Lebensdaten
1883 bis 1951
Geburtsort
Bingen
Sterbeort
Bochum
Beruf/Funktion
Regisseur ; Theaterleiter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118759876 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schmitt, Josef Anton (eigentlich)
  • Hoffmann, Harald (Pseudonym)
  • Schmitt, Saladin
  • mehr

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Zitierweise

Schmitt, Saladin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118759876.html [15.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Saladin (1841-1888), Wein|händler in Bingen, S d. Saladin (1806-57), Mühlenbesitzer auf d. Laubenheimer Mühle, u. d. Wilhelmine N. N. (1804-69);
    M N.N.; ledig;
    Vt 3. Grades Stefan George (1868–1933), Dichter (s. NDB VI; W).

  • Leben

    Nach seiner Gymnasialzeit in Darmstadt (Abitur 1901) absolvierte S. in Bonn und Berlin ein Germanistikstudium, das er im Frühjahr 1905 an der Univ. Bonn bei Berthold Litzmann (1857–1926) mit einer Dissertation über „Hebbels Dramatechnik“ (gedr. 1906) abschloß. In der Folge unterstellte er seine dichterischen Ambitionen dem Urteil Stefan Georges, der zurückhaltend reagierte (Kontakt bis 1910), und wandte sich dem Theater zu, zumal er bereits neben dem Studium an der Schauspielschule Max Martersteigs (1853–1926) in Köln unter dem Namen Harald Hoffmann eine Ausbildung im Schauspiel- und Regiefach absolviert hatte. 1906/07 wurde S. als Dramaturg mit darstellerischen und inszenatorischen Aufgaben an das Stadttheater Elberfeld verpflichtet (Regiedebüt: Fräulein Julie v. A. Strindberg) und arbeitete als Assistent des nunmehrigen Kölner Intendanten Martersteig. 1908 versuchte er sich letztmals, da glücklos, in Krefeld als Darsteller und arbeitete daraufhin fünf Jahre beim Feuilleton vorwiegend des Kölner Tageblatts. 1913-15 hatte er die Funktion eines Spielleiters für das Schauspiel am Stadttheater Freiburg (Br.) inne. 1916 konnte er, nach nur sechswöchigem Militärdienst freigestellt, die Leitung des Dt. (Front-)Theaters in Brüssel übernehmen. Im Nov. 1918 erhielt S. den Ruf zum ersten Intendanten des Stadttheaters Bochum, das er mit seiner – wiederaufgenommenen Brüsseler – Inszenierung von Grillparzers „Des Meeres und der Liebe Wellen“ im April 1919 eröffnete. 1921 wurden seine Kompetenzen dank der institutionellen Vereinigung der Stadttheater Bochum und Duisburg auf die Sparte Oper ausgedehnt (bis 1935) und seine Abwanderung nach Mannheim dadurch verhindert. 1939 erhielt er die künstlerische Oberleitung der neu eingerichteten, von ihm initiierten Westfäl. Schauspielschule übertragen. Nach dem 2. Weltkrieg – das Schauspielhaus war Anfang Nov. 1944 zerstört worden – wirkten S.s ästhetische Prinzipien überholt. Als seine – aus gesundheitlichen Gründen erst mit der Spielzeit 1946/47 wieder weitergeführte – Intendanz in Frage gestellt wurde, nahm S. den Sparkurs der Stadt zum Anlaß, im Sommer 1949 – mit einer Inszenierung von Shakespeares „Cymbelin“ – seinen Abschied zu nehmen. Letztmalig Regie führte er 1950 in Lessings „Minna von Barnhelm“ am Stadttheater Aachen.

    S.s theatergeschichtliche Leistung besteht darin, Bochum neben Düsseldorf in kürzester Zeit vom unselbständigen Gastspielbetrieb zu einer führenden Bühne Deutschlands gemacht zu haben. Einem technisch modern ausgerüsteten Haus vermochte er durch weitgehenden Rückgriff auf sein Brüsseler Ensemble eine qualitätvolle Mannschaft hinzuzugewinnen. Von bildungsbürgerlicher Gesinnung, vertrat er den Kulturauftrag des subventionierten Theaters, indem er einer industriegeprägten Stadt einen Kanon (musik-)dramatischer „Kulturgüter“, schwerpunktmäßig der dt. Klassik sowie Shakespeares, Mozarts und Wagners zu vermitteln suchte. Zudem leitete ihn ein pädagogischer Impuls, der dem Spielplan bis 1933 ein auf Toleranz und Versöhnung zielendes politisches Profil gab, zusammen mit repräsentativen wie dramaturgischen Gesichtspunkten aber auch den Festspielgedanken reifen ließ. Zur überregional beachteten Leistungsschau gelangen die zyklischen Aufführungen von Werken Shakespeares 1927 (Königsdramen) und 1937 (Römerdramen), Goethes 1928, Hauptmanns 1932, Schillers 1934, Kleists 1936 und Hebbels 1939. Deutlichster Ausdruck für die Vereinnahmung seitens der NS-Ideologie ist die auf Weisung 1937 zusätzlich veranstaltete Festwoche „Dramatiker der HJ“. Der Grabbe 1941 gewidmete Zyklus hingegen muß vor dem Hintergrund der Konkurrenz mit den Detmolder Grabbe-Tagen gesehen werden. S.s charakteristischer, auf quasi kultisch-heroische Festlichkeit eingestimmter Regiestil wurde Theatergeschichte – das Werk aus einer klangschönen, pathosgesättigten Sprache entfaltend, zeichenhaft stilisierend, dekorativ und opernhaft in Personenführung und Gestik. Schließlich formten ein auf Monumentalität und Pracht oder auch äußerste Einfachheit hin entworfenes, sinnbildhaftes Bühnenbild (Johannes Schröder, 1883–1973) sowie hinzukomponierte Bühnenmusik (Emil Peeters, 1893–1974) den „Bochumer Stil“.

  • Auszeichnungen

    Vors. d. Rhein. Ges. f. Theaterkultur (1926); Vizepräs. d. Dt. Shakespeare-Ges. (1937, Präs. 1943); Ehrenbürger v. Bochum (1944).

  • Werke

    Weitere W Der Wille zum Leben als Form im neuen Drama, 1906;
    Jens Peter Jacobsen, 1907;
    Über Nietzsches Gedichte u. Sprüche, 1908;
    Shakespeare, Drama u. Bühne, Ein Vortrag, hg. v. O. C. A. zur Nedden, o. J. [um 1953);
    Gedichte:
    Auswahl in: Bll. f. d. Kunst, 8-12, hg. v. C. A. Klein, 1909-19;
    Die so gegangen sind, Seine Gedichte u. sein Verhältnis zu Stefan George, hg. u. erzählt v. R. Boehringer, 1964.

  • Literatur

    H. K. Strohm, in: Mimus u. Logos, Eine Festgabe f. C. Niessen, 1952, S. 171-77;
    R. Boehringer, Nachwort, in: Die so gegangen sind, s. W, S. 71-110;
    Stadt Bochum (Hg.), S. S., Bll. d. Erinnerung, 1964;
    L. Nyssen, Zwei Bochumer Stile, Das Bochumer Schauspiel unter S. S. u. Hans Schalla, in: Theater heute, 1964, H. 3, S. 32-39;
    ders., Fünfzig J. Bochumer Schauspiel, in: Bochumer Aspekte 69, Ein halbes Jh. Kultur in e. Revierstadt, 1969, S. 32-99;
    H. D. Wildhagen, in: Duitse Kroniek 31, 1980, Nr. 2-3, S. 97-112;
    ders., Magier d. festlichen Theaters, S. S., Das Schauspiel seines Lebens u. Werks (ungedr., o. J.), StadtA Bochum;
    Schauspielhaus Bochum/StadtA Bochum (Hg.), S. S. d. Theatergründer, Zum 100. Geb.tag 18. Sept. 1983, 1983 (Dok. z. Ausst. im Foyer d. Schauspielhauses, P);
    H. Schwarz, in: Regie, Idee u. Praxis moderner Theaterarbeit, 1965, S. 331 f.;
    H. D. Schräge, S. S. am Stadttheater Bochum (1919–1949), Diss. Wien 1967 (ungedr.);
    C. Rudolph, Das „Dt. Theater“ in Brüssel (1915–1918), Ein Vorläufer d. Bochumer Stadttheaters, Staatsexamensarb. Bochum 1990 (ungedr.);
    U.-K. Ketelsen, Premieren in Bochum 1919-1994, 75 J. Ensemble d. Bochumer Schauspielhauses, Eine Dok., 1994;
    M. Bruderreck, S. S. u. d. Oper, „Bayreuth am Niederrhein“, Die Operninszenierungen d. Theatergemeinschaft u. d. „Bochumer Stil“, in: Dörte Schmidt (Hg.), Keine Experimentierkunst, Musikleben an Städt. Theatern i. d. Weimarer Rep., 1995, S. 217-27;
    U.-K. Ketelsen, Ein Theater u. seine Stadt, Die Gesch. d. Bochumer Schauspielhauses, 1999;
    J. Pesch, Festspiele f. e. neues Deutschland? S. S.s „Klassikerwochen“ am Schauspielhaus Bochum im Dritten Reich, 1999;
    Rhdb. (P);
    Ch. Trilse, K. Hammer u. R. Kabel, Theaterlex., 1977;
    Kosch, Theaterlex.;
    H. Rischbieter (Hg.), Theater-Lex., 1983;
    Sucher, Theaterlex.;
    Westfäl. Autorenlex. (ausführl. Schrr.-Verz., Bibliogr.).

  • Autor/in

    Ralph-Günther Patocka
  • Empfohlene Zitierweise

    Patocka, Ralph-Günther, "Schmitt, Saladin" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 242-243 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118759876.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA