Lebensdaten
1725 bis 1802
Geburtsort
Prag
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
k. k. Generalfeldmarschall ; Diplomat
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117074144 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lobkowitz, Joseph Fürst von
  • Lobkowicz, Joseph Fürst von
  • Lobkowicz, Joseph Maria Karl Fürst von
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Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Lobkowitz, Joseph Maria Karl Fürst von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117074144.html [09.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Georg Christian (1686–1755), k. k. Feldmarschall (s. ADB 19), S d. Ferdinand August (s. Gen. 3) u. d. Maria Philippine Gfn. v. Althann;
    M Maria Henriette (1702–80), T d. Ernst Gf. v. Waldstein u. d. Marie-Therese Gfn. v. Losenstein;
    Ur-Gvv Wenzel Eusebius (s. 3);
    B Ferdinand Fürst (1726–95), Bischof v. Gent;
    - 1752 Maria Josepha (1727–88), Wwe d. Joseph Karl Fürst v. u. zu Liechtenstein ( 1748), T d. Friedrich Gf. v. Harrach ( 1749), österr. Staatsmann (s. NDB VII);
    2 S (jung †), 2 T;
    Groß-N August Longin (s. 6).

  • Leben

    Schon in jungen Jahren trat L. in die kaiserl. Armee ein und diente zunächst als Hauptmann unter seinem Vater während des österr.österreichisch Erbfolgekrieges. Als Generalmajor befehligte er dann zu Beginn des Siebenjährigen Krieges eine Brigade, wurde 1757 bei Kolin verwundet und trug während der Schlacht von Breslau 1758 zum Sieg der kaiserl. Armee bei. Für seinen mutigen persönlichen Einsatz in den Schlachten bei Meißen und Maxen (1759) wurde er 1760 mit dem Maria-Theresien-Orden ausgezeichnet. Nach seiner Ernennung zum Feldmarschallleutnant (1763) und zum General (1770) wurde L. 1773 Inhaber des 7. Dragoner-Regiments, freilich nachdem er bereits in den kaiserl. diplomatischen Dienst getreten war (1763). Als Botschafter in St. Petersburg 1763-77 vertrat er vor allem die Interessen Österreichs bei der 1. Poln. Teilung 1772. Mit dem Goldenen Vlies ausgezeichnet, avancierte er schließlich 1785 zum Generalfeldmarschall und Kapitän der kaiserl. Leibgarde (Arcieren-Leibgarde). Der Tradition seiner Familie und den Bildungsidealen des Adels im 18. Jh. folgend, war L. auch wissenschaftlich-literarisch und vor allem musikalisch engagiert. Er unterhielt in St. Petersburg ein eigenes Orchester, das er dann nach Wien mitnahm, und soll auch mit eigenen Kompositionen hervorgetreten sein.

  • Literatur

    ADB 19;
    E. Matsch, Gesch. d. auswärtigen Dienstes v. Österreich (-Ungarn) 1720-1920, 1980, S. 122;
    Wurzbach 15;
    MGG VIII.

  • Autor/in

    Moritz Csáky
  • Empfohlene Zitierweise

    Csáky, Moritz, "Lobkowitz, Joseph Maria Karl Fürst von" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 733 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117074144.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lobkowitz: Joseph Maria Karl Fürst v. L., Ritter des goldenen Vließes und des Militär-Maria-Theresien-Ordens, k. k. geheimer Rath und Kämmerer, Inhaber des Chevauxlegerregiments (jetzt Uhlanenregiments) Nr. 8,|bevollmächtigter Minister am kaiserlich russischen Hofe, k. k. Feldmarschall und Hauptmann der ersten Arcieren-Leibgarde, geb. den 8. Januar 1725, den 6. März 1802 zu Wien, entstammte dem von Popel-Lobkowitz begründeten zweiten Hauptaste (Hořiner Linie) des fürstlichen Hauses Lobkowitz und war ein ritterlicher, von der einem Fürsten im Staatengebilde zukommenden hohen Mission durchdrungener, edler Repräsentant seiner Familie. Auch er widmete sich ursprünglich dem Kriegerstande gleich vielen seines Stammes, so die auf dem Felde der Ehre gefallenen oder ihren vor dem Feinde erhaltenen Wunden erlegenen: Wenzel, Obrist, geblieben bei Erlau 1596; Adam Eck. Obrist, geblieben 1608; Philipp, Major, geblieben bei Liegnitz 1760; Joseph Anton August. Feldmarschalllieutenant, geblieben bei Belgrad 1717; Andreas Matthäus, geblieben bei Belgrad 1789; dann die Feldobristen alter Zeit: Nicolaus I., 1435 (1441?); Christoph, 1564; Bohuslaw Felix. 1583; endlich Wenzel Euseb, Feldmarschall und Hofkriegsrathspräsident. 1677; Johann Georg Christian, Feldmarschall, 1755; Franz Georg, Oberst, der edelsinnige Maltheserritter, 1858; Joseph, General der Cavallerie und Generaladjutant, 1875 u. a. m. — Ueber Lobkowitz' Verwendung in den unteren Chargengraden läßt sich einstweilen nur nachweisen, daß er als Hauptmann im Dragonerregiment Batthyany (jetzt Uhlanen) Nr. 9 eingetheilt gewesen und an den Kämpfen des österreichischen Erbfolgekrieges Antheil genommen habe. Bestimmtere, eingehendere Daten über ihn bietet erst die Geschichte des siebenjährigen Krieges; die Relation über die Schlacht bei Lobositz 1756 rühmt das Wirken des Obersten L. als Commandant des Kürassierregiments Nr. 5; ehrende Anerkennung findet sein mannhaftes Eingreifen an bedrohten Punkten, bei Kolin 1757 als Generalmajor und Brigadier; bei Breslau 1757 fällt ihm das Verdienst zu, den Angriff der Dörfer Schmiedefeld und Höfgen mit gutem Erfolge unterstützt zu haben; an dem Tage bei Meißen 1759 war es L., welcher den mit Zurücklassung von Geschützen weichenden Truppen dadurch wesentlich behülflich geworden, daß er aus freiem Antriebe mit fünf Schwadronen und dem Regimente Alt-Modena in die rechte Flanke der feindlichen Reiterei überwältigend eindrang und so eine günstige Wendung des Kampfes sowie die Wiedergewinnung der verlorenen Geschütze ermöglichte; bei Maxen 1759 hat er durch beispielgebende Tapferkeit seiner nacheifernden Truppe vorangeleuchtet; 1762 endlich zwang L. mittelst eines Ueberfalles des Ortes Pegau die dortige Besatzung mit namhaftem Verluste zum Rückzuge und bewies ferner an der wilden Weisseritz Umsicht und kluges Verhalten. Ganz besonders für die schöne Waffenthat bei Meißen wurde L. das Ritterkreuz des hochgeschätzten Militär-Maria-Theresien-Ordens zuerkannt. Mit dem Schlusse des Krieges endete aber des Fürsten rein militärische Laufbahn, denn kaiserliches Vertrauen bestimmte L., welcher 1763 Feldmarschalllieutenant, 1771 General der Cavallerie geworden war, zur diplomatischen Vertretung des Staates. Nachdem er kurze Zeit in Italien verwendet worden war, begab er sich 1764 als bevollmächtigter Minister Oesterreichs an den St. Petersburger Hof, wo er bis 1777 verblieb. Seine Thätigkeit in dieser Stellung gibt allen Anlaß, ihn einen treuen Freund des Vaterlandes, einen wohlbedachten, biederen Rathgeber seines Monarchen zu nennen und hervorzuheben, daß er sich auch als gewandter Vermittler bewährte, indem er die Verhandlungen hinsichtlich der ersten Theilung Polens 1772 maßvoll und den zwingenden Verhältnissen angepaßt zu leiten verstanden. Die Erhebung zum Ritter des goldenen Vließes ehrte des Fürsten hingebungsvolle, erhebliche Leistungen. L., der 1785 auch noch durch die Ernennung zum Feldmarschall und Hauptmann der ersten Arcieren-Leibgarde ausgezeichnet worden ist, widmete seine letzten Lebensjahre, getreu den Traditionen seiner Familie,|eifriger Pflege von Wissenschaft und Kunst und galt als gründlicher Kenner der Musik sowie als ideenreicher Compositeur.

    • Literatur

      Wurzbach, Biograph. Lex. d. Kaiserth. Oesterr., 15. Bd., Wien 1866. Hirtenfeld, Der Milit.-Mar.-Theres.-Orden etc., 1. Bd., Wien 1857. Hormayr, Taschenb. f. vaterl. Gesch., Neue Folge, 1. Jahrg., 1830. Schels, Oesterr. milit. Zeitschr., 1841, 2. Bd. Thürheim, Gesch. d. 8. Uhl.-Rgmts., Wien 1860. Beer, Die erste Theilung Polens. Wien 1873.

  • Autor/in

    Sch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Sch., "Lobkowitz, Joseph Maria Karl Fürst von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 50-52 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117074144.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA