Lebensdaten
1866 bis 1912
Geburtsort
Lauenstein bei Altenberg (Erzgebirge)
Sterbeort
Saarbrücken
Beruf/Funktion
Germanist ; Verbandgeschäftsführer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118622684 | OGND | VIAF: 35249706
Namensvarianten
  • Tille, Franz Alexander
  • Lauenstein, Alexander (Pseudonym)
  • Tille, Alexander
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Zitierweise

Tille, Alexander, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118622684.html [12.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (1828–1912), Pfarrer in L., dann in Dürrweitzschen b. Leisnig;
    M Mathilde Schulze;
    B Armin (1870–1941), Dr. phil., 1907 Bibl. d. LT d. Kgr. Sachsen in Dresden, 1910 Leiter d. Geh. Haupt- u. StA in Weimar, 1926–34 Dir. d. Thür. Staatsarchive, Hist., Geneal. (s. Rhdb.; B. Post, Lb. Thüringer Archivare, 2001; L);
    1) Lotte N. N. ( 1898), 2) n. 1900 Auguste (Gustie) Brandau;
    1 S aus 1), 1 T aus 1) Edda (* 1895, ⚭ Gerd Hankamer), Dr. phil., Germanistin, PD in Köln (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1931), 4 S aus 2).

  • Leben

    T. absolvierte das St. Augustin-Gymnasium in Grimma und studierte anschließend seit 1886 dt. Literaturwissenschaft, Volkskunde und Philosophie in Leipzig. Gleichzeitig leistete er Wehrdienst im Infanterie-Regiment 107 als Einjährig-Freiwilliger. 1890 schloß er sein Studium mit der Promotion zum Dr. phil. ab mit einer Arbeit über „Die deutschen Volkslieder vom Doktor Faust“ (1890, Nachdrr. 1969, 1984, 1999). Auf Empfehlung seines Doktorvaters Friedrich Zarncke (1825–91) erhielt er im selben Jahr am Queen Margaret College, das 1892 der Univ. Glasgow angegliedert wurde, eine Stelle als Lecturer für dt. Sprache und Literatur. Dort entwickelte er sich zu einer wichtigen Figur im interkulturellen Transfer zwischen Deutschland und Großbritannien, u. a. übersetzte er Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ sowie andere späte Arbeiten des Philosophen ins Englische und Thomas H. Huxleys „Soziale Essays“ ins Deutsche. T.s sozialdarwinistische Überzeugungen schlugen sich allerdings in der Auswahl und Interpretation der Arbeiten Nietzsches nieder. T. engagierte sich in der Glasgower Goethe-Gesellschaft und veröffentlichte in dt. Tageszeitungen und Zeitschriften volkskundlich-kulturhistorische Arbeiten sowie zahlreiche Artikel über die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Verhältnisse in England und Schottland. Als er während des Burenkriegs (1899–1902) die brit. Regierung in einem Zeitungsartikel kritisierte, wurde er von Studenten tätlich angegriffen. Diesen Vorfall nahm T. zum Anlaß, um im Frühjahr 1900 nach Deutschland zurückzukehren. Seine Eindrücke und Erfahrungen verarbeitete er zu einem polemischen, mit anti-brit. Stereotypen und Ressentiments gespickten Buch (Aus Englands Flegeljahren, 1901) mit der Botschaft, daß ein Krieg zwischen den beiden „europ. Germanenstaaten“ um die Vorherrschaft unausweichlich sei.

    Seit 1898 (seit 1900 als Vorstandsmitgl.) gehörte T. dem „Alldeutschen Verband“ an, dessen nationalistisch-expansionistisches Programm er publizistisch verbreitete, etwa in dem „Alldeutschen Lied“, das 1901 im „Alldeutschen Liederbuch“ veröffentlicht wurde. Dieses Gedankengut, das auch eine radikale Ablehnung von Kirchen und christlicher „Mitleidsmoral“ beinhaltete, seine englandkritischen Berichte, seine kämpferische Haltung gegenüber den „Kathedersozialisten“ und seine unternehmerfreundliche Einstellung prädestinierten T. für eine Tätigkeit im unternehmerischen Verbandswesen. 1901 nahm er das Angebot des „Centralverbands Deutscher Industrieller“ an, als Stellvertreter des Generalsekretärs Henry Axel Bueck (1830–1916) in die Geschäftsführung einzutreten. Hier knüpfte er persönliche Beziehungen zum einflußreichen saarländ. Großindustriellen und Politiker Carl Freiherr v. Stumm-Halberg (1836–1901). Dieser Kontakt begünstigte seine Entscheidung, nach Spannungen mit Bueck 1903 vom Centralverband|als Syndikus zur Handelskammer Saarbrücken zu wechseln. In Personalunion übernahm er weitere Geschäftsführerposten, u. a. 1904 beim „Verein zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen der Saarindustrie“ und bei der südwestlichen Gruppe des „Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller“. Neben seiner erfolgreichen verbandspolitischen Arbeit weitete er die publizistische Tätigkeit der Verbände aus, förderte industrie- und technikhistorische Aktivitäten in der Region und war Leiter des 1906 hauptsächlich auf seine Initiative hin in Saarbrücken errichteten südwestdt. Wirtschaftsarchivs. 1909 wurde T. in den Vorstand des neugegründeten „Hansabundes“ gewählt, trat aber bereits zwei Jahre später wieder aus. In der Endphase seines Lebens engagierte er sich ohne Erfolg für die Gründung einer Unternehmerpartei.

    T.s Karriere war charakteristisch für die Anfänge der Verbandsgeschäftsführerprofession, als konservativ-nationalistische Überzeugungen und kämpferisches Auftreten wichtiger waren als juristische oder nationalökonomische Expertise. Insbesondere für den Aufbau des unternehmerischen Verbandswesen im Südwesten Deutschlands leistete er einen maßgeblichen Beitrag.

  • Werke

    W Die Gesch. d. dt. Weihnacht, 1893;
    Von Darwin bis Nietzsche, 1895;
    Thus spake Zarathustra, a book for all and none, übers. v. A. T., 1896, ³1908, Nachdr. 1958; Thomas Huxley, Soz. Essays, Berechtigte dt. Ausg. mit e. Einl. v. A. T., 1897; Die Faustsplitter in d. Lit. d. 16. bis 18. Jh. n. d. ältesten Qu., 1900–04, ²1921–24, Nachdr. 1980; Der Wettbewerb weißer u. gelber Arb. in d. ind. Produktion, 1904; Der soz. Ultramontanismus u. seine „Kath. Arbeiterver.“, 1905; Hundert J. Neunkircher Eisenwerk unter d. Fa. Gebr. Stumm, 1906; Die Reden d. Frhrn. Carl Ferdinand v. Stumm-Halberg, Hist.-krit. Gesamtausg., 10 Bde., 1906–13; The works of Friedrich Nietzsche, 1908; Das Haus Röchling u. seine Unternehmungen, 1907; Die Arbeitgeberpartei u. d. pol. Vertretung d. dt. Ind., Vortr., gehalten in d. Hauptvslg. d. Ver. z. Wahrung d. gem. wirtschaftl. Interessen d. Saarind. am 27. Juni 1908 zu Saarbrücken, 1908; Die Berufsstandspol. d. Gewerbe- u. Handelsstandes, 4 Bde., 1910; Musterarb.ordnung d. Saarind., 1913.

  • Literatur

    L Armin Tille, Ein Kämpferleben, A. T., 1916 (P);
    W. Schungel, A. T., Leben u. Ideen e. Soz.darwinisten, 1980 (P, W); F. Hellwig, in: Saarländ. Lb. IV, 1989, S. 155–90 (W, L
    , P);
    ders., A. T. u. d. saarländ. Landesgesch., in: Zs. f. d. Gesch. d. Saargegend 37, 1989, S. 166–78;
    ders., in: Rhein.-Westfäl. Wirtsch. biogrr. 15, 1994, S. 296–321 (W, P); P. E. Becker, Wege ins Dritte Reich, T. II: Soz.darwinismus, Rassismus, Antisemitismus u. Völk. Gedanke, 1990, S. 424–97 (P, W
    , L);
    H. A. Bueck, Mein Lebenslauf, 1997;
    S. Manz, Translating Nietzsche, Mediating Literature, A. T. and the Limits of Anglo-German Intercultural Transfer, in: Neophilologus 91, 2007, S. 117–34;
    U. Puschner, W. Schmitz u. J. H. Ulbricht (Hg.), Hbd. z. „Völk. Bewegung“ 1871–1918, 1996; Sächs. Biogr.

  • Autor/in

    Werner Bührer
  • Empfohlene Zitierweise

    Bührer, Werner, "Tille, Alexander" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 280-281 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118622684.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA