Lebensdaten
1800 bis 1877
Geburtsort
Schmiegel (Provinz Posen)
Beruf/Funktion
Architekturmaler ; Landschaftsmaler
Konfession
evangelisch,katholisch
Normdaten
GND: 118570641 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lebschée, Karl August
  • Lebschée, Carl August
  • lebschee, carl august
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Zitierweise

Lebschée, Carl August, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118570641.html [14.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam. stammt aus d. Elsaß, kommt um 1780 v. Colmar nach Zweibrücken u. nach 1799 mit d. Hofhaltung von Kf. Max IV. Joseph nach M.;
    V Anton (1770–1834, kath.), Koch in Zweibrücken, dann Güterverwalter in Sch., zuletzt beim Landesvermessungs-Steuerkataster-Bureau in M.;
    M Elisabeth (1778–1828, ev.), T d. Tuchfabr. Schüller in Fraustadt (Posen);
    Schw Luise (1810–65, Alexander Moser, 1796–1873, rechtskund. Syndikus u. Stadtschreiber in d. Vorstadt Au, seit 1854 Magistratssekretär in M.);
    Ov Peter, Haushofmeister d. Kfn. Maria Leopoldine, Max ( 1816), Ing.-Hauptm. u. Steuerzentralbaumeister, Fritz, Kammerdiener d. Kronprinzen Ludwig ( Charlotte, Schw d. Georg von Reichenbach, 1771–1826, Mechaniker, Ingenieur), Dominik ( 1848), Oberst in Regensburg, Ludwig ( 1828), Pfarrer u. Dekan in Nußloch (Baden); - ledig.

  • Leben

    Im Spätherbst 1807 übersiedelte L. mit den Eltern nach München. Bis 1812 besuchte er, dessen künstlerische Begabung früh erkennbar wurde, eine Zeichnungsschule, nahm dann 2 Jahre Unterricht im Landschaftsmalen und erlernte das perspektivische Zeichnen in der Geometrieschule des Landesvermessungsbüros. 1814-16 war L. Schüler von W. v. Kobell, C. E. Ch. Heß, M. J. Wagenbauer und G. v. Dillis an der Akademie. Die Ausbildungskosten und ein Stipendium trug bis zum Tod von Kg. Max I. Joseph (1825) die Kabinettskasse. Hauptsächliches Wirkungsfeld L.s durch 7 Jahrzehnte war München, das er nur zu gelegentlichen Reisen nach Franken und Ausflügen in die Gegend des Starnberger Sees verließ. L., der auf seine Umwelt ungemein anregend wirkte, war von bescheidenem, schlichtem Wesen, bisweilen aufopfernd in seiner Hilfsbereitschaft, aber auch ungeduldig, empfindlich und hochfahrend. In der 2. Lebenshälfte, die durch bedrängte finanzielle Verhältnisse wegen Mangel an Aufträgen gekennzeichnet ist, wurde er zum Menschenfeind. Ursprünglich von robuster Gesundheit, starb er nach Jahren schwerer Krankheit (Arteriosklerose) fast blind.

    Schon früh beschäftigt sich L. mit „Altertümern“. Mit unermüdlichem Fleiß und großer Sicherheit nimmt er zum Abbruch bestimmte Bauwerke in München, besonders Stadtmauern, Tore und Türme, auf, meist als lavierte Bleistift- oder Federzeichnungen („Sepia-Aquarelle“). Fast immer gibt er den Architekturzeichnungen nach Quellenstudien|eine „Historische Notiz“ bei. Er ist bestrebt, einen Gegenstand möglichst topographisch genau wiederzugeben. Seine Freude am Detail findet ihren Niederschlag in den auflockernden Staffagen. Eine einzigartige historisch-topographische Quelle und gleichzeitig sein Hauptwerk sind die 1866-71 entstandenen 96 lavierten Handzeichnungen bayer. Städte, Märkte und Burgen nach Hans Donauersd. Ä. im 2. Weltkrieg z. T. zerstörten Wandmalereien von etwa 1590 im Antiquarium der Münchner Residenz. Auftraggeber war der Historische Verein von Oberbayern, der noch weitere 135 Zeichnungen von ihm erwarb. L., der über bemerkenswerte manuelle Geschicklichkeit und ausgeprägtes technisches Interesse verfügte, entwickelte ein eigenes Lithographieverfahren, befaßte sich 1859-63 intensiv mit photographischen Versuchen (Reproduktionen) und verbesserte mehrfach technische Geräte und Vorgänge.

  • Werke

    über 800 Handzeichnungen im öffentl. Bes., vor allem: Hist. Ver. v. Oberbayern (Stadtarchiv München), Münchener Stadtmus., Staatsbibl. Bamberg, Staatl. Graph. Slg. München, Nat.mus. -
    9 Ansichten d. Engl. Gartens in München mit hist. Text v. F. J. Lipowsky, o. J.;
    Maler. Topogr. d. Kgr. Bayern, 1830 (Nachdr. 1976);
    Slg. maler. Burgen nach Zeichnungen v. D. Quaglio, 1844;
    Thurnau u. s. Umgebungen, 1850-59;
    31 Holzstiche f. F. Trautmann, Alt-Münchener Wahr- u. Denkzeichen, 1864;
    20 Stahlstiche f. Chlingensperg, Das Kgr. Bayern, 3 Bde., 1840/46/54;
    13 fränk. Ansichten a. d. J. 1829–60, 1980. -
    Einschreibbuch d. tägl. Ausgaben u. a. Bemerkungen, 11 tagebuchartige Bändchen 1840-69 (Stadtarchiv München, Hist. Ver. v. Oberbayern, MS 851);
    Über Lithographie (mit genauer Schilderung seines Spezialverfahrens) (ebd.).

  • Literatur

    ADB 18;
    H. Holland, C. A. L., Architektur- u. Landschaftsmaler, in: Oberbayer. Archiv 38, 1879, S. 127-64 (W-Verz., P);
    O. Aufleger u. K. Trautmann, Alt-München in Bild u. Wort, 1897 (mit 33 Zeichnungen);
    O. Aufleger (Hrsg.), Die Tore u. Türme Alt-Münchens, 1911 (mit 20 Tafeln u. Aquarellen v. L.);
    K. Trautmann, Ein Künstlerleben im Dienste Alt-Münchens, in: Kulturbilder aus Alt-München, 4. R., 1923, S. 139-82 (P);
    L. Morenz, Eine bayer. Topogr. a. d. Zeit um 1590, 96 lavierte Handzeichnungen bayer. Städte, Märkte u. Burgen v. C. A. L. a. d. J. 1866-71 n. d. Wandmalereien Hans Donauers d. Ä. im Antiquarium d. Münchner Residenz, Ausst.kat. München, 1970 (P);
    ders., Der Maler C. A. L., e. Schilderer Münchens u. Bayerns, in: Oberbayer. Archiv 102, 1977, S. 7-17 (P);
    Bruno Müller, C. A. L.s Maler-Reisen n. Franken, in: 115. Jber. d. Hist. Ver. Bamberg, 1979, S. 427-99 (P);
    J. Maillinger, Bilder-Chronik d. Stadt München II, 1876, S. 86 f., IV, 1886, S. 93 f.;
    ThB. -
    Eigene Archivstud.

  • Autor/in

    Ludwig Morenz
  • Empfohlene Zitierweise

    Morenz, Ludwig, "Lebschée, Carl August" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 22 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118570641.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lebschée: Karl August L., Architektur- und Landschaftsmaler, geb. am 27. Juli 1800 zu Schmirgel (Posen), kam 1807 nach München, besuchte im Alter von 14 Jahren die Akademie, zeichnete Figuren unter dem Schlachtenmaler W. v. Kobell, Thiere bei Wagenbauer, malte Landschaften unter Dillis und Dorner und versuchte sich als Kupferstecher und Radirer im Atelier von Karl Ernst Christoph Heß. Nach einer so gründlichen Vorbildung begann er eine Reihe von Werken in Steindruck und Radirung, welche durch ihre detaillirte Sauberkeit, durch schlichte Naturwahrheit und historische Treue den Namen des Künstlers zu Ehren brachten. Absonderliches Augenmerk verwendete er auf alle mit historischen Traditionen in Beziehung stehenden Ueberreste und Merkwürdigkeiten, zeichnete Ansichten, copirte Denkmale aller Art, insbesondere die älteren Bauten Münchens. Der Magistrat der Stadt, ebenso der Historische Verein von Oberbaiern erwarben eine werthvolle Sammlung von darauf bezüglichen Aquarellen und Handzeichnungen des Meisters. Vieles davon wurde in Stahlstich herausgegeben. L. beschäftigte sich auch mit Daguerrotypie und längere Zeit mit photographischen Reproductionen, doch gewann alsbald der Künstler und Zeichner die Oberhand. Am schätzbarsten sind seine Nadirungen, welche mit großer Feinheit der Empfindung sich im Gebiete des landschaftlichen Genre oder im humoristischen Thierbilde ("Sillo, der Hund als Soldat“, 1828) bewegten; seine wenigen Oelbilder sind steif und trocken; in seinen Aquarellen verband er öfters einen zarten Ton mit der historischen Treue, doch verleitete ihn letztere häufig zu sehr nüchternen Veduten. Der nicht nach Verdienst beachtete Künstler|wuchs allgemach zu einem Menschenfeind und Sonderling aus, hatte mit schweren Sorgen zu kämpfen und erschwerte selbst den wenigen Freunden, welche sein an herben Erfahrungen reiches Alter erträglicher zu machen suchten, ihren Liebesdienst, bis ihn am 13. Juni 1877 der Tod erlöste. Zu seinen besten Aquarellen gehören 27 „Erinnerungsblätter aus Münchens Vergangenheit“ (im Besitze des Magistrats); 96 Ansichten „Altbaierischer Schlösser, Märkte und Städte“ (im Besitze des Historischen Vereins von Oberbaiern) nach den im Antiquarium der kgl. Residenz von Peter Candid und dessen Schülern ausgeführten Wandgemälden. Als Radirungen erschienen: „Darstellung des englischen Gartens in München“, 9 Blätter, mit Text von Lipowsky (München, 5. A. bei Hermann u. Barth, die Originalplatten in England); „Sechzehn componirte und radirte Blätter“ (München 1827); 5 „Nachtstücke“ (München 1828 bei Hermann); „Sechs Landschaftsstudien nach der Natur“ (1828). In Lithographie gab L. heraus: „Album Russe ou fantaisies dessinées lithographement, d'après Alex. Orlowsky“ (München 1826), zwölf Blätter verschiedener Ausrufer und Straßenverkäufer; „See-Landschaftsstudien“ (ebendaf. 1829); „Malerische Topographie des Königreichs Baiern“ (1830) in 73 Stücken; eine „Sammlung malerischer Burgen und geschichtlich merkwürdiger Baudenkmale der baierischen Vorzeit“ (1844) in 12 Blättern: „Panorama von Athen“, gezeichnet von Ferd. Stademann (1841, in 11 Blättern und 6 Vignetten); „Thurnau und seine Umgebung“ (Schloß des Grafen v. Giech) 38 Blätter. Außerdem lieferte L. 30 Initialen in Holzschnitten zu den „Alt-Münchner Wahr- und Denkzeichen“ von Franz Trautmann (1864). Eine große Anzahl von Lebschée's Zeichnungen finden sich als Stahlstiche in dem dreibändigen Werke: „Das Königreich Baiern in seinen alterthümlichen, geschichtlichen, artistischen und malerischen Schönheiten“ (München 1843 ff. bei G. Franz) u. s. w.

    • Literatur

      Vgl. Nagler 1839, VII. 379. Raczynski 1840, II. 450. Nagler, Monogrammisten, 1858, I. 939, II. 122, IV. 232. Realencyklopädie, Regensburg 1869, VIII. 928. Nekr. in Beil. 183 Allgem. Ztg. 2. Juli 1877. Lützow XII. 643. Seubert 1879, II. 422. Oberbaierisches Archiv 1879, XXXVIII. 127—64 mit Lebschée's Porträt in Lichtdruck (wo der erste Versuch gemacht wurde, die über siebenhundert Blätter zählenden Arbeiten dieses höchst achtenswerthen Künstlers beiläufig zu ordnen und zu verzeichnen). Ein großer Theil befindet sich auch in Maillinger's „Bilder-Chronik der Stadt München“.

  • Autor/in

    Hyac. Holland.
  • Empfohlene Zitierweise

    Holland, Hyacinth, "Lebschée, Carl August" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 103-104 unter Lebschée, Karl August [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118570641.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA