Lebensdaten
1810 bis 1887
Geburtsort
Padingbüttel
Sterbeort
Wiesbaden
Beruf/Funktion
Chirurg ; preußischer Generalarzt
Konfession
lutherische Familie
Normdaten
GND: 11887490X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Langenbeck, Bernhard von
  • Langenbeck, B. von
  • Langenbeck, Bernh. Rud. Conr. von
  • mehr

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Zitierweise

Langenbeck, Bernhard von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11887490X.html [15.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg L. (1766-1844), Feldprediger, Pastor in P., Dr. theol., Sup. in Sandstedt, Oberkirchenrat, S d. Georg (s. Gen. 2) u. d. Marie Elisabeth v. d. Heyde;
    M Charlotte Johanna (1773–1842), T d. Carl Sußmann, Oberförster in d. Göhrde;
    Ov Conrad Joh. Martin (s. 2);
    - Himmelpforten b. Stade 1840 Arnoldine (1817–86), T d. Oberamtmanns Eduard Reinbold in Himmelpforten u. d. Meta Honnen;
    2 S (1 ⚔), 3 T, u. a. Arnold (1841–1916), preuß. Gen. d. Kav., Helene ( Arnold v. Roon, 1840–1906, preuß. Gen. d. Inf.), Elisabeth ( Hans v. Plessen, 1841–1929, preuß. Gen.oberst u. Gen.adjutant).

  • Leben

    Nach seinem Medizinstudium in Göttingen wurde L. 1835 mit der Dissertation „De retinae structura penitiore“ promoviert, der er ein Jahr später die Ergänzungsschrift „De retina observationes anatomica-pathologicae“ hinzufügte. Die grundlegende Arbeit über die bösartigen Geschwülste des Augapfels verhalf ihm zum „Blumenbachschen Reisestipendium“, das er zur Fortbildung in Frankreich, England, Holland und Belgien nutzte. Obwohl die beiden engl. Chirurgen W. Lawrence und Sir Astley Cooper ihn stark beeindruckten, habilitierte er sich nach seiner Rückkehr 1838 zunächst für pathologische Anatomie und Physiologie und wurde 1841 zum ao. Professor ernannt. Seine Forschungen, die anfangs vorwiegend pathologischen Fragen nachgingen, wandten sich bald immer stärker der experimentellen Chirurgie zu; 1840 übernahm er auch die Vorlesung „Chirurgische Operationskunde“. So wurde L. 1842 zum o. Professor der Chirurgie und Direktor des Friedrichs-Hospitals an der Univ. Kiel ernannt. Hier leitete er 1848 im Krieg Schleswig-Holsteins gegen Dänemark als General-Stabsarzt das gesamte chirurgische Sanitätswesen, und die Kämpfe um die Düppeler Höhen hat der bereits nach Berlin Berufene gemeinsam mit seinem Assistenten Esmarch auf dem Schlachtfeld erlebt. In einer politisch und wissenschaftlich bewegten Zeit hat er danach den Berliner Lehrstuhl und dessen Klinik früh zu einem Mittelpunkt der modernen Chirurgie gemacht, an der die Verfeinerung der Operationstechnik und die Entwicklung neuer Operationsmethoden ebenso gepflegt wurden wie vorurteilsfreie Forschung und gediegene Wissensvermittlung. Als Generalarzt der preuß. Armee hat er in den Kriegen von 1864, 1866 und 1870/71 der Kriegschirurgie neue Wege geöffnet. Bis 1882 hatte er Lehramt und Klinik inne; dann zog er sich nach Wiesbaden zurück.

    L. führte die Chirurgie mit Hilfe der Pathologischen Anatomie endgültig zur lokalistischen Krankheitsbetrachtung zurück. Dadurch konnte sie sich Virchows soeben entwickelte und auf der nämlichen Denkweise fußende Zellularpathologie unmittelbar als wissenschaftliches Fundament zu eigen und alsbald in der chirurgischen Praxis fruchtbar machen. Aufgrund seiner physiologischen Vorbildung kam L. zur Erkenntnis von organischen Vorgängen, die sich auch der Chirurg zunutze machen konnte. Wenn L. menschlichen „Krebssaft“ mit positivem Ergebnis in das Blut gesunder Tiere injizierte oder bei „habituellen Fingerkrämpfen“ die Resultate von Sehnen- und Muskeldurchtrennungen prüfte, so begründete er schon damals die „experimentelle Chirurgie“, auf der künftig die Entwicklung zahlreicher Operationsverfahren, der Operationsvorbereitung und -nachsorge beruhte. Diese Vorbildung wurde daher in den folgenden Generationen zur Voraussetzung der chirurgischen Ausbildung und prägte die „moderne“ Chirurgie. Doch hätten die theoretischen Grundlagen allein nicht zu so stürmischen Veränderungen genügt, wären der chirurgischen Praxis nicht in der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts kurz nacheinander eine Reihe entscheidender Hilfsmittel zugewachsen: Durch die ruhigstellenden Verbände erhielt die Knochen- und Gelenkchirurgie eine völlig neue Grundlage. Die Anästhesieverfahren ermöglichten ein operatives Vorgehen auch dort, wo es zuvor undenkbar erschien. Die Blutleere brachte das blutsparende Operieren und das übersichtliche Operationsfeld. Das beginnende industrielle Zeitalter stellte dem Chirurgen Spezialinstrumente von bisher unbekannter Vielfalt und Präzision zur Verfügung, es gab ihm den Elektrokauter und zahlreiche elektrodiagnostische Geräte an die Hand und schließlich chemische Pharmaka, die abermals neue Operationsmöglichkeiten eröffneten. Die junge Bakteriologie führte schließlich über die Anti- zur Asepsis und beseitigte die Furcht vor der Wundeiterung und die Zurückhaltung bei der Gefäßunterbindung als Ausgangspunkt von Wundinfektionen.

    L.s Wirken fällt bereits in diese Entwicklung, und nur vor ihrem Hintergrund können seine Leistungen angemessen gewürdigt werden. Soweit neue Fragen an ihn herantraten, hat er an ihnen forschend und praktisch mitgearbeitet: Er war ein Meister der Blutstillung, der allein damit der Chirurgie neue operative Bereiche erschloß. Auch bemühte er sich um Verbesserungen des Gipsverbandes, verwandte den Thermokauter bei der Operation des Zungenkrebses und erfand zahlreiche Instrumente (darunter seine unentbehrliche Gefäßklemme), von denen noch heute elf unter seinem Namen in|Gebrauch sind. Die Kriegschirurgie verbesserte er entscheidend, indem er auf experimentellem Weg Lehrsätze über Form und Umfang von Schußwunden fand und die operative Sofortversorgung von Knochenverletzungen erneut durchsetzte. Die Chirurgie verdankt ihm 21 Operationsverfahren, die seinen Namen tragen. Diese liegen vor allem im Bereich der plastischen Chirurgie und der Chirurgie der Knochen und Gelenke. Hier gelang ihm neben zahlreichen Gelenkresektionen die subkutane Osteotomie zur O-Beinkorrektur und die subperiostale Knochenresektion (zur Schonung der für die Heilung wichtigen Knochenhaut), dort eine Verbesserung der „Uranoplastik“ bei der Gaumenspalte, die erstmals die Öffnung im harten Gaumen sicher ohne Restdefekt deckte. Auch hatte er bereits die Exstirpation des Kehlkopfes, die dann sein Schüler Billroth zum ersten Mal durchführte, chirurgisch-anatomisch fertig ausgearbeitet und fand nur keine Gelegenheit zur Ausführung am Patienten.

    Mit klarem Blick für die künftigen Erfordernisse des Fachs förderte er auch dessen übrige Belange. L. war in jüngerer Zeit der erste, der bewußt eine Schule begründete. Kein chirurgischer Lehrer vor oder nach ihm hat so viele bedeutende Schüler ausgebildet wie er. Als Forum für sie schuf er 1860 das später nach ihm benannte „Archiv für klinische Chirurgie“ (mit Th. Billroth und A. Gurlt). Schließlich regte er auf Bitten von Schülern und Fachkollegen 1872 die Gründung der „Deutschen Gesellschaft für Chirurgie“ an, deren 1. Vorsitzender er fünf Jahre lang war. Seine klinischen Vorlesungen und praktischen Demonstrationen zählten zu den großen Ereignissen der Berliner Medizin, und nicht nur Studenten aus ganz Deutschland, sondern aus aller Welt drängten sich in seinem Auditorium. Mögen aus der Sicht der Chirurgiegeschichte die Leistungen der beiden folgenden Generationen eindrucksvoller erscheinen, L. hat sie vorbereitet und ihnen Ziel und Richtung gewiesen.|

  • Auszeichnungen

    E. K. I (1871), preuß. Kronen-Orden I. Kl. mit Schwertern (1883); WGR (1882); Ehrenvorsitzender d. Dt. Ges. f. Chirurgie (1886).

  • Werke

    Weitere W u. a. Über d. Schußfrakturen d. Gelenke u. ihre Behandlung, 1868;
    zahlr. Aufsätze in: Dt. Klinik, 1850 ff.;
    Med. Central-Ztg., 1860 ff.;
    Archiv f. klin. Chirurgie, 1860 ff.;
    Berliner klin. Wschr., 1864 ff.;
    Verhh. d. Dt. Ges. f. Chirurgie, 1872 ff.

  • Literatur

    ADB 51;
    E. v. Bergmann, Zur Erinnerung an B. v. L., Rede, 1888 (W-Verz.);
    L. Kimmle, Die Kriegschirurgen u. Feldärzte Preußens, 3 T., 1904, S. 3-53 (W, L, P);
    W. Körte, in: Langenbecks Archiv f. klin. Chirurgie 100, 1913 (P);
    E. Küster, Gesch. d. neueren dt. Chirurgie, 1915;
    F. Trendelenburg, Die ersten 25 J. d. Dt. Ges. f. Chirurgie, 1923;
    W. v. Brunn, Die Chirurgie unter B. v. L. 1848-82, in: Das Univ.klinikum in Berlin 1810-1939, 1939, S. 81-94;
    B. E. Siebs, in: Nd.sächs. Lb. II, 1954, S. 147-58 (P);
    Reallex. d. Med. u. ihrer Grenzgebiete IV, 1971, S. L 30 f.;
    BLÄ (W, P).

  • Portraits

    Lith. v. C. Lange n. Zeichnung v. Th. Hellwig, Abb. in: Bildnisse Göttinger Professoren aus 2 Jhh., hrsg. v. M. Voit, 1937.

  • Autor/in

    Markwart Michler
  • Empfohlene Zitierweise

    Michler, Markwart, "Langenbeck, Bernhard von" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 580-582 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11887490X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Langenbeck: Bernhard von L., wurde (nach dem Padingbütteler Kirchenbuch) am 8. November 1810 in Padingbüttel geboren als Sohn des Predigers Georg Langenbeck. Nach Beendigung seiner Studien in Göttingen, wo sein Oheim Martin Professor der Anatomie und Chirurgie war (s. A. D. B. XVII, 664), machte er Reisen nach Frankreich und England und habilitirte sich im J. 1836 in Göttingen als Privatdocent für Physiologie, übte gleichzeitig aber auch speciell chirurgische Praxis aus. Bald zum Extraordinarius ernannt, kam er sechs Jahre später nach Kiel als Ordinarius für Chirurgie, und wieder sechs Jahre später, 1848, wurde er nach Berlin berufen als Nachfolger des großen Meisters Dieffenbach. Hier war er bis zum Jahre 1882 thätig. Da zog er sich von seiner akademischen Thätigkeit zurück, siedelte nach Wiesbaden über, wo er am 29. September 1887 starb. Langenbeck's Wirksamkeit ist eine außerordentlich intensive gewesen. Als Lehrer fesselte er große Scharen von Zuhörern durch die logische Begründung seiner Darlegungen und durch die reiche Erfahrung, als Operateur war er glänzend, sicher und schnell, als Arzt zeigte er im Verkehr mit den Kranken eine ungemeine Güte, Herzlichkeit und Geduld. Eine große Reihe von Methoden, die bis auf den heutigen Tag viel Anwendung finden, tragen seinen Namen, der subperiostalen und subsynovialen Gelenkresection hat er in Deutschland ein Feld erobert. Mancher anderen Operation, wie z. B. der Uranoplastik, hat er erst die Form gegeben, die sie zu einer leistungsfähigen, so leistungsfähigen machte, daß sie überall verwendet wird. Auch auf die Kriegschirurgie war er von großem Einfluß, hatte er doch in vier Feldzügen (1848, 1864, 1866, 1870) als preußischer Generalarzt reiche Gelegenheit, zahlreiche Erfahrungen zu sammeln. L. war aber weit entfernt davon, bloß ein Meister der Technik zu sein, im Gegentheil, strengste Wissenschaftlichkeit, tiefes Eindringen in die wissenschaftlichen Probleme zeichnete ihn aus. L. war der erste Präsident der deutschen Gesellschaft für Chirurgie und blieb dies viele Jahre.

    • Literatur

      Vgl. v. Bergmann, Zur Erinnerung an B. v. Langenbeck, 1888.

  • Autor/in

    H.
  • Empfohlene Zitierweise

    H., "Langenbeck, Bernhard von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 51 (1906), S. 581 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11887490X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA