Lebensdaten
1904 – 1991
Geburtsort
Baden-Baden
Sterbeort
Erfurt
Beruf/Funktion
Papierhistoriker ; Wasserzeichenforscher
Konfession
keine Angabe
Namensvarianten
  • Weiß, Wisso

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Zitierweise

Weiß, Wisso, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz140138.html [30.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Theodor (s. 1);
    M Josefine Kimmig;
    1) 1930 1938 Flora Geiling (1903–2001), 2) 1945 Herta Probst (1914–2001);
    1 T aus 1) Ursula (* 1932), Lehrerin, 2 S aus 2) Wisso Werner (* 1948), Dipl.-Volkswirt, Ulman (* 1949), Dr. phil. habil., Hist.

  • Biographie

    W. besuchte in Baden-Baden und in Engen (Hegau) die Volksschule, ab 1916 in Sasbach bei Achern das Humanistische Gymnasium der Lenderschen Lehranstalt. Nach dem Abitur am Gymnasium in Donaueschingen studierte W. in Tübingen, München, Freiburg (Br.) und Heidelberg Volkswirtschaft und wurde 1928 mit einer Dissertation über wohnungswirtschaftliche Fragen zum Dr. rer. pol. promoviert. Anschließend war er bei verschiedenen Wohnungsbaugesellschaften an-| gestellt, seit 1932 arbeitslos und nach Aushilfstätigkeiten 1936–49 mit Unterbrechung durch Militärdienst für die „Mitteldeutsche Heimstätte“ tätig.

    Da die Eltern seit 1939 bei ihm in Erfurt lebten, konnte W. mit dem Vater papiergeschichtliche Fragen bearbeiten. Nach dem Krieg und dem Tod des Vaters bemühte sich W., die umfangreichen papiergeschichtlichen Sammlungen dauerhaft zu erhalten. 1949 gab W. seinen Beruf auf und widmete sich ausschließlich der papiergeschichtlichen Forschung. Verschiedene Forschungsaufträge wie die vom Johann-Sebastian-Bach-Institut in Göttingen angeregte Untersuchung der Wasserzeichen in den Notenhandschriften J. S. Bachs wurden von staatlichen Einrichtungen, u. a. dem Ministerium für Kultur und der TH Dresden, finanziert. 1955 schloß W. einen Ergänzungsband der Bach-Werkausgabe (gedr. 1985) ab. In vielen Zeitungsartikeln warb er für die Wasserzeichenforschung und erstellte eine Monographie über „Thüringer Papiermühlen und ihre Wasserzeichen“ (1953). 1957 konnte W. die ererbte Privatsammlung in eine staatliche Einrichtung überführen, indem das Ministerium für Kultur der DDR diese ankaufte, in Greiz (Thür.) im Unteren Schloß das Dt. Papiermuseum einrichtete und W. mit der Leitung desselben beauftragte. Für Sammlung, Dokumentation, Ausstellungen und bibliographische Erfassung der papiergeschichtlichen Fachliteratur sollte es nicht nur um die Herstellung von Papier gehen, sondern auch um die erforderlichen Rohstoffe, um Verarbeitung, Handel, Verwendung und generell die Papierkultur aller Zeiten und Völker. Im Zentrum der Forschungsarbeit stand die Drucklegung des „Handbuchs der Wasserzeichenkunde“, das W. 1962 unter dem Namen seines Vaters veröffentlichte. Für eine optimale Literaturversorgung wurde mit Unterstützung des Museumsdirektors Fritz Funke (1920–2018) das Dt. Buch- und Schriftmuseum der Dt. Bücherei Leipzig ab 1964 neuer Standort der Sammlungen des Dt. Papiermuseums. W. war dort bis zu seiner Pensionierung 1969 tätig. Von Erfurt aus setzte er seine Forschungs- und Publikationstätigkeit bis 1991 fort. W. gehörte 1959 mit Fritz Blaser, Theo Gerardy, Robert Grosse-Stoltenberg, Armin Renker, Wolfgang Schlieder, Toni Schulte, Lore Sporhan-Krempel und Henk Voorn zu den Gründern der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Papierhistoriker (IPH) und zählte bis ins hohe Alter zu den aktiven Mitgliedern. W.s wissenschaftliche Leistung liegt darin, daß er im Unterschied zu anderen Wasserzeichenforschern wie Gerhard Piccard (1909–89) darauf beharrte, sowohl den handgeschöpften Wasserzeichen aus der Zeit nach 1600 als auch den Wasserzeichen in Maschinenpapier Bedeutung für Herkunftsbestimmungen und Datierung beizumessen. Die Leipziger Sammlungen haben daher heute eine einzigartige Funktion bei der Ermittlung und Bestimmung einschlägiger Wasserzeichenbelege für Philologie, Kunst-, Musik- und Druckgeschichte.

  • Auszeichnungen

    |Mitgl. d. Vorstands (1964) u. Ehrenmitgl. (1986) d. Internat. Arb.gemeinschaft d. Papierhistoriker e. V;
    Goldener Ehrenring d. Ver. Zellcheming (1986).

  • Werke

    Weitere W Die Sozialisierung d. Wohnungswesens, Diss. Heidelberg 1928, gedr. 1930;
    Zweck u. Aufgaben d. Dt. Papiermus., in: Papiergesch.forsch. in d. DDR, 1961, S. 16–30;
    Karl Theodor Weiss, Hdb. d. Wasserzeichenkde., 1962 (Bearb. u. Hg.);
    Wasserzeichen, in: H. Kümmerling, Kat. d. Slg. Bokemeyer, 1970, S. 283–423;
    Zeittafel z. Papiergesch., 1983;
    Kat. d. Wasserzeichen in Bachs Orig.hss., 1985 (mit Y. Kobayashi);
    Hist. Wasserzeichen, 1986;
    Aufss. im Gutenberg-Jb., 1944 / 49–90;
    Nachlaß: Dt. Buch- u. Schriftmus. d. Dt. Nat.bibl., Leipzig.

  • Literatur

    |P. F. Tschudin, In memoriam W. W., 1904–1991, in: Internat. paper hist., 1, 1991, Nr. 3, S. 40;
    F. Schmidt, Rückblick auf e. Forscherleben, Zum 100. Geb.tag d. Papierhist. u. Wasserzeichenforschers Dr. W. W., in: Wbl. f. Papierfabrikation 132, 2004, Nr. 1 / 2, S. 39–42;
    ders., Dt. Papiermus. Greiz 1957–1964, in: sph-Kontakte Nr. 98, Jan. 2014, S. 1–6;
    Qu Dt. Nat.bibl., Leipzig, Personalakte.

  • Autor/in

    Frieder Schmidt
  • Zitierweise

    Schmidt, Frieder, "Weiß, Wisso" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 684-685 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz140138.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA