Lebensdaten
1794 bis 1871
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
Nürnberg
Beruf/Funktion
bayerischer Offizier ; Unternehmer ; Gutsherr ; Politiker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 1018967648 | OGND | VIAF: 225770952
Namensvarianten
  • Tucher von Simmelsdorf, Johann Sigmund Karl Freiherr
  • Tucher von Simmelsdorf, Johann Sigmund Carl Freiherr
  • Tucher von Simmelsdorf, Sigmund Freiherr
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Aus dem Register von NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Tucher von Simmelsdorf, Sigmund Freiherr, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1018967648.html [25.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. jüngeren, auf Endres I. ( 1440) zurückgehenden Linie d. Fam.;
    V Jobst Wilhelm Karl (1762–1813), Ratsherr in N., Dipl., 1802/03 Komitialgesandter auf d. RT in Regensburg, 1806 Älterer Bgm., verhandelte 1811 in München mit d. bayer. Finanzmin. (Spezial-Schuldentilgungskomm.) über d. reichsstädt. Schulden, S d. Friedrich Wilhelm Carl (1736–1814), Ratsherr, 1804 Zweiter Losunger in N., u. d. Anna Maria v. Volckamer (1738–76);
    M Susanna Maria (1769–1832), T d. Johann (Hans) Sigmund IV. Haller v. Hallerstein (1723–1805), 1806 Älterer Bgm., 1794 Vorderer Losunger, u. d. Maria Helena Ebner (1734–99);
    B Sigmund Friedrich Karl (1792–1812 b. Napoleons Rußlandfeldzug), Lt. d. 1. bayer. Infanterie-Rgt., Gottlieb (1798–1877), bayer. Oberappellationsger.rat, Musikforscher, Vormund d. Findelkindes Kaspar Hauser (s. ADB 38; BBKL XII; Biogr. Lex. Burschenschaft), Schw Marie Susanna (Susette) (1791–1855, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, 1770–1831, Rektor d. Gymn. in N., Philos., s. NDB VIII);
    Nürnberg 1823 Maria (1802–76), T d. Georg v. Grundherr (1777–1867), Forstamtskontrolleur, Gutsbes., u. d. Anna v. Grundherr (* 1774);
    10 K u. a. 2 S Georg Christoph Karl Sigmund (1824–46), Student d. Rechte in München, Friedrich (1846–1924), auf Behringersdorf, bayer. Forstmeister, Rechtsrr. d. Johanniterordens, T Susanna (1826–78, Karl Rr. v. Hegel, 1813–1901, bayer. Personaladel 1891, o. Prof. d. Gesch. 1848 in Rostock u. 1856 in Erlangen, gründete ebd. 1872 d. Hist. Seminar, 1858 Mitgl. d. Hist. Komm. b. d. Bayer. Ak. d. Wiss., Hg. u. Bearb. v. Chroniken d. dt. Städte, s. Fränkische Lebensbilder V; Biogr. Lex. Mecklenburg II; Erlanger Professoren III; K. H.s Gedenkbuch, hg. v. H. Neuhaus, 2013, S d. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, s. o.), Maria (1834–1905, August v. Grundherr, 1820–1904, bayer. Oberstlt.), Luise (1836–1901, ⚭ Ludwig Frhr. Löffelholz v. Colberg, 1815–1906, bayer. Oberst), Sophie Maria (1839–71, Maximilian v. Crailsheim, 1837–96), Karolina (1844–1914, Ulrich Gf. v. Brockdorff, 1843–93, bayer. Oberstlt., Kammerherr).

  • Leben

    T. trat 1810 in das Forstinstitut zu Schwarzenberg ein und wurde dort 1813 Forstpraktikant. 1814 wechselte er in den bayer. Militärdienst, wurde im selben Jahr Kadett des freiwilligen Jägerbataillons und nahm am Feldzug gegen Napoleon teil (1815 Lt., 1823 Oberlt. à la suite, 1840 Hptm. à la suite, 1867 Major à la suite). Seit 1818 verwaltete T. das namengebende Stammgut der jüngeren Tucherlinie in Behringersdorf. 1843–49 Mitglied der Ständeversammlung des bayer. Landtags, war er 1845/46 als Liberaler ausgeschlossen. 1845 wurde er als letztes Mitglied einer Nürnberger Patrizierfamilie bürgerlicher Magistratsrat seiner Heimatstadt, 1851 schied er aus diesem Amt aus. Seit 1848 fungierte er als Familiensenior der Gesamtfamilie Tucher und damit gleichzeitig als Administrator der Dr.-Lorenz-Tucher-Stiftung. T. engagierte sich auch im sozialen Bereich als Ausschußmitglied im 1861 gegründeten „Nürnberger Wohnungsbauverein“.

    Mit T.s Namen verbunden ist die Gründung der Tucher-Brauerei. 1855 organisierte er den Kauf des ehemaligen reichsstädtischen Weizenbräuhauses (1806 kgl. Bräuhaus) durch die Dr.-Lorenz-Tucher-Stiftung und gründete damit das Nürnberger Brauunternehmen, das bis heute mit dem Mohrenkopf aus dem Tucherwappen als Firmenlogo wirbt. Über einen Verkauf des kgl. Bräuhauses an die Tucher v. Simmelsdorf war bereits 1833 verhandelt worden, der bayer. Fiskus hatte jedoch das Gebot der Familie von 170 000 fl. als zu niedrig abgelehnt. 1855 kam der Kauf des ehemaligen Weizenbräuhauses und einiger Nebengebäude sowie einer benachbarten Branntweinbrennerei dann doch zum Preis von 118 000 fl. zustande, der aus der Dr.-Lorenz-Tucher-Stiftung und aus den vierprozentigen staatlichen Obligationen entrichtet wurde, die der Stiftung als Entschädigungen im Zuge der Grundablösung des Jahres 1848 zugefallen waren. 1856 erteilte der Magistrat der Stadt Nürnberg der Familie die Konzession zum Brauen von braunem, weißem und Weizenbier sowie das Recht zum Branntweinbrennen. Die „Freiherrlich von Tucher’sche Brauerei“ nahm einen rasanten Aufschwung. 1856 mechanisierte sie als dritte der Nürnberger Großbrauereien den Brauvorgang und beschleunigte den seit den 1840er Jahren zunehmenden Konzentrationsprozeß im Nürnberger Brauereigewerbe unter Verdrängung der handwerklich arbeitenden Betriebe. Gebraut wurde zunehmend auch für den Export. 1873 übernahm mit Theodor Tucher v. Simmelsdorf (1838–1916) erstmals ein Familienmitglied die Verwaltung der Brauerei, die 1898 in eine AG umgewandelt wurde, 1966 mit der „Brauhaus Nürnberg J.G. Reif AG“ zur „Brau AG Nürnberg/Tucher“ fusionierte, für die sich schnell der alte Name „Tucher-Bräu“ wieder durchsetzte und die seit 2004 zur Oetker-Gruppe gehört.

  • Literatur

    L G. Hirschmann, Das Nürnberger Patriziat im Kgr. Bayern 1806–1918, 1971;
    M. Diefenbacher, Adelsbier aus Nürnberg, Nürnberger Patrizier u. d. Tucher-Brauerei, in: Adel als Untern. im bürgerl. Za., Vortrr. d. wiss. Kolloquiums d. Vereinigten Westfäl. Adelsarchive e. V. v. 28. bis 30. Juli 2004 in Bad Driburg, hg. v. M. Rasch, 2006, S. 219–36;
    Stadtlex. Nürnberg;
    Qu StadtA Nürnberg E 29 (Fam.archive Tucher).

  • Portraits

    P Öl/Lwd., um 1860 (Tucher’sche Kulturstiftung München)

  • Autor/in

    Michael Diefenbacher
  • Empfohlene Zitierweise

    Diefenbacher, Michael, "Tucher von Simmelsdorf, Sigmund Freiherr" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 490-491 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1018967648.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA