Lebensdaten
1657 bis 1712
Geburtsort
Brünn
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Staatsmann ; Mäzen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119053977 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Liechtenstein, Johann Adam Fürst von und zu

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Zitierweise

Liechtenstein, Johann Adam Fürst von und zu, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119053977.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Fürst Karl Eusebius (1611–84), Kunstsammler u. Kunsttheoretiker, S d. Karl I. (s. 1);
    M Joh. Beatrix ( 1676), T d. Maximilian II. Fürst v. Dietrichstein (1596–1655) u. d. Anna Maria Prn. v. Liechtenstein (1597–1638);
    1681 Erdmunda Maria Theresia (1662–1737), T d. Ferdinand Joseph Fürst v. Dietrichstein (1636–98) u. d. Maria Elisabeth Prn. v. Eggenberg (1640–1715);
    5 S (alle vor L. †), 8 T. - Die Karlin. Linie erlischt; ihre Nachfolge tritt d. Gundakarsche Linie an.

  • Leben

    L. genoß eine hervorragende Ausbildung, die durch Reisen nach Deutschland, England, Frankreich und in die Niederlande ergänzt wurde. Als er nach dem Tode seines Vaters 1684 die Regierung des Hauses übernahm, richtete er sein Hauptaugenmerk auf die Reorganisation der Verwaltung und die Sanierung der Familienfinanzen. Die nach den modernsten Erkenntnissen der Zeit betriebene wirtschaftliche Nutzung der fürstlichen Güter setzte ihn in Stand, dem Kaiserhaus immer wieder Geld vorzustrecken, dessen Gesamtbetrag sich beim Tode Leopolds I. 1705 auf fast 1 Mill. Gulden belief. L. stellte auch seine finanzpolitischen Fähigkeiten in den Dienst des Kaisers. 1687 wurde er zum Geh. Rat ernannt. Als Präsident der kaiserl. Kommission, die das höfische Kameralwesen modernisieren und effizienter gestalten sollte, scheiterte L. jedoch 1699 am Widerstand der Kameralbeamten, deren Zahl er aus Gründen der Rationalisierung drastisch zu verringern plante. Gemeinsam mit dem niederösterr. Landmarschall Otto Gf. Ehrenreich v. Abensperg-Traun übernahm er 1703-05 die Oberaufsicht über die kaiserl. Girobank, die zur Finanzierung der kaiserl. Heerzüge gegründet worden war. 1707 begegnet L. als kaiserl. Kommissar beim ungarischen Landtag in Preßburg. 1711 wurde er von Karl VI. zum Hauptwahlgesandten in Frankfurt designiert; seine angegriffene Gesundheit erlaubte es ihm aber nicht mehr, diese ehrenvolle Funktion auszuüben.

    Von bleibender Bedeutung sind die Bautätigkeit und die Grunderwerbungen, die L. zum Ahnherrn und Begründer des heutigen Fürstentums Liechtenstein werden ließen. Mit dem Kauf der Herrschaften Schellenberg 1699 und Vaduz 1712 erlangte er immediaten Landbesitz und zugleich Sitz und Stimme im Schwäb. Kreis. L. war einer der großzügigsten Kunstsammler und Mäzene seiner Zeit. Er gilt als Mitbegründer der fürstlich liechtenstein. Gemäldegalerie, die er durch gezielte Ankäufe vermehrte und zur vielleicht bedeutendsten fürstlichen Galerie in Wien machte. An der Planung und der Ausgestaltung des 1702 vollendeten Sommerpalais in der Rossau (Entwurf von Domenico Martinelli) nahm er ebenso aktiven Anteil wie an dem 1711 fertiggestellten Stadtpalais (entworfen von D. Martinelli, ausgeführt von Gabriel de Gabrieli). Sie sind Spitzenleistungen barocker Palastarchitektur und legen beredtes Zeugnis für das Kunstverständnis L.s ab.|

  • Auszeichnungen

    Orden vom Goldenen Vlies (1693).

  • Literatur

    J. v. Falke, Gesch. d. fürstl. Hauses Liechtenstein II, 1877, S. 325-55;
    H. Bohatta, Liechtenstein. Bibliogr., 1911 (L);
    D. D. Miller u. H. Haupt, Marcantonio Franceschini u. Fürst J. A. v. L. (im Druck);
    V. Press, Die Entstehung d. Fürstentums Liechtenstein, in: Das Fürstentum Liechtenstein, hrsg. v. Wolfg. Müller, 1981, S. 63-91 (P).

  • Portraits

    Gem. v. P. v. Roy, ca. 1706 (Vaduz, Fürst Liechtenstein. Slgg.);
    Medaillen (Wien, Kunsthist. Mus., Münzkabinett).

  • Autor/in

    Herbert Haupt
  • Empfohlene Zitierweise

    Haupt, Herbert, "Liechtenstein, Johann Adam Fürst von und zu" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 517 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119053977.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA