Lebensdaten
1903 bis 1974
Geburtsort
Magdeburg
Sterbeort
Baden-Baden
Beruf/Funktion
Autor ; Filmregisseur ; Produzent
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119316064 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stemmle, Robert Adolf Ferdinand
  • Stemmle, Robert A.
  • Stemmle, Robert Adolf
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Zitierweise

Stemmle, Robert Adolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119316064.html [15.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Hugo (* 1875), aus Genthin b. Jerichow, Volksschullehrer in M.;
    M Emma Vehe;
    1) 1937 Gerda Maurus (eigtl. Gertrud Marie Pfiel) (1903/09–68, kath.), aus Breitenfurt b. Wien, Film- u. Theaterschausp. (s. Wi. 1935–1967; Kürschner, Biogr. Theater-Hdb., 1956; Kosch, Theater-Lex.), aus kroat.|Fam., T d. Josef Eduard Pfiel, Chemiker, Ing., Erfinder, u. d. Maria(nne) Wenusch, 2) 1968 Anneliese Lippert, Mitarb. v. S., Regieassistentin;
    1 T aus 1) Philine Maurus-Bujard (* 1943), Malerin in Heidelberg, BVK 2008.

  • Leben

    Nach dem Abitur am Städt. Gymnasium in Magdeburg 1919 studierte S. bis 1923 an der Lehrerpräparanden-Anstalt in Genthin und schloß sich nach dem Lehrerexamen dem Wandertheater von Walther Blachetta (1891–1959) an. Erst 1925 begann er seine Lehrtätigkeit an der reformpädagogischen Versuchsschule in Magdeburg-Buckau. Begeistert vom Laienspiel, gründete er dort ein Handpuppentheater und trat mit diesem in Gastspielen des „Bühnenvolksbundes“ und auf der Dt. Theaterausstellung 1927 in Magdeburg auf. 1928 begann S. in Berlin ein Studium der Germanistik, Literatur- und Theaterwissenschaften. 1929 gründete er mit Werner Finck, Hans Deppe u. a. das Berliner Kabarett „Die Katakombe“ und schrieb dafür politisch engagierte Texte und Stücke. Nach Regieassistenzen bei Max Reinhardt, Erik Charell und Ludwig Berger wurde S. 1930 von der Tobis Film als Chefdramaturg engagiert. Zudem verfaßte er Moritaten, Balladen sowie Romane und versorgte in- und ausländische Zeitungen mit Geschichten aus der Filmwelt. 1931 wurde sein Stück „Kampf um Kitsch“ (Regie: K. Martin) erfolgreich an der Berliner Volksbühne uraufgeführt. Für das proletarische Oratorium „Mann im Beton“, vertont von Walter Gronostay (1906–37), schuf er 1932 mit Günther Weisenborn das Libretto; eine mit Ödon v. Horváth begonnene Revue für Max Reinhardt blieb unvollendet. 1933 verfilmte Johannes Meyer die von S. und Hans Székely (1901–58) verfaßte Komödie „Die schönen Tage von Aranjuez“, Vorlage für den amerik. Film „Desire“ mit Marlene Dietrich (1936). Seine erste Regiearbeit „So ein Flegel“ mit Heinz Rühmann nach Heinrich Spoerls Roman „Feuerzangenbowle“ brachte 1934 den Durchbruch für S. und seinen Hauptdarsteller. Seit 1935 arbeitete S. als Regisseur und Drehbuchautor für die UFA, zumeist mit Carl Froelich (1875–1953), seit 1940 dann für die Bavaria. S.s Drehbücher zeichneten sich durch gut spielbare Dialoge aus, wie für den Luis Trenker-Film „Der Rebell“ (1932) oder zu „Der Mann, der Sherlock Holmes war“ (1937); auch an ausländischen Drehbüchern wie „La Kermesse héroïque“ (dt. Die klugen Frauen, 1935) war er beteiligt. Seine Rühmann-Filme „Charleys Tante“ (1934), „Kleiner Mann – ganz groß!“ (1938) oder „Quax, der Bruchpilot“ (1941) wurden große Publikumserfolge. Die Milieustudie „Gleisdreieck“ (1937), der Reichsautobahnfilm „Mann für Mann“ (1939) und „Donauschiffer“ (1940) zeigten bei aller regimekonformen Tendenz einen im NS-Film ungewohnten Realismus, der Klischees unterlief; 1940/41 zeichnete S. für Drehbuch und Regie des NS-Propagandafilms „Jungens“ verantwortlich.

    Trotzdem konnte S. nach dem 2. Weltkrieg unter den Alliierten als Regisseur weiterarbeiten, so an Theatern in Heidelberg, Berlin und München, wo er 1946 das Kabarett „Gonghaus“ gründete und an der Schauspielschule der Münchner Kammerspiele unterrichtete. In Berlin(-Ost) inszenierte er 1948 bei Walter Felsenstein Carl Orffs Oper „Die Kluge“ und übernahm 1947–49 als Sendeleiter des NWDR die Regie von – z. T. auch selbstverfaßten – Hörspielen. Sein Tatsachenstück eines Justizskandals „Die Affäre Blum“ (1948) erschien als Hörspiel, Theaterstück und Fernsehspiel, und wurde später von Erich Engel für die DEORG beispielgebend für Semidokumentationen verfilmt. S.s Kabaretterfahrungen gingen ein in seine Nachkriegsfilme „Berliner Ballade“ (1948), „Der Biberpelz“ (1949) und „Abbiamo Vinto“ (1950). Danach arbeitete S. nur noch als freier Autor, Regisseur wie Produzent für Film und Fernsehen. Sein Film „Toxi“ von 1952 über die Probleme sog. Besatzungskinder „farbiger“ Väter und „weißer“ Mütter setzte sich erstmals in der Nachkriegszeit mit diesem Thema auseinander. Mit seiner 1954 gegründeten Berliner „Maxim-Film GmbH“ produzierte er noch drei Spielfilme, darunter „Emil und die Detektive“ (1954). Schlagerfilme, Gastarbeiter-Romanzen, Edgar-Wallace- und Karl May-Serien zeigen sein Talent für kommerziell erfolgreiches Kino. Für das Fernsehen entstanden nach 1962 zahlreiche Fernsehspiele, Serien, Kurzfilme u. a. mit Curd Jürgens. Fasziniert von Kriminalstoffen, publizierte er mit Gerhart Herrmann Mostar (1901–73) fünfzehn Bände über historische Fälle: „Der neue Pitaval“ (1963–69). Seine Drehbücher „Gestehen Sie, Dr. Corda!“ (1958) oder „Das Testament des Dr. Mabuse“ (1962) setzten auf den „suspense“ von Alfred Hitchcock. 1972–74 entstand die neunteilige Filmserie über Jugendkriminalität „Unter Ausschluß der Öffentlichkeit“. Wenig später verstarb S. an einem Herzinfarkt.

  • Auszeichnungen

    A Silberner Löwe d. Internat. Filmfestspiele Venedig (1949); Blue Ribbon Award (1962); Filmband in Gold (Dt. Filmpreis) f. sein Gesamtwirken (1973); Mitgl. d. Internat. P.E.N.-Club.

  • Werke

    regelmäßige Veröff. in: Das Handpuppentheater, Eine Reihe alter u. neuer Komödien f. d. Handpuppenbühne, 1927–30;
    Bühnenstück:
    Hans Dampf,|UA Landestheater Meiningen, 1928;
    Filme, Drehbücher, Bücher:
    s. Filmogr. u. Bibliogr. in: CineGraph;
    Nachlaß:
    Stiftung Dt. Kinemathek, Berlin.

  • Literatur

    E. Scharff, Das Schulstück, Kampf um Kitsch, in: Der Vorspruch, Bll. d. Volksbühne Groß-Hamburg, 7. Jg., 1931, S. 165–68;
    R. A. S., Die Leute rühren, in: Der Spiegel, Nr. 30 v. 23. 7. 1952, S. 27–30 (Titelgesch.;
    P);
    dd (U. Kurowski), R. A. S. u. d. dt. Misere, in: Film-Korr., Nr. 3 v. 13. 3. 1974;
    Reclams dt. Filmlex., 1984;
    R. Pierau, R. A. S., Grundlegung zu e. Monogr. unter bes. Berücksichtigung seines Schaffens bis 1930, 1993;
    Reclams Lex. d. dt. Films, 1995;
    CineGraph (Filmogr., Bibliogr.);
    K. Weniger, Das Gr. Personenlex., Bd. 7, 2001 (Filmogr.);
    Magdeburger Biogr. Lex. (P);
    Kosch, Theater-Lex.;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Kulturlex. Drittes Reich.

  • Autor/in

    Brigitte Bruns
  • Empfohlene Zitierweise

    Bruns, Brigitte, "Stemmle, Robert Adolf" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 240-242 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119316064.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA