Lebensdaten
1889 bis 1976
Geburtsort
Arnswalde (Choszczno, Neumark)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Maler ; Illustrator ; Schriftsteller
Konfession
evangelisch,katholisch/seit 1929
Normdaten
GND: 118612689 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Seewald, Richard Josef Michael
  • Seewald, Richard
  • Seewald, Richard Josef Michael

Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Seewald, Richard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118612689.html [21.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus ursprüngl. Tiroler u. bayer. Fam., vermutl. auch mit Schweizer u. poln. Wurzeln;
    V Emil, Kulturing. in d. Neumark;
    M Marie Menzi, aus d. Kt. Glarus;
    London 1911 Emma Margarete (Uli) (1884–1967), T d. Rentiers Julius Trotsch u. d. Erna Hoyer, aus Königsberg (Preußen); kinderlos.

  • Leben

    S., der schon als Gymnasiast zeichnete, begann 1909 nach dem Willen des Vaters zunächst ein Architekturstudium in München. Bereits 1911 wandte er sich als Autodidakt der Zeichenkunst zu; seinen Lebensunterhalt verdiente er mit Illustrationen und Karikaturen für die „Jugend“, die „Meggendorfer Blätter“ und die „Lustigen Blätter“. Von der Galerie Thannhauser 1911 entdeckt, stellte er 1911, 1912 und 1913 im Salon d'Automne in Paris aus, 1913 zudem in H. Waldens „Sturm“; er wurde (1918?) Mitglied der „Neuen Münchner Sezession“ und 1926 des „Deutschen Künstlerbundes“. S. experimentierte mit den neuen Kunststilen des frühen 20. Jh. und malte in expressionistischem, fauvistischem und neusachlichem Stil; er verkehrte in der Münchner Bohème und entwarf Bühnenbilder für Ballett und Schauspiel (u. a. R. Schumann, Carneval, 1920/21; Franz Blei, Die Welle, UA 1913). Aus unbekannten Gründen vom Militär freigestellt, verbrachte er die Kriegsjahre im Tessin und in Fürstenzell (Niederbayern). 1924 übernahm er eine Professur an der Kunstgewerbeund Handwerkerschule (seit 1926 Werkschule) in Köln für Malerei, Glasmalerei, Buchkunst und Graphik.

    Bereits in seinen Münchner Jahren hatte sich S. der kath. Kirche zugewandt, mit Theodor Haecker eine lebenslange Freundschaft begonnen und sich dem Hochlandkreis um Carl Muth angeschlossen. Zwei Jahre nach seiner Konversion 1929 malte er sein erstes Altarbild (Norderney, Stella Maris-Kirche, 1931), dem zahlreiche Werke für den sakralen Raum folgten. Von den Nationalsozialisten diffamiert, wurden verschiedene seiner Werke 1937 beschlagnahmt. S. war jedoch schon 1931 ins Tessin gezogen, wo ein umfangreiches druckgraphisches Werk entstand, daneben kontinuierlich weitere religiöse Werke und zahlreiche kunsttheoretische und philosophische Schriften. 1939 verlieh ihm seine Tessiner Wohngemeinde das Schweizer Bürgerrecht.

    Die Erlebnisse seiner Reisen insbesondere durch die Mittelmeerländer verarbeitete S. in zahlreichen, teilweise selbst illustrierten Büchern, die ihm v. a. in den 50er und 60er Jahren ein breites bildungsbürgerliches Publikum verschafften. 1954 nahm er eine Professur für Freie Graphik, Malerei, Illustration und Wandbild an der Münchner Akademie der Bildenden Künste an, die er aber aus grundsätzlichen Erwägungen schon 1958 wieder aufgab. S. strebte in dieser Zeit nach einem Ausgleich zwischen expressionistischen und nachexpressionistischen Ausdrucksformen. Er verwarf seine früheren Vorbilder Cézanne, Derain, Marc und Rousseau und forderte eine Synthese von griech. Antike und Christentum. Keiner der gängigen Stilrichtungen zuzuordnen, geriet er in eine Randposition der zeitgenössischen, von der Abstraktion dominierten Kunstszene. Neben Illustrationen für eine Vielzahl eigener schriftstellerischer Arbeiten (darunter zwei Autobiographien) und mehr als 40 weitere Bücher schuf S. zahlreiche Fresken und Glasfenster für Kirchen in Deutschland und der Schweiz. Als öffentlichen Auftrag führte er 1961 die Neugestaltung der rekonstruierten Münchner Hofgartenarkaden mit Motiven aus Griechenland, seiner idealen Landschaft, aus. Bühnenbilder für das Marionettentheater gehören ebenso zu seinem Werk wie Entwürfe für Gobelins, Porzellan und Fayence; sein Haus in Ronco, Teil seines Gesamtkunstwerkes, brachte er testamentarisch in eine Stiftung zur Förderung von Nachwuchskünstlern ein.

  • Auszeichnungen

    preuß. Staatsmedaille (1929); Gr. BVK; bayer. Verdienstorden (1966); o. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Schönen Künste (1973 Austritt).

  • Werke

    W Ölgem. : Café des Amis, 1913;
    Porträt Th. Haecker, 1913 (?);
    Tabakpakete, 1915;
    Stilleben mit Globus, 1920;
    Positano, 1923;
    Bildnis Max Picard, 1925;
    Winter am Lago Maggiore, 1930;
    Katze mit Salamander, 1933;
    Zypressen u. Straße, Landschaft b. Cortona, 1951;
    Das Meer berennt die Küste, Öl/Pavatex 1976;
    Graphik:
    Rev., Holzschnitt, 1913;
    Zwei Stierkälbchen, Radierung, 1917;
    10 Holzschnitte z. Bibel, 1. Fass. 1914;
    Die fröhl. Städte (Graphikmappe), 1913;
    Stupor Mundi, Graphikzyklus z. Gesch. Alexanders d. Gr. 1974;
    – Altarbild f. St. Theresia, Zürich-Friesenberg, 1946;
    Fenster u. Mosaiken f. St. Adolfus, Düsseldorf, 1955–58;
    Genesis-Zyklus im Pfarrsaal Herz-Jesu, München, 1976;
    Fresken in:
    S.s Haus, Köln, 1929;
    Münchner Glaspalast, 1927;
    Rhein. Mus., Köln, 1930;
    Schrr. u. a.:
    Tiere u. Landschaften, 1921;
    Robinson, 1935;
    Gestehe, dass ich glücklich bin, 1942;
    Über Malerei u. d. Schöne, 1947, 1954;
    Das ist d. Pudels Kern, 1954;
    Glanz d. Mittelmeers, 1954, 1956;
    Der Mann, der e. Snob war, 1959 (Roman);
    Der Mann v. Gegenüber, 1963 (Autobiogr.);
    Zufälle – Einfälle, 1966;
    Kunst in d. Kirche, 1966;
    Orbis Pictus, 1975;
    Die Zeit befiehlts, wir sind ihr untertan, 1976 (Autobiogr., posthum ersch.);
    Ill.:
    Zu Robinson Crusoe, 1919;
    Hartmann v. Aue, Der arme Heinrich, 1920;
    F. Jammes, Der Hasenroman, 1. Fass. 1918, 2. Fass. 1952;
    Kleist, Penthesilea, 1917;
    J. London, Wenn die Natur ruft, 1927;
    E. Schaper, Das Christkind aus d. gr. Wäldern, 1954;
    Die Bilderbibel, 1937;
    ersch. 1957;
    Ringelnatz, Schnupftabaksdose, 1912, Für kleine Wesen, 1958;
    Verz. d. v. S. verf. u. ill. Bücher in Kat. Ascona 1989 (s. L), S. 100 f.;
    – ausführlichstes W-Verz.: Künstlerlex. d. Schweiz, 20. Jh., S. 888 f.;
    Nachlaß: German. Nat.mus., Nürnberg;
    R. u. Uli S. Stiftung, Ascona.

  • Literatur

    W. Müller-Wulckow, Der Maler R. S., in: Dt. Kunst u. Dekoration 40, 1920, S. 188–93;
    K. Pfister, R. S. in: ebd. 61, 1928, S. 268–76;
    H. Saedler, R. S., 1924;
    W. Grohmann, Das Münchner Künstlertheater in d. Bewegung d. Szenen- u. Theaterreformen, 1935 (Abb. v. Bühnenbildern);
    C. Visel, R. S. als Illustrator, in: Illustration 63/I, H. 4, S. 4–6 u. Abb.;
    W. Tiessen, Die Buchill. in Dtld., Österr. u. d. Schweiz seit 1945, 1968–72;
    R. Jentsch, R. S., Das graph. Werk, 1973 (P);
    R. S., Kunst f. d. Kirche, hg. v. d. Kath. Ak. München, 1974;
    R. S., Gem., Aquarelle, Handzeichnungen, Druckgraphik, Ausst.kat. Düren 1977;
    R. A. Sailer, R. S., 1977 (fehlerhaft);
    R. S., hg. v. Aargauer Kunsthaus, 1979;
    K. Böttcher u. J. Mittenzwei, Zwiegespräch, 1980, S. 279–81;
    R. S., Radierungen, Holzschnitte, Lithogrr., hg. v. R. Jentsch, Ausst.kat. Esslingen 1981 (P);
    R. Joppien, Die Kölner Werkschulen 1920–1933, in: Wallraf-Richartz-Jb. 43, 1982, S. 247–347, bes. S. 322 f.;
    R. S. z. 100. Geb.tag, Ausst.kat. Ascona 1989 (P);
    Art in Germany 1909–1936, hg. v. R. Heller, 1990;
    H. Siefken, Th. Haecker u. R. S., in: B. Hanssler u. H. Siefken, Th. Haecker, Leben u. Werk, 1995, S. 197–219;
    M. Hamann, Die Skizzenbücher R. S.s u. ihre Stellung in seinem Werk, in: Anz. d. German. Nat.mus. 2003, S. 221–30;
    ThB;
    Vollmer;
    Bénézit;
    Künstlerlex. d. Schweiz;
    Biogr. Lex. Schweizer Kunst;
    Wilpert-Gühring;
    Kosch, Lit.Lex.3;
    Killy.

  • Portraits

    Selbstporträts, Radierung, 1921, Abb. in: Jentsch, 1973 (s. L);
    zahlr. Fotogrr. in: Ausst.kat. Ascona 1989;
    Dokumentarfilme:
    Glanz d. Mittelmeers, ZDF 1974;
    Über Leben u. Werk v. R. S., Produktion Ca Tourne 1989.

  • Autor/in

    Eva Chrambach
  • Empfohlene Zitierweise

    Chrambach, Eva, "Seewald, Richard" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 157-158 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118612689.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA