Lebensdaten
um 1090 bis 1154
Beruf/Funktion
Bischof von Oldenburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 121523403 | OGND | VIAF: 281370427
Namensvarianten
  • Vicelinus
  • Vizelin
  • Wizelin
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Zitierweise

Vicelin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121523403.html [20.10.2020].

CC0

  • Leben

    V. stammte aus Hameln im Bistum Minden, wo seine früh verstorbenen Eltern ansässig waren. Wie Helmold von Bosau (um 1120–n. 1177), der V. persönlich kannte, betont, waren sie sicherlich nicht adligen Standes („genitus est parentibus morum magis honestate quam carnis et sanguinis nobilitate adornatis“, Kap. 42). Möglicherweise standen die Eltern in einer Dienstbeziehung zu den Grafen von Everstein, auf deren Burg (bei Holzminden im Weserbergland) V. zeitweilig aufwuchs, nachdem er die Schule des Kollegiatstifts St. Bonifatius zu Hameln besucht hatte. Nach mehrjährigem Besuch der Paderborner Domschule wurde V. in das Bremer Domkapitel aufgenommen. Dort leitete er spätestens seit 1118 „mit großer Strenge“ (Helmold) die Schule und erscheint noch in einer vor 1122/23 ausgestellten Urkunde als „scolasticus“ unter den Zeugen. Danach ging V. mit seinem Schüler Thetmar ( 1152) für drei Jahre zum Studium nach Laon. Insbesondere die Begegnung mit Norbert von Xanten ( 1134), dem Leiter des nahe gelegenen Stifts Prémontré, wurde prägend für V.s weiteren Lebensweg. Von Norbert, seit Juni/Juli 1126 Ebf. von Magdeburg, am 25. 7. 1126 zum Priester geweiht, wurde er von Ebf. Adalbero von Hamburg-Bremen ( 1148) mit der Mission der wagrischen Abodriten beauftragt, die aber der Tod des Fürsten Heinrich von Alt-Lübeck (* um 1093) 1127 verhinderte. Daraufhin gründete V. im dt.-slaw. Grenzraum in Wippenthorp (slaw. Faldera), dem späteren Neumünster, ein Augustiner-Chorherrenstift. Dabei erhielt er die Unterstützung Ks. Lothars III. von Süpplingenburg (1075–1137), den V. vielleicht schon als Vogt des Stifts Hameln kennengelernt hatte. Der Kaiser ließ 1134 auf V.s Rat in Segeberg an der Trave eine Burg und ein Stift errichten, das wie Neumünster den Gewohnheiten der Augustiner-Chorherren folgte. Deren asketische Lebensweise war von einem starken missionarischen Impetus getragen. Nach der Neugründung des Bistums Oldenburg 1149 wurde V. von Ebf. Hartwig I. von Hamburg-Bremen ( 1168) am 25. 9. zum Bischof geweiht, blieb jedoch zugleich Propst der Stifte Neumünster und Segeberg, bis er wohl 1152 die Personalunion aufhob. Das Stift Segeberg, das im Bistum Oldenburg lag, mußte in Folge der Bedrohung durch die Slawen vorübergehend nach Högersdorf verlegt werden, wo V. 1149/50 die neue Stiftskirche weihte. Eine Zehntschenkung an dieses Stift ist die einzige von Bischof V. erhaltene Urkunde. Die Lebensweise der Chorherrengemeinschaften von Neumünster und Segeberg folgte neben V.s persönlichen Weisungen („monita“) wohl der als „ordo monasterii“ bezeichneten, strengeren Fassung der Augustinerregel. V. wirkte unablässig, doch unter schweren Rückschlägen als Buß- und Glaubensprediger bei Holsten und Slawen, worüber v. a. die „Chronica Slavorum“ des Helmold von Bosau Zeugnis ablegt; wegen des Konflikts um Ausstattung und Besetzung der nordelbischen Bistümer wurde er erst Ende 1150 von Hzg. Heinrich dem Löwen (1129–95) in Lüneburg mit dem Bistum Oldenburg (1160 nach Lübeck verlegt) investiert.

    Über die Wirksamkeit V.s als Diözesanbischof ist nur wenig bekannt; welche Gotteshäuser tatsächlich zu den „Vicelinskirchen“ gehören, die von ihm laut späterer Tradition errichtet worden sein sollen, ist umstritten. Nach einem zweiten Schlaganfall 1152 gelähmt, starb er zwei Jahre später und wurde in Neumünster begraben. Im Zuge der Verlegung dieses Stifts nach Bordesholm wurden|seine Gebeine wohl 1332 dorthin überführt („De translacione Vicelini“, 15. Jh.). Dort wurde V. bis zur Einführung der Reformation und der Aufhebung des Stifts 1566 als Heiliger verehrt. Auch im Stift Segeberg dürfte er verehrt worden sein, doch ist darüber aufgrund des nahezu völligen Verlustes des Archivs nach der Reformation nichts Näheres bekannt. Sein Festtag ist der 12. Dez.

  • Quellen

    Qu Urk.b. d. Bisthums Lübeck, hg. v. W. Leverkus, T. 1, 1856; Scriptores minores rerum Slesvico-Holtsatensium 1, 1875; Schleswig-Holstein.-Lauenburg. Regg. u. Urkk., Bd. 1, hg. v. P. Hasse, 1886; Helmolds Slavenchronik, bearb. v. B. Schmeidler, Anhang: Die Verse über d. Leben V.s u. d. Brief Sidos, MGH SS rer. Germ. 32, 31937; Regg. d. Erzbischöfe v. Bremen, Bd. 1 (787–1306), bearb. v. O. H. May, 1937; Regg. Pontificum Romanorum, Germania Pontificia, vol. VI: Provincia Hammabvrgo-Bremensis, bearb. v. W. Seegrün u. Th. Schieffer, 1981; Series episcoporum ecclesiae catholicae occidentalis […], series V: Germania, tomus 2: Archiepiscopatus Hammaburgensis sive Bremensis, hg. v. St. Weinfurter u. O. Engels, 1984, S. 63 f.

  • Literatur

    L E. Hoffmann, V. u. d. Neubegründung d. Bm. Oldenburg/Lübeck, in: Lübeck 1226, Reichsfreiheit u. frühe Stadt, hg. v. O. Ahlers u. a., 1976, S. 115–42;
    W. Lammers, Das Hochma. bis z. Schlacht v. Bornhöved, 1981;
    K. Elm, Christi cultores et novelle ecclesie plantatores, in: Gli inizi del cristianesimo in Livonia-Lettonia (Pontificio comitato di scienze storiche, Atti e documenti 1), 1989, S. 127–70;
    E. Bünz, Sido v. Neumünster, in: Vf.-Lex. MA 2 VIII, 1992, Sp. 1152–54 ff.;
    ders., „Versus de vita Vicelini“, ebd. 10, 1999, Sp. 310–13;
    ders., Zwischen Kanonikerreform u. Ref., Anfänge, Blütezeit u. Untergang d. Augustiner-Chorherrenstifte NeumünsterBordesholm u. Segeberg, 2002;
    U. Hoppe, in: Ver. f. kath. KGesch. in Hamburg u. Schleswig-Holstein, Btrr. u. Mitt. 6, 1999, S. 7–126;
    Braunschweig. Biogr. Lex. II;
    BBKL XII;
    LexMA;
    LThK 3 ; Schleswig-Holstein Lex. (P).

  • Portraits

    P V. als Bf. u. Kirchenstifter, Holzstatue, Ende 15. Jh. (Bosau, Kirche), Abb. in: Schleswig-Holstein Lex.

  • Autor/in

    Enno Bünz
  • Empfohlene Zitierweise

    Bünz, Enno, "Vicelin" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 836-837 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121523403.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Vicelin, Apostel der Wagrier. Er war geboren in der Stadt Hameln, gegen Ende des 11. Jahrhunderts. Nähere Angabe findet sich nicht. Seine Eltern, bürgerlichen Standes, waren früh gestorben. Eine Gräfin v. Eberstein, in der Nähe von Holzminden, nahm sich des Jünglings an. Er hatte erst einigen Unterricht von den Domherren seiner Vaterstadt genossen, jedoch nur mangelhaft, und setzte jetzt seine Studien in Paderborn fort, namentlich war Mag. Hartmann hier sein Lehrer. Er ward nun erst Lehrgehülfe des Vorstehers der Klosterschule hier. Ein Oheim von ihm, der als frommer Priester in der Nähe lebte und wirkte, übte in dieser Zeit einen wesentlichen Einfluß auf ihn in seiner religiösen Stimmung. Dann folgte V. einem Ruf als Lehrer nach Bremen durch Erzbischof Friedrich. Ungeachtet er hier recht streng in seiner Disciplin gegen die Zöglinge verfuhr, fand seine Wirksamkeit doch reiche Anerkennung. Von hier soll er sich auf drei Jahre zu weiterer Ausbildung nach Frankreich begeben haben und namentlich durch die Gebrüder Laon sehr gefördert worden sein, wie sein Schüler, der Pfarrer Helmold von Bosau in seiner Chronik der Slaven berichtet. Dies ist freilich von Schirren in Zweifel gezogen, aber von W. v. Giesebrecht wieder als zuverlässig anerkannt. Zum Priester geweiht, erbat er sich vom Hamburger Erzbischof die Erlaubniß, den heidnischen Wenden das Evangelium zu verkünden. Eine ihm angetragene Domherrnstelle lehnte er ab. Der christliche Wendenkönig Heinrich nahm den Missionar freundlich auf und übergab ihm die Kirche in Alt-Lübeck. Seine Wirksamkeit war indeß nur eine kurze, indem, nach der Ermordung dieses Königs ein Bürgerkrieg ausbrach und V. nach Bremen zurück mußte. Inzwischen begleitete V. den Erzbischof Adalbert nach Meldorf und hier trafen Abgesandte aus dem Gau Faldern ein,|die um einen Geistlichen baten. V. ward infolgedessen das Pfarramt in Wippendorf (später Neumünster) übertragen 1125, an der Grenze des Wendenlandes und mit der Aufgabe von hier aus die Mission unter den Slaven zu fördern. Seine Wirksamkeit ist hier auch eine vielgesegnete gewesen. Es bildete sich eine klösterliche Genossenschaft, nach der Regel des Augustinus, ein monasterium (daher der Name Neumünster), zu dem Viele herbeiströmten. (Die Bestätigungsurkunde vom Jahre 1136 durch den Erzbischof bei Westphalen, monumenta inedita II, 9. Staatsbürgerl. Magazin VIII, 264.) Die von V. ausgesandten Priester kamen auch in den Besitz der Kirche von Alt-Lübeck und bei der Siegesburg d. i. Segeberg ward eine Missionsstation angelegt. Kaiser Lothar hatte nämlich dort auf dem Aelberg 1134 eine feste Burg zur Sicherung der deutschen Herrschaft und des Christenthums mit starker Besatzung anlegen und am Fuße desselben eine Klosterkirche erbauen lassen, die er dann zugleich mit der in Lübeck dem V. übergab. Dieser fing nun auch hier seine Wirksamkeit an. Aber nach dem bald erfolgten Tode Lothar's, 1137, brachen neue Unruhen aus. Die Burg, die Heinrich v. Badwide inne hatte, ward von Pribislaus zerstört und die christlichen Priester mußten nach Wippendorf zurückfliehen. Graf Heinrich v. Badwide stellte indeß 1139 die Ruhe wieder her. Heinrich der Löwe sprach nun 1142 dem Grafen Adolf v. Holstein das ganze Wagrierland zu und dieser nahm es jetzt in Besitz. Er stellte die Siegesburg wieder her, rief deutsche Colonisten ins Land und gründete ein Neu-Lübeck an Stelle des alten wendischen. V. erhielt die früheren Kirchengüter zurück, verlegte jedoch das Kloster Segeberg nach Hagerestorp d. i. Högersdorf am jenseitigen Ufer der Trave. In Segeberg legte er eine Pfarrkirche an und die Christianisirung schritt im Ganzen fort. Auch die heidnischen Obotriten hielten Frieden, indem Graf Adolf sich mit ihrem Fürsten Niclas verbündete. 1147 traten jedoch neue Unruhen ein. Um nicht den Sachsen verdächtig zu werden, hob Adolf das Bündniß mit Niclas auf, worauf dieser einen Einfall in Wagrien machte, Tod und Zerstörung bringend, bis die Friesencolonie Süsel die Obotriten verjagte. Der Friede ward wieder hergestellt. V. bekam seine Besitzungen wieder und nahm sich nun der Armen kräftig an. Von seinen Klöstern aus war er bemüht, die Noth soviel als möglich zu lindern. Nachdem dann Heinrich der Löwe wieder die Oberherrschaft über das Slavenvolk gewonnen, stellte auch der Erzbischof von Hamburg, Hartwig die früheren Bisthümer wieder her und ernannte V. zum Bischof von Aldenburg (Oldenburg in Holstein) mit dem Kirchsprengel Wagrien 1149. Herzog Heinrich und Graf Adolf verweigerten ihm indeß die Anerkennung und sperrten seine Einkünfte, da er ohne ihr Zuthun ernannt war. V. setzte zwar erst seine Thätigkeit, wenn auch bereits mit Altersschwachheit und ohne gerade großen Erfolg fort, unterwarf sich jedoch zuletzt, um des willen, der sich für uns gedemüthigt, dem Grafen und ließ sich von ihm belehnen. Ihm wurde nun Buzoe (Bosau) überlassen, wohin er zog und wo er eine Kirche St. Petri baute. Es war nun Friede im Lande und durch Gottes Gnade wuchs die neue Pflanzung allmählich. Noch einmal machte V. sich auf und reiste 1152 zum Kaiser Friedrich Rothbart nach Merseburg, um den Investiturstreit zu Ende zu bringen. Er hielt sich dann noch eine Zeit lang in Bosau auf, in dessen Umgebung immer mehr für das Christenthum gewonnen wurden. Darauf kehrte er nach Wippendorf zurück, erlitt hier einen schweren Schlaganfall, an dem er 2½ Jahre litt, und während dessen er sich zum Gottesdienste mußte tragen lassen. Endlich am 14. December 1154 ist er heimgegangen. An seinen Namen knüpften sich Erscheinungen und Wundererzählungen, was für die Bedeutung zeugt, die er im Leben gehabt. Liebe und Achtung hat er in reichem Maaße genossen. Etwa 20 Kirchen tragen noch seinen Namen.

    Helmoldi chronicum Slavorum ed. Bongert 1659. — Leibnitz, Script. Brunsv. II, 537. — Monumenta Germ. XXI, von Weiland, aus Lappenberg's Nachlaß und daraus separat v. Pertz, 1868. Uebers. von Laurent, Geschichtschreiber d. dtsch. Vorzeit, 1842. Bd. VII. — Vgl. Schirren, Beitr. zur Kritik älterer holst. Geschichtschreiber. Lpzg. 1876. — Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter. 4. Auflage. 1878. S. 261. — W. v. Giesebrecht, Gesch. d. deutsch. Kaiserzeit IV. 2. Aufl. 1877. S. 401. — L. Giesebrecht, Wendische Geschichten. Berl. 1843. Bd. III, S. 355 ff. — O. Voelkel, Die Slavenchronik Helmold's. Danzig 1873. — K. Hirsekorn, Die Slavenchronik des Presbyter Helmold. Hamburg 1879. Von Hermann Kirchberg in deutsche Verse gebracht. — Versus antiqui de vita Vicelini ed. Beeck in Quellensammlung der Gesellschaft f. schlesw.-holst.-lauenb. Geschichte. Kiel 1874. Bd. IV, S. 127. — v. Bippen, Kritische Untersuchungen über die versus etc. Lübeck 1868. — Moller, Cimbria lit. II, 910. — Kruse, St. Vicelin. Altona 1826. — Rische, Das Leben Vicelin's in Piper's Evang. Jahrbuch 1860. S. 126. — Kolde in Herzog's Realencyklopädie. 2. Aufl., Bd. XVI, S. 437. — R. Haupt, Die Sct. Vicelinskirchen. Kiel 1884. — Jensen Michelsen, Schlesw.-holst. Kirchengeschichte. Kiel 1873. Bd. I, S. 207 ff. — Laspeires, Die Bekehrung Nordalbingiens und die Gründung des Wagrischen Bisthums. Bremen 1864.

  • Autor/in

    Carstens.
  • Empfohlene Zitierweise

    Carstens, Carsten Erich, "Vicelin" in: Allgemeine Deutsche Biographie 39 (1895), S. 668-670 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121523403.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA