Lebensdaten
1715 bis 1762
Geburtsort
Quedlinburg
Sterbeort
Quedlinburg
Beruf/Funktion
Ärztin
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118685384 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Erxleben, Dorothea Christiane
  • Leporin, Dorothea (geborene)
  • Leporin, Dorothea Christiane (geborene)
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Zitierweise

Erxleben, Dorothea, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118685384.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christian Polycarp Leporin (1689–1747), Arzt in Aschersleben, später Stadtphysikus in Quedlinburg, Vf. med. u. biogr. Schrr., S des Pfarrers Christian Wichmann Leporinus in Dreileben b. Magdeburg;
    M Anna Sophia (1680–1757), T des Albert Meinecke (1630–1719), Hauptpfarrer u. Konsistorialrat in Quedlinburg, u. der Dor. Maria Heimburger;
    B Christian Polykarp Leporin (1717–91), Arzt in Nienburg/Weser;
    1742 Joh. Christian Erxleben (1697–1759), Diakonus in Quedlinburg;
    2 S, 2 T, u. a. Joh. Christian Polykarp (1744–77), Prof. der Physik in Göttingen, Vf. wiss. Abhh. u. mehrerer naturwissenschaftlicher u. tierärztlicher Unterrichtswerke, die auch noch nach s. Tode häufig aufgelegt wurden, Joh. Heinr. Christian (1753–1811), Prof. der Rechte in Marburg (s. ADB VI); 4 Stiefkinder; Enkel Frdr. Wigand (1788–1855), Pharmazeut.

  • Leben

    E. ist die erste Frau in Deutschland, die den medizinischen Doktorgrad erwarb. Seit Kindheit zart und oft kränklich, zeigte sie bei ungewöhnlichen geistigen Anlagen früh Neigung zu wissenschaftlichen Studien. Ihre erstaunliche Beherrschung des Lateinischen verdankte sie dem Unterricht von Rektor und Konrektor der Quedlinburger Ratsschule, ihre Kenntnisse in den Naturwissenschaften dem des Vaters, der sie gemeinsam mit dem Bruder in theoretischer und praktischer Medizin unterwies. Der Wunsch, an der Seite des Bruders Medizin zu studieren, mußte zurückgestellt werden, als er zum Militärdienst einberufen wurde. Eine spätere Beurlaubung zum Studium und zugleich erneute Anforderung durch sein Regiment|brachte solche Schwierigkeiten, daß der Bruder auf kursächsisches Gebiet flüchtete. Da überreichte E. anläßlich der Erbhuldigung zum Regierungsantritt Friedrichs II. von Preußen neben einigen Versen eine Bittschrift, worin um die Freistellung des Bruders für seine Ausbildung und die Erlaubnis des eigenen Studiums in Halle gebeten wurde. Die Genehmigung erfolgte schnell und äußerst wohlwollend, aber E. machte zunächst keinen Gebrauch davon, sondern heiratete den verwitweten Diakonus E. mit 4 Kindern aus erster Ehe. Trotz des großen Aufgabenkreises hat die als liebevolle Mutter und tüchtige Hausfrau geschilderte Frau Pastorin die erscheinenden Werke der Medizin durchgearbeitet und auch ihre praktisch-ärztlichen Kenntnisse vertieft. Die Anzeige einiger Quedlinburger Ärzte war der Anlaß, daß am 12.6.1754 im Hause des Dekans der Hallischen Medizinischen Fakultät die feierliche Promotion der E. zum Dr. med. stattfand, nachdem ihre Leistungen im Examen rigorosum höchstes Lob der Prüfenden gefunden hatten. Bis zu ihrem frühen Tode übte die „Quedlinburger Doktorin“ eine ausgedehnte Praxis aus.

  • Werke

    Gründliche Unters. d. Ursachen, die d. Weibl. Geschl. v. Studiren abhalten. Darin deren Unerheblichkeit gezeiget, u. wie möglich, nöthig u. nützlich es sey, Daß dieses Geschl. d. Gelahrtheit sich befleisse…, Berlin 1742 (mit Vorwort d. V), unbefugt nachgedr. ohne Angabe d. Vf. u. ohne Vorwort u. d. T.: Vernünftige Gedanken v. d. Studium d. schönen Geschl., Frankfurt u. Leipzig 1749;
    Dissertatio inauguralis medica exponens quod nimis cito ac jucunde curare fiat caussa minus tutae curationis, Halle 1754, etwas erweitert u. ins Deutsche übers. u. d. T. Academische Abh. v. d. gar zu geschwinden u. angenehmen, aber deswegen öfters unsichern Heilung d. Krankheiten, ebd. 1755.

  • Literatur

    ADB VI;
    J. Juncker, „Programmata“ zur Diss. d. D. Ch. E., geb. L., Halle 1754;
    H. Schelenz, Frauen im Reiche Aesculaps, 1900;
    W. Fischer-Defoy, Die Promotion d. ersten dt. Ärztin, D. Ch. E., u. ihre Vorgesch., in: Archiv f. Gesch. d. Med. 4, 1911, S. 440-61;
    E. Heischkel, D. Ch. E., e. Vorkämpferin f. d. Frauenstudium im 18. Jh., in: Die Ärztin, 1940, Nr. 11, S. 329 ff. (P);
    W. Schönfeld, Frauen in d. abendländ. Heilkde. v. klass. Altertum bis z. Ausgang d. 19. Jh., 1947, S. 118-28 (P);
    L. Knabe, Die erste Promotion e. Frau in Dtld. z. Dr. med. a. d. Univ. Halle 1754, in: 450 J. Martin-Luther-Univ. Halle-Wittenberg II, 1952, S. 109-24 (L, Qu., P);
    R. Zaunick, D. Ch. E. geb. L…, in: Zs. f. ärztl. Fortbildung 48, 1954, S. 780-86 (P);
    E. Kraetke-Rumpf, Die Quedlinburger Doktorin, 1939 (P, Roman);
    BLÄ (auch f. Fam.). – Zu S Joh. Chrstn. Polykarp: ADB VI;
    M. Speter, J. Ch. P. E., d. erfolgreiche Bekämpfer d. „Acidum pingue“…, in: Isis 27, 1937, S. 11-19;
    Pogg. I.

  • Portraits

    Gem. (Heimatmus. Quedlinburg), Abb. b. Heischkel, Knabe, Zaunick (s. L).

  • Autor/in

    Liselotte Buchheim
  • Empfohlene Zitierweise

    Buchheim, Liselotte, "Erxleben, Dorothea" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 637 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118685384.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Erxleben: Dorothea Christine E., geborene Leporin, den 13. Nov. 1715 in Quedlinburg geboren, wo ihr Vater Christian Polykarp Leporin als Arzt lebte, ist die erste Frau in Deutschland, welche den medicinischen Doctorhut getragen hat. Ihre vorzüglichen geistigen Anlagen und ihre ausgesprochene Hinneigung zu einer Beschäftigung mit den Wissenschaften veranlaßten deren Vater, sie in der Medicin auszubilden, und zwar mit so glänzendem Erfolge, daß er sich an den König von Preußen mit der Bitte wandte, gestatten zu wollen, daß seine Tochter behufs Erlangung der Doctorwürde und der Venia practicandi vor der Facultät in Halle einem Examen rigorosum unterworfen würde. Die Genehmigung dieses Gesuches erfolgte im J. 1741, vorläufig aber machte die Dame von derselben keinen Gebrauch, da sie sich inzwischen mit dem Prediger Johann Christian E. verlobt hatte und im Jahre darauf verheirathete, übrigens zur selben Zeit in einer kleinen Schrift ("Gründliche Untersuchung der Ursachen, die das weibliche Geschlecht vom Studiren abhalten“, 1742, unter verändertem Titel in zweitem Abdrucke 1749 erschienen) die Frage über das Studium der Wissenschaften seitens des schönen Geschlechts behandelte. Erst 12 Jahre später meldete sich Frau E. bei der medicinischen Facultät in Halle unter Einreichung einer Dissertation „Quod nimis cito ac quounde curare saepius fiat caussa minus tutae curationis“, Hal. 1754 (in deutscher Uebersetzung und erweiterter Auflage ib. 1755), behufs Ablegung des Examen, wurde auf Grund desselben zum Doctor med. creirt und soll bis zu ihrem am 13. Juni 1762 erfolgten Tode in ihrer Vaterstadt die ärztliche Praxis mit vielem Glücke ausgeübt haben|Sie hinterließ zwei Söhne, Johann Christian Polykarp, später berühmter Naturforscher, und Johann Heinrich, Professor der Jurisprudenz in Marburg.

  • Autor/in

    A. Hirsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hirsch, August, "Erxleben, Dorothea" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 334-335 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118685384.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA