Lebensdaten
1890 bis 1965
Geburtsort
Nikolsburg (Mähren)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Politiker ; österreichischer Bundespräsident
Konfession
-
Normdaten
GND: 118606301 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schärf, Adolf

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Zitierweise

Schärf, Adolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118606301.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Josef (* 1849), Glasarbeiter;
    M Magdalena Sitek ( 1941);
    B Josef (* 1878), RA in W.;
    1915 Hilda Hammer (1886–1956), Hilfsbeamtin der Arbeiter-Unfallvers.;
    1 T Martha (* 1917, N. N. Kyrle, * 1917, Chirurg), 1 S Reinhold (1919–41).

  • Leben

    Aus einer Handwerkerfamilie stammend, besuchte S. die Volksschule in Wien-Ottakring, wohin die Familie 1899 gezogen war, anschließend bis 1909 das humanistische Gymnasium in Hernals, wo er sich auch in der Sozialistischen Mittelschülervereinigung engagierte. Das Jurastudium schloß er an der Univ. Wien 1914 mit der Promotion ab und arbeitete in der Kanzlei seines Bruders als Rechtsanwaltsanwärter. 1915 meldete er sich freiwillig zum Militär und leistete bis 1918 Kriegsdienst (zuletzt Oberlt.). Früh übernahm S. Parteifunktionen z. B. als Sekretär der Parlamentsfraktion und der sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Niederösterreichs. 1920 war er an der Konstituierung des Verbandes der Kleinbauern, Weinbauern und Kleinpächter Österreichs beteiligt und publizierte hierzu einschlägige Schriften. Als gemäßigter Sozialdemokrat stand S. zur austromarxistischen Führung unter Otto Bauer (1881–1938) in „loyaler Opposition“ (W. C. Müller). Weder mit der Militarisierung der Politik durch den Republikanischen Schutzbund noch mit der Gegnerschaft der SDAP-Führung zur Regierung stimmte er völlig überein. 1933 wurde S. vom Wiener Landtag in den Bundesrat entsandt, wobei er sich zur scheinlegalen Basis des autoritären Regimes des „Ständestaates“ und seiner zweifelhaften Abwehr gegen den Nationalsozialismus kritisch äußerte. Im Bürgerkrieg 1934 wurde er am 12. Februar verhaftet und blieb bis Mai v. a. im „Anhaltelager“ Wöllersdorf inhaftiert; im selben Jahr wurde er vom Dienst suspendiert. 1935-45 arbeitete er als Rechtsanwalt. Nach dem „Anschluß“ Österreichs 1938 und im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 wurde S. kurzzeitig inhaftiert.

    1945 wurde er in der provisorischen Regierung Renner Staatssekretär ohne Geschäftsbereich, SPÖ-Vertreter im Politischen Kabinettsrat und erster Stellvertreter des Staatskanzlers. Infolge der Annäherung zwischen Revolutionären Sozialisten und Sozialdemokraten formte S. die SPÖ als deren führende Politikerpersönlichkeit von einer Kader- zu einer Massen- und Staatspartei. 1945-57 wirkte er als SPÖ-Vorsitzender und Vizekanzler. Nach dem Tod von Bundespräsident Theodor Körner wurde S. am 5.5.1957 zum Nachfolger gewählt. Die Wiedergewinnung der Souveränität, die Isolierung und Marginalisierung der Kommunisten und die Sicherung des Einflusses der SPÖ als staatstragender Regierungspartei waren die politischen Hauptanliegen S.s, der öffentliches Auftreten und Reden eher mied, sich aber als guter Organisator und zäher Verhandler mit dem bürgerlichen Koalitionspartner auszeichnete. Zu Leopold Figl (1902–65) und Karl Gruber (1909–95) unterhielt er gute Kontakte, ebenso zur Sozialistischen Internationale, v. a. zur Labour Party. Seine Hauptverdienste lagen in der Vermeidung einer aufreibenden Verfassungsdiskussion und der Verhinderung einer übereilten Entscheidung in der Frage der Ölfelder in Ostösterreich 1945, der Vorbereitung des Zweiten Alliierten Kontrollabkommens 1946, der Mitwirkung beim Abschluß der Staatsvertragsverhandlungen 1955 und der grundsätzlichen Bereitschaft zur Aufrechterhaltung der Kooperation mit der ÖVP im Rahmen der Großen Koalition.|

  • Auszeichnungen

    HR (1930); Erasmuspreis (1958); Paul Henri Spaak-Preis (1959); Dr. iur. h. c. (Moskau 1959).

  • Werke

    u. a. Österr.s Appell an d Welt, 1947;
    April 1945 in Wien, 1948;
    Zw. Demokratie u. Volksdemokratie, Österr.s Einigung u. Wiederaufrichtung im J. 1945, 1950;
    Österr.s Erneuerung 1945-1955, 1955;
    Erinnerungen aus meinem Leben, 1963 (P);
    Der Teil u. d. Ganze, 1965.

  • Literatur

    A. Migsch, A. S. in seiner Zeit, 1965 (P);
    ders., in: NÖB XVII, 1968;
    K. R. Stadler, A. S., Mensch – Politiker – Staatsmann, 1982 (P);
    ders., in: Friedrich Weißensteiner (Hg.), Die österr. Bundespräsidenten, Leben u. Werk, 1982 (P);
    Wolfgang C. Müller, in: Die Politiker, Karrieren und Wirken bedeutender Repräsentanten der Zweiten Republik (P);
    Kosch, Biogr. Staatshdb.;
    Munzinger;
    Histor. Lex. Wien; |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Ver. z. Gesch. d. Arbeiterbewegung, Wien.

  • Autor/in

    Michael Gehler
  • Empfohlene Zitierweise

    Gehler, Michael, "Schärf, Adolf" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 527 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118606301.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA