Lebensdaten
1844 bis 1924
Geburtsort
Berlin-Nikolassee
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Chirurg ; Geheimer Medizinalrat
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119215373 | OGND | VIAF: 816803
Namensvarianten
  • Trendelenburg, Friedrich Adolf Albrecht
  • Trendelenburg, Friedrich
  • Trendelenburg, Friedrich Adolf Albrecht
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Zitierweise

Trendelenburg, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119215373.html [09.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf (s. 1);
    M Ferdinande Becker;
    Straßburg 1874 Charlotte (1853–1932), T d. August Karl Fabricius (1825–90), Min.sekr. im preuß. Finanzmin., 1862 Obersteuerrat, Mitgl. d. Oberzolldir. in Darmstadt u. d. Zentralstelle f. Landesstatistik. Gen.dir. d. Zölle u. indirekten Steuern im Reichsland ElsaßLothringen, Finanzpol. (s. ADB 55; M. Kreutzmann, Die höheren Beamten d. Dt. Zollver., 2012, S. 254 f.), u. d. Caroline Schleiermacher (1826–1906);
    6 S u. a. Wilhelm (1877–1946), Prof. d. Physiol. in Tübingen, Mitbegr. d. „Zs. f. d. ges. experimentelle Med.“ (s. Zs. f. d. ges. experimentelle Med. 115, 1949, S. 1–6; Die wiss. Welt v. gestern, Die Preisträger d. Ignaz L. Lieben-Preises 1865–1937 u. d. Richard Lieben-Preises 1912–1928, hg. v. R. W. Soukup, 2004, S. 188–90; Fischer; Lex. Naturwiss.), Friedrich Adolf Albrecht (1878–1962, 1] Margarete Matilde Schwartz, 1883–1918, 2] Gabriele v. Gersdorf, 1897–1953), Geh. Reg.rat im preuß. Kulturmin., 1919 Vortragender Rat, 1922 Min.rat, 1924–33 Min.dir. u. Leiter d. Kirchenabt., 1935–39 Dir. d. preuß. Oberrechnungskammer in Potsdam, n. 1945 Amtsrichter in B., Ernst (s. 3), Paul (1884–1931), Internist, Toxikol., o. Prof. d. Pharmakol. in Rostock (s. Fischer; Kreuter, Neurologen), Ferdinand (s. 4), 3 T u. a. Clara (1875–1961, Carl Sartorius, 1865–1945, o. Prof. f. öff. Recht in Greifswald, 1908 f. Verw.-, Staats- u. Kirchenrecht in Tübingen, s. NDB 22);
    Gvm d. Ehefrau Andreas Schleiermacher (1787–1858), Orientalist, Bibl. d. Hofbibl. in Darmstadt, GR, Dr. phil. h. c. (s. ADB 31); Tanten-m d. Ehefrau Auguste Schleiermacher (1822–97, Heinrich v. Ewald, 1803–75, württ. Personaladel 1841, Bibelforsch., Orientalist, Pol., s. NDB IV), Caroline Schleiermacher (1826–1906, Christian Wilhelm Fabricius, 1786–1877, Rentamtmann in Arnsburg, Oberhessen, Limesforscher, Archäol.;
    E Reinhard (* 1907, 1941 in Rußland vermißt), Prof. d. Forstwiss. in München (s. H. Rubner, Mitt. aus d. Staatsforstverw. Bayerns, H. 47, 1994), Friedrich (1916–2004), Pneumol., Vorstand d. Abt. f. Lungenkrankheiten an d. I. Med. Univ.klinik in Homburg/Saar, Prof. (s. Kürschner, Gel.Kal. 1983), Johann Georg Friedrich (1918–91), Volkswirt, Bernd-Gero (1922–42 in Rußland), Juliane (* 1924, Carlpeter Lepsius), Legationsrätin im Auswärtigen Dienst.

  • Leben

    Nach dem Abitur 1862 am Joachimsthaler Gymnasium in Berlin verbrachte T. einige Zeit bei dem schott. Anatomen Allen Thomson (1809–84) in Glasgow. Durch diesen und seine Bekanntschaft mit dem in Edinburgh tätigen Chirurgen Josef Lister (1827–1912), der entscheidend zur Asepsis und Antisepsis forschte, wurde er in der Absicht bestärkt, Medizin zu studieren. 1863 begann er seine Studien in den Fächern Anatomie und Embryologie bei Thomson sowie in Physik bei William Thomson (1824–1907), dem späteren Lord Kelvin. 1863–66 studierte T. in Berlin bei Rudolf Virchow (1821–1902) Pathologie und beim Leiter der chirurgischen Universitätsklinik, Bernhard v. Langenbeck (1810–87), Chirurgie. 1867 wurde er mit einer historischen Arbeit zur altindischen Chirurgie „De veterorum Indorum chirurgica“ zum Dr. med. promoviert. Nach seiner Militärzeit in Kiel und Potsdam wurde T. 1868 Assistent v. Langenbecks. T. habilitierte sich 1871 mit der Arbeit „Chirurgiae Militaris Principiis“. 1874 als Ärztlicher Direktor für den chirurgischen Bereich des neuen Krankenhauses am Friedrichshain in Berlin tätig, galt sein besonderes Interesse, aufbauend auf den Erfahrungen bei Lister, der Verbesserung der antiseptischen Wundbehandlung. 1875 als Ordinarius für Chirurgie an die Univ. Rostock berufen, verfaßte T. Beiträge zur Gefäßchirurgie und bes. zur Krampfaderoperation. Ebenso begann er hier seine innovativen Überlegungen zur Beckenhochlagerung bei Bauchoperationen (T.Lagerung). Hierbei ermöglicht die Rückenlage des Patienten in der Weise, daß der Kopf am tiefsten und das Becken am höchsten liegen, einen freieren Einblick und Zugang insbesondere bei Blasen- und gynäkologischen Operationen. 1882 wechselte T. als Professor für Chirurgie nach Bonn, wo er mit seinem bekanntesten Schüler aus dieser Zeit, Georg Clemens Perthes (1869–1927), seine Arbeiten zur Krampfaderbehandlung fortsetzte. Während seines Ordinariats entwickelte er Konzepte zur Narkose und Antisepsis fort und beförderte den wissenschaftlichen Ruf der Bonner Universitätsklinik, u. a. durch die Einführung der Dampfsterilisation und die Entdeckung der reflektorischen Bauchdeckenspannung bei Abdominalerkrankungen. 1895 trat er die Professur für Chirurgie an der Univ. Leipzig an (Dekan 1897 u. 1906). Nach seiner Emeritierung 1911 zog er nach Berlin-Nikolassee.

    Neben Arbeiten zur Antisepsis und der Vermeidung von Infektionen waren T.s Arbeitsschwerpunkte vielseitig: So führte er 1877 die erste Magenfisteloperation durch und beschäftigte sich mit verschiedenen orthopädischen und knochenchirurgischen sowie gynäkologisch-urologischen und gesichtschirurgischen Operationen. Unter der T.schen Operation versteht man einerseits eine Operationstechnik zur Beseitigung der Lungenembolie und andererseits die Unterbindung der Vena saphena magna zur Behandlung der Stammvarikose. Auch heute noch wird seine Arbeit „Über die Unterbindung der Vena saphena magna bei Unterschenkelvarizen“ (Btrr. z. Klin. Chirurgie, 1890/91, S. 195), die diese Technik beschreibt, zitiert. In die Diagnostik ging ein als T.-Zeichen bezeichneter, klinischer Test ein, bei dem das Abkippen des Beckens zur gesunden Seite beim Stehen auf dem erkrankten Bein im Einbeinstand beobachtet wird, wenn eine Schwäche oder Lähmung der Gesäßmuskulatur bzw. eine Hüftgelenksluxation besteht. Mit dem T.-Versuch kann die Klappeninsuffizienz der Vena saphena magna überprüft werden. Neben Perthes waren seine Schüler Oskar Witzel (1856–1925) und Arthur Läwen (1876–1958).

  • Auszeichnungen

    A Mitbegr. d. Dt. Ges. f. Chirurgie (1872, Vors. 1898, Ehrenpräs.); Mitgl. d. Leopoldina (1884); Geh. Med. rat (1891); Dr. med. h. c. (Aberdeen 1906).

  • Werke

    W Erfahrungen über d. Tamponade d. Trachea, in: Dt. Zs. f. klin. Chirurgie 2, 1873, S. 352–68;
    Demonstration e. neuen Operationstisches. in: Zbl. f. Chirurgie 17, 1890, S. 25–28;
    Zur Operation d. Lungenarterien, ebd. 35, 1908, S. 92–94 u. 1011;
    Über d. Gang b. angeborener Hüftgelenksluxation, in: Dt. med. Wschr. 21, 1895, S. 21–24;
    Beckenhochlagerung u. Lungenembolie, in: Prakt. Ergebnisse aus d. Geb.hilfe u. Gynäkol. 3, 1911, S. 68–82;
    Die ersten 25 J. d. Dt. Ges. f. Chirurgie, 1923;
    Autobiogr.: Aus heiteren Jugendtagen, 1924 (P).

  • Literatur

    L Dt. Zs. f. Chirurgie 129, 1914, S. 1–5 (FS z. 70 Geb. tag);
    Nachrufe Chirurgen in Berlin, hg. v. R. Winau u. E. Vaupel, 1983 (P);
    Pantheon d. Dermatol., hg. v. Ch. Löser u. G. Plewig, 2008, S. 1031–43 (unvollst. W-Verz., P);
    Sächs. Lb. V;
    BLÄ.

  • Autor/in

    Eberhard Rabe
  • Empfohlene Zitierweise

    Rabe, Eberhard, "Trendelenburg, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 397-398 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119215373.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA