Lebensdaten
1886 bis 1973
Geburtsort
Aufhausen bei Nördlingen
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Jurist ; Bankier ; Präsident der Bank deutscher Länder
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118768832 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Vocke, Wilhelm August Theodor
  • Vocke, Wilhelm
  • Vocke, Wilhelm August Theodor
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Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Vocke, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118768832.html [06.04.2020].

CC0

  • Genealogie

    V August (1859–1901), aus Mosbach b. Feuchtwangen, ev. Pfarrer in A. u. in Mosbach b. Feuchtwangen, S d. Wilhelm (1820–1905/06), aus Ansbach, Jur., Oberrechnungsrat, Mitgl. d. Rechnungshofs d. Dt. Reiches in Potsdam, Dr. h. c. (s. Fränkische Lebensbilder VI, 1960, S. 596–604), u. d. Caroline Bomhard;
    M Amalia (Amélie) Arnold (1861–1933), aus Ansbach; UrGvv Christian v. Bomhard (1785–1862, bayer. Personaladel 1858), Philol., 1817 Prof. am Gymn. in Ansbach, 1824–39 Rektor, Schulrat (s. ADB III; Fränkische Lebensbilder I); 2 B; Gut Schependorf (Meckl.) 1911 Frida (1885/87–1986), studierte 1909/10 Germanistik in Rostock, T d. Christian Ortmann, Rr.gutsbes. in Schependorf, Lt.; 1 S Harald (1927–2007), Dr. phil., Archäol., Arabist, Dipl., Journ., Korrespondent d. FAZ in Beirut, Übers., Schriftst., Nachlaß in d. Bibl. d. Zentrum Moderner Orient in Berlin (s. FAZ v. 14. 2. 2007), 5 T.

  • Leben

    Nach der Gymnasialzeit in Ansbach (Abitur 1904) studierte V. seit 1904 Rechtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Erlangen, Rostock, Berlin und Göttingen und schloß 1908 mit einer jur. Dissertation (Auslegungsregeln u. subsidiärer Rechtssatz, 1909) in Erlangen und dem bayer. Staatsexamen 1911 ab. Nach Tätigkeiten als Assessor 1911 und im Finanzamt Würzburg 1912 wechselte V. im selben Jahr ins Reichspatentamt, von dort 1913 zum Bankenreferat im Reichsamt und 1918 (zunächst als Assessor, seit Aug. 1918 ksl. Reg.rat, 1919 Geh. Finanzrat) zum Reichsbankdirektorium, dessen Mitglied er im Aug. 1919 wurde. Zuständig u. a. für Währungsfragen, war V. wesentlich an der Stabilisierung der Mark 1923 beteiligt: Zusammen mit Karl Helfferich (1872–1924), Hans Luther (1879–1962) und Hjalmar Schacht (1877–1970) arbeitete er mit an der Währungsreform und am Reichsbankgesetz. 1924 wiederernannt zunächst für zwölf Jahre, wirkte V. 1929/30 als Delegationsmitglied an den Verhandlungen zum Young-Plan für die dt. Reparationen mit und war 1930–38 stellv. Verwaltungsratsmitglied der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die im Zuge des Young-Plans gegründet wurde, um die Zusammenarbeit der Zentralbanken zu verbessern.

    Unter der NS-Regierung unterstützte die Reichsbank – nach V.s eigenen Bekunden gegen seinen Widerspruch – die Aufrüstung des Dritten Reichs finanziell durch das Programm der Mefo-Wechsel, als Handelswechsel der 1934 u. a. von der Reichsbank gegründeten Scheinfirma „Metallurgische Forschungsgesellschaft mbH“ ausgegebene, tatsächlich aber vom Reich garantierte Schatzwechsel. Das Ausufern des Programms und zunehmende Inflationsgefahren veranlaßten das Reichsbankdirektorium Anfang Januar 1939 zu einem Schreiben an Hitler, das die Einstellung der Defizitfinanzierung und ein Drosseln der Aufrüstung forderte. Dieser Brief, nach V.s Memoiren auf seine Initiative und von ihm selbst verfaßt, führte zur Entlassung des Direktoriums Anfang 1939 und zum Verlust jeder noch verbliebenen Unabhängigkeit der Reichsbank von der Politik. V., Mitglied der NS-Volkswohlfahrt und des Reichsbunds Dt. Beamter (1933), lebte seitdem bis Kriegsende als Privatmann.

    V. wurde 1946 von der brit. Militärregierung als stellv. Leiter der Reichsbankleitstelle in|Hamburg reaktiviert und war 1948 als erster Präsident der „Bank deutscher Länder“ (BdL) maßgeblich beteiligt an der westdt. Währungsreform mit der Einführung der D-Mark. Wiedergewählt für fünf Amtsperioden, machte er sich für eine unabhängige Geldpolitik stark und geriet mehrfach in Gegensatz zu Konrad Adenauer (1876–1967), dessen Druck auf politisch motivierte Zinssenkungen er erfolgreich widerstand. 1950–57 war er, als einer der ersten Deutschen nach 1945 wieder in ein wichtiges internationales Finanzgremium gewählt, Verwaltungsratsmitglied der BIZ in Basel, 1952–57 amtierte er als Dt. Gouverneur beim Internationalen Währungsfond, Washington. 1957 wurde er für mehrere Monate gemeinsam mit Karl Bernard (1880–1972) kommissarischer Leiter der Bundesbank bis zur Wahl ihres ersten Präsidenten, Karl Blessing (1900–71). Seit 1958 im Ruhestand, war V. 1958/59 als Berater des pakistan. Finanzministeriums tätig und nahm verschiedene Aufsichtsratsmandate wahr.

  • Auszeichnungen

    A E. K. II. Kl. am weiß-schwarzen Bande; Medaille z. Erinnerung an d. 13. März 1938; Mitgl. d. Verw. rats d. Kreditanstalt f. Wiederaufbau, Frankfurt/M. (1948); Dr. rer. pol. h. c. (Frankfurt/M. 1954); Großkreuz d. argentin. Ordens al Mérito (1954); Großkreuz d. griech. Phoenix-Ordens (1955); Gr. BVK mit Stern u. Schulterband (1956), Großkreuz (1957); Großkreuz d. kuban.Verdienstordens Carlos Manuel de Céspedes (1957); pakistan. Orden Hilal-i-Pakistan (1959); Ehrenpräs. d. Hermann-Lindrath-Ges. (1964).

  • Werke

    W Bankgesetze, in: Hdwb. d. Rechtswiss., hg. v. F. Stier-Somlo u. A. Elster, Bd. 1, 1926, S. 519–25;
    Banknoten, ebd., S. 525–27;
    Reichsbank, ebd., Bd. 4, 1927, S. 790–94;
    Das erste J. d. neuen Währung, in: Zs. f. d. gesamte Kreditwesen 2, 1949, S. 271–73;
    Die Währung d. Sparers, ebd. 3, 1950, Sonderdruck Mai 1950;
    Die Bewährungsprobe d. D-Mark, ebd. 4, 1951, S. 266–68;
    Die soz. Funktion stabilen Geldes, ebd. 5, 1952, S. 338–41;
    Stabiles Geld, soz. Geld, ebd., S. 492 f.;
    Schwieriger Start d. neuen Zentralbank, ebd. 26, 1973, S. 549–51;
    Gesundes Geld, Ges. Reden u. Aufss. z. Währungspol., ²1956 (P);
    Um d. Stabilität d. Währung, 1957;
    Der Preis f. e. stabile Währung, 1958;
    Stabile Währungen im Strudel d. modernen pol. Kraftströme, d. wirtsch. Expansion u. d. soz. Machtkämpfe, in: Währung zw. Pol. u. Wirtsch., Vortrr. u. Diskussionen auf d. v. 5.-7. April 1962 in Bad Kreuznach v. d. Friedrich-Naumann-Stiftung veranstalteten 10. Arb.tagung, 1962, S. 5–46;
    Der Weg z. nat. u. internat. Stabilerhaltung d. Geldwertes, Vortr., gehalten anläßlich d. Mitgll.verslg. d. Vereinigung Ind. Kraftwirtsch. am 12. Okt. 1962, 1962;
    Adenauer u. d. Wirtsch., in: Adenauer u. d. Folgen, hg. v. H.-J. Netzer, 1965, S. 149–58;
    Autobiogr.: Memoiren, 1973 (P).

  • Quellen

    Qu Hist. Archiv d. Dt. Bundesbank, hier auch Nachlaß; Pressearchiv d. Dt. Bundesbank; BA Berlin.

  • Literatur

    L Klimesch (P);
    Wi. 1973;
    GR W. V., Hüter d. Währung, Zum hundertsten Geb.tag am 9. Febr. 1986, 1986 (P);
    Munzinger;
    Frankfurter Biogr.;
    Lb. Ries, S. 610–21 (P).

  • Autor/in

    Albrecht Ritschl
  • Empfohlene Zitierweise

    Ritschl, Albrecht, "Vocke, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 837-838 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118768832.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA