Lebensdaten
um 1370 bis 1447
Geburtsort
Straßburg
Sterbeort
Speyer
Beruf/Funktion
Jurist
Konfession
-
Normdaten
GND: 118626477 | OGND | VIAF: 261813113
Namensvarianten
  • Vener, Job
  • Job, Vener

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Zitierweise

Vener, Job, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118626477.html [22.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    Aus Patrizierfam. in Schwäb. Gmünd;
    V Reinbold d. Ä. (von Gmünd) (Remboldus) ( 1408), studierte in Paris (1356 Mag. art.) u. Bologna, Jur., 1371–93 Offizial d. Bf. v. Straßburg, 1378 Kanoniker an d. Stiften St. Thomas u. Jung-St. Peter (s. BBKL 14; NDBA), S d. Eberhard (erw. 1323–62), Richter am Schultheißengericht in Schwäb. Gmünd;
    M Caecilia N. N.;
    Ov (?) Eberhard, 1379 u. 1386 Bgm. in Schwäb. Gmünd, Nikolaus (um 1350-um 1414), um 1407 Kartäuser oder Benediktiner (?) in Basel, Offizial d. Bf. v. Straßburg;
    B Reinbold d. J. (um 1375?–n. 27. 10 1437), aus Straßburg, Jur., 1412 u. 1418/19 Rektor d. Univ. Heidelberg, Propst v. St. Stephan b. Weißenburg (Elsaß), nahm am Konstanzer Konzil teil, i. A. v. Pfalzgf. Ludwig II. zu dipl. Verhh. in England, 1422 Offizial d. Bf. v. Straßburg, 1430 in Diensten d. Stadt Straßburg, 1432 d. Domkap. ebd., nahm 1433 am Basler Konzil teil (s. BBKL 14; NDBA), Yvo ( n. Sept. 1421), studierte in Heidelberg, Kanoniker am Stift Jung-St. Peter in Straßburg (s. NDBA), Bernhard, 1422–42 Verw. d. Eich- u. Ladamts in Schwäb. Gmünd (s. NDBA).

  • Leben

    Als Angehöriger einer stadtadeligen Familie („die mit der Fahne“, Vaener) geboren, empfing V. schon als Kind die niederen Weihen. 1378 erhielt er eine von seinem Vater bei Papst Clemens VII. erbetene Pfründe an der Speyerer Kirche. 1383–87 studierte V. die Artes in Paris und erwarb das Baccalaureat, möglicherweise auch für Theologie. Von Herbst 1387 bis 1393 besuchte er die Univ. Heidelberg und ging schließlich, um Jurist zu werden, von ca. 1390–97 an die Hochschule von Bologna. Zwischen 1394 und 1396 übte er hier das Amt des Prokurators der Deutschen Nation aus. 1395 wurde er im weltlichen, 1397 im geistlichen Recht lizenziert. Bei einem zweiten Aufenthalt in Bologna anläßlich des Italienzugs Kg. Ruprechts (1352– 1410) erwarb V. dort am 20. 2. 1402 das Doktorat beider Rechte. Sofort nach seinem Regierungsantritt 1400 von Ruprecht als Protonotar in seinen Dienst gezogen, hatte V. bis zu Ruprechts Tod an dessen Politik führenden Anteil. 1401 ist V. als Kanoniker in Straßburg bezeugt; seit 1403 wirkte er als Rechtslehrer an der Univ. Heidelberg und als kurpfälz. Rat, 1405 amtierte er als bfl. Offizial in Speyer. Wohl 1407 begab sich V. in die 1401 gegründete Basler Kartause, wo er mit seinem Onkel Nikolaus zusammentraf. Sicher vor 1411 spendete V. den Basler Kartäusern Geld, 1414 schenkte er der noch im Aufbau befindlichen Bibliothek des Klosters ein verziertes Pergamentexemplar der „Historia Scolastica“ des Petrus Comestor (heute UB Basel, Codex B IV 25). Bis zur Auflösung des Klosters (Tod d. letzten Priors 1536, d. letzten Mönchs 1564) wurde dort für V.s Seelenheil gebetet.

    1410, nach dem Tod Kg. Ruprechts, wechselte V. vom kgl. in den pfalzgfl. Dienst. Kf. Ludwig III. (1378–1436) nahm den hoch graduierten gelehrten Rat jedoch nicht in seine Kanzlei auf, sondern verwandte ihn auf vielfache andere Weise, so bei öffentlichen Auftritten immer wieder v. a. als seinen „Mund“ (Orator). V. war nach dem Tod des 1410 gewählten Jobst von Mähren (1351–1411) und dem Ende einer schismatischen Situation im Reich führend an der Etablierung des Königtums Sigismunds (1368–1437) beteiligt, indem er vor dem Wahlakt die für diesen einschlägigen Paragraphen aus der „Goldenen Bulle“ öffentlich vorlas. Daneben wurde er zum ersten Kommentator der wohl erst durch ihn so bezeichneten „Goldenen Bulle“.

    Anfang des Jahres 1415 begleitete V. Kf. Ludwig III. von der Pfalz zum Konstanzer Konzil (1414–18), wo er u. a. den schwierigen Rücktritt des röm. Papstes Gregor XII. rechtstechnisch regulierte. V., der bereits die 1403 verfaßten „Squalores Romanae curiae“ (Originaltitel: De praxi Romanae curiae) des Heidelberger-Prager Theologen Matthäus von Krakau juristisch bearbeitet hatte, trat in Konstanz v. a. als Reformer hervor. Seine anläßlich der Wahl eines neuen Papstes in Konstanz verfaßte Schrift, das „Advisamentum sacrorum canonum et doctorum ecclesie catholice“ (Konstanzer Reformavisament) zählt zu den signifikantesten Schriften der Debatte um Reichs- und Kirchenreform im 15. Jh. Im Mittelpunkt der anonym überlieferten Schrift V.s aus dem Sommer 1417 steht eine grundlegend neue Ordnung des Kardinalkollegs, das nach den Vorstellungen des Verfassers internationalisiert werden sollte. Im Reich hingegen sollte ein ständisch geprägtes Ratskollegium den Kaiser binden. Am Konklave, das im Nov. 1417 Martin V. zum neuen Papst wählte, nahm V. als Vertreter der Deutschen Nation teil; er erhielt im ersten Wahlgang unter den Vertretern dieser Nation die meisten Stimmen.

    Nach dem Konzil war V. weiterhin im Dienst des pfälz. Kurfürsten. Als 1422 ein von pfalzgfl. Bogenschützen angefachter Tumult gegen Heidelberger Professoren und Studenten ausbrach, hielt V. als Orator des Pfalzgrafen die Studenten vor Gegengewalt zurück. 1426 äußerte er sich als Gutachter zum pfälz. Anspruch, auf den Bacharacher Pfarrwein Zoll zu erheben. Um 1423 ließ sich V. in Speyer nieder, wohnte aber noch regelmäßig in Heidelberg Prozessen bei und war gutachterlich tätig. 1425 saß er als pfalzgfl. Kommissar in den Gerichten gegen die Häretiker Johann v. Drändorf (1390–1425) und Peter Turnau (1390–1426). Mit Blick auf die Blößen, die sich die Prozeßteilnehmer gegenüber den Befragten gegeben hatten, formulierte V. Vorschläge (advisamenta) zu einer Reform des Inquisitionsprozesses. Als letzte große Aufgabe war V. in den frühen 1430er Jahren neben seinem Bruder Reinbold als Sachwalter Bf. Rabans von Speyer (1362–1439) in dessen Kampf um den Trierer Erzstuhl auf dem Basler Konzil tätig; sein Gegenspieler war der junge Nikolaus von Kues (1401–64).

    Zu den lebenslangen Interessen des Juristen V. gehörte die Theologie. Materiell abgesichert, beteiligte er sich jedoch nicht am zeittypischen Pfründengeschäft.

    Daß V. zu einer „vollplastischen Figur“ (H. Heimpel) werden konnte, hat mit einer außerordentlichen Dichte der Überlieferung zu tun. Aus ihr ragt V.s Nachlaß heraus, der nach seinem Tod zunächst in die Hände einer Speyrer Patrizierfamilie (Steinhauser) geriet und von dort nach Wien und Wolfenbüttel gelangte. Die Legatvermerke des Nachlasses spiegeln V.s Lebensführung und den Umgang mit den alten, vornehmen Familien der Stadt. Die Überlieferung zu seinem Leben und Werk wurde von Hermann Heimpel (1901–88) umfassend ausgewertet.

  • Werke

    W u. a. Inhaltsangaben (epilogationes) z. d. Predigten Bernhards v. Clairvaux über d. Hohe Lied [Aus Jobs pfalzgfl. Amtszeit?], ed. in: Heimpel, Die V. v. Gmünd u. Straßburg, Bd. 3, 1982 (s. L), Nr. 5–6;
    Krit. Marginalien im Sinne Gregors XII. u. Benedikts XIII., Ende Mai – Anf. Juni 1409, ed. ebd., Nr. 13;
    Ber. über d. erste Wahl Kg. Sigmunds v. Ungarn z. Röm. Kg. [Frankfurt 1410 bald n. Sept.], ed. ebd., Nr. 14;
    Ber. an d. Stadt Straßburg über d. erste Wahl Kg. Sigmunds v. Ungarn z. Röm. Kg. [Frankfurt 1410 frühestens Anfang Nov.], ed. ebd., Nr. 15;
    Auszug aus d. v. Karl Malatesta d. auf d. Pisaner Konzil versammelten Kardinälen zugesandten u. dort am 10. April 1409 überreichten Denkschrift (epistola) Mandatum est v. 24. März [n. 1411 April 16], ed. ebd., Nr. 19;
    Vorschlag d. Pfalzgfn. Ludwig, d. Rücktritt Gregors XIII. betr., Konstanz 1415 Jan. 27, ed. ebd., Nr. 21;
    Überarbeitung e. d. Zession d. drei Päpste fordernden Schriftsatzes im gregorian. Sinn u. mit Spitze (Artikel) gegen Johannes XXIII. [Konstanz 1415 Anfang Febr.], ed. ebd., Nr. 22;
    Schriftsatz, d. Zession d. drei Päpste, v. a. Johannes XXIII. fordernd [Konstanz 1415 Anfang Febr.], ed. ebd., Nr. 23;
    Teils korrigierender, teils entwerfender Anteil an d. d. Abdankung Gregors XII. betr. Schriftsätzen, insbesondere an zehn einschlägigen Dekreten d. Konstanzer Konzils [Konstanz 1415 v. Juli 4], ed. ebd., Nr. 24;
    Zwei Schriftsätze z. monast. Fragen [etwa 1417], ed. ebd., Nr. 25;
    Erörterung d. Frage (Quastio): An filius familias per adoptionem consulatus sui iuris effectus finito consulatu in patris potestatem revertatur [v. 1416, evtl. viel früher];
    „Avisament“, die wiss. Bildung d. hohen Klerus in Dtld. betr. [Konstanz 1417 n. Juli 26 wohl v. Ende Sept.], ed. ebd., Nr. 27;
    „Avisament“ z. Reform d. Kirche u. d. Imperiums [Konstanz n. 29. Mai, wohl bald n. 8. Juni 1417], ed. ebd., Nr. 28;
    Ermahnung gegen d. Hussiten [1421], ed. ebd., Nr. 30;
    Rede v. d. Univ. Heidelberg zu deren Beschwichtigung [Heidelberg 1422 Juli 12], ed. ebd., Nr. 32;
    Schriftsätze in d. Eigenschaft als Prokurator Rabans v. Helmstatt, providierten Ebfs. v. Trier gegen d. Partei d. Elekten, Ulrichs v. Manderscheid, zumal gegen Nikolaus v. Kues [1430–35] ed. ebd., Nr. 35–36;
    vollst. W-Verz. in: Heimpel, Die V. v. Gmünd u. Straßburg, Bd. 3, 1982 (s. L), S. 1521–27.

  • Literatur

    L H. Heimpel, Der Benediktiner u. Kanonist Nikolaus V. aus Gmünd, in: ZSRG K 53, 1967, S. 46–76;
    ders., Stadtadel u. Gelehrsamkeit, Die V. v. Schwäb. Gmünd u. Straßburg (1162–1447), in: Adel u. Kirche, FS f. G. Tellenbach, 1968, S. 417–35;
    ders., Die V. v. Schwäb. Gmünd u. Straßburg u. d. Anfänge d. Basler Kartause, in: Basler Zs. f. Gesch. u. Altertumskde. 69, 1969, S. 85–102;
    ders., Konrad v. Soest u. J. V., Vf. u. Bearb. d. Heidelberger Postillen (Glossen) z. d. Berufung d. Konzils v. Pisa, in: Westfalen 51, 1973, S. 115–24;
    ders., Die V. v. Gmünd u. Straßburg (1162–1447), Versuch e. Fam.gesch. aus Wiener Hss., in: Anz. d. Österr. Ak. d. Wiss. 115, 1978, S. 1–15;
    ders., Die V. v. Gmünd u. Straßburg|(1162–1447), Stud. u. Texte z. Gesch. e. Fam. sowie d. gel. Beamtentums in d. Zeit d. abendländ. Kirchenspaltung u. d. Konzilien v. Pisa, Konstanz u. Basel, Bd. 1–3, 1982;
    K. Graf, Eine Gründonnerstagsstiftung d. V. in Schwäb. Gmünd, in: ostalb/einhorn 6, 1979, S. 52–56;
    ders., Die V., e. Gmünder Stadtgeschl., S. 148–59;
    P. Moraw, Gel. Juristen im Dienst d. dt. Könige d. späten MA (1273–1493), in: Die Rolle d. Juristen b. d. Entstehung d. modernen Staates, hg. v. R. Schnur, 1986, S. 76–147;
    P.-J. Heinig, Gel. Juristen im Dienst d. röm.-dt. Könige d. 15.Jh., in: Recht u. Vfg. im Übergang v. MA z. Neuzeit, 1. T.: Ber. über Kolloquien d. Komm. z. Erforsch. d. Spätma. 1994 bis 1995, hg. v. H. Boockmann u. a., 1998, S. 167–84;
    B. Studt, Papst Martin V. (1417–1431) u. d. Kirchenreform in Dtld., 2004;
    BBKL 14;
    LexMA;
    Vf.-Lex. MA 2 ; NDBA.

  • Portraits

    P Bilderhs. über d. Zollfreiheit d. Bacharacher Pfarrweins, fol. 8, Winand v. Steeg (Bayer. HStA München, Abt. Geh. Hausarchiv, Hs. 12), Abb. in: Heimpel, 1982 (s. L), n. S. X.

  • Autor/in

    Jörg Schwarz
  • Empfohlene Zitierweise

    Schwarz, Jörg, "Vener, Job" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 753-755 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118626477.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA