Lebensdaten
1797 bis 1842
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Hofkanzler ; Mäzen ; österreichischer Staatsmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 130627461 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lobkowicz, August Longin Fürst von
  • Lobkowitz, August Longin Fürst von
  • Lobkowicz, August Longin Fürst von
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Lobkowitz, August Longin Fürst von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130627461.html [23.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Anton Isidor (1773–1819), Förderer „böhm.“, d. h. tschech., u. d. patriot. Bestrebungen u. bedeutender Kunst- u. Musikmäzen, S d. k. k. Diplomaten u. Kunstmäzens August Anton Joseph (1729–1803) u. d. Maria Ludmilla Gfn. Czernin v. u. zu Chudenitz (1738–90);
    M Maria Sidonie (1779–1837), T d. Joseph Fürst Kinsky u. d. Rosa Gfn. v. Harrach;
    Groß-Ov Joseph Maria Karl (s. 4);
    - Anna Bertha (1807–83), T d. Joseph Johann Fürst zu Schwarzenberg u. d. Pauline Prn. v. Arenberg;
    S Georg Christian (s. 7), 3 T.

  • Leben

    Die Bedeutung L.s für seine Zeit liegt auf dem öffentlich-politischen und dem musischkünstlerischen Gebiet. L. trat sehr jung, noch vor Abschluß seines Rechtsstudiums in Prag, in den Staatsdienst, wurde 1819 Kreiskommissär, 1821 Gubernialsekretär beim böhm. Gubernium, 1823 Kreishauptmann von Budweis, 1825 Vizepräsident des galiz. Landesguberniums und 1826 schließlich Gouverneur von Galizien. Als solcher bemühte er sich um den materiellen und geistig-kulturellen Aufschwung Galiziens, wobei immer wieder zwei zeitlich eng beieinanderliegende Ereignisse in seinem Tätigkeitsbereich hervorgehoben werden: die Choleraepidemie 1830 und die poln. Revolution 1831. Ohne Rücksicht auf seine Person setzte er sich mit sozial-sanitären und medizinischen Maßnahmen für die durch die Seuche heimgesuchte Bevölkerung ein. Dieses mutige Engagement sicherte ihm große Sympathien; nach der Niederwerfung des poln. Aufstandes suchten zahlreiche politisch Verfolgte und Verwundete im habsburg. Galizien Schutz, wobei einige sogar im Hause von L. Aufnahme fanden. Nicht zuletzt aufgrund dieser persönlichen politisch-humanitären Demonstration erfolgte 1832 seine von Rußland auf diplomatischem Wege beschleunigte Abberufung aus Galizien. In Wien wurde L. bald Hofkanzler der Vereinigten k. k. Hofkanzlei und dann Präsident der neugeschaffenen Hofkammer für Münz- und Bergwesen, wobei er sich große Verdienste um die Pflege der Mineralogie und der Montanistik erwarb. Unter ihm wurde auch das im klassizistischen Stil konzipierte Hauptmünzamt (1835–38) erbaut.

    Als Kunstliebhaber und Mäzen nahm L. am Musikleben seiner Zeit lebhaften Anteil: Er unterstützte zahlreiche angehende und arrivierte Künstler und unterhielt in seinem Wiener Palais ein eigenes Orchester. Gleichzeitig war er Präses der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, der Gesellschaft der patriotischen Kunstfreunde, des Vereins zur Beförderung der Tonkunst sowie Mitglied und wirtschaftlicher Leiter des bedeutsamen Vaterländischen Museums in Böhmen in Prag. L. zählte mit Moritz Gf. v. Dietrichstein zu jenem Kreis vornehmlich adeliger Kunstfreunde und Musikenthusiasten im vormärzlichen Wien, der dem Wiener Musikleben Weltgeltung verschaffte.

  • Literatur

    ADB 19;
    P. de Gmeline, Hist. des princes de L., 1977, S. 206-10;
    Wurzbach 15.

  • Autor/in

    Moritz Csáky
  • Empfohlene Zitierweise

    Csáky, Moritz, "Lobkowitz, August Longin Fürst von" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 735 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130627461.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lobkowitz: August Longin Fürst v. L., geb. zu Prag am 15. März 1797, trat, noch ehe er seine juristischen Studien in Prag vollendet hatte, in den Staatsdienst, in dem er dem damaligen Oberstburggrafen Grafen Kolowrat, einem Verwandten seines Hauses, im politischen Dienste zugetheilt wurde. Nachdem er im J. 1819 das Majorat der jüngeren fürstlichen Linie angetreten hatte, durchflog er im Sturmschritte die Diensteslaufbahn und ward bereits im J. 1825 zum Vicepräsidenten des galizischen Guberniums, im Jahre darauf, im Alter von kaum 30 Jahren, zum Gouverneur dieser großen und wichtigen Provinz ernannt. Die Aufgabe, die seiner daselbst harrte, war eine außerordentlich schwierige. Die geistigen und materiellen Interessen des Landes waren bisher gründlich vernachlässigt, das Schulwesen kaum in seinen Anfängen entwickelt, die Bildung der unteren Volksklassen dementsprechend auf der untersten Stufe, der Adel erfüllt von nationalen Aspirationen, das Ganze nur durch einen wüsten Polizeidruck nothdürftig zusammengehalten. L. machte sich zunächst die Hebung des Volksschulwesens zur Hauptaufgabe. Daneben trachtete er vorzüglich dahin, durch ein|überaus freundliches und die nationale Stimmung des polnischen Adels schonendes Benehmen das Verhältniß dieses Ausschlag gebenden Elementes zur Centralregierung günstiger zu gestalten. Der Ausbruch der Cholera in Galizien gegen Ende 1830, deren Gefahr durch die im Volke wurzelnden Vorurtheile noch erhöht wurde, gab ihm Gelegenheit zu einem überaus wohlthätigen und energischen Wirken, durch das er sich auch wirklich die Sympathie aller Bevölkerungsklassen erwarb. Noch in höherem Grade ward sein Streben, die nationalen Tendenzen des galizischen Adels mit Schonung zu behandeln, bei dem Ausbruch der polnischen Regierung im J. 1831 auf die Probe gestellt. Ohne gerade eine Schwäche gegen die revolutionäre Strömung zu zeigen, die mit Nothwendigkeit auch auf Galizien herübergriff, unterließ er doch energische Maßnahmen, um dem Anschlusse der jüngeren Leute des Landes an dem Befreiungskampfe zu steuern, die denn auch in Schaaren sich an letzterem betheiligten. Durch diese stillschweigende Connivenz und durch die milde Duldung der zahlreichen Flüchtlinge, die nach niedergeschlagenem Aufstande Galizien überschwemmten, gelang es ihm die Ruhe in der ihm anvertrauten Provinz vor jeder wesentlichen Störung zu bewahren und sich die allgemeine Sympathie des Landes zu gewinnen. Seine nachsichtige Haltung, die er in diesem Falle bewies, führte jedoch zu ziemlich ernsten Reclamationen von Seiten des St. Petersburger Cabinets, in Folge deren L., obgleich Metternich im Herzen Rußland nur ungern zu Diensten war, im J. 1832 von seinem Dienstposten abberufen und anfänglich der allgemeinen Hofkammer zugetheilt, bald darauf aber zum Hofkanzler bei der vereinigten Hofkanzlei ernannt wurde. Bei der im J. 1834 eingetretenen Pensionirung des bisherigen Finanzministers Grafen Klebeisberg waren Aller Blicke auf L. gerichtet, der durch seine strenge Rechtlichkeit und durch den Glanz seines Namens alle Eigenschaften zur Uebernahme dieses wichtigen Postens besaß. Zur allgemeinen Ueberraschung wurde jedoch statt seiner der von Kolowrat begünstigte Freiherr v. Eichhof auf den Posten eines Hofkammerpräsidenten berufen und L., um ihm eine theilweise Entschädigung zu gewähren, zum Präsidenten der neugeschaffenen Hofkammer für das Münz- und Bergwesen ernannt. Auch in dieser neuen Stellung bewährte L. seine längst bekannte Energie. Er hob nach und nach die einzelnen Zweige des sehr vernachlässigten Staatsbergbaues, leistete dem Privatbergbau jeden möglichen Vorschub und griff, indem er die Eisenproduktion und Steinkohlengewinnung mächtig förderte, der vaterländischen Industrie kräftig unter die Arme. Auch das österreichische Münzwesen erhielt unter ihm eine wesentliche Umgestaltung, insbesondere durch den Aufbau des neuen Hauptmünzgebäudes in Wien, zu dem er am 2. März 1835 den Grund legte und das er mit trefflichen Maschinen und technischen Einrichtungen ausstattete. Neben seinen sehr beachtenswerthen Leistungen im öffentlichen Staatsdienste war L. auch ein großer Freund und Kenner der Musik. Er unterstützte aufs Großmüthigste bedürftige Künstler, hielt eine vollständige, vortrefflich eingerichtete Musikkapelle und errichtete in seinem Palais in Wien eine musikalische Freischule, aus welcher mancher tüchtige Künstler hervorging. Er starb, ob seines Biedersinnes und seines humanen Wesens allgemein betrauert, am 17. März 1842.

    • Literatur

      Wurzbach, Biographisches Lexikon, Bd. XV, S. 337 ff.

  • Autor/in

    Sommaruga.
  • Empfohlene Zitierweise

    Sommaruga, Franz Freiherr von, "Lobkowitz, August Longin Fürst von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 46-47 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130627461.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA