Lebensdaten
1899 bis 1956
Geburtsort
Eferding (Oberösterreich)
Sterbeort
Schruns (Vorarlberg)
Beruf/Funktion
österreichischer Politiker
Konfession
-
Normdaten
GND: 118752804 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Starhemberg, Ernst Rüdiger Camillo Maria Fürst von
  • Starhemberg, Ernst Rüdiger Fürst von
  • Starhemberg, Ernst Rüdiger Camillo Maria Fürst von
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Zitierweise

Starhemberg, Ernst Rüdiger Fürst von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118752804.html [19.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus oberösterr. Adelsfam., deren Stammreihe mit Gundaker de Stainpach (erw. 1150, Vogt zu Garsten, beginnt;
    V Ernst Rüdiger 6. Fürst v. S. (1861–1927, k. u. k. Oberst, Erblandmarschall in Österr. ob u. unter der Enns, GR, Fideikommißherr, S d. Camillo Heinrich 5. Fürst v. S. (1835–1900, Mitgl. d. österr. Herrenhauses (s. BJ V, S. 81 f. u. Tl.; ÖBL), u. d. Sophie Gfn. v. Sickingen-Hohenburg (1842–1913;
    M Franziska (Fanny) (1875–1943, aus Wien, Pol. (s. L), T d. Eugen Gf. Larisch v. Moennich (1835–80, auf Reichwaldau usw., Industr. (s. A. Perlick, Oberschles. Berg- u. Hüttenleute, 1953, S. 66) u. d. Maria Deym Gfn. v. Střitež;
    1) Wien 1928 annulliert 1937 Marie Elisabeth (1908–84, T d. Karl Altgf. zu Salm-Reifferscheidt-Raitz (1871–1927) u. d. Elisabeth Prn. zu Fürstenberg (1878–1939), 2) Wien 1937 Nora (eigtl. Eleonora Hermina) (1901–49, aus Görz, Schausp. am Burgtheater (s. L), T d. Carl Gregor, u. d. Maria Erminia Brunold;
    1 S aus 2) Heinrich Rüdiger 8. Fürst (Ps. Enrique Gregor, Henry Gregor, Enrique Starhemberg) (1934–97, Jur., Regisseur, Schausp., Rundfunksprecher, Autor (s. L); dessen Adoptiv-S Georg Adam, Waldbes., Untern., Geschäftsführer d. Fürst Starhemberg`schen Fam.stiftung; 9. Fürst (* 1961); Verwandte Rüdiger v. Starchenberg (erw. 1437), auf Wildberg, Rappottenstein usw., ksl. Rat., Oberster Feldhptm., Landmarschall in Österr. unter d. Enns, Konrad Balthasar S. (1612–87, österr. Gf. 1643), ksl. Oberstlt., Reg.rat, WGR, Guido(baldo) Gf. S. (1657–1737), Heerführer (s. ADB 35), Gundakar Thomas Gf. (1663–1745), Finanzmann, Ernst Rüdiger Gf. S. (1638–1701, österr. Feldmarschall, Vizepräs. d. Hofkriegsrats, 1683 erfolgreicher Verteidiger Wiens b. d. Belagerung durch d. Türken (s. L), Georg Adam Fürst S. (1724–1807, böhm. Fürst 1765), k. k. GR, Staats- u. Konferenzminister, Dipl. (s. ADB 35), Ludwig Gf. S. (1762–1833, Dipl. (s. Oberösterreicher VI; ÖBL), Anton Gundakar Gf. S. (1776–1842), österr. Offz. (s. ÖBL, Camillo Rüdiger Fürst v. S. (1804–72, österr. Offz., Pol., Sammler (s. ÖBL).

  • Leben

    S. kämpfte im 1. Weltkrieg als Offizier und begann 1920 ein staatswiss. Studium in Innsbruck, wo er im dt.nationalen Milieu aktiv war. Er schloß sich 1921 dem „Freikorps Oberland“ an (Feldzug in Oberschlesien). 1923 ging er nach München und nahm am nationalsozialist. „Münchener Putsch“ teil, konnte jedoch einer Verhaftung entgehen; später entschied er sich für den „Kampf um|Österreich“ und gegen den Nationalsozialismus, den er in seinen Schriften und Reden bekämpfte. Wieder in Oberösterreich, schloß er sich 1927 der paramilitärischen Heimwehr an, deren Landesführer er 1929 wurde. Nach dem Tod seines Vaters wurde er 7. Fürst von S. und begann aus Eigenmitteln Heimwehr-Bataillone auszurüsten („S.Jäger“). Begeistert vom ital. Faschismus, begegnete er 1930 erstmals seinem Vorbild Benito Mussolini (1883–1945), mit dem ihn jahrelang ein enger Kontakt verband. Im selben Jahr wurde S. Bundesführer des Österr. Heimatschutzes (der Zusammenfassung der rechten Wehrverbände), 30. 9. bis 4. 12. 1930 Innenminister und zog nach den Nationalratswahlen, bei denen die Heimwehr als „Heimatblock“ kandidierte, kurzzeitig (2. 12. 1930 bis 30. 1. 1931) ins Parlament ein. 1933 sorgte die „Hirtenberger Affäre“, ein von S. organisierter, verbotener Waffentransport aus Italien nach Ungarn, für internationales Aufsehen, brachte ihn jedoch nicht zu Fall. Nach Adolf Hitlers Ernennung zum dt. Reichskanzler kam es zu einer NS-Terrorwelle in Österreich, so auch zu einem gescheiterten Attentat auf S. Seit der Ausschaltung des Parlamentes im März 1933 regierte Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (1892–1934), mit dem S. eine enge Freundschaft verband, autoritär. Seit Okt. 1933 war S. stellv. Führer der Einheitsorganisation „Vaterländische Front“, 1934–36 deren Bundesführer. Im partiellen Schutzbund-Aufstand des Febr. 1934 bot er der Regierung seine Heimatschutz-Truppen zur Unterstützung an, was ihm den Ruf eines „Arbeitermörders“ einbrachte. Dollfuß machte ihn zu seinem Vizekanzler; nach dessen Ermordung im Zuge des nationalsozialist. Juli-Putsches 1934 war S. auf dem Höhepunkt seiner Macht. Dennoch blieb er Vizekanzler, übernahm diverse Ministerien, zum Bundeskanzler wurde jedoch Kurt Schuschnigg (1897–1977) ernannt. S.s passives Verhalten war innerhalb der Heimwehr sehr umstritten, zumal S. und Schuschnigg gegensätzliche Richtungen vertraten: S. forderte gewaltsames Vorgehen gegen die Nationalsozialisten, Schuschnigg wollte Verhandlungen führen. Im Mai 1936 entfernte Schuschnigg ihn aus seinem Kabinett und S. zog sich aus der Politik zurück. Daß er dies, ebenso wie die Auflösung der Heimwehr, widerstandslos hinnahm, stieß auf Unverständnis in den eigenen Reihen. Während des „Anschlusses“ im März 1938 befand sich S. in der Schweiz im Urlaub. Obwohl er den Nationalsozialismus vehement bekämpft hatte, verfaßte er nun einen Brief an Hitler, worin er das Handeln des Heimatschutzes verteidigte und sich Hitler zur Verfügung stellte. Dieser lehnte jedoch ab, und S. zog 1939 nach Frankreich, wo er in den Widerstand ging. Sein Vermögen wurde beschlagnahmt. Nach seinem Eintritt in die franz. Armee war er in England und in Afrika stationiert, ehe er, schwer erkrankt, 1942 nach Argentinien und 1949 nach Chile emigrierte. Seine Ansuchen um Rückstellung seines Vermögens lösten in Österreich einen Skandal aus: 1949 wurde er wegen Hochverrats angezeigt und 1952 im Nationalrat die „Lex S.“ (2 Gesetze) beschlossen, die sein Vermögen unter öffentliche Verwaltung stellte. Nach Aufhebung der als verfassungswidrig eingestuften Gesetze kehrte er 1955 nach Österreich zurück, war aber nicht mehr politisch aktiv.

    S. sah sich selbst als Soldat, nicht als Politiker. Die Erste Republik, die Parteienpolitik und die politische Linke hatte er stets abgelehnt, seine Haltung zur Restaurierung der Habsburger war nie eindeutig, und sein widersprüchliches und sprunghaftes politisches Agieren im Österreich der Zwischenkriegszeit ist bis heute umstritten.

  • Auszeichnungen

    A zahlr. Auszeichnungen, u. a. Gr. Silberne Tapferkeitsmedaille (1918); Schles. Adler.

  • Werke

    Über Leistungen, Aufgaben u. Zukunft d. Heimatschutzes, 1934;
    Österr.s Weg, 1934;
    Die Reden d. Vizekanzlers E. R. S., 1935 (P);
    E. R. Prince S., Between Hitler and Mussolini, Memoirs, 1942 (P), chwed. 1942, dt. u. d. T. Memoiren, 1971, 31991 u. d. T. Erinnerungen (P)

  • Literatur

    | Geh. Briefwechsel Mussolini-Dollfuß, Anhang: Aus d. Memoiren S.s, 1949, überarb. Neuaufl.: W. Maderthaner u. M. Maier (Hg.), „Der Führer bin ich selbst“, 2004;
    L. Jedlicka, Vom alten z. neuen Österr., 1975, S. 289–310;
    W. Britz, Die Rolle d. Fürsten E. R. S. b. d. Verteidigung d. österr. Unabhängigkeit gegen d. Dritte Reich 1933–1936, 1993;
    H. Wohnout, in: M. Gehler u. H. Sickinger (Hg.), Pol. Affären u. Skandale in Österr., 1995, S. 398–418 (P);
    G. Walterskirchen, S. oder Die Spuren d. „30er Jahre“, 2002 (P);
    GHdA 75, 1980, S. 304–07, ebd. 80, 1987, S. 366–72 (P);
    Qu
    Archiv d. Inst. f. Zeitgesch. Wien;
    Oberösterr. Landesarchiv: Herrschaftsarchiv Eferding-Starhemberg;
    Nachlaß:
    Österr. StA;
    Nat. Archives Washington;
    Internet:
    Rep. Österr., Parl.;
    Fürstl. Starhemberg. Fam.mus.;
    Heimwehrmus., beide Schloß Eferding (Oberösterr.);
    zu Fanny:
    E. Rieger, Fürstin F. S., 1935;
    zu Nora:
    R. Ulrich, Österreicher in Hollywood, 1993;
    I. Devetak (Hg.), N. Gregor, 2005;
    zu Heinrich Rüdiger:
    FS f. H. R. Fürst v. S., 1996;
    zu Ernst Rüdiger ( 1701)
    ADB 35;
    A. Thürheim, FM E. R. Gf. S., 1882;
    zur Fam.:
    Adelslex. 14, GHdA 131, 2003.

  • Portraits

    Porträts in Heimwehruniform, u. a. Photogr. v. F. X. Setzer (Österr. Nat.bibl., Bildarchiv).

  • Autor/in

    Ursula K. Mindler
  • Empfohlene Zitierweise

    Mindler, Ursula K., "Starhemberg, Ernst Rüdiger Fürst von" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 68-69 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118752804.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA