Lebensdaten
1863 – 1918
Geburtsort
Gleiwitz
Sterbeort
Gut Westensee (Schleswig-Holstein)
Beruf/Funktion
Pharmazeut ; Unternehmer ; Mäzen ; Apotheker ; Kunstsammler
Konfession
mehrkonfessionell
Normdaten
GND: 123108845 | OGND | VIAF: 18122640
Namensvarianten
  • Troplowitz, Oscar

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Troplowitz, Oscar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123108845.html [19.06.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Simon Ludwig (Louis) (1825–1913), Maurermeister, Baumeister, S d. Salomon (1789–1869), aus Cwiklitz (Oberschlesien), Großhändler, Ungarweinhändler in G., u. d. Handel Rechnitz ( 1849);
    M Agnes (1838–1913), aus Lissa, T d. Samuel Hirsch Mankiewicz (um 1805-vor 1857), u. d. Klara Cohn ( n. 1859);
    Ov Simon (1831–1907), Weinhändler in G. (s. NDB 15*), Om Gustav Mankiewicz (1833–1905), Hofapotheker in Posen, preuß. Med.rat, HR (s. Pagel; BJ X, Tl.);
    1 Schw Sophie (1859–1927, Siegfried Pulvermacher, 1850–1905, in Breslau);
    Hamburg 1891 Gertrud (1869–1920), T d. Gustav Mankiewicz (s. o.), u. d. Therese Kaatz (1844–1921); kinderlos; Schwager Otto Hans Mankiewicz (1871–1918), Dr. iur., Hilfsrichter in Altona b. Hamburg, 1906 Mitgesellschafter d. Fa. „P. Beiersdorf & Co.“ in Hamburg, Syndicus, 1907 Vors. d. Verbands pharmazeut. Fabriken (s. Die chem. Industrie, 1918, S. 253; Heuer);
    N Gertrud Pulvermacher (1881–1971, Gustav Westberg, 1872–1956, aus Riga, RA in Hamburg), Martha Pulvermacher (1887–1968, jüd., wohl seit 1908 ev., Carl Claussen, 1878–1954, aus Bremerhaven, Untern., bis 1927/28 in d. väterl. Spedition, 1933–54 Vors. d. Vorstands d. Beiersdorf AG);
    Gr-N Georg W. Claussen (1912–2013, Susanne Zeuner, um 1997), 1955–79 Vors. d. Vorstands d. Beiersdorf AG, 1979–87 Vors. d. Aufsichtsrats, Ehrenvors., gründete 1982 d. Claussen-Simon-Stiftung f. akad. Nachwuchs, Gr. BVK, Richard-Merton-Ehrennadel 2005), Gr-N Ebba Westberg (1906–99, Alfred Simon, 1890–1978, Dr. phil., Chemiker, Mitarb. d. KWI, dann Entwicklungsvorstand b. d. Beiersdorf AG), Stifterin, Dagmar Westberg (* 1914), Mäzenin in H., gründete d. Dagmar-Westberg-Stiftung z. Förderung v. öff. Kunstslgg. u. f. unverschuldet in Not geratene Menschen, Ehrenmitgl. d. Dt.-brit. Ges., Georg-August-Zinn-Medaille 2009.

  • Biographie

    T. besuchte nach der Grundschule das Maria-Magdalenen-Gymnasium in Breslau, das er mit der Mittleren Reife 1878 verließ, um eine dreijährige Lehre in einer Breslauer Apotheke zu beginnen. Danach war er Gehilfe in der Apotheke seines Onkels Gustav Mankiewicz in Posen. 1884–86 (Staatsexamen) studierte er Pharmazie an der Univ. Breslau. Er holte sein Abitur nach und setzte das Studium in Heidelberg fort, wo er 1888 zum Dr. phil. und Magister promoviert wurde. Nach einjähriger Militärzeit arbeitete er als Oberapotheker wieder bei seinem Onkel in Posen. Angeregt durch eine Anzeige in der „Pharmazeutischen Zeitung“ und bestärkt von seinem Onkel, kaufte T. 1890 das „Laboratorium Dermatotherapeutischer Präparate“ des Apothekers Paul Carl Beiersdorf (1836–96) in Hamburg für 60 000 Goldmark. Beiersdorf blieb noch ein knappes Jahr Partner in dem Unternehmen, das nach T.s Eintritt als „P. Beiersdorf & Co.“ firmierte. Beiersdorf hatte mit dem Dermatologen Paul Gerson Unna (1850–1929) eng zusammengearbeitet und 1882 ein Patent auf ein Pflaster aus Guttaperchamull erhalten, das 1890 vier Fünftel seines Umsatzes ausmachte.

    Die konsequente Mechanisierung der Herstellung und die Entwicklung neuer Produkte ermöglichten es T., den Umsatz schnell auszuweiten. 1900 war die Mitarbeiterzahl von zehn auf 47, zu Beginn des 1. Weltkriegs auf 502 Mitarbeiter gestiegen. Die wichtigsten Produkte waren neben einer Kaseinsalbe die 1892 zunächst „Florisal“ genannte, mit Unna entwickelte, später verbesserte und unter dem Namen „Pebeco“ vertriebene Zahnpasta und seit 1901 das als Hautpflaster bekannte „Leukoplast“, ein wasserabweisendes, hautfarbenes, luft- und wasserdampfdurchlässiges, außergewöhnlich zugfestes und hohe Sofort- und Dauerklebkraft aufweisendes Fixierpflaster, aus dem neben „Citoplast“ und „Lassoband“ die ersten technischen Klebebänder entwickelt wurden. 1904 wurde die Seifenfabrik von Thomas Douglas übernommen. 1911 erwarb T. das „Verfahren zur Herstellung stark wasseraufnahmefähiger Salben“ (Eucerit) und die dazugehörigen Herstellungsanlagen von dessen Erfinder Isaac Lifschütz (1852–1938), dem es als Vorstandsmitglied der „Hegeler & Brünings AG.“ noch nicht gelungen war, aus diesem Verfahren ein marktreifes Produkt zu entwickeln. Mit Hilfe von Lifschütz, der fortan auch für „P. Beiersdorf & Co“ tätig war, wurde daraus die Grundlage für die Entwicklung der erfolgreichsten Hautcreme der Welt, der „Nivea Creme“, gelegt, deren Verkaufserfolg allerdings erst nach dem 1. Weltkrieg eintrat. 1908 folgte Rasierseife unter der Bezeichnung „Atrix“. Exporte dieser Artikel in die ganze Welt trugen erheblich zum Wachstum des Unternehmens bei, das 1915 einen Umsatz von 4,8 Mio. Goldmark hatte.

    Die Zahlung von Weihnachtsgeld an seine Mitarbeiter, die Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 48 Stunden bei vollem Lohnausgleich (1912), die Einrichtung einer Pensions- und Unterstützungskasse (1916) sowie die Gewährung von zwei Wochen bezahlten Urlaubs (1897) kennzeichnen T. als sozial eingestellten Unternehmer. Er engagierte sich politisch als Mitglied der Hamburger Bürgerschaft (1904–10), der Baudeputation (1906–18), als Deputierter in der Oberschulbehörde (1910–16) und zuletzt in der Finanzdeputation (1918).

    T., der in einer Villa an der Außenalster, gebaut von William Müller (1871–1913), lebte, verkehrte mit zahlreichen Künstlern und trug eine umfangreiche Sammlung von Gemälden franz. und dt. Maler des 19. und 20. Jh. (u. a. Auguste Renoir, Max Liebermann, Max Slevogt, Pablo Picasso) zusammen, die nach dem Tod des kinderlosen Ehepaars der Hamburger Kunsthalle vermacht wurden. Sein Grabmal auf dem Ohlsdorfer Friedhof wurde 1918 von Fritz Schumacher (1869–1947) entworfen.

    Nach dem plötzlichen Tod T.s und seines Schwagers und Teilhabers Otto Hans Mankiewicz wurde das Unternehmen, das 1920 ein Kapital von 3,1 Mio. Goldmark, 500 Mitarbeiter, ca. 8 Mio. Goldmark Umsatz und einen Gewinn von 830 000 Goldmark hatte, von Prokuristen geführt, zunächst als GmbH, seit 1922 als AG unter der Leitung von Willy Jacobsohn (1884–1963). Nach dessen Emigration 1933 war Carl Claussen, der eine Nichte T.s geheiratet hatte und seit 1920 im Aufsichtsrat war, Vorstandsvorsitzender bis 1954. Sein Sohn Georg W. Claussen folgte ihm 1954 als Sprecher, 1957–79 als Vorstandsvorsitzender, anschließend bis 1987 als Vorsitzender und bis zu seinem Tod als Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats. Mit Claussen schied das letzte Mitglied der Familie Troplowitz aus der Führung des Unternehmens aus. Das Eigentum blieb nach dem Tod von T. und Mankiewicz zunächst bei wechselnden Familienmitgliedern, wurde in der NS-Zeit zum Teil vom Bankhaus „M. M. Warburg & Co.“, das seit 1941 als „Brinckmann, Wirtz & Co.“ firmierte, gehalten, zum anderen Teil von der „Maizena GmbH“ erworben, die ihren Anteil 1952 an die „Allianz Versicherung AG“ verkaufte. 1974 ging der vom Bankhaus M. M. Warburg auf mehr als 25 % erhöhte Anteil an die „Tchibo Holding AG“ (heute „maxingvest ag“), wo sich seit dem Ausscheiden der Allianz AG aus dem Aktionärskreis 2003 die Mehrheit der Anteile befindet, während der Rest an der Börse, seit 2008 auch im DAX notiert wird. 2012 erzielte das Unternehmen mit 144 Tochtergesellschaften einen Umsatz von sechs Mrd. Euro und produzierte mit fast 18 000 Mitarbeitern an 16 Standorten der Welt. 2001 wurde das Klebebandgeschäft in die „tesa SE“ ausgegliedert.

  • Auszeichnungen

    A Vorstand d. Eimsbütteler Ver. v. 1866 (1903) u. d. Ver. d. Kunstfreunde v. 1870;
    Mitbegründer d. Stadtparkver. (1912);
    T.-Str. in Hamburg-Eimsbüttel (1971).

  • Literatur

    L H. Gradenwitz, Die Entwicklung d. Fa. P. Beiersdorf & Co., Hamburg, bis z. 1. Okt. 1915, 1915;
    E. Kaum, O. T., Forscher, Untern., Bürger, 1982 (P);
    |S. Tode, Von d. Erfindung z. Vermarktung, Dr. Isaac Lifschütz u. das Eucerit, in: Hamburger Wirtsch.Chron. NF 1, 2000, S. 113–31;
    Ch. Claussen, „Es gibt auch unter d. Lebenden Meister …“, Der Untern. O. T. auf d. Weg in d. Moderne, in: U. Luckhardt u. U. Schneede (Hg.), Private Schätze, Über d. Sammeln v. Kunst in Hamburg bis 1933, Ausst.kat. Hamburg 2001, S. 58–61;
    H. Kruse, Wagen u. Winnen, Ein hanseat. Kaufm.leben im 20. Jh., 2006;
    Jüd. Mus. Rendsburg (Hg.), O. T., Soz. Untern. u. Kunstmäzen, Ausst.kat. Rendsburg 2010;
    L. Beiersdorf u. Ch. Claussen (Hg.), O. T., Ein Leben f. Hamburg, Ausst.kat. d. Kunsthalle Hamburg, 2013 (P); Hamburg. Biogr. I (P).

  • Porträts

    P Gem. v. F. Nölken, 1916 (Hamburg, Kunsthalle); Büste v. A. Bock, n. 1918 Beiersdorf AG.

  • Autor/in

    Claus Gossler
  • Zitierweise

    Gossler, Claus, "Troplowitz, Oscar" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 451-453 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123108845.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA