Lebensdaten
1894 bis 1963
Geburtsort
Stockerau bei Wien
Sterbeort
Sankt Pölten bei Wien
Beruf/Funktion
Orientalist ; Koptologe ; Ägyptologe ; Papyrologe
Konfession
-
Normdaten
GND: 117382841 | OGND | VIAF: 24616982
Namensvarianten
  • Till, Curt Walter Franz Theodor Carl Alois
  • Till, Walter
  • Till, Curt Walter Franz Theodor Carl Alois
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Zitierweise

Till, Walter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117382841.html [13.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Franz, k. k. Steueramtsadjunkt in St., S d. Franz, Stiftsgutverw. d. Augustiner-Chorherrenstifts in H.;
    M Antonia, T d. Alois Huber, Fleischhauer, Hausbes. in H.;
    Mödling 1929 Aloisia Buzas, Fachlehrerin in d. Klosterschule d. Ursulinen in Salzburg.

  • Leben

    T. entwickelte bereits während seiner Gymnasialzeit 1905–13 in Krems Interesse an orientalischen Sprachen, insbesondere für das Altägyptische. Aus materiellen Gründen absolvierte er eine Ausbildung an der Hochschule für Welthandel (Exportakademie) in Wien (Diplom 1916) und wurde kaufmännischer Angestellter. 1917 begann er an der Univ. Wien das Studium der Philosophie, indischer und semitischer Sprachen und der Ägyptologie bei Hermann Junker (1877– 1962). Bei diesem wurde T. 1920 mit einer Arbeit über „Die Personalpronomen im Ägyptischen und Semitischen“ promoviert. 1921 nahm er eine Stelle als Lehrer und Erzieher für kaufmännische Fächer an der technischgewerblichen Bundeslehranstalt in Wien-Mödling an (Prof. 1927). Parallel hierzu arbeitete er bei der Verzettlung der Texte für das Berliner „Wörterbuch der ägyptischen Sprache“ sowie für das von Hermann Ranke zusammengestellte Handbuch „Die ägyptischen Personennamen“ mit. Seit 1928 Privatdozent an der Univ. Wien, bereiste T. 1930 mit einem viermonatigen Reisestipendium des Dt. Archäologischen Instituts Ägypten und den Vorderen Orient. 1931 wurde ihm die Bearbeitung der orientalischen Handschriften der Österr. Nationalbibliothek übertragen, 1937–51 leitete er die Papyrussammlung. 1939 berief ihn die Univ. Wien zum apl. Professor. 1942 trat T. der NSDAP bei. Eine drohende Versetzung nach Krakau (damals im „Generalgouvernement“) konnte, wohl dank einflußreicher Fürsprecher, abgewendet werden. Unter den chaotischen Bedingungen des nahen Kriegsendes organisierte T. 1945 mit großer Sorgfalt die Auslagerung der Sammlung und damit ihre Rettung.

    1945 wurde T. vom Dienst suspendiert und verlor auch seine Wohnung in Wien. Erst 1948 konnte er die Arbeit in der Papyrussammlung der Nationalbibliothek wieder aufnehmen. Der international renommierte Wissenschaftler nahm 1950 eine viermonatige Gastprofessur in Kairo an, der sich ein Aufenthalt an der Univ. Manchester anschloß. Nach Wien zurückgekehrt, legte er nach einer Operation die Leitung der Papyrussammlung nieder, nahm aber als „Senior Lecturer in Coptic“ einen Ruf an die Univ. Manchester an. Hier entstanden 6 Monographien und 37 Aufsätze. 1959 zum „Reader“ ernannt, ging er aus gesundheitlichen Gründen in den vorzeitigen Ruhestand und kehrte im selben Jahr nach Wien zurück.

    T. war einer der besten Kenner der koptischen Sprachstufe des Ägyptischen, sein außerordentlich vielfältiges und breites wiss. Œuvre zeigt umfassende Kenntnis und Erschließung seines Fachgebietes in allen Aspekten. Trotz Spezialisierung auf Schrift und Sprache der koptischen Epoche, äußerte er sich profund zu allen Forschungsthemen der Koptologie und Ägyptologie. T. publizierte auch zu Problemen der vorkoptischen Sprachstufen. Er gab koptische Texte u. a. aus Kirche und Christentum, der gnostischen Glaubensgemeinschaft, Urkunden und dokumentarische Texte – nicht nur der ihm anvertrauten Papyrussammlung in Wien – sowie med. Texte heraus. Bei der Bearbeitung textlicher Quellen eignete er sich auch Expertise in anderen wissenschaftlichen Fachgebieten an, z. B. in seinen Abhandlungen zu den koptischen Rechtsurkunden und zur koptischen Arzneikunde. In der Folge schrieb er z. B. auch Beiträge für med. Fachzeitschriften.

    T. beförderte das Studium des Koptischen im Unterricht und durch Standardwerke: Seine bis heute lieferbare „Koptische Grammatik“ (1955) wie seine „Dialektgrammatik“ (1931) erfuhren 1961 eine grundlegend überarbeitete Neuauflage. Die Dialektgrammatik entspricht zwar nicht mehr dem aktuellen Forschungsstand, ist aber als Einführung in die koptischen Dialekte mit Texten und Glossar in ihrer Art bisher unersetzt. T. nahm auch an aktuellen Entwicklungen in der Orthographie und den Mundarten des Deutschen aktiv Anteil. Nach langer Krankheit starb T. im 70. Lebensjahr in St. Pölten.

    T. war ein noch ganz der Universalität und der universellen Aneignung seines Forschungsgebietes verpflichteter Gelehrter. Vor allem seine zahlreichen Texteditionen werden noch lange Zeit unverzichtbare Referenzwerke bleiben.

  • Auszeichnungen

    A u. a. Mitgl. d. Dt. Archäol. Inst. (1941), d. Österr. Ak. d. Wiss. (korr. 1957, o. 1962 ) u. d. Dt. Ak. d.|Wiss.; – Dr. W. T.-Gasse in Herzogenburg (seit 1993).

  • Werke

    W mehr als 100 Aufss. in Zss. u. FS u. a. Die Achmîmische Version d. Zwölf kleinen Propheten, 1927;
    Achmîmisch-kopt. Grammatik, 1928;
    Kopt. Dialektgrammatik mit Lesestücken u. Wb., 1931, 21961, zahlr. Nachdrr.;
    Kopt. Heiligen- u. Märtyrerlegenden, 2 Bde., 1935/36;
    Papyrusslg. d. Nat.bibl. in Wien, Kat. d. kopt. Bibelbruchstücke, in: Zs. f. d. Neutestamentl. Wiss. 39, 1940, S. 1–57;
    Die Arzneikde. d. Kopten, 1951;
    Erbrechtl. Unterss. auf Grund d. kopt. Urkk., SB Österr. Ak. d. Wiss., Phil.-hist. Kl. 229/2, 1954;
    Die gnost. Schrr. d. kopt. Pap. Berolinesis 8502, 1955;
    Die kopt. Rechtsurkk. d. Österr. Nat.bibl., 1958;
    Die kopt. Ostraka d. Papyrusslg. d. Österr. Nat.bibl., 1960;
    Kopt. Grammatik (Saïdischer Dialekt) mit Bibliogr., Lesestücken u. Wörterverz., 1955, 21961, zahlr. Nachdrr.;
    Datierung u. Prosopographie d. kopt. Urkk. aus Theben, SB Österr. Ak. d. Wiss., Phil.-hist. Kl. 240/1, 1962;
    Das Evangelium n. Philippos, 1963.

  • Literatur

    L M. Boutros Ghali, In Memoriam Prof. W. C. T. 1894–1963, Mit vollst. Bibliogr., in: Bull. de la Soc. d’Archéologie Copte 17 (1963–1964), S. 1–12;
    J. Leipoldt, W. T. z. Gedächtnis, in: FF 38/1, 1964, S. 28;
    E. Lüddeckens, in: Zs. f. Ägypt. Sprache u. Altertumskde. 91, 1964, S. XI-XV;
    A. Grohmann, in: Alm. Österr. Ak. d. Wiss. 113, 1964, S. 436–49;
    A. Böhlig, in: Archiv f. Orientforsch. 21, 1966, S. 276;
    W. Vycichl, in: Wiener Zs. f. d. Kunde d. Morgenlandes 61, 1967, S. 1–6;
    W. Bihl, Orientalistik an d. Univ. Wien, 2009, bes. S. 120 f.;
    F. Feder, in: Christl. Orient im Porträt, Wiss.gesch. d. Christl. Orients, hg. v. P. Bukovec, II, 2014, S. 755–59;
    Hist. Lex. Wien;
    Österr. Personenlex.;
    M. Bierbrier, Who Was Who in Egyptology, 42012;
    Gesch. Altertumswiss.; – Mitt. v. Dr. Christine Oppitz (StadtA Herzogenburg)

  • Autor/in

    Frank Feder
  • Empfohlene Zitierweise

    Feder, Frank, "Till, Walter" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 279-280 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117382841.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA