Lebensdaten
1882 – 1945
Geburtsort
Rostock
Sterbeort
Berlin-Dahlem
Beruf/Funktion
Jurist ; Staatssekretär ; Beamter ; Staatssekretär
Konfession
andere
Normdaten
GND: 128547111 | OGND | VIAF: 20738526
Namensvarianten
  • Trendelenburg, Ernst Paul Archibald
  • Trendelenburg, Ernst
  • Trendelenburg, Ernst Paul Archibald

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Trendelenburg, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd128547111.html [21.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (s. 2), S d. Adolf (s. 1) M Charlotte Fabricius;
    B Ferdinand (s. 4);
    Klara (Cläre, Klärchen) ( 1945 Freitod), T d. Gustav Schaedel (* 1867), aus Frankfurt/M., Dr. med. et chir., ltd. Arzt an d. Diakonissenanstalt in Flensburg, u. d. Anna Schmidt;
    3 K.

  • Biographie

    T. wuchs in einer bildungsbürgerlich-preuß. Familie auf. Er besuchte das Städtische Gymnasium in Bonn und die Thomasschule in Leipzig (Abitur 1900), anschließend studierte er zunächst Medizin, seit 1901 Rechtswissenschaft in Bonn und Leipzig. 1903/04 wurde er an der jur. Fakultät der Univ. Greifswald mit einer rechtsvergleichenden Arbeit promoviert, sein Referendariat schloß er 1908 mit der großen Staatsprüfung ab. T. begann seine Laufbahn als wiss. Hilfsarbeiter im Reichsjustizamt, 1912–19 fungierte er nebenamtlich als Generalsekretär der KWG. 1917 wurde T. über das Reichsamt des Innern dem neu gegründeten Reichswirtschaftsamt zugewiesen, in dem er für Bewirtschaftungsfragen zuständig war. Die ökonomische Staatstätigkeit und die internationalen Wirtschaftsbeziehungen bildeten fortan die Hauptbetätigungsfelder T.s, der im Reichswirtschaftsministerium (RWM) rasch Karriere machte und im April 1918 zum Geheimen Regierungsrat und Vortragenden Rat aufstieg sowie die Abteilung „Chemie, Glas, Tone und Erden“ leitete, ehe er 1921 Abteilungsdirigent, 1922 Ministerialdirektor und schließlich 1923 Staatssekretär im RWM wurde. Zudem war er 1919–22 Reichskommissar für Ein- und Ausfuhrbewilligungen. Im Reichwirtschaftsamt bzw. -ministerium avancierte T. zur rechten Hand des Unterstaatssekretärs Wichard v. Moellendorff (1881–1937) in allen Grundsatzfragen. Er wirkte maßgeblich und aus innerer Überzeugung an der von Moellendorff verfaßten Denkschrift des RWM vom Mai 1919 zur Gemeinwirtschaft mit. Als die Nationalversammlung 1919 zusammentrat, fungierte T. als Berater des neuen Wirtschaftsministers Rudolf Wissell (1869–1962), mit dem er – letztlich erfolglos – für eine politische Umsetzung des Konzepts der Gemeinwirtschaft warb.

    In der Folge rückte T., u. a. aufgrund negativer Erfahrungen in den Außenhandelskommissionen, allmählich vom Gedanken der Planwirtschaft ab. Sein Arbeitsbereich hatte sich zudem auf internationale Wirtschaftsfragen verlagert. Als Sachverständiger und Delegierter nahm T. an den zahlreichen Wirtschaftskonferenzen teil, die u. a. die ökonomischen Folgen des Versailler Friedensvertrags behandelten. Infolge des Dawes-Plans organisierte T. die Ausgabe von dt. Industrieobligationen und beteiligte sich an den Beratungen um einen dt.-franz. Handelsvertrag. 1927 war er Delegierter auf der Genfer Weltwirtschaftskonferenz und im Völkerbund seit 1927 Vizepräsident des Wirtschaftskomitees.

    Im Sommer 1930 übertrug Reichskanzler Heinrich Brüning T. unter Beibehaltung seiner Position als Staatssekretär die kommissarische Leitung des Wirtschaftsministeriums. Dem Kanzler galt T. als tüchtiger Beamter, aber als Politiker schien er ihm wenig geeignet. Gleichwohl war T. in der Weimarer Wirtschafts- und Staatskrise einer der engsten Mitarbeiter Brünings und gemeinsam mit dem befreundeten Staatssekretär im Finanzministerium, Hans Schäffer (1886–1967), an|allen maßgeblichen innen- und außenwirtschaftlichen Entscheidungen beteiligt. T.s Leitung des RWM endete mit der Berufung Hermann Warmbolds (1876–1976) zum Wirtschaftsminister im Okt. 1931. Mit Warmbold fand T. nie eine gemeinsame Linie, er wurde schließlich auf dessen Wunsch hin aus dem Staatsdienst entlassen. Vom 31. 10. 1932 bis zum Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund im Okt. 1933 war T. Untergeneralsekretär und Leiter der Wirtschafts- und Finanzabteilung der Genfer Organisation. Seit 1934 brachte er als Aufsichtsratsvorsitzender bzw. -mitglied seine langjährigen Erfahrungen in reichseigene Unternehmen (v. a. VIAG u. Tochtergesellschaften) und in die Wirtschaftsverwaltung ein, er hatte u. a. verschiedene Funktionen bei der Reichswirtschaftskammer Berlin (seit 1935), war Leiter der Reichsgruppe Industrie (1935/36) und Leiter der Reichsvereinigung Eisen (1942).

    T. galt als kluger Moderator und Mittler zwischen Staat und Wirtschaft, zudem gleichsam als Prototyp des sachorientierten preuß. Beamten. In diesem Sinne unpolitisch, distanzierte er sich nicht vom NS-Regime. Er war zwar kein Parteimitglied, stellte sich aber nach 1933 loyal in den Dienst des Dt. Reichs. Am 28. 4. 1945 wählte er unter dem Eindruck des sowjet. Einmarschs in Berlin gemeinsam mit Frau und Tochter den Freitod, nachdem es ihm nicht gelungen war, seine Tochter vor Übergriffen zu schützen.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. AR d. Bank f. dt. Ind.obligationen (1924), d. Vereinigte Ind.-Unternehmungen AG (1923–32, Vors. 1934–45), d. AG f. dt. Elektrizitätswirtsch., Alpen-Elektrowerke AG, Dt. Ind.werke AG, Elektrowerke AG;
    Innwerk AG, Süddt. Kalkstickstoff-Werke AG, Vereinigte Aluminiumwerke AG;
    Reichs-Kredit-Ges.;
    Mitgl. d. Senats d. KWG (1922–33) u. d. Präsidiums d. Dt. Gruppe d. Internat. Handelskammer.

  • Werke

    W Der Besitzerwerb d. Stellv. n. gemeinem Rechte u. d. Rechte d. BGB f. d. Dt. Reich, Diss. Greifswald 1904;
    Weltwirtsch.krise u. Außenhandel, 1921;
    Exportförderung, 1926 (mit L. Kastl);
    Mémoire sur la législation de divers états concernant la protection contre le dumping, notamment le dumping des changes, 1927;
    Amerika u. Europa in d. Weltwirtsch.pol. d. Zeitabschnitts d. Wirtsch.konf., 1. T.: Bis z. Dawes-Plan 1924, 1943.

  • Quellen

    Qu Akten d. Reichskanzlei, Weimarer Rep., Bde. 1919–32, 1968–90 (auch im Internet); BA Berlin, Aufzz. d. Bruders Friedrich Trendelenburg über E. T. (1914–45).

  • Literatur

    L E. Wandel, Hans Schäffer, Steuermann in wirtschaftl. u. pol. Krisen, 1974;
    E. Danzl, Erinnerungen Hans Schäffers an E. T., in: VfZ 25, 1977, S. 865–88;
    M. Pohl, VIAG AG, Vom Staatsuntern. z. internat. Konzern, 1998;
    M. Rosengarten, Die internat. Handelskammer, Wirtsch.pol. Empfehlungen in d. Zeit d. Weltwirtsch.krise 1929–1939, 2001;
    D. Kahn, Die Steuerung d. Wirtsch. durch Recht im nat.sozialist. Dtld., Das Bsp. d. Reichsgruppe Ind., 2006;
    Wenzel;
    Rhdb.;
    Wi. 1935;
    Jeserich-Neuhaus; Biogr. Lex. Weimarer Rep.

  • Porträts

    P Photogrr. (BA, Bilddatenbank)

  • Autor/in

    Boris Gehlen
  • Zitierweise

    Gehlen, Boris, "Trendelenburg, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 398-399 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128547111.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA