Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Adelsfamilie
Konfession
katholisch
Namensvarianten
  • Liechtenstein, Fürsten von und zu

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Zitierweise

Liechtenstein, Fürsten von und zu, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz126774.html [27.05.2018].

CC0

  • Leben

    Die erstmals um 1136 mit einem Hugo belegten L. stammen vermutlich von den hochfreien Herren von Donauwörth oder von den Herren von Machland ab. Als Stammsitz gilt die bis zum 13. Jh. im Besitz des Hauses befindliche Veste Liechtenstein südlich von Wien; die Mitbenennung nach der mähr. Herrschaft Nikolsburg erfolgte seit deren Erwerb 1249. Mit den Söhnen Dietrichs (I.) (gen. 1178-1209) erscheint die Familie kurzfristig in einen Rohrauer und einen Petroneller sowie in einen Liechtensteiner Zweig geteilt. Vom 13. bis zum 15. Jh. sind Vertreter der Familie im Gefolge der Landesherren nachzuweisen wie auch als Beamte und Inhaber von Hofämtern auswärtiger Fürsten: Etwa Georg (III.) ( 1419), der einzige Kirchenfürst der Familie, Bischof von Trient und 1412 Reichsfürst und Rat Kaiser Sigismunds, und Heinrich (VII.) ( n. 1485), Rat Hzg. Albrechts VI. und Kg. Georg Podiebrads und 1473 Hauptmann in Mähren (s. ADB 18). Zu Zeiten Johanns (I.) ( 1397), des langjährigen Hofmeisters Hzg. Albrechts III., wurden 1394 vermutlich aus machtpolitischen Gründen nahezu sämtliche l.schen Besitzungen in Nieder- und Oberösterreich sowie in Tirol, vor allem jene südlich der Donau, vom Landesfürsten eingezogen. Anfang des 16. Jh. teilte sich die Familie in eine Feldsberger, eine Steyregger und eine Nikolsburger Linie, von denen nur die erste überdauerte. Sie verfügte über Besitz in Südmähren und im nördlichen Weinviertel. – Der eigentliche Aufstieg der Familie setzte mit den Brüdern Karl I. (1569–1627, s. 1), Maximilian (1578–1643) und Gundakar (1580–1658) ein. 1606 kam es erstmals zur Errichtung eines Familienfideikommisses, die Regierung des Hauses wurde beim Primogenitus festgelegt. Karl I., dessen politisches Engagement ihn als eine zentrale Figur an den Höfen Kaiser Rudolfs II. und Matthias' und im böhm. Aufstand erscheinen läßt, erhielt 1607 den Palatinatsbrief und wurde 1608, wie auch wenig später seine Brüder, in den erblichen Fürstenstand erhoben. 1614/22 erhielt er die böhm. Kronlehen Troppau und Jägerndorf als besitzrechtliches Äquivalent zur Fürstenwürde. Über Heirat und durch Kauf von Konfiskationsgütern bzw. Belehnungen gelangte umfangreicher Herrschaftsbesitz in Süd- und Nordmähren, Ostböhmen und im Raume Prag an das Haus. Karls Nachfahren festigten die wirtschaftliche Position der Familie durch weitere Erwerbungen. Sein Sohn Karl Eusebius (1611–84) befaßte sich nur kurzfristig mit öffentlichen Aufgaben – 1639-41 war er Oberhauptmann der Herzogtümer Ober- und Niederschlesien –, er trachtete vielmehr in erster Linie danach, die durch den 30jährigen Krieg geschaffenen Verödungen und Mißstände auf seinen Gütern durch entsprechende Wirtschafts- und Verwaltungsmaßnahmen zu beseitigen. Er gilt als Gründer der Gemäldesammlung. Im Hinblick auf Bautätigkeit und Kunstförderung wurde er bei weitem von seinem finanztüchtigen Sohn Johann Adam (1657–1712, s. 2) übertroffen, der den Beinamen „der Reiche“ trug. Mit ihm starb die Karolinische Linie aus, die Regierung kam an die Deszendenten des Fürsten Gundakar, von dem sich die heute lebenden Familienmitglieder herleiten. Gundakars Enkel Anton Florian (1656–1721, s. 3) erreichte durch seinen politischen wie auch persönlichen Einfluß als Erzieher und Obersthofmeister Kaiser Karls VI. die Erhebung der Herrschaften Schellenberg und Vaduz (erworben 1699 bzw. 1712) zum Reichsfürstentum Liechtenstein 1719 und schuf damit die rechtliche Grundlage für Sitz und Stimme des Hauses im Reichsfürstenkollegium. Auf Anton Florian folgte sein Sohn Joseph Johann (1690–1732), der sich in erster Linie der Verwaltung seiner Güter widmete und mit Johann Nepomuk Karl (1724–48) einen minderjährigen Sohn hinterließ. Nach dessen vorzeitigem Tod fiel die Regierung an einen Neffen Anton Florians, den unter Kgn. Maria Theresia als Heerführer wie als Diplomat gleichermaßen bedeutenden Fürsten Joseph Wenzel (1696–1772, s. 4), einen typischen Aristokraten barocker Prägung. Aus dem Erbe der Fürstin Maria Theresia von Savoyen (1694–1772, Tochter des Johann Adam), von der zahlreiche wohltätige Stiftungen herrühren, gelangte 1772 umfangreicher Grundbesitz im Raum Prag an das Haus. Ende des 18. Jh. war der Herrschaftsausbau im Gebiet der böhm. Länder im wesentlichen abgeschlossen. Die Nachfolger Joseph Wenzels, zunächst sein Neffe Franz Joseph I. (1726–81), Bruder des Feldmarschalls Karl Borromäus (1730–89), wandten sich primär wieder wirtschaftlichen Fragen zu. Zur Verbesserung der Forst- und Ackerkulturen und aus rein botanischem Interesse importierte dessen Sohn Alois I. (1759–1805, s. ADB 18) zahlreiche Nutz- und Zierpflanzen aus Übersee. Er war ein Fürst mit vielseitigen, vorab bibliophilen Neigungen und einer Vorliebe für Baukunst, Theater und Musik. 1805 übernahm sein Bruder Johann I. (1760–1836, s. 5), der die militärische Laufbahn gewählt hatte und sich in den Napoleonischen Kriegen auszeichnete, die Regierung. Nach seinem Ausscheiden aus dem Heer im Rang eines Feldmarschalls 1810 bemühte er sich um eine durchgreifende Reorganisation der Verwaltung seiner Güter und gab mit der Einführung ausländischer Pferde-, Rinder- und Schafrassen der Viehzucht neue Impulse. Besitzerwerbungen in Niederösterreich, Kärnten und der Steiermark dienten großteils der Errichtung von Majoraten zugunsten seiner nachgeborenen Söhne, der Prinzen Franz (1802–87, General), Karl (1803–71, Oberstwachtmeister) und Friedrich (1807–85, General). 1806 wurde das Fürstentum ohne Zustimmung Johanns in den Rheinbund aufgenommen und erhielt die volle Souveränität. Alois II. (1796–1858) setzte seiner Erziehung entsprechend die Reformen seines Vaters vor allem auf dem Gebiet der Forstwirtschaft fort, beteiligte sich|aktiv an der Gründung und Leitung verschiedener landwirtschaftlicher Vereinigungen, etwa als Präsident der Wiener Landwirtschaftsgesellschaft 1849–58, und förderte besondere züchterische Leistungen. Bedeutung erlangte er auch als Bauherr. Dagegen betätigte sich sein Sohn Johannes II. (1840–1929, s. 6) mit der finanziellen Unterstützung kunstgeschichtlicher, archäologischer und historischer Forschung auf kulturellem Gebiet und widmete sich in starkem Maße karitativer Tätigkeit. 1862 gab er dem Fürstentum eine konstitutionelle Verfassung, 1921 die heute geltende Verfassung auf demokratischer und parlamentarischer Grundlage. – Auch in Nebenlinien brachte die Familie eine Anzahl namhafter Persönlichkeiten hervor, etwa die Nachkommen des Karl Borromäus: seine Söhne Joseph (1767–1842), Generalmajor, Moritz (1775–1819), Feldmarschalleutnant, und Alois (1780–1833), Feldzeugmeister, sein Enkel Karl (1790–1865), General d. Kav., seine Urenkel Karl (1827–99), k. k. Kämmerer und Oberstleutnant, und Rudolf (1838–1908), General der Kav. Politisch betätigte sich Prinz Alfred (1842–1907), der im Herrenhaus als Führer der klerikalen Rechten galt und zusammen mit seimem Bruder Alois (1846–1920, s. 7), dem „Roten Prinzen“, den „Liechtensteinklub“, einen christlich orientierten Zentrumsklub, gründete. – Der Nachfolger in der Leitung des Hauses, Franz I. (1853–1938), ein Bruder des Fürsten Johannes II., wirkte 1894-98 als österr. Botschafter am Zarenhof in Petersburg. Aufgrund seiner vielseitigen historischen Interessen stand er an der Spitze mehrerer Fachvereinigungen, etwa der Kommission für neuere Geschichte (1903), und war Präsident der Zentralkommission für Kunst- und historische Denkmale, deren Reorganisation er durchführte. Nach Verzicht aller erbberechtigten Agnaten auf die Sukzession trat 1938 Fürst Franz Josef II. (* 1906) die Regierung an und nahm als erster Fürst ständigen Wohnsitz in Liechtenstein, das sich dank seiner Finanzpolitik zu einem Kleinstaat mit moderner Wirtschaftsstruktur entwickelte. 1984 ernannte er Erbprinz Hans Adam (* 1945) zu seinem Stellvertreter. Die Besitzungen in der Tschechoslowakei verlor die Familie im Verlauf der Bodenreform (seit 1919) teilweise, 1945 schließlich zur Gänze.

  • Literatur

    ADB 18;
    Documenta Liechtensteiniana, Cura Alfredi principis a Liechtenstein, ed. R. Jenne, Privatdr., o. J.;
    J. Falke, Gesch. d. fürstl. Hauses L., 3 Bde., 1868-82;
    G. Wilhelm, Fürst Karl v. L. u. s. genealog. u. herald. Bestrebungen, in: Neues Jb. d. Herald.-Genealog. Ges. Adler 2, 1947/50, S. 5-18;
    ders., Stammtafel d. Fürstl. Hauses v. u. zu L., o. J.;
    ders., Die Fürsten v. L. u. ihre Beziehungen zu Kunst u. Wiss., in: Jb. d. L.schen Kunstges., 1976, S. 9-179;
    J. Arndt, Hofpfalzgrafen-Register I, 1964, S. 71-78;
    H. Mitscha-Märheim, Zur Gesch. d. älteren L. u. ihres Besitzes in Niederösterreich, in: Neues Jb. d. Herald.-Genealog. Ges. Adler 3. F., 8, 1971/73, S. 19-46;
    H. Stekl, Österreichs Aristokratie im Vormärz, Herrschaftsstil u. Lebensformen d. Fürstenhäuser L. u. Schwarzenberg, 1973;
    Wurzbach 15;
    H. Bohatta, L.sche Bibliogr., 3 T. (I. Das Geschl. d. österr. L., II. Das Fürstentum L., III. Die österr. Besitzungen d. fürstl. Hauses), o. J.;
    Wurzbach 15;
    Isenburg I, Tafel 175-79;
    Das Fürstentum Liechtenstein, hrsg. v. Wolfg. Müller, 1981 (P);
    ÖBL.

  • Autor/in

    Evelin Oberhammer
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Oberhammer, Evelin, "Liechtenstein, Fürsten von und zu" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 513-514 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz126774.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA