Lebensdaten
1891 bis 1937
Geburtsort
Weinheim/Bergstraße
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
Rechtshistoriker ; Jurist
Konfession
-
Normdaten
GND: 119226162 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stoll, Heinrich Wilhelm Georg
  • Stoll, Heinrich
  • Stoll, Heinrich Wilhelm Georg

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Zitierweise

Stoll, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119226162.html [04.04.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm Georg Otto (1861–1910, Dr. iur., Amtsrichter, Landger.rat, bad. Min.rat, S d. Ludwig Georg Friedrich (1820–92, aus niederösterr. Fam., Kaufm. in Mannheim, u. d. Wilhelmine Juliane Henriette Eberle (1828–87;
    M Anna (1868–1929, T d. Heinrich Georg Goßler (1831–80, Papierfabr. in Frankeneck (Pfalz), u. d. Elisabeth Marie Kuhn (1837–82;
    1 B, 1 Schw;
    Karlsruhe 1921 Doris (eigtl. Dorothea) (1893–1988, Arztsekr., Hilfsschwester, T d. Georg Eberle (1858–1925, Dr. med., prakt. Arzt, Med.rat u. Bez.arzt in Karlsruhe, u. d. Katharina Dörner (1868–1957);
    3 S Wilhelm (1923–2010, Dr. rer. nat., o. Prof. d. Math. an d. Notre Dame Univ., South Bend (Indiana, USA), Hans (* 1926), Dr. iur., o. Prof. f. Zivilrecht in Freiburg (Br.) (beide s. Kürschner, Gel.-Kal. 2011), Dieter (eigtl. Dietrich) (* 1935), Dr.-Ing., Prof. f. Nachrr.technik an d. Hochschule f. Technik, Wirtsch. u. Gestaltung in Konstanz, 1 T Annemarie (1926–2007, Tadasu Tokumaru, * 1928, Dr. med., Arzt, Virologe in Fort Lee, New Jersey, USA), Künstlerin in Tenafly (New Jersey, USA).

  • Leben

    Nach Schulbesuch in Freiburg (Br.) und Karlsruhe legte S. 1909 das Abitur ab und leistete bis 1910 Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger. Anschließend studierte er in Berlin, Heidelberg, Freiburg und München Rechtswissenschaft und Nationalökonomie. Nach dem 1. jur. Staatsexamen, das er 1914 als Bester seines Prüfungsdurchgangs bestand, nahm er den Referendardienst auf. Von Kriegsbeginn bis Jan. 1919 diente S. als Artillerieoffizier an West- und Ostfront. Nach Wiederaufnahme seines Vorbereitungsdienstes legte er 1920 das 2. Staatsexamen ab, abermals als Durchgangsbester. S. wurde 1921 Staatsanwalt in Heidelberg und publizierte erste Arbeiten im Strafrecht. Betreut von Josef Partsch (1882–1925), dessen Lehre er sich schon in Freiburg zugewandt hatte, schrieb S. eine zivilrechtliche Dissertation „Die Wirkungen des vertragsmässigen Rücktritts“ und wurde 1921 an der Univ. Bonn promoviert. In seiner Habilitationsschrift „Rücktrittsvereinbarungen nach röm. und bürgerlichem Recht“, die in Heidelberg von Otto Gradenwitz (1860–1935) und Friedrich Endemann (1857–1936) betreut wurde, trat S. für die sog. Vertragstheorie ein, wonach der Rücktritt den Vertrag nicht beseitigt, sondern mit veränderten Pflichten fortbestehen läßt. Nach dem Erwerb der Lehrbefugnis für Röm. und Bürgerliches Recht 1923 wurde S. zum ao. Professor an der Univ. Freiburg ernannt; 1927 erlangte er ein Ordinariat für Bürgerliches und Röm. Recht in Tübingen.

    Als Rechtshistoriker verfaßte S. mehrere dogmatische Schriften, hauptsächlich über das Vertragsrecht. Sein Hauptarbeitsgebiet war jedoch das Bürgerliche Recht, das er rechtsvergleichend bearbeitete. S. schloß sich der sog. Tübinger Schule um Philipp Heck und Max Rümelin an und orientierte sich an der Interessenjurisprudenz, deren methodische Grundlagen er fortentwickelte. National eingestellt und seit 1925 DVP-Mitglied, sah er im Nationalsozialismus einen Weg zum Wiederaufstieg Deutschlands. Ohne der NSDAP beizutreten, engagierte sich S. in NS-Fachorganisationen, u. a. als Gaufachberater der Fachgruppe Hochschullehrer im Bund Nationalsozialistischer Dt. Juristen (BNSDJ) und in der Akademie für Dt. Recht, wo er dem Ausschuß für Boden- und Fahrnisrecht vorsaß. S. versuchte, die Grundsätze der Interessenjurisprudenz und der subjektivteleologischen Auslegung zu nutzen, um das Vordringen des neuen Rechtsdenkens zu ermöglichen. S., der idealistischem Denken verhaftet war, hielt es für möglich, die Entwicklung nationalsozialistischen Rechts mit dem Bemühen um wissenschaftliche Aufrichtigkeit zu vereinbaren. So trat er für die Wahrung von Vertragsfreiheit und Eigentum ein. Während S. die Auflösung von Mischehen mit einem jüd. Partner 1934 grundsätzlich nach geltendem Recht ablehnte, kam er nationalsozialistischen Forderungen insoweit entgegen, als er befürwortete, in einer gesetzlichen Übergangsregel die Scheidung generalklauselartig in manchen Fällen zuzulassen. Damit blieb er hinter den politischen Erwartungen der Zeit weit zurück und wurde als Reaktionär scharf angegriffen und gemaßregelt. 1935 ließ er sich die Einrichtung eines Instituts für Rechtserneuerung zusagen. 1937 wurde sein „Deutsches Bauernrecht“ zensiert; diese Maßnahme und andere Beschränkungen seiner Wissenschaftsfreiheit desillusionierten ihn.

    Fortwirkende Leistungen erbrachte S. v. a. im Schuldrecht. In seiner 1936 für die Akademie für Dt. Recht verfaßten Denkschrift „Die Lehre von den Leistungsstörungen“ entwickelte er die Leistungsstörung als einen|der zentralen Begriffe des Schuldrechts. Sein Grundsatz ist die Ausrichtung des Leistungsstörungsrechts auf die Haftung für schuldhafte Pflichtverletzung. Dieser Gedanke ist mit der Schuldrechtsreform von 2002 Gesetz geworden.

  • Auszeichnungen

    A E. K. II. Kl. (1914); E. K. I. Kl. (1917);
    Rr.kreuz II. Kl. d. Zähringer Löwenordens mit Schwertern (1914);
    Ehrenkreuz f. Frontkämpfer;
    Mitgl. d. Ak. f. Dt. Recht (1933).

  • Werke

    Weitere W Haftung f. d. Verhalten während d. Vertragsverhh., in: Leipziger Zs. f. Dt. Recht 1923, Sp. 532–48;
    Die formlose Vereinbarung d. Aufhebung e. Vertragsverhältnisses im röm. Recht, in: ZSRGR 44, 1924, S. 1–85;
    Rechtsstaatsidee u. Privatrechtslehre, in: Jherings Jbb. 76, 1926, S. 134–206;
    Ueber d. Beziehungen d. Rechtslehre z. Praxis, in: Archiv f. d. civilist. Praxis 126, 1926, S. 174–203;
    Rücktritt u. Schadensersatz, ebd. 131, 1929, S. 141–85;
    Aufwertungsansprüche b. Auseinandersetzung unter Miterben, ebd. 132, 1930, S. 213–39;
    Haftung aus Bescheinigung, ebd. 135, 1932, S. 89–116;
    Abschied v. d. Lehre v. d. positiven Vertragsverletzung, ebd. 136, 1932, S. 257–320;
    Art. 152. Vertragsfreiheit, in: Die Grundrechte u. Grundpflichten d. Reichsvfg., Bd. 3: Art. 143–165, hg. v. H. C. Nipperdey, 1930, S. 175–95;
    Begriff u. Konstruktion in d. Lehre d. Interessenjurisprudenz, Festgabe f. Philipp Heck, Max Rümelin u. Arthur Benno Schmidt, 1931, S. 60–117;
    Das Bürgerl. Recht in d. Zeiten Wende, 1933;
    Vfg. u. Privatrecht, in: DJZ 1933, Sp. 278–83;
    Die nat. Rev. u. d. bürgerl. Recht, ebd. 1933, Sp. 1229–35;
    Die Auflösung e. Mischehe, ebd. 1934, Sp. 561–70;
    Gemeinschaftsgedanke u. Schuldvertrag, ebd. 1936, Sp. 414–21;
    Jur. Methode, in: Leben in d. Justiz, hg. v. H. Richter, 1934, S. 83–113;
    Die Gesetzgebung d. Dritten Reiches auf d. Gebiet d. Privatrechts, Zs. d. Ak. f. Dt. Recht 1934, S. 137–40 u. 178–82;
    Unmöglichkeit u. Unzumutbarkeit, ebd. 1936, S. 628–32;
    Digestorum liber XXXVI, in: Index Interpolationum, Bd. 3, 1935, Sp. 1–24;
    Schadensersatz u. Unrecht, in: Jb. d. Ak. f. Dt. Recht 1936, S. 140–53;
    Vertrag u. Unrecht, 2 Halbbde., 1936;
    Mithg.:
    Archiv f. d. civilist. Praxis 129–44, 1928–38;
    DJZ 1934;
    W-Verz. in: Archiv f. d. civilist. Praxis 144, 1938, S. 24–31.

  • Quellen

    Univ.archive Heidelberg, Freiburg (Br.) u. Tübingen (Personalakten).

  • Literatur

    Tübinger Chronik Nr. 143 v. 23. 6. 1937;
    F. Baur, H. S. als Lehrer, ebd. v. 10. 7. 1937;
    H. Lange, in: Zs. d. Ak. f. Dt. Recht 1937, S. 436;
    Ph. Heck, in: Archiv f. d. civilist. Praxis 144, 1938, S. 3–31;
    H. Kreller, in: ZSRG R 58, 1938, S. 449–54;
    H. Schneider, in: Lb. z. Gesch. d. Tübinger Jur.fak., hg. v. F. Elsener, 1977, S. 165–75 (P);
    K. Kreuzer, in: Bad. Biogrr. NF II, 1987;
    Zivilrechtslehrer dt. Sprache, bearb. v. Yu-Cheol Shin, hg. Hyung-Bae Kim u. W. Frhr. Marschall v. Bieberstein, 1988, S. 525;
    A. Sessler, Die Lehre v. d. Leistungsstörungen, H. S.s Bedeutung f. d. Entwicklung d. allg. Schuldrechts, 1994;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1931;
    Wi. 1935.

  • Quellen

    Univ.archive Heidelberg, Freiburg (Br.) u. Tübingen (Personalakten).

  • Autor/in

    Martin Avenarius
  • Empfohlene Zitierweise

    Avenarius, Martin, "Stoll, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 413-414 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119226162.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA