Lebensdaten
1905 – 1975
Geburtsort
Langewiesen (Thüringen)
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Volkswirt ; Statistiker ; Abteilungsleiter im NS-Rüstungsministerium
Konfession
evangelisch
Namensvarianten
  • Wagenführ, Rolf Karl Willy
  • Wagenführ, Rolf
  • Wagenführ, Rolf Karl Willy
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Zitierweise

Wagenführ, Rolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz138076.html [01.03.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Alfred, Kaufm.;
    M Luise Luer;
    B Horst (1903–89), Dr. rer. pol., ao. Prof. f. Nat.ök., Finanzwiss. u. Statistik in Erlangen (s. Munzinger; Erlanger Professoren III);
    1) 1934 Margareta Ertel (1903–70), 2) 1972 Margot Köster;
    1 T aus 1), 1 Adoptiv-S aus 2).

  • Biographie

    W. legte 1924 sein Abitur in Neustadt an der Orla (Thür.) ab. Seit 1924 studierte er Nationalökonomie an den Universitäten Jena, Genf und Kiel. 1927 schloß er sein Studium in Jena ab (Dipl.-Volkswirt), wo er 1928 bei Wilhelm Röpke (1899–1966) über die „Geschichte und Theorie der Konjunktur in Rußland“ (gedr. 1929 u. d. T. „Die Konjunkturtheorie in Rußland“) zum Dr. rer. pol. promoviert wurde. Im selben Jahr holte ihn Ernst Wagemann (1884–1956) an das „Institut für Konjunkturforschung“ (seit 1941 Dt. Institut f. Wirtsch. forsch., DIW) nach Berlin, wo er seit 1938 Leiter der Abteilung Montanwirtschaft war. 1932 wurde W. durch seine Arbeit „Die Industriewirtschaft, Entwicklungstendenzen der deutschen und internationalen Industrieproduktion 1860–1932“ einer breiteren wissenschaftlichen Öffentlichkeit bekannt. 1934 veröffentlichte er das Lehrbuch „Statistik leicht gemacht“ (⁷1971). Im Febr. 1940 wurde W. Mitglied der NSDAP. 1942 / 43 arbeitete die gesamte Industrieabteilung des DIW für Hans Kehrl (1900–84) im Reichswirtschaftsministerium. Zwischen Herbst 1943 und Kriegsende war W. Leiter der Hauptabteilung V, Planstatistik, im Planungsamt des Reichsministeriums für Rüstung und Kriegsproduktion. Mit seiner wahrscheinlich im Sommer 1945 verfaßten und 1955 vom DIW ohne Nennung des Verfassers herausgegebenen Monographie „Die deutsche Industrie im Kriege 1939 bis 1945“ (2. Aufl. mit Nennung d. Autors 1963, Nachdr. 2006) prägte W. bis in jüngste Zeit die wirtschaftshistorische Vorstellung von einem „Rüstungswunder“ unter Rüstungsminister Albert Speer. Neuere Forschungen zeigen allerdings, daß W.s bis heute verwendeter Rüstungsindex die dt. Rüstungsproduktion seit 1942 wegen der darin enthaltenen Lieferungen aus den besetzten Gebieten systematisch überschätzte.

    1945 war W. am Aufbau eines statistischen Zentralamts für die sowjet. Besatzungszone beteiligt. Informationen über ein Entnazifizierungsverfahren liegen nicht vor. Im Sommer 1945 ließ ihn die amerik. Overall Economic Effects Division, die von John Kenneth Galbraith (1908–2006) geleitet wurde und zu der auch der dt. Wirtschaftshistoriker Jürgen Kuczynski (1904–97) zählte, von Berlin nach Bad Homburg entführen, um ihn einige Tage für das United States Strategic Bombing Survey zu befragen. Seit 1946 fungierte W. als Abteilungsleiter, seit Juli 1948 als Direktor des Statistischen Amts der brit. Besatzungszone in Minden. 1950–52 war er stellv. Leiter des Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts der Gewerkschaften in Köln, 1952–57 leitete er die Hauptabteilung Statistik der Hohen Behörde der Europ. Gemeinschaft für Kohle und Stahl, 1958–66 war er der erste Generaldirektor des Statistischen Amtes der Europ. Wirtschaftsgemeinschaft in Luxemburg. W. leistete in beiden Ämtern einen wesentlichen Beitrag zum institutionellen Aufbau der europ. Statistik.

    Im Sept. 1957 wurde W. auf den Lehrstuhl für Statistik an der Univ. Heidelberg berufen. Dort begründete er das Institut für International Vergleichende Wirtschafts- und Sozialstatistik, dessen Direktor er bis 1975 blieb. 1957–60 hatte W. zudem den Robert-Schumann-Lehrstuhl am Europa-Kolleg in Brügge inne.

  • Auszeichnungen

    |Hon.prof. (Univ. Wien 1960);
    Gr. BVK (1967);
    Orden d. eichenen Krone d. Ghzgt. Luxemburg, Kl. Kommandeur (wahrsch. 1967).

  • Werke

    Weitere W Kriegswirtsch., 1935;
    Mensch u. Wirtsch., Eine Nat.ök. f. Jedermann, 1952;
    Das Arb.einkommen d. Industrien d. Gemeinschaft im Realvgl., 1956;
    Der internat. wirtschaftl. u. soz.statist. Vgl., 1959;
    Wirtsch.- u. Soz.statistik, 2 Bde., 1970 / 73.

  • Literatur

    |H. Strecker u. W. R. Bihn, Die Statistik in d. Wirtsch.forsch., Festgabe f. R. W. z. 60. Geb.tag, 1967;
    I. Esenwein-Rothe, Zum Gedächtnis an R. W., in: Statist. Hh. 1975, S. 227–32;
    G. Menges u. R. Zwer, Probleme internat. wirtsch.- u. soz.statist. Vergleiche, R. W. z. Gedächtnis, 1981 ( W.-Verz. S. 493–501);
    A. Tooze, Statistics and the German State 1900–1945, 2001;
    J. Scherner u. J. Streb, Das|Ende e. Mythos? Albert Speer u. d. so gen. Wirtsch.wunder, in: VSWG 93, 2006, S. 172–96;
    dies., The Mirage of the German Armament Miracle in World War II, in: J. Eloranta u. a., Economic Hist. of Warfare and State Formation, 2016, S. 243–58;
    R. Fremdling, Zur Bedeutung nat.sozialist. Statistiken u. Statistiker n. d. Krieg, R. W. u. d. United States Strategic Bombing Survey, in: Jb. f. Wirtsch.gesch. 57, 2016, H. 2, S. 589–613;
    Drüll, Heidelberger Gelehrtenlex. IV.

  • Quellen

    Qu Nachlaß: R. W. 1920–1956, Wirtsch.archiv Baden-Württ., Stuttgart-Hohenheim, Bestand N 10.

  • Porträts

    |Photogrr. (Univ.archiv Heidelberg, Bildarchiv).

  • Autor/in

    Jochen Streb
  • Zitierweise

    Streb, Jochen, "Wagenführ, Rolf" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 196-197 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz138076.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA