Lebensdaten
1880 – 1951
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
London
Beruf/Funktion
Jurist ; Polizeivizepräsident von Berlin
Konfession
jüdisch
Namensvarianten
  • Weiß, Bernhard

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Zitierweise

Weiß, Bernhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz140142.html [14.07.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Max (1843–1926), aus Oranienburg, Getreidegroßhändler, Vors. d. jüd. Gde. in d. Fasanenstr. in B., Beirat d. Hochschule f. d. Wiss. d. Judentums, S d. Bernhard (1803–79), aus Schlesien, Dr. med., u. d. Fanny Levy (1818–88);
    M Emma (1856–92), aus Breslau, T d. Adolf Strelitz ( v. 1892), u. d. N. N. Woller;
    5 Geschw, u. a. B Franz (* 1881), Adolf (1885–1959), Schw Lucie (1878–1942 Raasiku b. Reval, 1] Georg Benda, 1865–1904, RA, 2] Alfred Fuld-Traumann, 1864–1936, Bankier), Kaethe (1879–1912, Leo Königsberger, 1866–1942 Ghetto Theresienstadt, Bankier);
    1920 Lotte Edith Buss (Buß) (1900–52), emigrierte mit W. in d. ČSR u. n. Großbritannien;
    T Hilde Anne Middleton (1921–2009).

  • Biographie

    W. besuchte das Franz. Gymnasium in Berlin, ehe er nach dem frühen Tod der Mutter in Rudolstadt (Thür.) zur Schule ging. Dort legte er 1900 das Abitur ab und studierte anschließend Rechtswissenschaften in Berlin, München und Freiburg (Br.). Das Referendarsexa-| men bestand er 1903, im Anschluß war er Gerichtsreferendar in Luckenwalde (Brandenburg) und Berlin. 1904 wurde er in Würzburg zum Dr. iur. et Dr. rer. pol. promoviert. Anschließend als Einjährig-Freiwilliger im bayer. Heer (Unteroffz. 1905, Reseveoffz. 1906), leistete er 1914–18 Kriegsdienst (Oberlt. 1916, Rittmeister 1917). Im Herbst 1918 trat er auf Wunsch des preuß. Innenministers Bill Drews (1870–1938) in den Dienst des Polizeipräsidiums Berlin, wo er stellv. Leiter der Kriminalpolizei, seit 1920 als Oberregierungsrat Leiter der Abteilung IA (Politische Polizei) war. 1924 kurzzeitig in das preuß. Innenministerium versetzt, wurde er 1925 Regierungsdirektor und Chef der Berliner Kriminalpolizei und 1927 als Nachfolger Ferdinand Friedensburgs (1886–1972) Polizeivizepräsident von Berlin. Im Zuge des „Preußenschlags“ vom 20. 7. 1932 wurde W. kurzzeitig verhaftet und seiner Ämter enthoben, im Dez. 1932 erhielt er die Zulassung als Rechtsanwalt am Berliner Landgericht I. Im März 1933 floh W. vor nationalsozialistischer Verfolgung nach Prag und wurde am 25. 8. 1933 vom Dt. Reich ausgebürgert. 1934 ging er nach London, wo er in den folgenden Jahren zurückgezogen lebte; im Sept. 1939 war er für mehrere Wochen als „feindlicher Ausländer“ in Clactonon-Sea (Essex) interniert. Im Sept. 1949 kehrte er nach Berlin zurück, wo ihm Ernst Reuter (1889–1953) anbot, als „Berater für Polizeiangelegenheiten“ zu arbeiten. W. beantragte im April 1951 seine Wiedereinbürgerung, starb jedoch, bevor diese Rechtskraft erlangte.

    In den 1920er und frühen 1930er Jahren war W. eine über die Grenzen der Reichshauptstadt hinaus bekannte und in Berlin auch populäre Persönlichkeit, die sich große Verdienste bei der Modernisierung der preuß. Polizei erwarb. Wegen seines entschiedenen Einsatzes für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit und gegen den politischen Rechtswie Linksextremismus der Zeit wurde der liberale Demokrat W. (DDP-Mitgl.) zur Zielscheibe heftiger Angriffe. Der NS-Gauleiter von Berlin-Brandenburg, Joseph Goebbels(1897–1945), überzog W. seit 1927 mit antisemitischen Beleidigungen (Isidor), worauf dieser erfolgreich zahlreiche Strafverfahren gegen Goebbels anstrengte. W. war Mitglied im „Centralverein dt. Staatsbürger jüd. Glaubens“ (CV-Ver.), sprach sich noch im Juni 1932 für eine „selbstbewußte Abwehr“ des „zersetzenden Antisemitengeistes“ aus und forderte ein entschiedeneres Eintreten für die Gleichberechtigung von jüd. und nichtjüd. Deutschen.

  • Auszeichnungen

    |bayer. Prinzregent Luitpold-Medaille (1911);
    E. K. I. u. II. Kl.;
    bayer. Mil.verdienstorden IV. Kl. mit Schwertern;
    ghzgl. oldenburg. Friedrich-August-Kreuz I. u. II. Kl.;
    Mitgl. d. Internat. Kriminalpolizeil. Komm. (1927);
    – B.-W.-Medaille f. Verständigung u. Toleranz (seit 2007).

  • Werke

    |Der dt. RT u. seine Geschäftsordnung, 1908 (zugl. Diss. Würzburg 1907);
    VO über d. Wahlen z. vfg.gebenden dt. NV, Reichswahlgesetz, Nebst Wahlordnung, 1919;
    Über Glücksspiel, Spielklubs u. öff. Spielbanken, 1919;
    Gesetz z. Schutze d. Rep. v. 21. Juli 1922 mit d. Ausführungsverordnungen d. Reichs u. d. Länder, Einl. u. Erl. unter Berücksichtigung d. Rechtsprechung d. Staatsger.hofes v. Dr. B. W. u. F. Goehrke, 1923;
    Polizei u. Pol., 1928;
    Vorw. z. Sigmund Nelken, Publikum u. Verbrechen, Prakt. Ratschläge f. d. Selbstschutz, 1928;
    „Mehr Selbstbewußtsein“, Art. in: CV-Ztg. Nr. 23 v. 3. 6. 1932;
    Qu BayHStA, Abt. Kriegsarchiv (OP 51.391, Offz.akt B. W.);
    Landesarchiv Berlin.

  • Literatur

    |D. Bering, Von d. Notwendigkeit pol. Beleidigungsprozesse, Der Beginn d. Auseinandersetzungen zw. Polizeivizepräs. B. W. u. d. NSDAP, in: Berlin in Gesch. u. Gegenwart, Jb. d. Landesarchivs Berlin, 1983, S. 87–112;
    ders., Kampf um Namen, B. W. gegen Joseph Goebbels, 1991;
    W. T. Angress, B. W., A Jewish Public Servant in the Closing Years of the Weimar Republic, in: W. Benz (Hg.), Jüd. Leben in d. Weimarer Rep., 1998, S. 49–63;
    J. Rott, B. W., 1880 Berlin –1951 London, Polizeivizepräs. in Berlin, Preuß. Jude, Kämpfer, Demokrat, 2008;
    B. Weigel, in: W. Benz (Hg.), Hdb. d. Antisemitismus, Bd. 2, 2009, S. 880–82;
    Stiftung Neue Synagoge Berlin (Hg.), Die Berliner Gedenktafel f. B. W., 1880–1951, Polizeipräs. in Berlin, 2009;
    J. Rott, „Ich gehe meinen Weg ungehindert geradeaus“, Dr. B. W. (1880–1951), Polizeivizepräs. in Berlin, Leben u. Wirken, 2010;
    M. Berger, Dr. B. W., Sein Kampf f. Demokratie u. Rechtsstaat in d. Weimarer Rep., in: ders. (Hg.), Eisernes Kreuz, Doppeladler, Davidstern, Juden in dt. u. österr.-ungar. Armeen, 2010, S. 146–50;
    Rhdb. (P);
    BHdE I.

  • Porträts

    |Photogr. z. 50. Geb.tag v. G. Pahl, 1930 (BA, Bildarchiv).

  • Autor/in

    Daniel Siemens
  • Zitierweise

    Siemens, Daniel, "Weiß, Bernhard" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 685-686 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz140142.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA