Wölfflin, Eduard von( seit 1894)
- Lebensdaten
- 1831 – 1908
- Geburtsort
- Basel
- Sterbeort
- Basel
- Beruf/Funktion
- klassischer Philologe ; Linguist ; Philologe ; Gymnasiallehrer
- Konfession
- reformiert
- Normdaten
- GND: 117453471 | OGND | VIAF: 45080602
- Namensvarianten
-
- Wölfflin, Eduard( bis 1894)
- Wölfflin, Eduard Ritter von
- Wölfflin, Eduard von( seit 1894)
- wölfflin, eduard von
- Wölfflin, Eduard( bis 1894)
- wölfflin, eduard
- Wölfflin, Eduard Ritter von
- Wölfflin, Eduard von
- Woelfflin, Eduardus
- Wölfflin, Eduard Ritther von
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Wölfflin, Eduard Ritter von (bayerischer Personaladel 1894)
| klassischer Philologe, * 1.1.1831 Basel, † 8.11.1908 Basel, ⚰ Basel, Wolfgottesacker. (reformiert)
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Genealogie
V →Johann Rudolf W. (1801–82), aus B., Zuckerbäcker, Stadtrat u. Polizeiger.präs. in B., S d. Rudolf Claudius († 1842);
M Elisabeth (1806–82), T d. →Peter Mengis (1769–1856), Bürger v. B., Tierarzt, letzter Scharfrichter ebd., 1824 Mitgl. d. Zunft zu Gartnern, u. d. Elisabeth Handschin (1781–1867);
⚭ 1862 Bertha (1839–1911), T d. →Jakob Heinrich Troll (1812–1870), Arzt, Pol., Stadtrat in B., u. d. Henriette Greuter (1812–1889);
2 S →Ernst W. (1873–1960), Dr. med., Augenarzt, 1920 ao. Prof. f. Augenheilkde. in B., Vf. v. „Meine persönl. Erinnerungen an W. C. Röntgen“, 1955, Dr. h. c. (Univ. München) (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1929; Biogr. Enz. Med.), →Heinrich W. (s. 2), 1 T Elisabeth W. (1863–1939);
Gvv d. Ehefrau →Johann Conrad Troll, geb. Egloff (1783–1858), Päd., Hist., Rektor d. Stadtschulen in Winterthur, Vf. e. „Gesch. d. Stadt Winterthur“, 8 Bde., 1840–50, Dr. h. c. (Univ. Zürich 1956) (s. ADB 38; HLS);
Ur-Gr-Om d. Ehefrau →Johann Heinrich Troll (1756–1824), Maler, Graphiker, Kupferstecher in Winterthur (s. ThB);
Ur-Gvm d. Ehefrau →Johann Jakob Troll (1758–1819), Beamter, Pol., 1803 Mitgl. d. Gr. Rats d. Kt. Zürich u. Präs. d. Bez.ger. Winterthur, 1816 erster Oberamtmann d. Bez. Winterthur (s. HLS). -
Biographie
W. wuchs auf in einer Familie mit vielfältiger musikalischer Anregung, v. a. seitens der Mutter. Musik begleitete ihn Zeit seines Lebens, so als Kritiker, Komponist kleinerer Werke und Verfasser einer musiktheoretischen Abhandlung. W. absolvierte das Basler Ober-Gymnasium, in dessen oberen Klassen (Pädagogium) Universitätslehrer unterrichteten, u. a. der Germanist →Wilhelm Wackernagel (1806–1868) und der Theologe →Johann Georg Müller (1800–1875), der W. zu ersten lexikalischen Studien veranlaßte (De latinitate Liviana, Ms.). 1848 bezog er die Univ. Basel, mit teils denselben Lehrern, die ihn bei der Philologie hielten. In Göttingen, wohin er 1850 wechselte, beendete er seine Studien 1854 mit der Dissertation „De Lucii Ampelii libro memorali quaestiones criticae et historicae“. 1856 habilitierte er sich in Basel. Nach einer Anstellung 1854 als Unterbibliothekar und Unterrichtsverpflichtungen am Unter-Gymnasium in Basel wechselte er 1861 an das Gymnasium in Winterthur und war 1866 zugleich Privatdozent an der Univ. Zürich. 1869 erhielt er hier eine (zunächst ao.) Professur für klassische Philologie (1871 o.). In Untersuchungen zu verschiedenen lat. Schriftstellern entwickelte er in einer Reihe von Studien u. a. zu Sallust, Livius und Tacitus seine Methode der statistisch sammelnden Sprachbetrachtung für Aussagen zu Stilentwicklung, Au|torschaft, Quellenfragen etc. Mit dem 1875 angenommenen Ruf nach Erlangen vollzog sich sein endgültiger Übergang zur akademischen Tätigkeit, in die er stets die gesamte lat. Sprachgeschichte einbezog. 1880 wurde er Nachfolger →Karl v. Halms (1809–82) in München, dessen Propagierung der Idee eines Thesaurus des antiken Latein in W.s sprachstatistischer Methodik einen fruchtbaren Boden fand. Wegbereitend dorthin sollte das von W. 1883 begründete und von ihm maßgeblich bestrittene „Archiv für lateinische Lexikographie und Grammatik [ … ] als Vorarbeit (ab Bd. 11, 1900: als Ergänzung) zu einem Thesaurus linguae Latinae“ sein: Hier erwies sich W. als erfolgreicher Organisator großangelegter Sammelaktionen für sprachliche Untersuchungen, etwa mittels Fragebogen. In der Folge war W. in den Prozeß der Begründung dieses Thesaurus mit einer Reihe von Konferenzen, u. a. mit →Martin Hertz (1818–1895), →Theodor Mommsen (1817–1903), →Hermann Diels (1848–1922), →Johannes Vahlen (1830–1911) und dem Vertreter des Berliner Kultusministeriums, →Friedrich Althoff (1839–1908), stark involviert, insbesondere bei der eigentlichen Gründungssitzung am 21./22.10.1893. W. organisierte als Direktor den Arbeitsbeginn mit den Wortsammlungen in München ab 1894, neben →Franz Bücheler (1837–1908) in Göttingen; der weitgespannte Briefwechsel zeigt ebenso wie die akribisch geführten Arbeitsjournale die detaillierte Beteiligung W.s an der konkreten Arbeit: Unermüdlich forderte er Fachkollegen zur Zuarbeit in Form von Exzerptionen auf und veranlaßte hierfür gelegentlich auch die Neuoder Erstedition lat. Werke. Die Leitung der zur Ausarbeitung des Wörterbuches zusammengelegten Arbeitsstelle in München an der Bayer. Akademie der Wissenschaften, deren korr. Mitglied W. seit 1879 (Vorschlag →K. Halm) war, übertrug er 1899 dem Generalredaktor →Friedrich Vollmer (1867–1923). Maßgeblich und nicht immer im Einklang mit seinen Mitstreitern (insbesondere Diels, Leo, Bücheler) von den anderen dt.sprachigen Akademien, die sich 1893 eigens für das Großprojekt in einem Cartell (Verband wiss. Körperschaften) zusammengefunden hatten – war W. an der Entwicklung der spezifischen Arbeitsweisen ebenso beteiligt wie an der Anpassung des Projektes an den Spagat zwischen Vollständigkeit und überschaubarer Laufzeit.
W. widmete sich seit 1899 wieder verstärkt seiner Lehrtätigkeit, trug aber durch Fortführung des „Archivs“ weiterhin zur methodologischen Formung des Thesaurus bei. Der internationale Beiträgerkreis war ein Vorbote für die zunehmende Internationalisierung des Thesaurus im 20. Jh. Zum 70. Geburtstag erhielt W. eine illuminierte Pergamenturkunde mit 520 Unterschriften von Kollegen aus aller Welt. Eine wohl von seinem Sohn →Heinrich initiierte Marmorbüste (1901) des Bildhauers →Hermann Hahn (1868–1942) ziert heute den Eingang zur Bibliothek des Thesaurus in der Bayer. Akademie der Wissenschaften in München. 1905 ließ sich W. aus gesundheitlichen Gründen entpflichten und verbrachte seine letzten Lebensjahre in der Nähe von Winterthur. Zur Sicherung der Fortführung und Vollendung des Thesaurus Linguae Latinae errichtete W. 1908 eine Stiftung mit einem Kapital von 35000 Schweizer Franken, die, von seinem Sohn Heinrich erweitert, unter dem Namen Eduard Wölfflin-Thesaurus-Stiftung fortbesteht.
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Auszeichnungen
|Mitgl. d. Hist. Ges. Basel (1854), d. Bayer. Ak. d. Wiss. (ao. 1879, o. 1880), d. Österr. Ak. d. Wiss. (ausw. korr. 1902) u. d. Reale Istituto Lombardo di Scienze e Lettere (korr. 1907);
Mitgl. d. ThlL-Komm. (1893);
Dr. iur. h. c. (Univ. of Michigan 1897);
Rr.kreuz 1. Kl. d. bayer. Verdienstordens v. Hl. Michael (1882) u. d. Verdienstordens d. bayer. Krone (1893);
bayer. GR (1899);
Maximiliansorden f. Wiss. u. Kunst (1901);
Komturkreuz d. österr. Franz-Joseph-Ordens (1902). -
Werke
|u. a. De Lucii Ampelii libro memorali quaestiones criticae et historicae, Diss. Göttingen 1854;
(Ed.) Caecilii Balbi de nugis philosophorum quae supersunt nunc primum ed., 1855;
(Ed.) Polyaeni strategicon libri octo ed., 1860;
Livian. Kritik u. livian. Sprachgebrauch, 1864;
Publilii Syri sententiae ad fidem codicum optimorum primum rec., 1869;
Bemm. über d. Vulgärlatein, in: Philologus 34, 1875, S. 137–65;
Über d. Latinität d. Africaners Cassius Felix, Ein Btr. z. Gesch. d. lat. Sprache, in: SB d. Bayer. Ak. d. Wiss., Phil. Kl., 1880, S. 381–432;
C. Asinius Polio de bello Africo, ebd., 1889, S. 319–50;
Die Scriptores historiae Augustae, I., ebd., 1891, S. 465–537;
Die neuen Aufgaben d. Thesaurus linguae Latinae, ebd., 1894, S. 93–123;
Zur Gesch. d. Tonmalerei, ebd. 1897, S. 221–58;
Über d. Aufgaben d. lat. Lexikographie, in: Rhein. Mus. 37, 1882, S. 83–123;
Abiectio – ablingo (Probeart. f. d. ThlL), in: Archiv f. lat. Lexikographie u. Grammatik 4, 1887, S. 288–414;
Zwei Gutachten über d. Untern. e. lat. Wb., ebd. 7, 1892, S. 507–22;
– W-Verz.: O. Hey, in Bursian-BJ 34, 1911, S. 126–36;
– Ausgew. Schrr., hg. v. G. Meyer, 1933 (P);
–Nachlaß: Univ.bibl. Basel;
Archiv d. ThlL (Briefe, Arb.journale). Qu Archiv d. Bayer. Ak. d. Wiss. (Personalakt) u. d. ThlL, alle München;
Univ.bibl. Basel (hsl. Fam.chronik 1891–1907). -
Literatur
|Commentationes Woelfflinianae, FS z. 60. Geb.tag, 1891 (P);
F. Vollmer, in: SB d. Bayer. Ak. d. Wiss., Phil. Kl., 1909, S. 28–31;
O. Hey, in: Erg.h. z. Archiv f. lat. Lexikographie u. Grammatik 15, Nachdr. 1967, S. 1–6;
ders., in: Bursian-BJ 34, 1911,|S. 103–36 (W-Verz.);
E. Hauler, in: Alm. d. Ksl. Ak. d. Wiss. zu Wien 59, 1909, S. 372–82;
Reden v. J. Stroux u. G. Dittmann z. 100. Geb.tag, in: Ausgew. Schrr., 1933 (s. W), S. 329–44;
D. Krömer, Ein schwieriges Jh., in: Wie d. Blätter am Baum, so wechseln d. Wörter, hg. v. dems., 1995, bes. S. 16–18;
Ch. B. Flow, Thesaurus matters? Frames for the study of Latin lexicography, in: Classics in practice, Studies in the history of scholarship, hg. v. C. Stray, 2015, S. 33–73;
M. Flieger, Der wiedergefundene Gründervater, in: Ak. Aktuell, 2016, H. 4, S. 64–68 (P);
Erlanger Professoren III. -
Porträts
|Marmorbüste v. H. Hahn, 1901 (Bayer. Ak. d. Wiss., München), Abb. in: Geist u. Gestalt III, Abb. 146 u. in: Flieger, Der wiedergefundene Gründervater (s. L), S. 65;
Gipskopie, ebd.;
Bronzeplakette v. E. Zimmermann, 1910;
Ölkreide/Lwd., anon., o. J. (beide Archiv d. ThlL);
Photogr., Abb. u. a. in: Commentationes Woelfflinianae (s. L), Frontispiz, A. Gudemann, Imagines Philologorum, 1911, S. 35 u. Ausgew. Schrr. (s. L), Frontispiz. -
Autor/in
Manfred Flieger -
Zitierweise
Flieger, Manfred, "Wölfflin, Eduard Ritter von (bayerischer Personaladel 1894)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 376-378 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117453471.html#ndbcontent