Lebensdaten
1901 bis 1973
Geburtsort
Gerbitz bei Bernburg (Anhalt)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Journalist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118785117 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Herrmann, Gerhart (eigentlich)
  • Hermann, Gerhart
  • Mostar, Gerhart Herrmann
  • mehr

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Zitierweise

Mostar, Gerhart Herrmann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118785117.html [20.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Max Herrmann, Lehrer, Kirchenmusikdir.;
    M Luise Hansen;
    5) 1949 Katharina Strohbach.

  • Leben

    Wegen Aufsässigkeit von den Realgymnasien in Bernburg und Hamburg verwiesen, erreichte M. nur den Mittelschulabschluß, der ihn zum Besuch des Lehrerseminars in Barby/Elbe und Quedlinburg berechtigte. Auch hier gab es Ärger, dem er durch ein Redaktionsvolontariat auswich, ehe er in Aschersleben das Lehrerexamen bestand. 1921 wurde er Volksschullehrer in Bernburg und studierte nebenbei in Halle Philosophie und Vergleichende Sprachwissenschaft. Beruf und Studium gab M. 1922 endgültig auf, um Journalist zu werden. Stationen der Redaktionsarbeit waren Lokalzeitungen in Bernburg, Bochum und Nauen. Über ein in nur vier Ausgaben erschienenes Witzblatt „Radiofimmel“ – der Hörfunk nahm schon im Oktober 1923 seine Sendungen auf – landete M. bei den „Meggendorfer Blättern“ in München, die Theodor Haecker redigierte. Bald wieder entlassen, vagabundierte M. 1924 auf dem Balkan, wo er sich das Pseudonym „Mostar“ zulegte. Malaria- und Tbc-krank ging er 1925 nach Berlin, um sich auszukurieren. „Sendespiele“ verschafften ihm 1927/28 erste Erfolge. 1928 schrieb er „Im Netz“, seine erste Gerichtsreportage, in der er die Verantwortung der Gesellschaft für jugendliche Straftäter thematisierte. 1929 behandelte der Roman „Der Aufruhr des schiefen Calm“ das Schicksal eines jüdischen 1848ers in Bernburg. M. arbeitete an Berliner Zeitungen mit, darunter dem „Vorwärts“, der 1930 den Roman in Fortsetzungen veröffentlichte und 1932/33 einen Teil der Marx-Biographie unter dem Tarntitel „Der schwarze Ritter“, die bald verboten und vernichtet wurde (Buchausgabe 1946).

    Im März 1933 mußte M. Deutschland verlassen. Er publizierte im 1. Jahrgang der von Max Braun (1892–1945) in Saarbrücken bzw. Straßburg herausgegebenen sozialistischen Exilzeitung „Deutsche Freiheit“ sowie in der von Paul Hertz (1888–1961) in Brünn veröffentlichten „Sozialistischen Aktion“. Anfangs in der Schweiz, dann in Wien, wo die „Arbeiter-Zeitung“ Texte von M. annahm, mußte er nach dem Februaraufstand 1934 in die Schweiz ausweichen, durfte dort aber nicht arbeiten. Abermals in Wien, wirkte er am Kabarett „Der liebe Augustin“ mit und verfaßte sein erstes Stück „Putsch in Paris“|(gedr. 1947), das am Beispiel Napoleons auf Hitler anspielte. Seit April 1938 in Belgrad, vertrieb M. eine „Jugoslaw. Korrespondenz“ und lieferte Beiträge für das „Prager Tagblatt“.

    Vor den Deutschen wich M. 1941 nach Bulgarien und Rumänien aus und gab, zur Tarnung unter seinem Namen Herrmann, eine „Bulgarische“ bzw. „Rumänische Rundschau“ heraus. Anfang 1945 festgenommen und in eine Strafkompanie gesteckt, wurde er wegen seiner ausgeheilten Tbc bald demobilisiert. Das Kriegsende erlebte er in Bad Reichenhall. Die Erfahrungen der Nachkriegszeit verarbeitete er in humoristischen und satirischen Texten für die von Herbert Sandberg (* 1908) und Günther Weisenborn (1902–69) herausgegebene Zeitschrift „Ulenspiegel“ und für das gemeinsam mit Heinz Hartwig (* 1907) gegründete Kabarett „Die Hinterbliebenen“.

    Mit geringem Erfolg versuchte sich M. als Theaterautor (Meier Helmbrecht, 1947; Die Geburt, 1946 u. 1947; Der Zimmerherr, 1946 u. 1947; Bis der Schnee schmilzt, 1948). „Einfache Lieder“ veröffentlichte er 1947. Danach wurde er vor allem als Verfasser von kritischen Gerichtsreportagen bekannt, die zuerst als Serien in der „Stuttgarter Zeitung“ erschienen, auch vom Süddeutschen Rundfunk gesendet wurden und dann in Buchform weite Verbreitung fanden. Sie wurden ins Niederländische, Italienische und Japanische übersetzt. Die Gesamtauflage der Bücher soll nach Angaben von M. 1945-65 eine halbe Million Exemplare erreicht haben. Am besten gelang M. die leichte Form des Feuilletons und der historischen Anekdote, die er 1956 mit seiner fünften Frau Katinka in der Rezeptsammlung „Was gleich nach der Liebe kommt“ verarbeitete. M. lebte bis 1965 in Leonberg, zuletzt in München.|

  • Auszeichnungen

    Weinkulturpreis (1965).

  • Werke

    Weitere W u. a. Schicksal im Sand, ca. 1948;
    Im Namen d. Gesetzes, 1950;
    Das Recht auf Güte, 1951;
    Verlassen, Verloren, Verdammt, 1952;
    Der schles. Schwan, Friederike Kempner, 1953;
    Und schenke uns allen e. fröhl. Herz, 1954;
    Weltgesch. – höchst privat, 1954;
    Aberglaube f. Verliebte, 1955;
    Bis d. Götter vergehn, 1955;
    Richter sind auch Menschen, 1955;
    Unschuldig verurteilt, 1956;
    In diesem Sinn Dein Onkel Franz, 1956;
    Nehmen Sie d. Urteil an …?, 1957;
    In diesem Sinn d. Großmama, 1958;
    Die Arche Mostar, 1959;
    Das Wein- u. Venusbuch v. Rhein, 1960;
    In diesem Sinn ihr Knigge II, 1961;
    Liebe vor Gericht, 1961;
    Das kleine Buch v. großen Durst, 1963;
    In diesem Sinn wie Salomo, 1965;
    Liebe, latsch u. Weltgesch., 1966;
    In diesem Sinn Ihr H. M., 1966;
    Dreimal darfst Du raten, 1968. – Hrsg.: Der Neue Pitaval, 1963 (mit R. A. Stemmle), neu bearb. u. d. T. Justitia, sensationelle Kriminalfälle, 1967.

  • Literatur

    W. Samelson, G. H. M., 1966;
    Th. Troll, in: Hans Jürgen Schultz (Hrsg.), Journalisten üb. Journalisten, 1980, S. 283-94 (W);
    BHdE II;
    Kosch, Lit.-Lex3;
    Killy.

  • Portraits

    Phot. in: Ullstein-Archiv, Berlin;
    Inst. f. Ztg.forschung, Dortmund.

  • Autor/in

    Kurt Koszyk
  • Empfohlene Zitierweise

    Koszyk, Kurt, "Mostar, Gerhart Herrmann" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 220-221 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118785117.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA