Lebensdaten
1776 bis 1848
Geburtsort
Mailand
Sterbeort
bei Wasserburg
Beruf/Funktion
Kurfürstin von Bayern ; Erzherzogin von Österreich
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119497875 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Maria Leopoldine von Österreich
  • Maria Leopoldine
  • Maria Leopoldine von Österreich

Orte

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Zitierweise

Maria Leopoldine, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119497875.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Haus Österreich-Este;
    V Erzhzg. Ferdinand (1754–1806), Gouverneur d. Lombardei, S d. Kaisers Franz I. ( 1765, s. NDB V) u.d. Maria Theresia ( 1780, s. NDB 16);
    M Maria Beatrix Este ( 1829, s. NDB 16);
    B Hzg. Franz IV. v. Modena (1779–1846), Maximilian (1782–1863), Hochmeister d. Dt. Ordens (s. NDB 16), Karl (1785–1809), EB v. Gran;
    Schw Maria Theresia (1773–1832, Kg. Viktor Emanuel I. v. Sardinien, 1759–1824), Kaiserin Maria Ludovika ( 1816, s. NDB 16);
    - 1) Innsbruck 1795 Kf. Karl Theodor v. Pfalz-Bayern ( 1799, s. NDB XI), 2) München 1804 Ludwig (1773–1854), Obersthofmeister, S d. Ignaz Gf. v. Arco ( 1812, s. NDB I) u. d. Ruppertine Gfn. Trauner;
    2 S aus 2); Schwägerin Ernestine Gfn. v. Arco (1779–1820, ⚭ Maximilian Gf. v. Montgelas, 1759–1838, bayer. Staatsminister).

  • Leben

    Die Ehe mit dem 71jährigen Kf. Karl Theodor von Pfalz-Bayern war vom Wiener Hof in der Absicht gestiftet worden, die Erbfolge der Linie Pfalz-Zweibrücken in Bayern zu verhindern, wobei man offenbar auch bereit war, einen Erben unterzuschieben. Angewidert von der ihr zugedachten Rolle, stellte sich die energische, lebenslustige Kurfürstin jedoch von Anfang an auf die Seite des künftigen Erben Bayerns, des Hzg. Max von Pfalz-Zweibrücken. Beim Tod Karl Theodors verhinderte M. einen Versuch des österr. Gestandten, im letzten Augenblick vom Kurfürsten die Einwilligung zum Tausch Bayerns gegen die Niederlande zu erreichen, und rief Max Joseph von Pfalz-Zweibrücken nach München. Auf die Frage des Hzg. Wilhelm von Pfalz-Birkenfeld, ob sie vom Kurfürsten ein Kind erwarte, antwortete M. mit Nein, obwohl sie sich vom Grafen Taufkirchen schwanger fühlte. Diese Haltung brachte ihr die Dankbarkeit Kg. Max I. Joseph und seines Sohnes Ludwig I. ein, der später betonte, es sei „ihr zu verdanken, daß Wittelsbacher noch in Bayern herrschen“.

    Auch nach ihrer Hochzeit mit dem Grafen Arco gehörte sie zur königlichen Familie. Die sehr selbstsicher auftretende M., die in der Maxburg residierte, bezauberte mit ihrem Charme die bayer. Gesellschaft. Sie besaß ein politisch klares Urteil, mit dem sie mitunter ihrem Schwager, dem Minister Gf. Montgelas, auf die Nerven ging. Mit ihrer unkonventionellen Art schockierte sie nicht selten den leutseligen Kg. Max I. Sie fand z. B. nichts dabei, die Produkte ihrer Herrschaft Stepperg persönlich auf dem Markt in München feilzubieten. Zusammen mit der Fürstin Mathilde Therese v. Thurn und Taxis und ihrer Schwägerin, der Gräfin v. Montgelas, bildete sie ein leichtlebiges, emanzipiertes Trio, das die Münchener Gesellschaft mit seinen Affären in Atem hielt.

    In späteren Jahren hatte M. ein vertrauensvolles Verhältnis zu Ludwig I., der mit ihr „gerne Politik betreffende Gespräche hatte“ (Ludwigs Tagebucheintragung bei ihrem Tod). Einen politischen Einfluß vermochte sie freilich nicht zu erringen. Ihre Vorliebe für Frankreich und besonders für die Julirevolution stieß beim König auf taube Ohren. Mit ihrem Versuch, den bayer. Kronprinzen Maximilian mit einer Tochter des Bürgerkönigs zu vermählen, überschritt sie ihre Kompetenzen und zog sich den Unmut des Königs zu. Am 7. März 1848 warnte sie als einzige aus der engeren Umgebung des Königs Ludwig I. vor der revolutionären Stimmung im Lande.

    Mit manchmal gewagten Finanzoperationen häufte M. ein beachtliches Vermögen an, das sie teilweise im Kauf säkularisierter Klostergüter anlegte. Mehrfach wurde sie mit bedenklichen Spekulationen des jüd. Bankhauses Spiro in Verbindung gebracht, das 1816 fallierte. Je älter M. wurde, desto mehr nahm der Geiz von ihr Besitz, weshalb in München die Nachricht viel belächelt wurde, sie sei beim Sturz ihrer Kalesche bei Wasserburg von ihrer Geldkassette erschlagen worden.

  • Literatur

    H. Gollwitzer, Ludwig I. v. Bayern, 1986;
    M. Wintersteiner, Prinzessin Courage, 1986 (Roman);
    B. Hamann (Hrsg.), Die Habsburger, 1988 (P);
    Wurzbach VII.

  • Autor/in

    Karl Otmar Freiherr von Aretin
  • Empfohlene Zitierweise

    Aretin, Karl Otmar Freiherr von, "Maria Leopoldine" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 182 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119497875.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA