hof(f)er;
    Om Johannes Hof(f)er ( 1596), Kaufm. in Venedig;
    1602 Maria, T d. Christoph (David) Ott, erw. 1597–1600, Handelsherr in Venedig;
    6 S Giovanni Paolo (1605–1648), Martino (Martin) (1609–72), Lodovico (Ludwig) (1611–74), diese drei übernahmen n. W.s Tod d. Geschäftsführung d. Handelsges. in Venedig, Bertoldo (1613–38?), Cristoforo (Christoph) (1615–60), David (1619–59), 5 T Regina (* 1604), Sibilla (1606–59), Susanna (* 1608),|Sara (* 1616), Felicita (* 1617), 5 weitere K (früh †);
    Nachfahre Johann V. Abundius W.-Rezzonico ( 1878), mit ihm starb d. Fam. in männl. Linie aus.

  • Biographie

    W. wurde 1586 ohne wesentliches Vermögen als Kaufmannslehrling in das Handelshaus seines Onkels Johannes Hof(f)er nach Venedig geschickt. Nach Hofers Tod führte er, nun als privilegiertes Mitglied der dt. Nation, das Geschäft mit einem Kompagnon, Johann Zangmeister ( 1607), weiter; nach dessen Tod war er alleiniger Firmeninhaber. Er mietete mehrere Kammern im Fondaco dei Tedeschi, der zugleich venezian. Zollamt sowie Mietsund Lagerhaus der Korporation der Händler aus dem Alten Reich war.

    W. wurde nach eigenen, glaubhaften Angaben im ersten Drittel des 17. Jh. zum bis dahin reichsten Kaufmann der dt. Nation in Venedig. Auch infolgedessen bekleidete er sechs Mal das Amt des Konsuls der dt. Nation – in einer Zeit, die sowohl in der Republik Venedig als auch im Alten Reich von schweren Krisen durch Inflation, Krieg und Seuchen gekennzeichnet war. Obgleich ein Firmenarchiv fehlt, sind die Gründe für diesen Erfolg rekonstruierbar: W. operierte in den avanciertesten Geschäftsfeldern, die damals in Venedig und dem Mittelmeerraum möglich waren, v. a. im Metallhandel, den er intensiv mit Erzeugnissen Österreichs und insbesondere Kärntens betrieb, wo er auch Bergwerke besaß. Über die Republik und Italien hinaus handelte W. über den venezian. Hafen mit Spanien, an das er Quecksilber aus den Bergwerken von Idria sowie weitere Metallerzeugnisse aus Kärnten und viele venezian. Produkte liefern ließ. In seinem Testament von 1630 erwähnt er besonders die großen Metallvorräte in seinen Lagern. Daneben war W. intensiv im Safranhandel mit Süditalien engagiert und einer der bedeutendsten Wechselhändler Italiens, der ein besonderes Engagement auf den Wechselmessen von Piacenza zeigte. Seine in Venedig erworbenen Reichtümer nutzte er auch für Investitionen in Kärnten, wo er Güter von vertriebenen oder ausreisewilligen Protestanten günstig erwarb. In diesem Zusammenhang steht auch eine immer wieder deutlich erkennbare Nähe W.s zum Kaiserhaus, was ihm 1614 und 1629 den Ein- und Aufstieg innerhalb des österr. Adels ermöglichte.

    Bei seinem Tod hinterließ W. ein Vermögen von etwa 1,3 Mio. Dukaten, was einen Spitzenwert in seiner Zeit darstellt. Er selbst lebte jedoch ein genügsames Leben ohne Luxus und mit wenig Sinn für Künste oder Mäzenatentum. Er investierte besonders in Landbesitz in Kärnten und in der Republik Venedig, hier v. a. im Raum Padua/Vicenza. In seinem Testament forderte er die Nachfolger auf, vornehmlich in Großgrundbesitz zu investieren, da dies im Gegensatz zu Handels und Finanzgeschäften relativ risikoarm war.

    Seinen Nachfolgern gelang es während der Finanznot der im Kandiakrieg engagierten Republik, gegen die Zahlung eines substantiellen Geldbetrags 1646 in das venezian. Patriziat aufzusteigen. Vermögensschwund bei seinen Erben verhinderte W. durch relativ enge testamentarische Bestimmungen von Fideikommissen in Kärnten und der Republik Venedig, was für über zwei Jahrhunderte wesentlich zum Vermögenserhalt der Familie beitrug. 1878 endete die männliche Linie mit dem Tod des letzten Namensträgers, Johann V. Abundius Widmann-Rezzonico (Doppelname seit 1740/41).

  • Quellen

    Qu Archivio di Stato di Venezia, Notarile Atti (Francesco Erizzo), B. 1178, Nr. 268 (24. Sept. 1630), Testament d. H. W. (Angabe n. Backmann 2018, zus.gefaßt b. G. Probszst 1961).

  • Literatur

    |H. Simonsfeld, Der Fondaco dei Tedeschi in Venedig u. d. dt.-venetian. Handelsbeziehungen, 2 Bde., 1887;
    G. Probszst, H. W.s Erbe, Ein Btr. z. Fam.gesch., 1961;
    G. B. Bertollo, Giovanni W. (1570–1634), Mercante del Fondaco dei Tedeschi, 1970/71 [Tesi di Laurea, Università degli Studi di Padova];
    E. S. Rösch-Widmann, I W., Le vicende di una famiglia veneziana dal Cinquecento all’Ottocento, 1980;
    F. Magani, Il collezionismo e la committenza artistica della famiglia W., patrizi veneziani, dal seicento all’ottocento, 1989;
    R. Hildebrandt (Hg.), Qu. u. Regg. zu d. Augsburger Handelshäusern Paler u. Rehlinger 1539–1642, 2 Bde., 1996–2004;
    S. Backmann, Der Fondaco dei Tedeschi in Venedig, Inklusion u. Exklusion oberdt. Kaufleute in Wirtsch. u. Ges. (1550–1650), 2018.

  • Porträts

    |Porträtmedaille v. Johann Georg Perro, 1631, Abb. in: Kaiser u. Höfe, Personendatenbank d. Höflinge d. österr. Habsburger, hg. v. M. Hengerer u. G. Schön (Internet).

  • Autor/in

    Magnus Ressel
  • Zitierweise

    Ressel, Magnus, "Widmann, Hans (Johannes, Baron 1614)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 35-36 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1206591498.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA