Lebensdaten
1880 bis 1954
Geburtsort
Krefeld
Sterbeort
Oberursel (Taunus)
Beruf/Funktion
Finanzwissenschaftler ; Nationalökonom
Konfession
konfessionslos
Normdaten
GND: 116588373 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gerloff, Wilhelm

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Zitierweise

Gerloff, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116588373.html [22.09.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (1851–1939), Rentner, S d. Chrstn. David, Ackersmann in Kunow, u. d. Gertraud Sandkaulen aus Odenkirchen;
    M Magdalene (1854–1928), T d. Joh. Heinr. Huck, Schuhmachermeister in K., u. d. Maria Dorothea Lang;
    Freudenstadt 1910 Helene (* 1889), T d. Stadtpflegers Aug. Zeeb in Freudenstadt u. d. Susanne Heinz;
    1 S.

  • Leben

    G. legte 1900 das Lehrerexamen ab, war bis 1905 im Schuldienst tätig und studierte ab 1903 in Leipzig und Tübingen Nationalökonomie. 1906 wurde er zum Dr. sc. pol. promoviert|und 1908 für die Fächer Volkswirtschaftslehre, Finanzwissenschaft und Statistik in Tübingen habilitiert. 1910-11 war er Dozent der akademischen Kurse für Handelswissenschaften in Essen. 1911 folgte er einem Ruf als Extraordinarius an die Universität Innsbruck, wo er, seit 1912 als Ordinarius für Nationalökonomie und Statistik und ausgestattet mit besonderen Lehraufträgen für Finanzrecht, österreichisches Agrarrecht und Agrarpolitik bis 1922 lehrte. (1916 berief ihn Helfferich ins Reichsschatzamt.) 1922 nahm er eine Berufung als Ordinarius für wirtschaftliche Staatswissenschaften an die Universität Frankfurt an, der er bis zu seinem Ableben treu geblieben ist. 1926/27 und 1932/33 wurde er zum Rektor gewählt und errang sich insbesondere durch seine mutige 2. Rektoratsrede (Wirtschaftswissenschaft und politische Bildung) sowie seine feste Haltung gegenüber den neuen Machthabern Bewunderung und Anerkennung. In den folgenden Jahren sah er sich in seiner Lehr- und Forschungstätigkeit von offizieller Seite immer stärker eingeengt und ließ sich 1944 in den Ruhestand versetzen. 1946, bei Wiedereröffnung der Universität, wurde er reaktiviert. Seine endgültige Emeritierung erfolgte 1949. Obwohl G.s Lehr- und Forschungstätigkeit fast das gesamte Gebiet der Nationalökonomie (einschließlich Statistik und Soziologie) umfaßte, liegt seine Bedeutung in erster Linie auf den Gebieten der Finanzwissenschaft und des Geldwesens. In der Finanzwissenschaft, deren Behandlung wegen ihres politisch-ökonomischen Mischcharakters spezielle Anforderungen stellt, ermöglichte ihm seine Fähigkeit, theoretische Analyse mit nüchtern-realistischer Denkweise und historischem Wissen zu verbinden, den gesamten finanzwirtschaftlichen Bereich und seine Problematik zu erfassen: Er wurde sowohl Historiker der deutschen Reichsfinanzen als auch maßgebender Regierungsberater und Gutachter, Systematiker und erfolgreicher akademischer Lehrer. – Die wesentlichsten Stationen seiner empirisch-historischen Forschungen sind gekennzeichnet durch die „Finanz- und Zollpolitik des Deutschen Reiches“ (1913), die klassische Darstellung der die deutsche Finanzpolitik von 1848-1912 bestimmenden Kräfte, das Gutachten für das Reichsschatzamt über „Die steuerliche Belastung in Deutschland während der letzten Friedensjahre“ (1-21916), die Schrift „Steuerbelastung und Wiedergutmachung“ (1924) sowie den Vortrag „Die Finanzgewalt im Bundesstaat“ (1948), in welchem er – gegen die Auffassung der Zeit opponierend – für eine Stärkung der Stellung des Bundes und eine einheitliche Finanzgewalt eintritt. – Seine finanztheoretischen Untersuchungen setzen die große deutsche Tradition, verknüpft mit den Namen Wagner und Schäffle, fort. Herausgebertätigkeit und Mitarbeit am „Handbuch der Finanzwissenschaft“ (1926 ff., 21952 ff.), seine „Öffentliche Finanzwirtschaft“ (1942, 21948/50) legen in der Lehre von den Steuerwiderständen, dem Steuerertrags- und dem Steuerkostengesetz, dem Begriffspaar Fiskal- und Ordnungsfinanz und den ethnologisch-soziologischen Untersuchungen über die Entstehung der öffentlichen Finanzwirtschaft davon Zeugnis ab. G.s Arbeiten auf dem Gebiet des Geldwesens, in gleichem Maße durch eine realistisch-theoretische Schau geprägt, liefern mit dem Versuch, „die funktionelle Verflechtung des Geldes im gesellschaftlichen Gehabensablauf aufzuzeigen und auf ihre psychische Wurzel zurückzuführen“, eine Fülle neuer Erkenntnisse und bedeutungsvoller Ansätze für weitere Untersuchungen.|

  • Auszeichnungen

    Dr. iur. h. c. (Innsbruck 1950).

  • Werke

    Weitere W u. a. Regelmäßigkeiten u. Wandlungen d. Verbrauchs in d. häusl. Wirtsch., in: Btrr. z. dt. Statistik, Festgabe f. F. Žižek, 1936;
    Die Entstehung d. Geldes u. d. Anfänge d. Geldwesens, 1940, 31947;
    Gesellschaftl. Theorie d. Geldes, 1950;
    Geld u. Gesellschaft, 1952. - W-Verz in: Hdwb. d. Soz.wiss. IV, 1962.

  • Literatur

    Btrr. z. Geld- u. Finanztheorie, hrsg. v. F. Neumark u. H. Sauermann, W. G. z. 70. Geb.tag, 1951 (P);
    F. Neumark, W. G. u. d. Entwicklung d. dt. Finanzwiss., ebd. S. XII-XIX;
    ders., in: Zs. f. d. gesamte Staatswiss. 110, 1954, S. 740-44;
    F. Terhalle, in: Finanz-Archiv NF 16, 1955/56, S. 16-21.

  • Autor/in

    Lore Kullmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Kullmer, Lore, "Gerloff, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 309 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116588373.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA