Lebensdaten
1901 bis 1981
Geburtsort
Hemmingen bei Leonberg (Württemberg)
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Hörspielautor ; Dramaturg ; Theaterintendant
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118606212 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schäfer, Walter Erich
  • Schäfer, Walter
  • Schäfer, Walter Erich
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Schäfer, Walter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118606212.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich Wilhelm (1871–1951), Landwirt, Gutsbes.;
    M Hildegard Speidel (1874–1952);
    Stuttgart 1925 Irmgard Sigel (1902–84);
    4 K.

  • Leben

    Nach der Schulzeit am Karlsgymnasium in Stuttgart studierte S. zunächst auf Wunsch des Vaters Landwirtschaft an der Hochschule in Hohenheim, entschied sich aber bald für ein Studium der Philosophie und Kunstgeschichte an der Univ. Tübingen. 1926 wurde er mit einer Arbeit über „Die vergleichende Dramaturgie der griech. und elisabethian, Tragödie“ zum Dr. phil. promoviert. Nach einer Dozententätigkeit an der Stuttgarter Musikhochschule erhielt S. 1928 eine Stelle als Dramaturg am Württ. Staatsschauspiel in Stuttgart. 1934 wechselte er an das Nationaltheater Mannheim und schließlich 1938 als Chefdramaturg und Regisseur an das Staatstheater Kassel, wo er auch während der Kriegszeit arbeitete. 1948-49 war er in gleicher Funktion am Stadttheater Augsburg tätig. Im Dez. 1949 folgte er Bertil Wetzelsberger (1892–1967) als Intendant der Württ. Staalstheater in Stuttgart nach und wurde 1950 zum dortigen Generalintendanten ernannt (1972 pensioniert).

    Schon als Student begann S., mit dem ägypt. Königsdrama „Echnaton“ (1925) selbst für die Bühne zu schreiben. Zudem trat er früh als Hörspielautor hervor und zählt mit dem Feature „Malmgren“, erstmals gesendet 1928, zu den Pionieren dieser Form. Die Stücke seiner ersten Stuttgarter Zeit wie „Richter Feuerbach“ (UA Nürnberg 1928) und „Flieger auf dem Atlantik“ (UA Coburg 1929) verdeutlichen in ihrer Diktion noch die Herkunft des Autors vom literarischen Expressionismus, während in „Der 18. Oktober“ (UA Berlin 1932) und „Schwarzmann und die Magd“ (UA Stuttgart 1933) bereits Anklänge an nationalsozialistisches Gedankengut zu finden sind. Mit diesen und besonders mit den von der NS-Presse wohlwollend rezensierten Tendenzstücken „Der Feldherr und der Fähnrich“ (UA Mannheim 1936) und „Leutnant Vary“ (UA Kassel 1940) erlangte S., seit 1937 Mitglied der NSDAP, zwischen 1933 und 1945 große Popularität auf dt. Bühnen.

    Nach dem Krieg verfaßte S. nur mehr wenige Stücke, so u. a. „Die Verschwörung“ (UA Augsburg 1949), ein Drama über die Vorgänge um den 20. Juli 1944, das der Theaterkritiker Friedrich Luft (1911–90) als „historisch verzerrend und sensationalistisch“ besprach.

    Mit Beginn seiner Intendantenzeit in Stuttgart wandte sich S. v. a. dem Ballett und der Oper zu: das Haus avancierte unter seiner Ägide zu einer der erfolgreichsten dt. Opernbühnen der Nachkriegszeit. Im Zentrum der Spielplangestaltung stand das moderne Musiktheater mit Werken u. a. von Kurt Weill (1900–50), Krzysztof Penderecki (* 1933) und Arnold Schönberg (1874–1951). Insbesondere für das musiktheatralische Werk Carl Orffs (1895–1982) wurde die Stuttgarter Staatsoper zur „Wegbereiterin“. Mit der Verpflichtung von Wieland Wagner (1917–66), der Stuttgart sein „Winter-Bayreuth“ nannte, den Regisseuren Günther Rennert (1911–78) und Peter Palitzsch (* 1918), den Bühnenbildnern Theo Otto (1904–68) und Caspar Neher (1897–1962) sowie den Dirigenten Carlos Kleiber (1890–1956) und Vaclav Neumann (1920–95) gelangen wegweisende zeitgenössische Inszenierungen auch klassischer Opern. S. engagierte und förderte John Cranko (1927–73), unter dessen Leitung das Tanzensemble zu Weltruhm gelangte und auf Gastreisen nach New York und Moskau als „dt. Ballettwunder“ gefeiert wurde.|

  • Auszeichnungen

    badenwürtt. Prof.titel (1959); Gr. BVK (1959, mit Stern 1971); Officier d. Ordre des Arts et des Lettres; Stuttgarter Bürgermedaille (1972); Verdienstmedaille v. Baden-Württemberg (1976); fohn-Cranko-Preis (1977); Ehrenpräs. d. John-Cranko-Ges. (1975).

  • Werke

    u. a. Letzte Wandlung, Novellen, 1928;
    Theater in Stuttgart, in: Das lit. Dtld., Ztg. d. Dt. Ak. f. Sprache u. Dichtung 2, Nr. 21, 1951, S. 5;
    Carl Orff, Ein Ber. in Wort u. Bild, 1960;
    Günther Rennert, Regisseur in dieser Zeit, 1962;
    Vom Beruf d. Intendanten, in: Forum 10, H. 111, 1963, S. 143-44;
    Martha Mödl, 1967;
    Hörspiele (Nachw. v. H. Schwitzke), 1967;
    Schauspiele (Nachw. v. S. Melchinger), 1967;
    Wieland Wagner, Persönlichkeit u. Leistung, 1970;
    Die Stuttgarter Staatsoper 1950-1972 (mit e. Bilddok. v. Karl-Ulrich Majer u. e. Nachw. v. K. H. Ruppel), 1972 (P);
    Bühne e. Lebens, Erinnerungen, 1975;
    Kl. Wellen auf d. Fluß d. Lebens, Meine Geschichten, 1976;
    Die Mutter d. Schauspielers, Roman in zwanzig Szenen, 1981.

  • Literatur

    Karl-Ulrich Majer u. H. v. Strohmer (Hg.), W. E. S. z. 16. März 1971, 1971;
    J. Cranko, Über d. Tanz, Gespräche mit W. E. S., 1974;
    W. Schwinger, in: E. Teufel (Hg.), Gr. Stuttgarter, 1996, S. 292-98 (P);
    F. Radvan, Eine dt. Theaterkarriere, Der Dramatiker u. Gen.intendant W. E. S., Prospekte - Studien z. Theater, IV, 1999;
    Kosch, Theater-Lex.;
    Sucher, Theaterlex.;
    Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1971-1998, 1999;
    Munzinger;
    Baden-Württ. Biogrr. II.

  • Autor/in

    Ulrike Krone-Balcke
  • Empfohlene Zitierweise

    Krone-Balcke, Ulrike, "Schäfer, Walter" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 513-514 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118606212.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA