Lebensdaten
1857 bis 1935
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
Nationalökonom
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116117060 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dietzel, Gottlob Heinrich Andreas
  • Dietzel, Gottlob Heinrich Andreas
  • Dietzel, H.

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Zitierweise

Dietzel, Heinrich, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd116117060.html [05.12.2016].

CC0

Dietzel, Gottlob Heinrich Andreas

Nationalökonom, * 19.1.1857 Leipzig, 22.5.1935 Bonn. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Gustav (1827–64), Prof. der Rechte in Leipzig, seit 1862 in Kiel (s. ADB V), S des Rad- u. Stellmachermeisters Frdr. Gottlob in Altenburg; M Lamina Gerhardine Elis. (1835–57), T des Kaufm. Andr. Tedtsen in Bremen; Christine Junker.

  • Leben

    D. studierte 1876-79 Rechts- und Staatswissenschaften in Heidelberg und Berlin. 1882/83 unternahm er eine Studienreise nach Italien. 1885 wurde er außerordentlicher, 1886 ordentlicher Professor in Dorpat, 1887 russischer Staatsrat, 1890 ordentlicher Professor in|Bonn. 1908 lehnte er einen Ruf nach Freiburg (Breisgau) ab.

    D., ein Schüler Ad. Wagners, war der letzte Vertreter der klassisch-englischen Wirtschaftstheorie in Deutschland; er stand gleichwohl methodologisch der jüngeren historischen Schule (G. von Schmoller) näher als der Wiener Grenznutzenschule (C. Menger), deren Lehren er - zu Unrecht - scharf verurteilte. Neben kleineren, jedoch meisterlichen Monographien überwiegend finanzpolitischen und historischen Inhaltes bereicherte D. die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften durch viele, mit vorbildlicher Klarheit vorgetragene, wichtige Erkenntnisse auf den Gebieten der Methodologie, der ökonomischen Theorie sowie der soziologischen Forschung. Hierhin gehört seine These über die ausschließlich hypothetische Gültigkeit theoretischer Sätze, seine bis in die Einzelheiten durchgeführte Unterscheidung zwischen Konkurrenz- und Kollektivsystem sowie endlich der Ausbau der Konträrtheorie des Lohnes. Als besonders fruchtbar erwies sich die Gegenüberstellung von Sozial- und Individualprinzip als Kriterium für eine prinzipiell orientierte Beschreibung ökonomischer und sozialer Ideensysteme. In der Wirtschaftspolitik war D. einer der eifrigsten Verfechter des Freihandels und der industriestaatlichen Entwicklung. Besonders bekannt ist seine Interpretation der Wirtschaftspolitik Friedrich Lists, welche sich gedanklich auf der eben skizzierten Linie bewegte.

  • Werke

    W. u. a. Über d. Verhältnis d. Volkswschft.slehre z. Sozialwschft.slehre, 1882; Der Ausgangspunkt d. Sozialwschft.slehre u. ihr Grundbegriff, in: ZStW, Bd. 39, 1883; Über Wesen u. Bedeutung d. Teilbaus in Italien, ebd., Bd. 40-41, 1884-85; Karl Rodbertus, Darst. s. Lebens u. s. Lehre, 2 Bde., 1886-88; Die klass. Werttheorie u. d. Theorie v. Grenznutzen, in: Jbb. f. Nat.ök. u. Statistik, NF, Bd. 20, 1890; Zur klass. Wert- u. Preistheorie, ebd., 3. F., Bd. 1, 1891; Btrr z. Gesch. d. Sozialismus u. d. Kommunismus, in: Vjschr. f. Staats- u. Volkswschft., Bd. 1 u. 5, 1893 u. 97, wieder abgedr. in: Plenges Staatswiss. Musterbücher II, 1920; Theoret. Sozialökonomik I, Einl., Allg. T., Buch 1, 1895; Weltwschft. u. Volkswschft., 1900; Die Theorie v. d. drei Weltreichen, in: Die Nation, Jg. 17, 1899/1900; Das 19. Jh. u. d. Progr. d. Liberalismus, 1900; Das Produzenteninteresse d. Arbeiter u. d. Handelspol., 1903; List's Nat. System u. d. „nat.“ Wschft.spol., 1912; Vom Lehrwert d. Wertlehre u. v. Grundfehler d. Marxschen Verteilungslehre, 1921; Mehrere Art. in: Hdwb. d. Staatswiss., 31912.

  • Literatur

    A. Weber, H. D., in: Jb. f. Nat.ök. u. Statistik, Bd. 142, 1935; E. v. Beckerath, H. D. als Nat.ökonom u. Soziologe, 1944.

  • Autor

    Erwin von Beckerath
  • Empfohlene Zitierweise

    Beckerath, Erwin von, "Dietzel, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 708-709 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd116117060.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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