Lebensdaten
1814 bis 1905
Geburtsort
Kopenhagen
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Verleger ; Typograph ; Buchdrucker ; Inkunabelforscher
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 123304717 | OGND | VIAF: 15675128
Namensvarianten
  • Lorck, Carl Berendt
  • Lorck, C. B.
  • Lorck, Carl B.
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen in der GND - Bekannte und Freunde

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Lorck, Carl Berendt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123304717.html [20.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Lorenz (1781–1820), dän. Marineoffz., S d. Lorenz Hansen (1743–1805), Kaufm. u. dän. Konsul in Memel, u. d. Catharina Elisabeth Roerdanz;
    M Marianne Elisabeth (1785–1822), T d. Holzhändlers Jörgen Bech in K.;
    Leipzig 1842 Joh. Henriette Ida Plätzer (1819–89);
    2 S (1 früh †), 1 T.

  • Leben

    Früh verwaist, wuchs L. bei seiner Großmutter mütterlicherseits auf. Nach Abschluß der philosophisch-philologischen Studien an der Univ. Kopenhagen (1834) ließ er sich bei Bianco Luno, damals einer der angesehensten Typographen Dänemarks, zum Buchdrucker ausbilden. Seit 1836 arbeitete er als Gehilfe bei Breitkopf & Härtel in Leipzig, dann als Buchhandelsvolontär im Verlag von J. J. Weber. Bereits 1837 wurde er dessen Teilhaber. In der Zusammenarbeit mit dem „illustrierten Weber“ bildete sich das Kunstgefühl des Typographen. Als Verlagshersteller suchte L. die Vorstellungen der Zeichner (A. Menzel) und der Holzschneider mit denen des Verlegers und des Druckers (Friedrich Brockhausd. J. ) zu illustrativen Leistungen zusammenzuführen, mit denen sich das seit der Erfindung der Schnellpresse industrialisierte Buchgewerbe neben den Erzeugnissen der handwerklichen Drucker Gutenbergischer Tradition behaupten konnte.

    Für die inzwischen begründete eigene Verlagsbuchhandlung übernahm L. einen Teil von Webers Buchverlag, u. a. Werke von A. Glaßbrenner, K. Gutzkow, H. Laube, F. Kuglers „Geschichte Friedrichs des Großen“ (mit Menzels Holzschnitten, 21846, 31847), P. M. Laurents „Geschichte des Kaisers Napoleon“ (mit den Illustrationen von H. Vernet, 21847) und A. Thiers' „Geschichte des Consulats und des Kaiserreichs“ (in der Übersetzung von E. Burckhardt, 1845 f.). Einer seiner bedeutendsten Verlagsartikel war die vom Verfasser autorisierte, von V. Pedersen illustrierte deutsche Ausgabe der|Werke H. C. Andersens (1848 ff.). Im ganzen setzte L. die den literarischen Tendenzen und Bildungsbedürfnissen des Vormärz dienende Richtung Webers fort. Er ließ mehrere Buchreihen erscheinen: die Historische Hausbibliothek (hrsg. von dem Zensor F. v. Bülau, 1857 ff.), die Hausbibliothek für Länder- und Völkerkunde (hrsg. von K. Andree, 1854 ff.), eine kulturgeschichtliche (1857 ff.) und eine naturwissenschaftliche Hausbibliothek (1854 ff.), die „Eisenbahnbücherei“ (anfangs „Conversations- und Reisebibliothek“, 1855 ff.). Ein biographisches Lexikon „Männer der Zeit … Mit Suppl. Frauen der Zeit“ (1858-62) fand weite Verbreitung, ebenso die von A. Lewald 1835 begründete Zeitschrift „Europa, Chronik der gebildeten Welt“, die er 1857 übernahm. Ein eigenständiges Verlagsprofil erstrebte L. mit der Pflege der skandinav. Literatur in Übersetzungen, auch hier Anregungen Webers folgend. Er verlegte Werke der Dichter J. L. Runeberg, E. J. Stagnelius, E. Tegnér, die naturphilosophischen Schriften des Physikers H. Ch. Oersted, historische und biographische Literatur (K. F. Allen, A. Fayer, A. G. Oehlenschläger, A. Fryxell) und Reisebeschreibungen. 1852 begründete er ein skandinav. Sortiment.

    Eine Wende bereitete sich für L. 1856 mit dem Erwerb der von Friedr. Nies 1829 begründeten, seit 1831 auf oriental. Schriften spezialisierten Schriftgießerei und Druckerei vor, die mit den von K. Tauchnitz übernommenen griech. Lettern zu den leistungsfähigsten Offizinen im Fremdsprachendruck zählte. L. ließ das Typensortiment erneuern; die Schriftgießerei wurde 1867 auf der Weltausstellung in Paris ausgezeichnet. Als er 1868 das Unternehmen an W. E. Drugulin übergab, trat er zugleich in einem Buche über „Die Herstellung von Druckwerken“ (41883) mit kritischen Anmerkungen zu buchgewerblichen Zeitfragen und zum Verfall der Typographie hervor. Er ging auf die Gutenbergische Tradition als Triebkraft für den weiteren Fortschritt zurück. L. strebte nach einer Erneuerung des Buchdrucks aus der Kunst der Typographie und der Illustration mit den technischen Mitteln des 19. Jh. In den „Annalen der Typographie“ (1869-77), einer typographisch anspruchsvoll gestalteten Zeitschrift, und als Mitbegründer und Sekretär des Deutschen Buchdruckervereins verbreitete er diese Reformideen. Zur Weltausstellung in Wien 1873 wurde L. als Juror entsandt; 1875 leitete er die Vorbereitungen des deutschen Buchgewerbes für die Ausstellung in Philadelphia, 1879 die für die Gewerbeausstellung in Leipzig. In einem Handbuch zur Geschichte des Buchdrucks gab er seinen Reformbestrebungen die historische Grundlage: Er gliederte die Weltgeschichte der Buchdruckerkunst in vier Epochen, die der Erfindung und ersten Verbreitung (bis 1500), die der ersten Glanzperiode (16. Jh.), des folgenden Verfalls (17. Jh.), des beginnenden Wiederaufstiegs etwa seit Breitkopf. Die Reformbestrebungen L.s verdichteten sich zu einem praktikablen Reformprogramm: In Leipzig sollten ein Buchgewerbemuseum mit einer Fachbibliothek und eine Akademie für die höhere buchgestalterische Ausbildung entstehen. Ausstellungen sollten den ständigen Leistungsvergleich fördern. Mit der Gründung des Centralvereins für das gesamte Buchgewerbe (1885) und dem Ankauf der Inkunabelsammlung Klemm als Grundstock des Museums (später Deutsches Buch- und Schriftmuseum) und der Einbeziehung der Leipziger Kunstakademie (1900) sah L. seine Pläne im wesentlichen verwirklicht. Der Däne L. hatte sich in Leipzig den liberalen und nationalen Ideologien des deutschen Bürgertums, wenn auch nicht ohne Vorbehalte, geöffnet. Anders als sein engl. Zeitgenosse, der sozialistisch orientierte Kunsthandwerker und Schriftsteller W. Morris, wurde L. vom buchgewerblichen Unternehmer, Verleger, „Prinzipal“ zu einem Vorläufer der Buchkunstbewegung; es war der Weg von Nies zu Drugulin.

  • Werke

    Weitere W Die graph. Künste auf d. Ausstellung zu Wien, 1874 (auch in: Amtl. Ber. üb. d. Wiener Weltausstellung im J. 1873, Bd. 1, H. 6);
    Der Buchhandel u. d. graph. Künste auf d. Kunstgewerbeausstellung zu Leipzig, 1879;
    Die Druckkunst u. d. Buchhandel in Leipzig in vier Jhh., 1879;
    Hdb. d. Gesch. d. Buchdruckerkunst, 2 T., 1882 f.;
    Gesch. d. Ver. d. Buchhändler zu Leipzig während d. ersten 50 J. seine Bestehens 1833–82, 1883;
    Das Dt. Buchgewerbe-Mus. in Leipzig, in: Börsenbl. f. d. Dt. Buchhandel 53, 1886, S. 446 ff.;
    Die Zukunft d. Buchgewerbes zu Leipzig, Mit e. Nachwort v. H. Schaefer, 1977.

  • Literatur

    Börsenbl. f. d. Dt. Buchhandel 61, 1894, S. 5182-68;
    A. Heller, Der dt. Buchdruckerver. u. s. Werden in fünfzig J. (1869–1919), 1919;
    H. Schaefer, Die Wirksamkeit u. Bedeutung C. B. L.s f. d. Buchgewerbe, d. Verlagswesen u. d. Anfänge d. modernen Buchkunstbewegung in d. 2. H. d. 19. Jh. in Leipzig, in: Btrr. z. Gesch. d. Buchwesens 6, 1975, S. 91-138.

  • Autor/in

    Hans Lülfing
  • Empfohlene Zitierweise

    Lülfing, Hans, "Lorck, Carl Berendt" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 165 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123304717.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA