Lebensdaten
1868 bis 1938
Geburtsort
Zürich
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Jurist ; Rechtshistoriker ; Kirchenrechtler
Konfession
-
Normdaten
GND: 118757652 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stutz, Georg Ulrich
  • Stutz, Ulrich
  • Stutz, Georg Ulrich
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Zitierweise

Stutz, Ulrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118757652.html [17.01.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hans Ulrich (* 1826), aus Mönchaltorf (Kt. Zürich), Sekundarlehrer, PD f. Geol. am Eidgenöss. Polytechnikum in Z., S d. Johann;
    M Emilie (1834–91), T d. Hans (Johann) Georg Finsler (1800–63), Dr. iur., Präs. d. Oberger. u. Mitgl. d. Grossrats in Z. (s. HLS), u. d. Emilie Nüscheler;
    B Friedrich Rudolf (* 1870), Kaufm. in Liverpool, Schw Anna Bertha (* 1870, ⚭ Albert Däniker, 1867–1912, Pfarrer in Steinmaur u. Wallisellen);
    1898 Elly (1879–1954), T d. Wilhelm Windelband (1848–1915), Prof. d. Philos. in Z., Freiburg (Br.), Straßburg u. Heidelberg (s. Bad. Biogrr. NF IV; Drüll, Heidelberger Gel.lex. I; Enz. Philos. Wiss.theorie), u. d. Martha Wichgraf (1850–1924);
    4 T; Schwager Wolfgang Windelband (1886–1945), o. Prof. f. neuere Gesch. in B., Min.rat (s. Drüll, Heidelberger Gel.lex. I);
    N Albert Ulrich Däniker (1894–1957), o. Prof. f. Botanik in Z., Dir. d. Botan. Gartens ebd. (s. Neue Schweizer Biogr., 1938).

  • Leben

    Nach Abschluß seiner Schulzeit (zuletzt Kantonsschule Zürich) begann S. 1887 das Studium der Rechtswissenschaften an der Univ. Zürich und wechselte 1888 nach Berlin, wo ihn neben Heinrich Brunner (1840–1915), Adolf v. Harnack (1851–1930) und Paul Hinschius (1835–98) v. a. Otto v. Gierke (1841–1921) stark beeinflußte. 1892 in Berlin promoviert, vertrat S. 1894 an der Univ. Basel den erkrankten Andreas Heusler (1834–1921) und erhielt trotz fehlender Habilitation die hierzu erforderliche venia legendi für Dt. Rechtsgeschichte. Ebenfalls in Basel 1895 zum Extraordinarius für dt. Privatrecht, dt. Rechtsgeschichte, Kirchenrecht und Schweizer. Rechtsgeschichte ernannt und 1895/96 auch nebenamtlich als Richter am Zivilgericht Basel tätig, wechselte S. im Okt. 1896 auf ein Ordinariat für Dt. Recht und Kirchenrecht nach Freiburg (Br.); durch die Berufung wurde S. dt. Staatsangehöriger, behielt aber auch seine schweizer. Staatsangehörigkeit bei. 1904 wurde er als Nachfolger von Johann Friedrich v. Schulte (1827–1914) auf den Lehrstuhl für Dt. Recht und Kirchenrecht nach Bonn berufen. Eine Berufung nach Leipzig 1910 lehnte er ab, folgte aber 1917 einem Ruf nach Berlin auf den Lehrstuhl für Dt. Recht und Kirchenrecht. 1936 wurde S., der zwar 1933 Mitglied der Akademie für dt. Recht geworden war, dem Nationalsozialismus aber skeptisch gegenüber stand, auf eigenen Wunsch entpflichtet.

    S. war stets Themen und Perspektiven der rechtshistorischen Germanistik verpflichtet wie etwa der Frage nach den Regelungselementen des Königswahlrechts, der Debatte „Zum Ursprung und Wesen des niederen Adels“ (SB Preuß. Ak. 1937) oder der „Schweiz in der dt. Rechtsgeschichte“ (SB Preuß. Ak. 1920). Bis in die Gegenwart einflußreich wurde sein kirchenrechtliches Wirken. Den Ausgangspunkt bildete seine in der Arbeit über die „Geschichte des kirchlichen Benefizialwesens“ (1895, 21961, hg. v. H. E. Feine, Neudrr. 1972, 1995) und v. a. in seiner Antrittsvorlesung von 1894 (Die Eigenkirche als Element d. mittelalter.-german. Kirchenrechts, 1895, Neudr. 1959) entwickelte Deutung der frühmittelalterlichen Kirchenverfassung. Der von S. nicht den Quellen entnommene, aber daraus abgeleitete und bis heute gebräuchlich gebliebene Begriff „Eigenkirche“ umschrieb die eigentumsähnliche Nutzungs- und Verfügungsbefugnis, die Laien, Klerikern und Klöstern aufgrund ihrer Herrschaft über eine Kirche zustand. Die historische Wurzel der Eigenkirche sah S. in einem german. Hauspriestertum. Bis kurz vor seinem Tod rückte er deswegen in zahlreichen Arbeiten immer wieder auch „die Arbeit der Germanen am Kirchenrecht“ ins Zentrum der Betrachtung, denn für ihn waren sie es, die „die bischöfliche Kirche zur Rechtskirche gemacht“ hatten. So erschloß S. die Kirchenrechtsgeschichte von den perspektivischen Traditionen der historischen Rechtsschule her, löste sie von der kirchenrechtlichen Dogmatik und schuf die, wie er 1905 formulierte, „kirchliche Rechtsgeschichte“ als eigenständige rechtshistorische Teildisziplin neben der Romanistik und der Germanistik. Diesem Autonomieanspruch verlieh S. 1910 publizistisch Nachdruck mit der Gründung der „Kanonistischen Abteilung“ der Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, des führenden Organs der dt.sprachigen rechtshistorischen Forschung. Bereits seit 1897 leitender Herausgeber der „Germanist. Abteilung“ dieser Zeitschrift, betreute S. bis 1937 beide Abteilungen. Auf diese Weise erlangte S., der 1902 mit der Schriftenreihe „Kirchenrechtliche Abhandlungen“ auch ein von ihm allein geleitetes Publikationsforum für Monographien ins Leben gerufen hatte, überragenden Einfluß auf den rechtshistorischen wie kirchenrechtlichen Diskurs seiner Zeit, den er durch eine Fülle von Rezensionen, biographischen Würdigungen, gutachterlichen Stellungnahmen und einen regen Briefwechsel verstärkte.

    Das 1904 an der Univ. Bonn gegründete „Kirchenrechtliche Institut“, das S. 1917 nach Berlin überführte, wurde dabei zum wichtigsten Ort für die Entstehung einer weitreichenden Schule (Johannes Heckel, Hans Erich Feine, Ludwig Kaas). Von der konfessionellen Toleranz des Protestanten S., der zwar u. a. 1925–30 Mitglied in der Generalsynode der Ev. Kirche der altpreuß. Union war, zeugen Studien wie „Der neuste Stand des dt. Bischofswahlrechts“ (1909) oder „Der Geist des Codex Iuris Canonici“ (1918), in denen er wiederholt Fragestellungen des kath. Kirchenrechts in den Blick nahm.

  • Auszeichnungen

    A Dr. phil. h. c. (Freiburg, Br. 1912); Dr. theol. h. c. (Zürich 1914); GJR (1910); – Mitgl. d. Hist.-Antiquar. Ges. Basel (1893), d. Allg. Gesch.forsch. Ges. d. Schweiz (1895), d. Bad. Hist. Komm. (Vorstandsmitgl. 1900–06), d. Ges. f. Rhein. Gesch.kde. (1909–17 Vorstandsmitgl., 1917 Ehrenmitgl.), d. Kuratoriums d. Savigny-Stiftung (1921–38, Vors. seit 1925), d. Märk. Gesch.ver. (2. Vors. 1922), d. Hist. Ver. f. d. Niederrhein (1929 Ehrenmitgl.), d. Hist. Komm. f. d. Prov. Brandenburg u. d. Reichshauptstadt Berlin (Vors. 1925), d. Ver. f. Siebenbürg. Landeskde. (Ehrenmitgl. 1925), d. Antiquar. Ges. Zürich (Ehrenmitgl. 1932) u. d. Hist.-Antiquar. Ges. Graubünden; korr. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1917); o. Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Wiss. (1918); ausw. Mitgl. d. Göttinger Ges. d. Wiss. (1925), d. Acc. Naz. dei Lincei (1927) u. d. Ac. de la Historia (1929); Senator d. Ak. z. Wiss. Erforsch. u. Pflege d. Dt.tums/Dt. Ak. (1925); – Gr. Bad. Jubiläumsmedaille; preuß. Roter Adlerorden IV. Kl.; preuß. Kronenorden III. Kl.

  • Werke

    W Die Verw. u. Nutzung d. kirchl. Vermögens in d. Gebieten d. weström. Reichs, Diss. iur. Berlin 1892;
    Die Rechtsqu. v. Hönng, 1897;
    Die kirchl. Rechtsgesch., Rede z. Feier d. 27. Jan. 1905, gehalten in d. Aula d. Univ. zu Bonn), 1905;
    Kirchenrecht, in: Enz. d. Rechtswiss., Bd. 5, 1914, S. 275–479;
    Der Geist d. Codex Iuris Canonici, 1918;
    Forsch. zu Recht u. Gesch. d. Eigenkirche, Ges. Abhh., hg. v. H. E. Feine, 1989;
    Schweizer. Rechtsqu. u. schweizer. Vfg.gesch. nach e. Vorlesung v. U. S. (1868–1932), nach e. Nachschr. v. Dr. Adolf Im Hof, hg. v. Th. Bühler, 2010; – W-Verz.:
    ZSRG K27, 1938, S. 686–763; – Nachlaß:
    Univ.archiv Freiburg (Br.);
    Univ.archiv Zürich (hierzu V. Stadler-Labhart, Der Nachlaß U. S., in: ZSRGK 74, 1988, S. 608 f.).

  • Literatur

    L A. Schultze, in: ZSRG K28, 1939, S. VIII–LVII (P);
    E. Heymann, in: Forsch. z. brandenburg. u. preuß. Gesch. 51, 1939, S. 152–67;
    F. Elsener, „Die Schweiz in der dt. Rechtsgesch.“, Aus Briefen v. U. S. an Eugen Huber u. Gerold Mayer v. Knonau, in: FS Oskar Vasella, 1964, S. 597–614;
    G. Kisch, Erinnerung an U. S., in: ZSRGG 80, 1963, S. 584–90;
    K. S. Bader, Zur Gründung d. kanonist. Abt. d. Zs. d. Savigny-Stiftung f. Rechtsgesch., in: ZSRGK 50, 1964, S. 512–51;
    ders., U. S. (1868–1938) als Forscher u. Lehrer, 1969, erneut in: ders., Schrr. z. Rechtsgesch., Bd. 2, 1984, S. 548–76;
    ders., Zum Briefnachlaß d. Rechtshist. U. S., in: FS Gottfried Boesch, 1980, S. 29–36;
    A. Bauhofer, Th. Bühler u. B. Schmid, Schweizer Btrr. z. Gedächtnis v. U. S., 1970 (P);
    U. Lewald, Dok. e. Freundschaft, Briefe v. U. S. an Aloys Schulte 1917 bis 1921, in: Rhein. Vj.bll. 35, 1971, S. 353–413;
    G. May, U. S. nach Briefwechsel mit Pater bzw. Abt Ildefons Herwegen v. Maria Laach, in: Archiv f. kath. Kirchenrecht 145, 1976, S. 59–151;
    ders., Philipp Hofmeister u. U. S., ebd. 147, 1978, 35–49;
    ders., Franz Gescher an U. S., in: ZSRGK 68, 1982, S. 419–40;
    ders., in: LThK3, Bd. 9, Sp. 1064;
    V. Stadler-Labhart, Der 5. Mai 1928, Geburtstägl. Umschau im Nachlaß U. S., in: C. Schott u. C. Soliva (Hg.), Nit anders denn liebs und guets, Peterhauser Kolloquium aus Anlaß d. achtzigsten Geb.tag v. Karl S. Bader, 1986, 173–79;
    P. Landau, U. S. u. d. Codex Iuris Canonici, in: ZSRGK 74, 1988, S. 1–16;
    L. Carlen, Briefe franz. Rechtshist. an U. S., ebd., S. 17–26;
    N. Grass, U. S. u. d. österr. Kirchenrechtswiss., ebd., S. 27–43;
    Ch. Waldhoff, Kirchenrecht an d. Rechts- u. Staatswiss. Fak. d. Univ. Bonn, in: Zs. f. ev. Kirchenrecht 51, 2006, S. 70–95;
    P. Landau, in: RGG4;
    K. Fuchs, in: BBKL XI;
    A. Erler, in: HRG;
    G. Köbler, Dt. Rechtshistoriker, 2006;
    P. Landau, in: Juristas universales IV, S. 847–49 (P);
    HLS.

  • Portraits

    P Photogr. (Wien, Österr. Nat.bibl.).

  • Autor

    Andreas Thier
  • Empfohlene Zitierweise

    Thier, Andreas, "Stutz, Ulrich" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 659-660 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118757652.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA