Lebensdaten
erwähnt 12.-21. Jahrhundert
Beruf/Funktion
bayerische Adelsfamilie
Konfession
-
Normdaten
GND: 118805320 | OGND | VIAF: 72190631
Namensvarianten
  • Törring, Freiherrn von (seit 1566)
  • Törring, Grafen von (seit 1630)
  • Toerring, von
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Zitierweise

Törring, von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118805320.html [25.01.2021].

CC0

  • Leben

    Die Stammreihe der Familie mit Sitz in Törring bei Tittmoning beginnt mit Udalschalk, der 1135–60 als gfl. kraiburg. Ministeriale erscheint. Wilpolt erwarb 1200 Stein/Traun, sein Sohn Friedrich ( nach 1301) erbte 1255 Jettenbach; er stiftete 1270 dem Kloster Raitenhaslach, Grablege der Familie bis ins 14. Jh., ein Gut in Wiesenthart. Friedrichs Urenkel Oswald ( 1418), Pfleger zu Reichenhall, niederbayer. Vizedom und salzburg. Hauptmann, erbte Pertenstein, der ksl. Rat Veit v. T.-Jettenbach 1472 Seefeld. Im Zuge von Auseinandersetzungen zwischen Hzg. Heinrich von Bayern-Landshut und seinem Rat Kaspar Törringer ( um 1430, s. ADB 38) wurde der Stammsitz der Familie zerstört. Die Brüder Georg (1521–89), Hans Veit (1525–82), hzgl. bayer. Rat und Kämmerer, und Adam (1527–80), salzburg. Geheimer Rat und Hofmarschall, wurden 1566 in den Reichsfreiherrenstand erhoben; sie bildeten die drei Linien „zu Seefeld“, „zu Jettenbach“ (die spätere reichständische, 1860 erloschene Linie zu Gronsfeld bzw. Gutenzell) und „zum Stein und Pertenstein“, die mit Adam (1700–44) erlosch.

    Georgs Sohn Eustach (1555–1615) und dem jeweilig Ältesten von dessen Nachfahren wurde 1607 das Erboberjägermeisteramt im Hzgt. Bayern verliehen. Eustachs Sohn Georg Konrad (1578–1625) war hzgl. bayer. Hofrat, Kämmerer, Oberstallmeister, Obersthofmarschall und Pfleger in Kling. Sein weiterer Sohn Ferdinand ( 1622), hzgl. Kämmerer, war in erster Ehe mit Anna Maria (1583– 1612), Tochter des Hofratspräsidenten Adam Vetter v. der Lilie ( 1595), in zweiter Ehe mit Renata (1589–1639), Oberhofmeisterin der Kurfürstin und Tochter des hzgl. Rats Wolf Jakob Gf. v. Schwarzenberg (1560–1618) und der Sybille Fugger Gfn. zu Kirchberg und Weißenhorn, verheiratet. Ferdinands gleichnamiger Sohn (um 1607–81), kfl. Kämmerer und Pfleger zu Schärding, erhielt für sich und den jeweils Ältesten seiner Nachkommen die Würden des salzburg. Erbkämmerers und regensburg. Erbmarschalls; 1630 wurde er zusammen mit seinen Brüdern und Vettern in den Reichsgrafenstand erhoben. Ferdinands Sohn Maximilian Ferdinand (1632–83) war kfl. bayer. Oberstkämmerer, Oberhofmarschall, Oberforstmeister, Geheimer Rat und Pfleger zu Wolfratshausen: Ämter und Würden, die Maximilian Cajetan (1670–1752) und dessen Nachkommen ebenfalls bekleideten. Maximilian Cajetan war zudem kfl. Obersthofmeister und Obersthofmarschall sowie Generalfeldmarschalleutnant und Oberst der kfl. Leibgarde. Philipp Joseph (1680– 1735) diente Kf. Max II. Emanuel als Haushofmeister. Maximilian Cajetans Sohn Clemens (1699–1766) war Gesandter am span. Hof, Enkel Anton (1725–1812, s. L) Hofkammerpräsident, Oberhofmeister, seit 1780 Vizepräsident, 1793–1807 Präsident der Münchner Akademie der Wissenschaften sowie Gründer der Feldbausozietät in Seefeld und August (1728–1802) kfl. Kämmerer und Revisionsrat. Antons Sohn Clemens (1758–1837) war Intendant des Münchner Hoftheaters und der Hofmusik sowie seit 1818 erblicher Reichsrat der Krone Bayerns. Des letzteren Sohn Anton (1798–1846), ein talentierter Zeichner, nannte sich, nachdem er 1824 die Erbin von Odelzhausen, Franziska Gfn. Minucci (1804–50), geheiratet hatte, Gf. v. T.Minucci.

    Zwei Mitglieder der Linie „zum Stein“ hatten den Regensburger Bischofsstuhl inne: Albert (1578–1649) 1614–49 und Adam Lorenz (1614–66, beide s. Gatz II) 1664–66. Albert, der bereits 1592 die Anwartschaft auf eine Domherrenstelle in Salzburg erhielt und seit 1594 Domizellar, 1602 Domkapitular und 1609 Domscholaster in Regensburg war, wurde 1610 zum Priester geweiht, am 22. 10. 1613 zum Bischof gewählt und am 20. 4. 1614 zum Bischof geweiht. Er betrieb die Erneuerung des Bistums im Geist des Tridentinums und die Rekatholizierung der neuburg. Bistumsanteile und der Oberpfalz. Eingriffen Kf. Maximilians in kirchliche Hoheitsrechte konnte durch die „Amberger Rezesse“ 1630 teilweise Einhalt geboten werden. Besetzungen, Kontributionen, Wirtschafts- und Währungsverfall während des 30jährigen Kriegs ruinierten das Hochstift. Ende 1633 in schwed. Gefangenschaft geraten, war Albert 1634/35 auf der Würzburger Feste Marienberg inhaftiert. Angesichts der desolaten Wirtschaftslage zwang ihn Kf. Maximilian 1641, Franz Wilhelm v. Wartenberg (1593– 1661) als Koadjutor zu akzeptieren. Auch Alberts Neffe Adam erhielt schon in jungen Jahren Dompräbenden in Passau, Regensburg, Salzburg, Augsburg und Eichstätt. Nach seiner Priesterweihe 1639 Dompropst in Salzburg und 1643 in Regensburg, wurde er am 6. 8. 1663 zum Bischof von Regensburg gewählt und am 14. 4. 1664 zum Bischof geweiht. Während seiner kurzen Regierungszeit bemühte er sich, die Finanzen des Hochstifts zu konsolidieren. Adams Bruder Wolf Dietrich (1598–1675) war kfl. Hofratspräsident und Geheimer Rat sowie Pfleger in Traunstein.

    Zur Jettenbacher Linie gehören u. a. Hans Veit ( 1630), Regierungsrat in Burghausen, Hofrat, Kämmerer und Pfleger in Meermosen, sowie der Staatsmann und Feldmarschall Ignaz Felix (1682–1763, s. L). Er begleitete Max II. Emanuel 1703 auf dessen Zug nach Tirol und folgte ihm nach der Niederlage bei Höchstädt 1704 in das niederl. Exil. Nach dem Friedensschluß und dem Freundschaftsvertrag mit Ludwig XIV. vermählte er sich 1714 in Paris mit Theresia, einer Nichte des Feldmarschalls Johann Gf. v. Arco (1650– 1715), der zugunsten von Ignaz auf seine Stelle als Oberstlandzeugmeister verzichtete. Nach erfolgreicher Teilnahme an der Schlacht von Belgrad 1717 wurde Ignaz unter Beförderung zum Generalwachtmeister als Gesandter nach Wien geschickt, um die Vermählung des Kurprinzen Karl Albrecht mit Amalia, der Tochter Ks. Josephs I., zu arrangieren (1722), was ihm den Rang eines Wirklichen Geheimen Rats einbrachte. Kf. Karl Albrecht ernannte Ignaz bei seinem Regierungsantritt 1726 zum Konferenzrat und Minister des Auswärtigen. Als solcher betrieb er eine frankreichfreundliche Politik (bayer.-franz. Vertrag 1727), um Karl Albrechts Anspruch auf die Kaiserkrone nach dem Tod Ks. Karls VI. durchsetzen zu können. Als es 1741 zum Krieg mit Österreich kam, trat Ignaz als – glückloser – Feldmarschall an die Spitze des bayer. Heeres. Nachdem die verbündeten Franzosen Prag eingenommen hatten, wurde Karl Albrecht dank franz. und preuß. Unterstützung am 8. 12. zum König von Böhmen und am 24. 1. 1742 zum Kaiser gewählt. Da Ignaz das Vordringen der österr. Truppen nicht verhindern konnte, wurde er als Heerführer abgesetzt und diente Karl VII. bis zu dessen Tod 1745 als Minister. Kf. Max III. Joseph beendete sogleich nach seinem Regierungsantritt den Österr. Erbfolgekrieg (Friede von Füssen) und die Zusammenarbeit mit Ignaz. Dessen Sohn Max(imilian) Emanuel (1715–73, s. L), Gesandter in Regensburg, Minister und Hofkammerpräsident sowie 1762–68 als einer der Gründer der Akademie der Wissenschaften deren Präsident, folgte ihm im Amt des Oberstlandzeugmeisters. August (1728–1802) war kfl. Kämmerer und Revisionsrat. Ignaz’ Neffe Max Prokop (1739–89, s. L) wurde 1759 in den kfl. Geistlichen Rat in München berufen und drei Jahre später zum Priester geweiht. Seit 1767 in Regensburg und seit 1770 in Freising Domherr, wurde er 1782 Propst des Straubinger Kollegiatstifts St. Jakob und Tiburtius und 1787 Bischof von Regensburg sowie Großkomtur des St. Georgi-Ritterordens, im folgenden Jahr zudem Bischof von Freising. Erfolgreich wehrte er sich gegen Versuche von Kurfürst und Kaiser, die bischöfliche Gewalt auszuhöhlen, sowie gegen die Infiltrierung des Klerus durch den Illuminatenorden. 1745 hatte die Familie die Reichsgrafschaft Gronsfeld bei Maastricht erworben, die 1801 von den Franzosen erobert, 1803 durch die ehem. Reichsabtei Gutenzell bei Biberach/Riß entschädigt und 1806 im Kgr. Württemberg mediatisiert wurde. Als Standesherren gehörten die T. nun zum Hochadel. Augusts Sohn Joseph August (1753–1826, s. L) führte – wie sein Vater – den Beinamen „Gronsfeld“ bzw. seit 1803 „Gutenzell“. Seit 1773 diente er dem Kurfürsten als Hofkammerrat, Kämmerer und Oberlandesregierungsrat, seit 1817 dem König als Minister und Präsident des Staatsrates. Seit 1775 Mitglied der Bayer. Akademie der Wissenschaften, verfaßte er verschiedene wiss. Abhandlungen sowie zwei Ritterdramen: „Kaspar der Thorringer“ und „Agnes Bernauerin“.

    Antons ( 1846) Sohn Clemens (1826–91) erbte 1876 nach dem kinderlosen Tod seines Vetters Maximilian Conrad (1828–76) Titel und Besitz der mit Maximilian August Gf. T.Jettenbach zu Gutenzell 1860 erloschenen standesherrlichen Linie und vereinigte damit den gesamten Besitz des Hauses T. wieder in einer Hand als „Gf. zu Toerring-Jettenbach, Gf. zu Gutenzell, Frhr. v. Seefeld“ mit dem Prädikat „Erlaucht“ (württ. u. bayer. Anerkennung als Rechtsnachfolger des erloschenen standesherrl. Hauses 1888). Als erblicher|Reichsrat der Krone Bayern und Präsident der Ersten Kammer der Reichsräte gehörte er 1886 zu der Kommission, die den entmündigten Kg. Ludwig II. in Neuschwanstein abholen sollte. Sein Sohn Hans Veit (1862–1929, s. L) heiratete Sophie (1875–1957), Tochter des Augenarztes Hzg. Carl Theodor in Bayern (1839–1909), eine begeisterte Sportreiterin. Als Reichsrat setzte er sich für Tarifverträge in der Land- und Forstwirtschaft sowie für die Gartenstadt-Bewegung ein und schlug 1912 den Bau einer Untergrundbahn in München vor. Wie stark das Standesbewußtsein auch in der Republik fortbestand, zeigt sich in Eheverbindungen mit dem europ. Hochadel. So heiratete Hans Veits Sohn Carl Theodor (1900–67), Herr der Familien-Fideikommisse Pörnbach-Pertenstein-Jettenbach und Gutenzell, Elisabeth (1904–55), Tochter des Nikolaus Prinz v. Griechenland und Dänemark (1872–1938) und der Helena Großfürstin v. Rußland (1882–1957), Carl Theodors Sohn Hans Veit (* 1935), der gegenwärtige Chef des Hauses, Henriette (* 1938), Tochter des Karl Fürst zu Hohenlohe-Bartenstein (1905–50), Tochter Helen (* 1937) Ferdinand Ehzg. v. Österreich (1918–2004) und Neffe Hans-Caspar (* 1953), Forstwirt auf Seefeld, Elisabeth (* 1954), Tochter des Konstantin Gf. v. Waldburg-Zeil-Trauchburg (1909–72) und der Eleonore Prn. v. Bayern (1918–2009).

  • Literatur

    L H. v. Sicherer, Das Haus d. Grafen v. T. u. d. Standesherrschaft Gutenzell, 1886;
    St. Kellner, Die Hofmarken Jettenbach u. Aschau in d. frühen Neuzeit, 1986;
    M. Ksoll, Die wirtschaftl. Verhältnisse d. bayer. Adels 1600–1679, dargest. an d. Fam. T.-Jettenbach, T. zum Stein sowie Haslang zu Haslangkreit u. Haslang zu Hohenkammer, 1986;
    M. Stephan, Die Erhebung d. bayer. Adelsfam. v. Törring in d. Grafenstand, in: Auxilia Historica, FS f. Peter Acht, hg. v. W. Koch, 2001, S. 417–35;
    zu Anton( 1812): H. Haushofer, Die Seefelder Feldbausozietät, in: ZBLG 31, 1968, S. 726–46;
    L. Hammermayer, Gesch. d. Bayer. Ak. d. Wiss. II, 1983;
    D. Willoweit (Hg.), Wissenswelten, 2009, S. 125 f. (P);
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    P. C. Hartmann, Karl Albrecht – Karl VII., 1985;
    zu Max Emanuel: W. Fürnrohr, Kurbaierns Gesandte auf d. Immerwährenden RT, 1971, S. 99–103;
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    M. Wesche (Bearb.), Die Bayer. Ak. d. Wiss. u. ihre Mitgll. im Spiegel v. Medaillen u. Plaketten, 1997;
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    dies., Zeremoniale Machtkämpfe zw. Österr. u. Bayern anläßl. d. Bf.wahl in Freising 1788, in: Akteure – Beziehungen – Ideen, hg. v. R. Becker u. a., 2010, S. 301–24;
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    Kosch, Theater-Lex.;
    Killy;
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    GHdA 25, 1961;
    ebd. 28, 1962;
    ebd. 131, 2003;
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    GHdA (Bayern) VII, 1961, XXVI, 2006; D. Schwennicke (Hg.), Europ. Stammtafeln NF 16, 1995.

  • Autor/in

    Franz Menges †
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Törring, von" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 333-335 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118805320.html#ndbcontent

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