Lebensdaten
1788 bis 1859
Geburtsort
Visperterminen (Kanton Wallis)
Sterbeort
Sitten (Kanton Wallis)
Beruf/Funktion
Ingenieur ; Naturforscher ; Gletscherforscher ; Botaniker ; Entomologe ; Konchyliologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119116863 | OGND | VIAF: 30339658
Namensvarianten
  • Venetz, Ignace
  • Venetz, Ignaz
  • Venetz, Ignace
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Venetz, Ignaz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119116863.html [05.03.2021].

CC0

  • Genealogie

    Fam. aus d. Saastal, die dort im 14. Jh. zuerst unter dem Namen Veneto nachweisbar ist u. zahlr. Meier v. Mörel, Kastlane v. Visp, Brig, Niedergesteln-Lötschen, Siders, Sitten, Nendaz u. Bouveret, Landvögte v. Monthey u. Saint-Maurice sowie Walliser Landeshauptmänner stellte;
    V Peter Ignaz, Schreiner, Kunsttischler, Müller, Bäcker in V.;
    M Anna Maria (* 1758), T d. Joseph Stoffel u. d. Catharina Heinzmann, v. V.;
    B Peter Joseph (* 1783), Gde.präs. v. Stalden (Kt. Wallis);
    Sitten 1813 MariaJosepha (1792-l849), T d. Peter Joseph Andenmatten (* zw. 1755–65), v. Saas-Balen (Kt. Wallis), Maurermeister in Sitten, u. d. Maria Josepha Fux, v. Embd (Kt. Wallis);
    6 K u. a. Franz (1821–70), Ing., Entomol., 1868 Walliser Kantonsing. (s. Mitt. d. Naturforschenden Ges. Oberwallis 1, 1990, S. 24 f.);
    E Hermine Cathrein (* 1840), Lehrerin in S.; Verwandter d. Ehefrau Johann Joseph Andenmatten (1754–1829), Architekt in S. (s. HLS).

  • Leben

    Vorbereitet vom Kaplan in Stalden, durchlief V. das Gymnasium in Brig und trat dort ins Priesterseminar ein, folgte dann aber seinen mathematischen und naturwissenschaftlichen Neigungen. Er arbeitete als Gehilfe in einem von Napoleon eingerichteten Büro mit Ingenieuren für Brücken- und Straßenbau über den Simplon. Nach dem Abzug der Franzosen 1814 übernahm ihn das österr. Militär als Genieoffizier. Das Wallis wurde 1815 ein freier Kanton der Schweiz, und V. war 1816–37 der erste Walliser Kantonsingenieur, 1837–48 Adjunkt des waadtländ. Kantonsingenieurs und 1848–59 eigenständiger Ingenieur in der Waadt und im Wallis.

    Aufgrund der Katastrophe von 1818, als die seit 1810 einsetzenden Gletschervorstöße die Drance zu einem See aufgestaut und das Tal bis Martigny verwüstet hatten, begann V. mit weiteren Untersuchungen, die ihn zu der Erkenntnis führten, daß die an den Talhängen sichtbaren früheren Seitenmoränen als Zeichen einer einstigen weit größeren Ausdehnung der Gletscher zu deuten sind. Andere Gletscherzungen waren ebenfalls vorgestoßen, und noch weiter unten sah er vormals abgelagerte Findlinge. V. erkannte, daß das Rhonetal von Eis erfüllt gewesen war, das bis zum Jura reichte. Diese Entdeckung trug er im Juli 1829 auf der Jahresversammlung der Schweizer. Naturforschenden Gesellschaft vor und publizierte sie, wesentlich erweitert, 1833.

    Unter den Zuhörern saß der namhafte Geologe Jean de Charpentier (1786–1855), Salzdirektor in Bex, der V. bei einem Rundgang von der allgemeingültigen Ansicht überzeugen wollte, die Findlinge seien durch Wasser verstreut worden. Doch führten wahrgenommener Eisschliff und Schrammen dazu, daß Charpentier der erste gelehrte Anhänger der Glazialtheorie wurde, für die er sich fortan mündlich und schriftlich einsetzte. Von Charpentier zur Gletscherforschung angeregt, untersuchte Louis Agassiz (1807–73) in den Sommern 1840–44 den Unteraargletscher. Er lernte Wesen und Tätigkeit der Gletscher kennen und machte die Lehren von V. und Charpentier in der angelsächs. Welt bekannt. Die Entdeckung der Eiszeit ist der bedeutendste Beitrag der Schweiz zur Geomorphologie geblieben. V. war auch als Botaniker, Entomologe und Konchyliologe tätig.

  • Auszeichnungen

    A Gedenktafel in Valeria b. Sitten (1868).

  • Werke

    W Mémoire sur les variations de la température dans les Alpes de la Suisse, 1833;
    Mémoire sur l’extension des anciens glaciers, renfermant quelques explications sur leurs effets remarquables, 1861 (postum).

  • Literatur

    L I. Mariétan, La vie et l’œuvre de l’ingénieur I. V., in: Bull. de la Murithienne, 1959, S. 1–51;
    H. Balmer, in: Gesnerus 27, 1970, H. 3/4, S. 138–67 (P);
    I. V. 1788–1859, Ing. u. Naturforscher, hg. v. St. Berchtold u. P. Bumann, 1990 (umfangr. Bibliogr.);
    T. Krüger, Die Entdeckung d. Eiszeiten, 2008;
    ders., Stud. über V. u. Charpentier, in: Die Naturforschenden, hg. v. P. Kupper u. B. C. Schär, 2015, S. 17–33;
    Pogg. II;
    Complete DSB; HLS.

  • Portraits

    P Ölgem. v. L.-J. Ritz, 1826 (Sitten, Kunstmus. Wallis) u. 1854 (Sitten, Gesch.mus. Schloss Valeria); Altersbildnis (Naturhist. Mus. Bern), alle Abb. in: Balmer (s. L).

  • Autor/in

    Heinz Balmer †
  • Empfohlene Zitierweise

    Balmer, Heinz, "Venetz, Ignaz" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 755 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119116863.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA