Lebensdaten
1711 bis 1796
Geburtsort
München
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Propst des Augustinerchorherrenstiftes Polling ; Ordenshistoriker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119522152 | OGND | VIAF: 42650297
Namensvarianten
  • Töpsl, Franziskus (Ordensname)
  • Töpsl, Joachim Joseph Martin (Taufname)
  • Töpsel, Joachim Joseph Martin
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Zitierweise

Töpsl, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119522152.html [24.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph Felix (1670–1731), Wirt u. Handelsherr in M., S d. Bonaventura, Rats- u. Stadtger.assessor in M., u. d. Maria Mittermayr;
    M Maria Magdalena (1692–1713), T d. Johann Franziskus Mayr, Ratsherr u. Kunstfärber in M.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Jesuitengymnasiums in München trat T. 1728 in das Augustinerchorherrenstift Polling ein, wo er in dem Gelehrten Eusebius Amort (1692–1775) einen prägenden Lehrer fand. Der klösterlichen Philosophie- und Theologieausbildung, die auch mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht umfaßte, schlossen sich 1732–34 Studien an der Univ. Ingolstadt an. 1735 in Augsburg zum Priester geweiht, übte T. zunächst in mehreren Klosterpfarreien eine reiche Seelsorge- und Predigttätigkeit aus, die ihren schriftlichen Niederschlag in einem fünfbändigen Handbuch der prakt. Theologie, dem „Promptuarium ad faciendas Conciones“ (Bayer. Staatsbibl. München, clm 27027), fand. 1742 wurde T. von seinen Mitbrüdern zum Dekan, 1744 zum Propst des Stiftes gewählt.

    Im Sinne der kath. Aufklärung baute T. sein Stift zielstrebig zu einem geistigen Zentrum und einer Heimstätte der Wissenschaften aus. Zur Signatur der modernen Zeit wurden naturwissenschaftliche Kabinette, physikalisch-mathematische Apparate und eine u. a. durch den Chorherren Vicelin Schlögl (1743– 1811) genutzte Sternwarte (1789) zu Lehr- und Forschungszwecken. Zudem betrieb T. mit hohem Sachverstand die Vermehrung der Büchersammlung, die er mit über 80 000 Bänden zu einer der größten Klosterbibliotheken im oberdt. Raum machte. Sie war auf Universalität und Enzyklopädie ausgerichtet und neben wertvollen mittelalterlichen Codices und Wiegendrucken mit neuen und ausländischen Titeln ausgestattet, v. a. zur Geschichte, Naturwissenschaft und zum Recht.

    Bedeutung erlangte T. auch als Wissenschaftsorganisator. Als Mittelpunkt eines europaweiten Korrespondentennetzes pflegte er einen gelehrten Austausch über alle Fragen der Wissenschaft und Kultur (Pollingensis Commercium Litterarium, Bayer. Staatsbibl. München, clm 26438–44). T. nahm beratenden Anteil an der Vorbereitungs- und Frühphase der kurbayer. Akademie der Wissenschaften, deren Mitglied (Hist. Kl.) er noch im Gründungsjahr 1759 wurde. In Verbindung mit diesen Unternehmungen stehen zwei weitere Lebensleistungen: So ließ T. einen Gemäldezyklus mit mehr als 200 Porträts bedeutender europ. Augustinerchorherren anfertigen (knapp 90 Bilder im Archiv d. Univ. München erhalten) und stellte 1760–96 ein über 2700 Einträge umfassendes, wenn auch nie publiziertes Lexikon der wissenschaftlich tätigen Chorherren zusammen (Bayer. Staatsbibl. München, clm 26400–17 [Reinschrift], clm 26418–28 [Konzept]). In Druck gelangte dagegen die kurzgefaßte Studie „Succinta informatio de Canonia Pollingana“ (1760), eine in maurinischer Tradition urkundlich reich belegte Stiftsgeschichte.

    Als „Verordneter der Landschaft“ (seit 1774), als einer der vier Vertreter des Prälatenstandes in der landständischen Vertretung, der den Ständegedanken vehement verteidigte, die ständischen Kompetenzen sogar zu erweitern suchte und u. a. auch frühe Säkularisationsprojekte im Kurfürstentum Bayern abzuwenden vermochte, sowie als Generalschuldirektor (seit 1781), der für die Reform der Schul- und Studienpläne mitverantwortlich war, spielte T. zudem eine wichtige gesellschafts- bzw. bildungspolitische Rolle in Kurbayern.

  • Werke

    W Elenchus onomasticus Scriptorum sacri et apostolici Ordinis Canonicorum Regularium Sancti Augustini, 1762;
    Tagebuch u. Briefe: Das Tageb. d. Pollinger Prälaten F. T. u. seine Korr. mit Gerhoh Steigenberger, hg. v. R. van Dülmen, 1969; H. Goldbrunner, F. T. u. Giovanni Luigi Mingarelli, Zu d. lit. Beziehungen Dtld.s u. Italiens in d. 2. Hälfte d. 18. Jh., in: QFIAB 44, 1964, S. 366–463; – Nachlaß: Bayer. Staatsbibl., München; Bayer. HStA, München.

  • Literatur

    L ADB 38;
    R. van Dülmen, Propst F. T. u. d. Augustinerchorherrenstift Polling, 1967;
    J. Pörnbacher, Aufklärung im Zeichen d. Kreuzes, Vor 200 J. starb Propst F. T. v. Polling, in: Unser Bayern 45, 1996, H. 3, S. 21–23;
    L. Hammermayer, Das AugustinerChorherrenstift Polling u. sein Anteil an Entstehung u. Entfaltung v. Aufklärung u. Ak.- u. Sozietätsbewegung im süddt.-kath. Raum, 1997;
    W.|Chrobak, Die wiss. Leistungen d. Augustinerchorherren im Za. d. Aufklärung, Das Bsp. Polling, in: P. Mai (Hg.), Die Augustinerchorherren in Bayern, 1999, S. 67–75;
    M. Müller, Der Pollinger Prälat F. T. (1711–1796) u. d. Jesuitenbibliotheken, Ein Kap. bayer. Bibl.gesch. in d. zweiten Hälfte d. 18. Jh., in: Bibl.forum Bayern 28, 2000, S. 285–93;
    A. Kraus, Das Gymn. d. Jesuiten z. München, 2001;
    W. Jahn, Nicht z. Erbauung, sondern z. Ansporn, Die Chorherrenporträts u. d. Schriftst.lex. d. Pollinger Propstes F. T., in: Jb. d. Stiftes Klosterneuburg NF 20, 2008, S. 7–81;
    ders, Vergessene Texte, vergessene Bilder, Schriftst.lex. u. Porträtgal. d. Pollinger Propstes F. T., in: M. Herzog u. H. Weigl (Hg.), Mitteleurop. Klöster d. Barockzeit, 2011, S. 203–24;
    A. Schmid, Oberdt. Klosterbibliotheken im Za. d. Barock, Das Augustiner-Chorherrenstift Polling, in: M. Memmel u. C. Stein (Hg.), „Ganz unbrauchbar …“, Die Pollinger Pinakothek d. Ludwig-Maximilians-Univ., 2011, S. 14–31;
    LThK3;
    BBKL XII; Kosch, Lit.-Lex. 3 (L).

  • Portraits

    P Ölgem. v. J. B. Baader, 1762 (Polling, Pfarrkirchenstiftung); Silbermedaille v. J. P. Thiébaud, 1796 (München, Staatl. Münzslg.).

  • Autor/in

    Manfred Knedlik
  • Empfohlene Zitierweise

    Knedlik, Manfred, "Töpsl, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 332-333 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119522152.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Töpsl: Franz (Joachim Joseph Martin) T. (Töpsel) geboren zu München in der Nacht vom 17. auf den 18. November 1711, trat 1729 in das regulirte Augustiner-Chorstift Polling bei Weilheim und wurde dort am 16. April 1744 zum Propste gewählt. In fast zweiundfünfzigjähriger Waltung suchte er das Stift nach allen Seiten zu heben, namentlich auch durch Verbesserung des dabei bestandenen Erziehungsinstitutes und durch systematische Vermehrung der Bibliothek. Soweit ihm noch seine Nebengeschäfte, die er als Deputirter der Landschaft seit 1773, und als „Condirector“ der staatlichen Studienleitung seit 1781 zu führen hatte, Zeit ließen, sammelte T. auf „Scriptores ordinis canonicorum regularium S. Augustini“, d. h. bio-bibliographische Nachrichten über die Schriftsteller seines Ordens. Das zumeist schon reingeschriebene Werk kam erst lange nach der Klosteraufhebung in die k. Hof- und Staatsbibliothek zu München, wo sich auch Töpsl's Briefwechsel mit Gelehrten befindet. Außerdem hat T. einen guten Abriß der Geschichte seines Stiftes, für Peter's „Germania canonico-Augustiniana“ geliefert, welche Kuen im V. Bande seiner „Collectio scriptorum etc.“ 1765 herausgab, nachdem dieser Beitrag Töpsl's als Sonderabdruck mit dem Titel „Succincta informatio de canonia Pollingana“ schon im Jahre 1760 erschienen war T. starb plötzlich am 12. März 1796 zu München.

    • Literatur

      Monumentum debitae gratitudinis ... erga ... Franciscum Toepsel ... positum a Joanne Nepomuceno (Daisenberger), praeposito, successore suo. 1815. — Baader, Lexikon I. 2, 263 f. —
      Hormayr's Taschenbuch f. d. vaterländ. Gesch., 1844, S. 224—250: Aus dem Briefwechsel Töpsl's mit Steigenberger 1774—1786. — Oberbayer. Archiv XIII, 1852, S. 148 ff.

  • Autor/in

    v. Oefele.
  • Empfohlene Zitierweise

    Oefele, Edmund Freiherr von, "Töpsl, Franz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 38 (1894), S. 453 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119522152.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA