Lebensdaten
1904 bis 1968
Geburtsort
Remscheid
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Bühnenbildner
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118738828 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Otto, Theodor Karl (eigentlich)
  • Otto, Theodor Carl (eigentlich)
  • Otto, Teo
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Zitierweise

Otto, Teo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118738828.html [21.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf Ludwig (1877–1957), aus Deutsch-Krone (Westpreußen), Malermstr. in R.;
    M Antonie Sökefeld (1879–1944), aus R.;
    1935 Berta Herbold, aus Zürich;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    O. studierte kurze Zeit Maschinenbau, dann Malerei an der Kunstakademie in Kassel und am Bauhaus in Weimar. 1924 debütierte er am Staatstheater Kassel mit Entwürfen zu Feuchtwangers „Vasantasena“, seit 1927 arbeitete er an der Kroll-Oper in Berlin mit Otto Klemperer und seit 1928 als Bühnenbildner und Ausstattungschef der Berliner Staatstheater. Aus politischen Gründen 1933 entlassen, emigrierte O. im selben Jahr in die Schweiz. Dort nahm er sofort das Angebot Kurt Hirschfelds an, am Schauspielhaus in Zürich als Bühnenbildner zu wirken, wurde 1938 Ausstattungsleiter und war am Aufstieg dieser Bühne zur Weltgeltung maßgeblich beteiligt. U. a. stattete er die Uraufführungen von Bert Brechts „Mutter Courage“ (1941) und „Der gute Mensch von Sezuan“ (1943) aus. Nach 1945 weiter in Zürich ansässig, gestaltete er insbesondere für Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt, denen er auch freundschaftlich sein Leben lang verbunden blieb, die Uraufführungen der wichtigsten Stücke. Darüber hinaus wurde O. mit bis zu 30 Produktionen pro Jahr für die verschiedensten Theater sowohl im Schauspiel (Burgtheater, Berliner Ensemble u. a.) als auch im Musiktheater (Metropolitan Opera New York, Wiener Staatsoper, Mailänder Scala, Salzburg u. a.) tätig. In der Überzeugung, daß das Bühnenbild sich dem Stück unterordnen sollte, arbeitete O. mit ästhetisch und konzeptionell so unterschiedlichen Regisseuren wie Fritz Kortner, Gustaf Gründgens, Karl Heinz Stroux, Vittorio Gassmann, Günther Rennert, Herbert v. Karajan, Peter Brook und Giorgio Strehler eng zusammen. O. löste sich früh von der Illusion zugunsten von Andeutungen und symbolischen Wirkungen. So entschied er sich 1933 in der Frage, ob der Bühnenraum von „Richard III.“ (Regie G. Hartung) das Schreckliche der Realität und der Handlung illustrieren oder als Kontrast glanzvoll gestaltet werden sollte, für die Begrenzung eines Einheitsraums durch rotschwarze Wände und eine kostbare und farbige Gestaltung der Möbel. Da O. den komplexen Menschen als Zentrum sah, zog er die Verwandlung der Statik vor. Deshalb paßte er seine Entwürfe jeweils neu an das Notwendige an und war dabei offen für alle Möglichkeiten, vom Eindruck der Natur bis zur Abstraktion. Zudem gestaltete er seine Bühnenräume meist so, daß sie einen leichten und schnellen Wechsel der Bedeutungen der Objekte erlaubten. So gelang es O. mit Hilfe des Prinzips der „Lichtplastik“, daß Teile des Bühnenbilds in bewegtem Licht ständig neue Bilder erzeugten. Dieses Prinzip bewährte sich u. a. im „Götz von Berlichingen“ von Stroux 1961 in Düsseldorf: Durch eine höchst differenzierte Beleuchtung erschienen auf einer Wand mit integrierten plastischen Elementen 50 verschiedene Bilder. Als einer der universellsten Bühnenbildner des deutschsprachigen Theaters wurde O. 1958 als Professor für Bühnenbild an die Kunstakademie Düsseldorf berufen.

  • Werke

    u. a. B. Brecht, „Das Leben des Galilei“, Regie L. Steckel, UA Zürich 1943;
    M. Frisch, „Nun singen sie wieder“, Regie K. Horwitz, UA Zürich 1945;
    M. Frisch, „Die chines. Mauer“, Regie L. Steckel, UA Zürich 1946;
    M. Gorki, „Wassa Schelesnowa“, Regie B. Viertel, Berliner Ensemble 1949;
    M. Frisch, „Don Juan oder d. Liebe zur Geometrie“, Regie O. Waelterlin, UA Zürich 1953;
    F. Dürrenmatt, „Der Besuch d. alten Dame“, Regie O. Waelterlin, UA Zürich 1956;
    Goethe, „Faust I u. II“, Regie G. Gründgens, Dt. Schauspielhaus Hamburg 1957/58;
    M. Frisch, „Biedermann u. d. Brandstifter“, Regie O. Waelterlin, UA Zürich 1958;
    Schiller, „Die Räuber“, Regie F. Kortner, Schillertheater Berlin 1958/59;
    Aischylos, „Orestie“, Regie V. Gassmann, Syrakus 1959;
    E. Ionesco, „Fußgänger d. Luft“, Regie K. H. Stroux, UA Düsseldorf 1962;
    F. Dürrenmatt, „Die Physiker“, Regie K. Horwitz, UA Zürich 1962;
    A. Berg, „Lulu“, Regie G. Rennert, Münchener Opernfestspiele 1967;
    M. Frisch, „Biografie, Ein Spiel“, Regie L. Lindtberg, UA Zürich 1968. – Schrr.: Nie wieder, Tageb. in Bildern, mit e. Vorwort v. B. Brecht, 1949;
    Zürich, in: Theater. Wahrheit u. Wirklichkeit, Freundesgabe z. 60. Geb.tag v. K. Hirschfeld, 1962, S. 163 ff.;
    Wie d. Bühnenbild zur „Orestie“ in Syrakus entstand, in: Theater heute 1, 1962, S. 26 f.;
    Das Bühnenbild. Was ist uns Caspar Neher?, ebd. 13, 1969, S. 112 ff.;
    Arbeit mit Gründgens, in: Gründgens, Schausp., Regisseur, Theaterleiter, hg. v. H. Rischbieter, 1963, S. 159 ff.;
    Skizzen e. Bühnenbildners, mit Texten v. M. Frisch, K. Hirschfeld u. O. Wälterlin, 1964 (P);
    Meine Szene, mit e. Vorwort v. F. Dürrenmatt, 1965 (P). – Ausst.kat: Der Bühnenbildner T. O., Inszenierungen in Österr., hg. v. J. Mayerhöfer, Österr. Theatermus. Wien 1977;
    Capriccios v. T. O., hg. v. M. Vogel, in Zusammenarbeit mit A. Mehringer u. d. Gal. üb. d. Café Mozart, Salzburg 1989;
    T. O., Bühnenbilder u. Gem., Slg. Renate Höhmann-Müller u. Katrin Höhmann, mit Texten v. R. J. Bartsch u. H. Georgsdorf, Kasseler Kunstverein 1994.

  • Literatur

    K. Hirschfeld, Das Werk T. O.s, in: Theater heute 1, 1962, S. 23 ff.;
    B. Vogelsang, Univ. zu Köln, Inst.|f. Theater-, Film- u. Fernsehwiss., Theaterslg., Findbuch d. szen. Graphik, I, 1993 (Künstler-Index, S. 171 ff.);
    Kosch, Theater-Lex.;
    Ch. Trilse, K. Hammer u. R. Kabel, Theater-Lex., 1977;
    BHdE II.

  • Autor/in

    Andi Englhart
  • Empfohlene Zitierweise

    Englhart, Andi, "Otto, Teo" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 712-713 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118738828.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA