Lebensdaten
1915 bis 1994
Geburtsort
Wanne-Eickel (Westfalen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Schauspieler ; Regisseur
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118610805 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schröder, Ernst August
  • Schröder, Ernst
  • Schröder, Ernst August
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Zitierweise

Schröder, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118610805.html [11.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm Bernhard, Schneidermeister in W.-E.;
    M Gertrud, T d. Josephine Noel, aus Frankreich;
    1) Stuttgart 1937 1945 Inge Thiesfeld (* 1909), aus Ostpreußen, Schausp., 2) 1946 (?) Gesa Ferck, aus Hamburg, Schausp.;
    1 S aus 1) Sebastian C. (* 1939, Ursula Klar), Schausp., 1 T aus 1) Christiane (1942–80 Freitod, Peter Vismanis), Schausp., T aus 2).

  • Leben

    S. begann nach dem Abitur 1934 Germanistik zu studieren, wandte sich jedoch bald der Architektur und schließlich dem Bühnenbild zu. Der Bochumer Intendant Saladin Schmitt (1883–1951) vermittelte ihm Schauspielunterricht bei dem Mimen Willi Busch (1893–1951). Nach ersten Auftritten am Bochumer Theater unter der Regie von Schmitt, dem er auch als Assistent zur Seite stand, und einer Spielzeit in Bielefeld wechselte|S. 1938 an das Stadttheater in Kiel, an dem er mit Goethes Clavigo debütierte. Bei einem Gastspiel lernte er Paul Wegener (1874–1948) kennen, der ihn dem damaligen Intendanten des Berliner Schiller-Theaters Heinrich George (1893–1946) empfahl. Dieser engagierte S. als Prinz Heinrich für Shakespeares „Heinrich IV“ (1938/39). Unter George als Prinzipal und Mentor gehörte S. bis 1945 dem Ensemble des Schiller-Theaters an. Zudem erreichte er in Filmen wie „Fahrt ins Leben“ (1939/40) oder dem Propagandawerk „Ohm Krüger“ (1940/41) als Filmschauspieler Popularität. Ende 1940 zum Kriegsdienst eingezogen, kehrte er 1942 nach schwerer Verwundung nach Berlin zurück und schrieb unter dem Eindruck des Fronteinsatzes 1943 die Novelle „Das mütterliche Wort“ (1943), eine von E. Jünger inspirierte expressionistische Schilderung des Krieges und seines Elends. Nach 1945 spielte S. unter dem Regisseur Karlheinz Martin (1888–1948) zunächst am Berliner Hebbel-Theater, übernahm seine erste freie Regiearbeit mit dem selbstverfaßten Stück „Kreuzberger Krippenspiel 1945“ und erhielt hier auch die Leitung einer Schauspielschule (bis 1949); als Probebühne für den Schauspielnachwuchs gründete er 1948 das „Rheingau-Theater“ in einem Kino am Bergheimerplatz. 1949-51 war S. Lehrbeauftragter für Theaterwissenschaft an der FU Berlin. Neben eigenen Inszenierungen beeindruckte er auf verschiedenen Berliner Bühnen zunehmend als klassischer Charakterdarsteller wie beispielsweise als Domingo in „Don Carlos“ (Schiller, 1950, Hebbel-Theater, Regie Fritz Kortner), Mephisto in „Urfaust“ (Goethe, 1952, Tribüne), Franz Moor in den „Räubern“ (Schiller, 1953, Schiller-Theater, Regie Hans Lietzau) und als Hauptmann in „Woyzeck“ (Büchner, 1953, Theater am Kurfürstendamm, Regie Oscar Fritz Schuh). Sein großes komödiantisches Talent zeigte er u. a. als Tartuffe (1953) oder als gerissener Dorfrichter Adam in Kleists „Der zerbrochene Krug“ (1954, beide Theater am Kurfürstendamm, Regie Schuh). Das Publikum feierte ihn als Interpreten der klassischen Moderne. S. inszenierte und spielte als erster in Berlin Camus (Caligula, Rheingau-Theater, 1948) und Sartre (Die Schmutzigen Hände, 1949, Renaissance-Theater; Tote ohne Begräbnis, 1948, UA, Tribüne). 1954 brillierte er als Wladimir neben Heinz Rühmann (1902–94) in der berühmten „Godot“-Inszenierung Fritz Kortners (1892–1970) an den Münchner Kammerspielen und stand 1967 über 150 Mal als Hamm in Becketts „Endspiel“ unter der Regie des Autors auf der Bühne des Berliner Schiller-Theaters. 1958 ging S. für sechs Jahre an das Züricher Schauspielhaus, wo er u. a. in Uraufführungen seiner Freunde Max Frisch (Andorra, 1961) und Friedrich Dürrenmatt (Herkules u. d. Stall des Augias, 1963) zu sehen war.

    Für die Kritik stellte seine Verkörperung des Marquis de Sade in der Uraufführung von Peter Weiss' „Marat/Sade“ im Berliner Schiller-Theater 1964 den Höhepunkt seiner Karriere dar. Große Anerkennung fanden seine eigenen Inszenierungen wie die Uraufführung von Witold Gombrowicz' „Die Trauung“ (1968, Schiller-Theater) und Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ 1975 an den Münchner Kammerspielen. In den 50er und 60er Jahren stand S. für verschiedene Kinoproduktionen vor der Kamera und feierte 1957 mit „Stresemann“ seinen größten Erfolg. Anfang der 70er Jahre hatte er häufige Fernsehauftritte in Kriminalserien wie „Derrick“ oder „Der Alte“. 1975 zog er sich unerwartet vom aktiven Schauspielleben auf sein Weingut in die Toskana zurück, malte, schrieb seine Memoiren und kehrte nur noch selten auf die Bühne zurück. 1994 nahm er sich aufgrund einer Krebserkrankung das Leben. S., von Wegener und George geprägt, stand in der Tradition des Expressionismus. Er sah sich selbst als „Besessenen“, dessen Aufgabe es sei, die „Rolle mit dem ganzen Wahnsinn seiner Existenz zu füllen“.

  • Auszeichnungen

    Kunstpreis d. Stadt Berlin (1956); Mitgl. d. Ak. d. Künste in Berlin (1956, 1971 Dir. d. Abt. Darst. Kunst); Mitgl. d. Dt. Ak. d. Darst. Künste, Krankfurt/M. (1966); Gr. BVK (1974); Ehrenmitgl. d. Staatl. Bühnen Berlin (seit 1975); Ehrengabe d. Zürcher Lit.fonds (1980); Bundesfilmpreis (1986).

  • Werke

    Weitere W u. a. Schrr.: Der Rutenbinder, Drama, 1946;
    Die Besessenen, Tageb. e. Berliner Theaterschule, 1948;
    Die Arbeit d. Schauspielers, 1966;
    Das Leben – verspielt (Autobiogr.), 1978 (P);
    Die Zikaden, 1990;
    Schauspielrollen:
    Karl Moor, in: Die Räuber, v. F. Schiller, Hebbel-Theater Berlin, 1946;
    Schmitz, in: Biedermann u. d. Brandstifter, v. M. Frisch, Schauspielhaus Zürich, 1958;
    Lehrer, in: Andorra, v. M. Frisch, ebd., UA 1961;
    Herkules, in: Herkules u. d. Stall d. Augias, v. F. Dürrenmatt, ebd. 1963;
    Prisipkin, in: Die Wanze, v. W. Majakowski, Schiller-Theater Berlin, 1965;
    Bockelson, in: Die Wiedertäufer, v. F. Dürrenmatt, Schauspielhaus Zürich, UA 1967;
    Lear, in: Lear, v. W. Shakespeare, Schiller-Theater Berlin, 1973;
    Moritz Meister, in: Über allen Gipfeln ist Ruh, v. Th. Bernhard, Volksbühne Berlin, 1983;
    Film- u. Fernsehrollen:
    The Man Between, Regie C. Reed, 1953;
    Liebe ohne Illusion, Regie E. Engel, 1955;
    Anastasia, Regie F. Harnack, 1956;
    Stresemann, Regie A. Braun, 1957;
    Der eiserne Gustav, Regie G. Hurdalek, 1958;
    Mein Schulfreund, Regie R. Siodmak, 1960;
    Das Leben des Galilei, v. B. Brecht, Regie E. Monk, 1962;
    Die Odessa Akte, Regie R. Neame, 1974;
    Die Eingeschlossenen, v. J. P. Sartre, Regie P. Braun, 1978;
    Lorentz u. Söhne, Regie C. P. Witt, 1988;
    Rochade, Regie P. Patzak, 1991;
    – künstler. Nachlaß:
    Ak. d. Künste, Berlin (seit 1992).

  • Literatur

    L. Berger, E. S., 1958 (P);
    S. Melchinger u. R. Clausen, Schauspieler, 36 Portraits, 1965 (P);
    H. Rischbieter (Hg.), Theater-Lex., 1983;
    Harenbergs Personenlex., 20. Jh., 1991 (P);
    Nachrufe:
    FAZ;
    SZ;
    Stuttgarter Ztg., Die Welt (P), Kölner Stadt-Anz. (P), Presse (Wien) (P). Hannoversche Allg. Ztg., alle v. 28.7.1994;
    NZZ v. 29.7.1994;
    R. Matzker, Was noch bleibt ist das Bild, E. S. in Gedanken, Gesprächen u. Briefen, 1995 (Qu, P, Rollenporträts);
    Internat. Nekr. 1994 (P);
    Munzinger;
    Sucher, Theater-lex.

  • Portraits

    Kopf E. S., v. B. Heiliger, 1955, Abb. in Matzker (s. L), Frontispiz.

  • Autor/in

    Ulrike Krone-Balcke
  • Empfohlene Zitierweise

    Krone-Balcke, Ulrike, "Schröder, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 560-562 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118610805.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA