Lebensdaten
1853 bis 1926
Geburtsort
Lemberg
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Schauspieler ; Regisseur ; Theaterdirektor
Konfession
jüdisch,evangelisch
Normdaten
GND: 117286842 | OGND | VIAF: 54922031
Namensvarianten
  • Stollberg, Ignaz Georg
  • Stolzberg, Gedalje Isak (bis 1874)
  • Stollberg, Georg
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Zitierweise

Stollberg, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117286842.html [22.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Aron Stolzberg, Kaufm., Privatier in Wien;
    M Sara Chochel (Koschell);
    Berlin 1896 Margaret(h)e (Grete) (1870–1945, ev.), aus Ahlbeck, Schriftst., T d. Christian Kramme (1831–1919), Fabrikbes. in Berlin, u. d. Anna Heintze (1836–1903;
    1 S Friedrich (Fritz) Christian Adolf (1900–48, 1] 1923–26 Amalie Günther, * 1899, kath., T d. Ernst Franz Günther, Kaufm. in M., 2] 1935 Hedwig Pfeiffer, 1909–94, kath., T d. August Pfeiffer, Kaufm. in M.), Dipl.-Ing. in M., 2 T Charlotte Marie (1897–1982, Günther Malyoth, 1896–1952, Dr. med. et phil., Prof. f. Kinderheilkde. in M., entwickelte 1934 mit d. Allgäuer Alpenmilch AG d. erste industriell gefertigte Säuglingsnahrung, Wegbereiter d. Trophologie, s. Kürschner, Gel.-Kal. 1950, S d. Ludwig Mayr, später Malyoth, 1860–1939, Schausp., Hoftheaterintendanzoberinsp. in M., Theaterhist.), Helene (Leni) (1902–94, 1] 1921–24 Stefan Reinemann, * 1895, 1942 n. Piaski deportiert, Ing., Kaufm., Journ., s. Biogr. Gedenkbuch Münchner Juden, S d. David Reinemann, 1911, Hopfengroßhändler, Privatier in M., u. d. Dina Metzger, 1866–1938, s. Biogr. Gedenkbuch Münchner Juden, 2] Norman[n] Dix, 1893–1981, Filmproduzent u. -regisseur, Dokumentarfilmer, Drehbuchautor, Kameramann, Gastronom), Kunstgewerblerin, Filmemacherin, Gastronomin in M., Rottach u. Gmund/Tegernsee, Mitarb. b. d. Filmen ihres Ehemannes, führte mit diesem d. „Bergcafé Dix“ auf e. Alm b. Sutten/Tegernsee;
    E Julius (* 1941, ⚭ Ingeborg Liebel, * 1940, Chefköchin), Gastronom, beide führen d. „Grüne Gans“ in M., Eleonore Malyoth (1921–2009, ⚭ Rolf Schuler, * 1925, Dr., Pharmakol., S d. Franz August Schuler, Architekt in M.), Biol., Chemikerin, führte mit ihrem Ehemann e. gastroenterol. Labor in Berg/Starnberger See.

  • Leben

    S., nach dem Bankrott des Vaters in bescheidenen Verhältnissen in Wien aufgewachsen, begann zunächst eine kaufmännische Ausbildung. Seit 1865/66 nahm er nebenher kostenfreien Schauspielunterricht bei Johann Fürst (1825–82), der S. am Theater in der Josefstadt als Statist einsetzte und 1873/74 als Chargenspieler debütieren ließ. S. brach daraufhin die Kaufmannslehre ab, nannte sich fortan Georg Stollberg und wechselte über Brünn 1876/77 ans Theater in Neusohl, wo er als „erster Liebhaber“ engagiert wurde. Mit der Van-Hellschen Theatertruppe gastierte er in verschiedenen Provinztheatern, bis er sich 1878 vertraglich ans Wiener Carltheater band. 1880 wurde er ans Dresdner Residenztheater verpflichtet, 1881–84 folgte ein Engagement am Lobetheater Breslau, wo S. sein Rollenrepertoire als „Bonvivant“ und „Liebhaber“ im komischen Fach sowie der Operette erweiterte. 1884–88 trat er in Dresden, Chemnitz, Bremerhaven und Hannover auf, 1888–91 am Adolf-Ernst-Theater und|dem Bürgerlichen Schauspielhaus in Berlin. Hier wandte sich S. nun auch der Regie zu, weil er sich wegen seiner leicht untersetzten körperlichen Statur in seinem Rollenfach zunehmend unwohl fühlte. 1891/92 inszenierte er am Belle-Alliance-Theater moderne naturalistische Stücke für die Berliner Freie Volksbühne. Mit dem Erfolg der Naturalismus-Bewegung wuchsen S.s darstellerische Aufgaben ins Charakterfach. Im Sommer 1893 pachtete er mit eigenem Ensemble das Weimarer Tivoli-Theater. Hier und in Erfurt führte er trotz heftiger Proteste Stücke von Sudermann, Strindberg und Halbe auf. Im Herbst 1894 wurde er von Otto Brahm (1856–1912) an das Deutsche Theater in Berlin berufen, wo er als Regieassistent wichtige Erfahrungen in der Darstellung naturalistischen Milieus sammelte; 1895 während eines Gastspiels in Hannover engagierte ihn Emil Meßthaler (1869–1926) als Direktionsstellvertreter und Oberspielleiter an das noch im Bau befindliche Deutsche Theater in München, um hier dem intimen und milieugebundenen Schauspiel zum Durchbruch zu verhelfen. Als dieser Versuch fehlschlug, wechselte S. Ende 1897 als künstlerischer Leiter und Schauspieler an das im Nov. desselben Jahres neugegründete „Münchner Schauspielhaus“ in den „Zentralsälen“ in der Neuturmstraße, wo er 1898 die Leitung von Emil Drach ganz übernahm. Mit der Spielzeit 1898/99 fand S. in dem Großkaufmann und Brauereibesitzer Cajetan Schmederer (1847–1923) einen Mäzen, der schließlich geschäftsführend in die Leitung miteintrat. Der erfolgreichen Direktion S./Schmederer wurde bereits 1899 vom Ministerium auch die Leitung des kgl. Gärtnerplatztheaters übertragen. Die erfolgreichen Dispositionen des Theaterbetriebs „Vereinigte Theater München“ (gemeinsam mit dem Union-Theater bis 1915) ermöglichten 1900/01 den Neubau in der Maximilianstraße (nachmals „Münchner Kammerspiele“), der mit Sudermanns „Johannes“ in S.s Regie eröffnet wurde. Die Direktoren führten eine unternehmerisch geschickte Spielteilung ein: in der Maximilianstraße das moderne Schauspiel, am Gärtnerplatz nur Operette. Unter ihrer Direktion avancierte das Gärtnerplatztheater bis 1915 zur führenden dt. Operettenbühne. S. behielt sich die Oberregie für beide Häuser vor, sein künstlerischer und geschäftlicher Mittelpunkt blieb aber die Maximilianstraße, wo er nun die (Ur- u. Erst-) Aufführungen zahlreicher naturalistischer, impressionistischer und expressionistischer Dramen, besonders von Bahr, Björnson, Conrad, Fulda, Gorki, Halbe, Hartleben, Hauptmann, Ibsen, Kaiser, Maeterlinck, Roda Roda, Ruederer, Shaw, Sudermann, Tolstoi, Wedekind, Wilde oder Zola fortsetzte und deutschlandweit Aufsehen erregte. S. holte 1898 August Strindberg nach München und protegierte Frank Wedekind; sein Wagemut, der z. T. heftige Kontroversen bei Publikum und Presse hervorrief, wurde durch zugkräftige Stücke besonders von Ganghofer, Schnitzler oder Thoma ausgeglichen. In vielen Stücken trat S. selbst auf, führte Regie oder verpflichtete andere Regisseure wie Siegfried Raabe und Otto Falckenberg (1916 ff.). 1919 trat S. mit Schmederer von der Theaterleitung zurück. Beide hatten 1908 die „Pensionsanstalt für die Mitglieder des Theater am Gärtnerplatz und Münchner Schauspielhaus“ gegründet und regelmäßig Benefizveranstaltungen zugunsten armer Bürger initiiert.

    1922–25 übernahm S. abermals die Direktionsgeschäfte; 1923 beging er sein 50. Bühnenjubiläum. Als Wegbereiter Wedekinds und beharrlicher Verfechter des modernen Dramas legte sich S. oft mit der Zensur an und nahm Theaterskandale in Kauf, jedoch stets im Bewußtsein einer verantwortungsvollen Wirtschaftlichkeit. Fortdauernder Erfolg gab ihm recht und machte das „Münchner Schauspielhaus“ zu einem der einflußreichsten Theater seiner Zeit.

  • Auszeichnungen

    A bayer. Ludwigsmedaille f. Wiss. u. Kunst (1913);
    bayer. Kg. Ludwig-Kreuz (1916);
    osman. Rote Halbmond-Medaille in Bronze (1916);
    Mitgl. d. Ethischen Klubs Berlin u. d. Halkyonischen Ak. f. unangewandte Wiss. zu Sal× (Gardasee);
    S.-Str. in München (1968).

  • Werke

    W Rollen: u. a. Helmer in Ibsens „Nora“, 1891;
    Ing. Hoffmann in Hauptmanns „Vor Sonnenaufgang“, 1892;
    Heiber in d. UA v. Hauptmanns „Die Weber“, 1893;
    Liebhaber in Falckenbergs „Erlösung“, 1899;
    Regie: u. a. Ibsens „Gespenster“, Hebbels „Maria Magdalena“, Gogols „Revisor“, alle Berlin 1891/ 92;
    Theaterdir.: Uraufführungen u. a. von „Von morgens bis mitternachts“, v. G. Kaiser, 1917;
    „Moral“ v. L. Thoma, 1908;
    „Hidalla“, 1905 u. „So ist das Leben“ v. F. Wedekind, 1902;
    Publ.:
    Psychologisches aus d. Schauspielkunst, in: Münchener Neueste Nachrr., Nr. 8 v. 9. 2. 1899;
    Korr./ Nachlaß:
    Münchner Lit.archiv Monacensia;
    eigene Studien:
    u. a. StadtA München;
    Fam.bes. Julius Stollberg u. Angelo Schuler.

  • Literatur

    P. Busse (Hg.), Theater-Alm. f. d. Münchner Schauspielhaus 1899/1900, 1900 (P);
    ders., Gesch. d. Gärtnerplatztheaters in München, 1914 (P);
    (Porträt-)Alm. f. d. Vereinigten Theater München 1908/09–12/13 (P);
    Nachruf/Totenrede v. M. Halbe, in: Münchner Neueste Nachrr., Nr. 89 v. 30.3. 1926;
    R. Wünneberg, G. S. u. d. neuere Drama in München, Diss. München, 1933;
    W. Bergold (Red.), 50 J. Schauspielhaus 25 J. Kammerspiele im Schauspielhaus, 1951 (P);
    J. Heinzelmann, 100 J. Theater am Gärtnerplatz München, 1965;
    Briefe aus gr.|Theaterzeit, in: Münchner Merkur v. 14.7.1966;
    W. Petzet, Theater, Die Münchner Kammerspiele 1911–1972, 1973, S. 24–30;
    R. Hartl, Aufbruch zur Moderne, Naturalist. Theater in München, Diss. München 1976, S. 376–85 u. 561–67;
    D. Petzet, Theater in München 1918–1933, in: Ch. Stölzl (Hg.), Die Zwanziger J. in München, Aust.kat. Münchner Stadtmus. 1979, S. 75–91;
    Michael Meyer, Theaterzensur in München 1900–1918, Gesch. u. Entwicklung d. polizeil. Zensur u. d. Theaterzensurbeirates unter bes. Berücksichtigung Frank Wedekinds, Diss. München 1982;
    P. Jelavich, Munich and theatrical modernism, Politics, playwriting and performance 1890–1914, Diss. Cambridge (Mass.) 1985, S. 152–60 u. 247–60;
    H. Matiasek, 125 J. Gärtnerplatztheater München, 1990;
    Eisenberg;
    Dt. Bühnenjb. 1927;
    Kosch, Theater-Lex.;
    ÖBL.

  • Portraits

    Doppelporträt mit C. Schmederer, Zeichnung v. M. Eichler, Abb. in: P. Busse, Das Münchner Schauspielhaus im neuen Heim, 1901.

  • Autor/in

    Martin Laiblin
  • Empfohlene Zitierweise

    Laiblin, Martin, "Stollberg, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 415-417 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117286842.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA