Lebensdaten
1908 - 1986
Geburtsort
Barmen
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe ; Musiker ; Sprecher
Konfession
-
Normdaten
GND: 118621947 | OGND | VIAF: 22150736
Namensvarianten
  • Thielicke, Helmut Friedrich Wilhelm
  • Thielicke, Helmut
  • Thielicke, Helmut Friedrich Wilhelm
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Zitierweise

Thielicke, Helmut, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118621947.html [24.10.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Reinhard (1881–1966), aus Siegen, Lehrer, Rektor in Grund u. Wuppertal-Barmen, S d. Friedrich (1853–1945), aus Laasphe, Amtsgerichtsdir., Rechnungsrat, seit 1900 in Dorstfeld (Kr. Dortmund), Hilchenbach;
    M Laura (1883–1961), T d. Wilhelm Köhler (1856–1916), Lehrer in Kredenbach, Rektor in Wuppertal-Barmen, u. d. Fanny Geisweit (1858–1935);
    Karlsruhe 1937 Marie-Luise Martha (1911–2010), T d. Adolf Herrmann (1870–1930), ev. Pfarrer, u. d. Adelaide Calvino (1880–1942);
    3 S Wolfram (* 1941), Berthold (* 1943), Dr. phil., Schulleiter e. Gewerbeschule in H. (s. W), Rainer (* 1949), 1 T Elisabeth (* 1947).

  • Leben

    Nach der Reifeprüfung in Barmen 1928 studierte T. ev. Theologie und Philosophie in Greifswald, Marburg, Erlangen und Bonn. 1931 wurde er bei Eugen Herrigel zum Dr. phil. (Das Verhältnis zw. d. Ethischen u. d. Ästhetischen, gedr. 1932) und 1934 ebenfalls in Erlangen bei Paul Althaus zum Dr. theol. (Gesch. u. Existenz, gedr. 1935, ²1964) promoviert. 1932 legte er seine erste theol. Prüfung in Koblenz ab und 1934 seine zweite in Ansbach. Nach der Habilitation (Offenbarung, Vernunft u. Existenz, gedr. 1936, ⁵1967) 1935 in Erlangen erlangte er dort 1936 eine erste Dozentur, der 1936–40 eine Lehrstuhlvertretung in Heidelberg folgte. Zu seinen Lehrern gehörten so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Rudolf Hermann, Julius Schniewind, Karl Barth, zu dem er ein kritisches Verhältnis entwickelte, und Paul Althaus. T. trat im Nov. 1933 der SA bei und schied im Dez. 1934 „ehrenhaft“ aus gesundheitlichen Gründen aus, änderte aber seine Einstellung zum Nationalsozialismus und schloß sich der Widerstandsbewegung an, indem er Mitglied des Freiburger Bonhoeffer-Kreises wurde. Dies hatte ein Lehr-, Rede- und Schreibverbot zur Folge. 1941 nahm er auf Initiative des württ. Bf. Theophil Wurm eine Pfarrstelle in Ravensburg an und wurde 1942 mit der Leitung des neu geschaffenen Theol. Amtes in Stuttgart beauftragt.

    1945 wurde T. Ordinarius für Systematische Theologie an der Univ. Tübingen. Als deren Rektor (1951) fungierte er zugleich als Präsident der Westdt. Rektorenkonferenz. Sein Mandat als Abgeordneter im Tübinger Gemeinderat (als Parteiloser auf der Liste der CDU) füllte er 1954 nur wenige Monate aus, bevor er den ersten Lehrstuhl für Systematische Theologie an der neu gegründeten Theol. Fakultät der Univ. Hamburg übernahm, deren Aufbau er maßgeblich begleitete (Dekan 1954/55, Rektor 1960/61, em. 1974).

    Als Wissenschaftler profilierte sich T. mit der Publikation der ersten breit angelegten Ethik luth. Prägung nach Kriegsende (Theol. Ethik, 4 Bde., 1951–66) und einer Dogmatik (Der ev. Glaube, 3 Bde., 1968–78). Große Öffentlichkeitswirksamkeit erzielte er als Prediger in Hamburgs Hauptkirche St. Michaelis, auf Kirchentagen und durch seine umfängliche publizistische Tätigkeit, die über 700 Titel umfaßt. T.s Predigtreihen wurden in zwölf Sprachen übersetzt und erfuhren zahlreiche Neuauflagen. Als exzellenter Rhetoriker verstand er es, seinen Zuhörern in bildhafter Sprache und wirklichkeitsbezogen den christlichen Glauben nahe zu bringen. Seine in den 1950er und 1960er Jahren unternommenen Reisen nach Asien, Afrika, Lateinamerika und in die USA fanden ein lebhaftes publizistisches Echo (Vom Schiff aus gesehen, Tagebuch e. Ostasienreise, 1959, ²1961).

    T. galt als „konservativer Prophet“, der nach Kriegsende das öffentliche Schuldbekenntnis der Ev. Kirche kritisierte, weil er dieses auf den Privatbereich beschränkt wissen wollte. In den Studentenunruhen Ende der 1960er Jahre sah er den Untergang der Universitäten und einen neuen Hitler am Horizont aufsteigen. Als Ursachen hierfür wollte er den negativen Einfluß der Soziologie, eine Orientierungslosigkeit als Nachkriegserscheinung sowie völlig überzogene Demokratisierungsforderungen ausmachen (Kulturkritik d. student. Rebellion, 1969). Wegweisend wurde sein Denken für die 1968 von ihm und seinen Schülern gegründete „Projektgruppe Glaubensinformationen“ und den 1997 ins Leben gerufenen Verein „Andere Zeiten“, die in T.s Sinne erfolgreich volksmissionarisch wirken.

  • Auszeichnungen

    A D. theol. h. c. (Heidelberg 1947);
    D. D. h. c. (Glasgow 1955);
    Dr. iur. h. c. (Waterloo, Ontario, 1972);
    Dr. phil. h. c. (Hickory, North Carolina);
    BVK (1959);
    Preis d. Stiftung f. Freiheit u. Menschenrechte (1979);
    Hermann-Ehlers-Preis (1984);
    T.-Gehölz (1988) u. T.-Stieg (1990), Hamburg.

  • Werke

    W u. a. Fragen d. Christentums an d. moderne Welt, Unterss. z. geist. u. rel. Krise d. Abendlandes, 1947, ⁵1948;
    Das Gebet, das d. Welt umspannt, 1944/45, 141980;
    Der Nihilismus, Wesen, Erscheinungsform, Überwindung, 1950, ²1953;
    Mensch u. Arbeit im techn. Za., 1954 (mit K. Pentzlin);
    Das Bilderbuch Gottes, Reden über d. Gleichnisse Jesu, 1957, ³1963, Nachdr. 1980;
    Wer darf leben? Über Organtransplantationen u. künstl. Lebensverlängerung, Aufss. z. med. Ethik, 1968;
    Mensch sein u. Mensch werden, Entwurf e. christl. Anthropol., 1976, ³1980;
    Glauben u. Denken in d. Neuzeit, Die gr. Systeme d. Theol. u. Rel.philos., 1983;
    Zu Gast auf e. schönen Stern, Erinnerungen, 1984; H. C. G. Westphal (Hg.), Das H. T. Lesebuch, 1998 (P); – Nachlaß: Staats- u. Univ.bibl. Hamburg; – zu Berthold: Das Lerntheater, Modell e. päd. Theaters im Strafvollzug, 1981.

  • Literatur

    L H. J. Kraus u. a., Leben angesichts d. Todes, Btrr. z. theol. Problem d. Todes, H. T. z. 60. Geb.tag, 1968 (W, P);
    R. Haas u. M. Haug (Hg.), H. T., Prediger in unserer Zeit, 1968 (W, P);
    E. Stammler, Kons. Prophet, in: Ev. Kommentare, 1986, H. 4, S. 187;
    E.-A. Scharffenorth, H. T., Ein luth. Theol. in d. Nachkriegszeit, in: W. Huber (Hg.), Protestanten in d. Demokr., Positionen u. Profile im Nachkriegsdtld., 1990, S. 145–66;
    S. Bremer, Der wirtschaftseth. Ansatz in d. Theol. Ethik v. H. T., 1996;
    F. Langsam, H. T., Konkretion in Predigt u. Theol., 1996;
    N. Friedrich, H. T. als Antipode d. soz. Bewegungen, in: Umbrüche, Der dt. Protestantismus u. d.|soz. Bewegungen in d. 1960er u. 70er J., hg. v. S. Hermle, 2007, S. 247–61;
    L. Mohaupt, Ein geistvoller Evangelist, in: Zeitzeichen 12, 2008, S. 48–50 (P);
    J. T. Pless, in: Lutheran Quarterly 23, 2009, S. 439–64;
    Kosch, Biogr. Staatshdb.;
    Kosch, Lit.Lex. 3 (W, L);
    Erlanger Professoren I;
    Personenlex. Protestantismus;
    Hamburg. Biogr. II (P);
    Hamburg Lex. (P);
    RGG3†4;
    BBKL XI (W, L);
    TRE; Munzinger.

  • Autor/in

    Bodo Schümann
  • Empfohlene Zitierweise

    Schümann, Bodo, "Thielicke, Helmut" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 119-121 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118621947.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA