Lebensdaten
1858 bis 1945
Geburtsort
Magdeburg
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Buchdrucker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116034521 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Baensch Drugulin, Egbert Johannes
  • Baensch Drugulin, Johannes
  • Baensch, Egbert Johannes
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Zitierweise

Baensch-Drugulin, Egbert Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd116034521.html [28.03.2017].

CC0

Baensch-Drugulin, Egbert Johannes |

Buchdrucker, * 24.6.1858 Magdeburg, 10.9.1945 Leipzig. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Friedrich August Emil Baensch (1817–87), Buchhändler in Magdeburg; M Caroline Wilhelmine Lisette Emilie, T des Oberst Carl Wilhelm Schramm; Gvv Emanuel Heinrich Theodor Baensch (1789–1864), Buchdrucker in Magdeburg; Gmv Johanne Marie Elisabeth Curitz aus Magdeburg; 1) Leipzig 27.10.1881 Elisabeth Wilhelmine ( 1916), T des Kunsthändlers und Druckereibesitzers Wilhelm Eduard Drugulin (1822–79) und der Elisabeth Krug von Nidda (1823–1909), 2) Leipzig 21.1.1920 Jadwiga, T des Architekten Paul Jacobi; 2 S, u. a. Emil Richard Wilhelm Baensch (* 1882), seit 1906 mit der Prokura über die Firma W. Drugulin betraut, später Verlagsleiter; 3 T.

  • Leben

    B. besuchte das Domgymnasium und die Realschule in Magdeburg. 1876-79 erlernte er in Friedrich Wagners Hofbuchhandlung in Braunschweig den Buchhandel, darauf den Buchdruck in Carl Grüningers Hofbuchdruckerei in Stuttgart und Metz. Als Wilhelm Eduard Drugulin 1879 starb, bat ihn dessen Witwe, die Leitung der Offizin W. Drugulin an Stelle des väterlichen Geschäfts zu übernehmen. Nach kurzer Ausbildung in der Frankfurter Schriftgießerei Benjamin Krebs Nachfolger trat er 1880 in die 1868 von Wilhelm Eduard Drugulin übernommene und zielbewußt ausgebaute Leipziger Druckerei Friedrich Nies - erst seit 1878 unter dem Namen Offizin W. Drugulin firmierend - als Geschäftsführer ein. 1881 verehelichte er sich mit einer Tochter Drugulins, war seit 1882 Teilhaber seiner Schwiegermutter und Leiter der Druckerei und nannte sich fortan B.. Unter ihm verbesserte die Firma noch ihren Ruf, auch als Schriftgießerei. Er setzte den von Nies, Carl Berendt Lorck und Drugulin eingeschlagenen Weg fort, ließ insbesondere orientalische Schriften schneiden, mit denen die Offizin selbst die Schriftschätze der großen Staatsdruckereien übertraf, und leistete Außerordentliches im fremdsprachigen Satz, wobei er von dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Moritz Chamizer u. a. hervorragenden Orientalisten unterstützt wurde. Mit seinen buchkünstlerischen Intentionen gehörte er zur Münchener Renaissance-Bewegung der 70er und 80er Jahre, die auf die Vorbilder des 16. Jahrhunderts zurückgriff, und erwarb sich große Verdienste mit der Herausgabe des Monumentalwerkes „Marksteine aus der Weltliteratur in Originalschriften“ (1902). Er druckte 1895-1900 die Zeitschrift „Pan“, seit 1897 die „Zeitschrift für Bücherfreunde“ (die 1909-14 auch in den Verlag W. Drugulin kam) und 1899-1902 die Zeitschrift „Die Insel“ sowie die frühen Ausgaben des Insel-Verlages, von Schuster & Loeffler, Eugen Diederichs, später für Samuel Fischer, Ernst Rowohlt, Kurt Wolff und weitere bedeutende Verlage, u. a. seit 1910 für E. Rowohlt und K. Wolff die Drugulin-Drucke. Von Eduard Grisebach 1872 für den Qualitätsdruck anspruchsvoller Bücherfreunde entdeckt, wurde die Offizin die erste Druckerei der um 1895 erwachten deutschen Buchkunstbestrebungen.

    1918 geriet die Offizin, bei deren Leitung B. schon seit 1906 von seinem Sohn Wilhelm unterstützt worden war, in wirtschaftliche Nöte, da im Krieg die Geschäftsverbindungen mit dem Ausland abgerissen waren; umfangreiche orientalisch-wissenschaftliche Werke im Staatsauftrag der siamesischen Regierung mußten unvollendet bleiben. Die Offizin ging als W. Drugulin GmbH kurze Zeit in den Besitz von Kurt Wolff und Erich Noether über. 1919 übernahm die Schriftgießerei D. Stempel AG, Frankfurt/Main, die Anteile der GmbH, und die Stempel- und Matrizenschätze kamen in ihren Besitz, während die Druckerei 1919 Peter Reinhold, Verleger des Leipziger Tageblattes, übernahm, der sie auf der alten Höhe hielt. 1928 verschmolz Reinhold die Offizin W. Drugulin mit der Druckerei F. E. Haag, die von Melle nach Leipzig übersiedelt war, wodurch die Offizin Haag-Drugulin AG entstand. 1930 kam sie in den Besitz von Koehler & Volckmar, wurde bis zu seinem Tode Ende 1943 von Ernst H. Kellner, dem Gründer der Drugulin-Presse, geleitet und ist seit 1949 „Volkseigener Betrieb“, nach wie vor im alten Geiste arbeitend.

    B. hat das Verdienst, alte Matrizen aus dem Besitz der Carl Tauchnitzschen Gießerei hervorgeholt und seit 1890 so manche verschollene Druckschrift wieder zum Leben erweckt zu haben. Vor allem die Drugulin-Fraktur ist zu nennen, die erneut in Eduard Grisebachs „Das Goethesche Zeitalter der deutschen Dichtung“ (1890/91) und später in der Zeitschrift „Die Insel“ zur Anwendung kam. Unter B. wurde der Schnitt der Ehmcke-Fraktur begonnen, die als Hausschrift Verwendung finden sollte, jedoch erst von der D. Stempel AG herausgebracht wurde. - B. war elf Jahre lang Vorsitzender des Deutschen Buchdrucker-Vereins, und unter ihm wurde 1896 der Buchdruckertarif festgelegt, der noch heute in Kraft ist. Er gründete die Unterstützungskasse des Buchdrucker-Vereins und war 1898 Mitbegründer der Leipziger Buchdrucker-Lehranstalt sowie 1889 der „Zeitschrift für Deutschlands Buchdrucker und verwandte Gewerbe“. 1903 verlieh ihm die Universität Heidelberg den Dr. h. c., auch war er seit ihrer Gründung Mitglied der Weimarer Gesellschaft der Bibliophilen sowie|1911 Gründungsmitglied der Maximilian-Gesellschaft.

  • Literatur

    C. B. Lorck, Hdb. d. Gesch. d. Buchdruckerkunst. T. 2, 1883; G. A. E. Bogeng, E. Grisebach, in: Jb. f. Bücher-Kde. u. – Liebhaberei, Jg. 2, 1910; W. Baensch, Offizin W. Drugulin, Leipzig, in: Die Bücherstube, Jg. 2, 1922/23, S. 100-02; H. Schwarz, K. Ch. T. Tauchnitz, 1924; J. Rodenberg, Dt. Pressen, 1925; F. Bauer, Chronik d. Schriftgießereien, 21928; H. Barge, Gesch. d. Buchdruckerkunst, 1940, S. 432 f.; Wi. IX, 1928; Rhdb. I, 1930 (P); Lex. d. gesamten Buchwesens I, 1935.

  • Portraits

    Diapositiv u. Phot. (Druckgeschichtl. Diapositivslg. d. Inst. f. Publizistik an d. Freien Univ. Berlin, Berlin-Dahlem).

  • Autor

    Karl H. Salzmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Salzmann, Karl H., "Baensch-Drugulin, Egbert Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 522 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd116034521.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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