Lebensdaten
gestorben nach 1273
Beruf/Funktion
Meistersänger ; Spruchdichter
Konfession
-
Normdaten
GND: 118799002 | OGND | VIAF: 74649577
Namensvarianten
  • Meister Stolle
  • Der Alte Stolle
  • Stolle der Alte
  • mehr

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Zitierweise

Stolle der Alte, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118799002.html [05.08.2021].

CC0

  • Leben

    Über S.s Herkunft und Leben ist nichts bekannt. Die früheste Erwähnung findet sich in der Manessischen Liederhandschrift (C), wo S. als Tonautor der Alment-Strophen des Marners genannt und von einem jüngeren Dichter gleichen Namens als „alt stolle“ unterschieden wird. Die Vornamen Stefan oder Friedrich und die Berufsbezeichnung salwirt (sarwürhte = Kettenhemd- oder Panzermacher) schrieben ihm erst die Meistersänger zu, die ihn zu den Zwölf Alten Meistern zählten. S. gilt als Erfinder des ältesten kontinuierlich bis ins 17. Jh. gebrauchten Spruchtons, der Alment. Gemeint mit diesem ursprünglich für gemeinschaftlich genutztes Acker- und Weideland verwendeten Begriff ist ein von mehreren Dichtern benutzter Ton. Die Praxis der Alment etablierte sich im 13. Jh. Das umfangreichste Corpus unter S.s Namen – 40 Alment-Strophen unterschiedlicher Provenienz von großer Themen- und Typenvielfalt (Marienlob, Moraldidaxe, Herrenschelte u. Frauenpreis, Gebet, Fabel, Bispel, Priamel u. Rätsel) – überliefert die Jenaer Liederhandschrift (J) (mit Melodien), 25 Strophen die Manessische Handschrift (C), darunter acht auch in (J) tradierte, und zwar unter sechs Textdichternamen (Bligger von Steinach, der Tugendhafte Schreiber, der Hardegger, der von Wengen, der Marner, Boppe). Ein eigenes mit S.s Namen bezeichnetes Corpus enthält (C) nicht. In weiteren Handschriften (u. a. Kolmarer Liederhs., Hausbuch d. Michael de Leone, Sterzinger Miszellaneenhs.) bis hin zu den Meisterliederhandschriften des 16. Jh. sind Einzelstrophen überliefert, oft anonym oder unter anderen Namen. Da die Jenaer Liederhandschrift ihre Texte nach den Erfindern der Töne ordnet, ist es unsicher, ob S. überhaupt als Textdichter bezeugt ist oder vielmehr als Töne-Autor gelten muß. Die Meistersänger des 15.–17. Jh. schrieben S. jedenfalls einen prominenten Platz zu: Er galt als Mitbegründer des Meistergesangs, wird in den Sängerkatalogen von Hans Folz (um 1450–1513) und Konrad Nachtigall ( 1484/85) erwähnt und mit einer Biographie ausgestattet: Laut Lorenz Wessels „Tabulatur“ (1562) stammte er aus Brünn; nach einem Lied des 16. Jh. lernte er bei Frauenlob und Regenbogen das Singen.

  • Werke

    F. H. v. der Hagen, Minnesinger, T. 2, 1838, S. 3–10;
    W. Seydel, Meister S. nach d. Jenaer Hs., Diss. Leipzig 1892 (in J überlieferte Strophen).

  • Literatur

    ADB 36;
    G. Kornrumpf u. B. Wachinger, Alment, in: Gedenkschr. Hugo Kuhn, hg. v. Ch. Cormeau, 1979, S. 356–411;
    H. Brunner u. J. Rettelbach, Der vrsprung des maystergesangs, in: ZDA 114, 1985, S. 221–40, bes. S. 225 u. 229;
    Killy;
    Vf.-Lex. MA2 (L);
    LexMA;
    Kosch, Lit.-Lex.3 .

  • Autor/in

    Norbert H. Ott
  • Empfohlene Zitierweise

    Ott, Norbert H., "Stolle der Alte" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 417-418 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118799002.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA