Lebensdaten
1849 bis 1922
Geburtsort
Frauenfeld (Kanton Thurgau)
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Ethnograph ; Anthropologe ; Zoologe
Konfession
-
Normdaten
GND: 117674168 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stoll, Otto

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Zitierweise

Stoll, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117674168.html [20.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (1818–1904), aus Osterfingen (Kt. Schaffhausen), Buchhändler, Red.mitgl. d. „Thurgauer Ztg.“, beteiligt am wirtschaftl. Ausbau d. Eidgenossenschaft, 1851–53 im Post- u. Telegraphendienst in Bern, dann in Z., 1853 Sekr. d. „Zürich-Bodensee-Eisenbahn“, 1853–58 Kreispostdir., 1858–73 Dir. d. „Nordostbahn“, Mitgl. d. Verw.rats ders., 1873–85 Dir. d. „Schweizer. Kreditanstalt“, Mitgründer d. Gotthardbahn, 1879 an d. Gründung d. „Schweizer. Eisenbahnbank“ beteiligt (s. HLS; W), S d. Franz (* 1793), Schuster, 1830–36 u. 1851–63 Gde.präs. in Osterfingen (Kt. Schaffhausen), 1851–52 Vfg.rat., u. d. Agnes Deuber;
    M Katharina Luise Vogler;
    Stief-M seit 1862 Anna Bertha, T d. Johann Caspar Bleuler (1801–82), Kaufm., reiste n. England u. Amerika, 1835–48 Teilh. d. Seidenweberei Zeller & Co. in Z., 1840–58 Mitbegründer u. Teilh. d. Mechan. Seidenzwirnerei in Neumünster, J. Beder & Co., 1846–50 u. 1854–58 Mitgl. d. Gr. Rats in Z. (s. HLS), u. d. Sophie Regula Arter;
    1) Susanna Bär (1851–1900), aus Riferswil, 2) Maria Luise Hagenbuch (1872–1938).

  • Leben

    S. schloß sein Medizinstudium an der Univ. Zürich 1873 mit der Staatsprüfung ab und praktizierte anschließend in der Schweiz und in Österreich, bis er 1877, wiederum in Zürich, zum Dr. med. promoviert wurde. Im folgenden Jahr reiste er nach Guatemala, praktizierte auch dort als Arzt und betätigte sich außerdem als Bienenzüchter und im Kaffeexport. Bis 1883 bereiste er das ganze Land, vornehmlich die südl. Hälfte mit dem von aktiven Vulkanen charakterisierten Hochland. Er machte ethnographische Beobachtungen sowie Sprachstudien, deren Ergebnisse er sehr kompakt und genau in seiner Habilitationsschrift „Zur Ethnographie der Republik Guatemala“ (1884, span. 1938, 21958) zusammenfaßte. Das Buch enthält auch die erste Sprachenkarte Guatemalas. Schon ein Jahr nach seiner Rückkehr habilitierte S. sich an der Univ. Zürich und wurde zum Dozenten für Ethnographie und Anthropologie ernannt. Es schlossen sich Jahre der Lehrtätigkeit an den beiden Züricher Hochschulen und anderen Anstalten an sowie Aktivitäten in wiss. Vereinigungen, u. a. als Mitglied der Schweizer Entomologischen Gesellschaft (1884–87 Präs.), Mitbegründer einer ethnographischen Gesellschaft 1887 (1888–1909 Präs. u. Kustos d. angegliederten Sammlung) und 1898 als Direktor der neugegründeten Zoologischen Sammlung der Stadt Zürich. Sein Lehrauftrag als Professor an der Universität 1891–1912 lautete zwar auf Geographie und Ethnographie, war aber inhaltlich breiter angelegt. Bald nach seiner Emeritierung 1912 brach ein Krebsleiden aus, dem S. 1922 erlag.|Er forschte und publizierte in einem außergewöhnlich breiten Spektrum natur- und kulturwissenschaftlicher Disziplinen. Seine etwa 50 Veröffentlichungen sind der Zoologie (v. a. Entomologie u. Bienenzucht), Ethnographie, Sprachwissenschaft, Geographie (Reiseberichte), Psychologie, Medizin sowie biographischen und anderen anlaßbezogenen Würdigungen gewidmet. S.s zeitgenössische Bedeutung beruhte auf den Ämtern, die er an Züricher wiss. Institutionen innehatte. Seine 1894 erstmals in Buchform formulierte psychologische Theorie war seinerzeit weithin anerkannt (u. a. Rez. u. Erwähnungen v. Wilhelm Wundt, Herman ten Kate, Eduard Seler u. Alfred Vierkandt). Sie versucht, Wahrsagerei, Gedankenlesen und Suggestion interkulturell psychologisch und rational zu erklären, wozu S. zusammen mit dem Psychologen Auguste Forel (1848–1931) auch klinische Studien durchführte. Seine zoologischen Beiträge und Sammlungen zur Fauna in Guatemala und der Schweiz wurden hoch geschätzt, wie sein Beitrag „Arachnida Acartidea“ (1886–93) in der in London herausgegebenen „Biologia Centrali Americana“ beweist. Seine deskriptiven Sprachstudien zu den Mayasprachen (v. a. Ixil, Pokom, Uspantekisch u. Kekchi), seine ethnographischen Beobachtungen und seine sprachgeographische Synthese Guatemalas sind auch heute noch Referenzwerke in Ethnologie und Maya-Forschung.

  • Werke

    Weitere W Guatemala, Reisen u. Schilderungen aus d. J. 1878–1883, 1886 (mit lith. u. xylograph. Tafeln),Nachdr. 2001;
    Die Sprache d. Ixil-Indianer, Ein Btr. z. Ethnol. u. Linguistik d. Maya-Völker, Nebst e. Anhang: Wortverzeichnisse aus d. nordwestl. Guatemala, 1887;
    Die Maya-Sprachen d. Pokom-Gruppe, 1. T.: Die Sprache d. Pokonchi-Indianer, 1888, 2. T.: Die Sprache d. K`ekchi Indianer, nebst e. Anhang: Die Uspanteca, 1896;
    Die Ethnol. d. Indianerstämme v. Guatemala, 1889;
    Suggestion u. Hypnotismus in d. Völkerpsychol., 1894, 21904;
    Georg Stoll, Ein Lb., 1904;
    Nachlaß:
    Zentralbibl. Zürich.

  • Literatur

    H. J. Wehrli, in: Vjschr. d. Naturforsch. Ges. in Zürich, 67, 1922, S. 417–19;
    ders., in: Mitt. d. Geogr.-Ethnogr. Ges. Zürich, 23, 1922/23, S. 5–40 (W-Verz., P);
    J. Strohl, Nekr. zu d. Verhh. d. Schweizer. Naturforsch. Ges., 2. T., Anhang, 1923, S. 55–58 (W-Verz., P);
    ders., in: Vjschr. d. Naturforsch. Ges. in Zürich, 69, 1924, S. 128–71;
    100 J. Völkerkundemus. d. Univ. Zürich 1889–1989, 1989;
    Ch. Prager, The posthumous works of O. S. in the Zentralbibl. Zürich, A compilation of his manuscripts concerning Central America, in: mexicon 19, 1997, S. 86–91;
    HBLS (P);
    Schweizer Ärzte als Forscher, Entdecker u. Erfinder, hg. v. d. Ciba AG, Basel, 1946, S. 97 f. (P);
    Ch. Bossart, Schweizer Ärzte als Naturforscher im 19. Jh., 1979;
    Henze, Entdecker;
    HLS;
    – Qu Archiv d. Univ. Zürich.

  • Autor/in

    Berthold Riese
  • Empfohlene Zitierweise

    Riese, Berthold, "Stoll, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 414-415 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117674168.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA