Lebensdaten
1797 bis 1855
Geburtsort
Dresden
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Landschaftsmaler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11858944X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Oehme, Ernst Ferdinand
  • Oehme, Ernst
  • Oehme, Ernst Ferdinand
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Zitierweise

Oehme, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11858944X.html [21.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav Adolph (1748–1824), kgl. Akziseeinnehmer in D., S d. kgl. Akziseeinnehmers Georg Gottfried (1713–85) u. d. Johanna Christiana Heydelberg (1722–83) in Dohna b. D.;
    M Johanna Christiana Wilhelmine (1761–1834), T d. Kunstgärtners Johann Michael Senff in D.;
    Dresden 1827 Emma Auguste (1806–65), T d. Geh. Finanzkalkulators Georg Friedrich Wiedemann;
    1 S, 3 T, u. a. Ernst Erwin (1831–1907), Maler u. Aquarellist (s. ThB).

  • Leben

    O. kam 1814 zur Ausbildung auf das Dresden-Friedrichstädter Lehrerseminar. Seit etwa 1815 Gehilfe des Torschreibers im Pirnaischen Tor, begann er in Gesellschaft von Carl Wagner (1796–1867) autodidaktisch zu zeichnen und zu malen. Im Herbst 1819 wurde er Schüler Johan Christian Dahls an der Dresdner Kunstakademie. Seit 1820 schloß er sich enger an Caspar David Friedrich und dessen Schüler August Heinrich (1794–1822) an, mit dem er 1820 eine Studienreise nach Salzburg unternahm. Sein erstes bedeutendes Gemälde „Dom im Winter“ (1821) zeigt Friedrichs Einfluß. Gefördert von Kronprinz Friedrich August von Sachsen, konnte O. 1822 nach Italien reisen, wo der Umgang mit den Deutsch-Römern um Joseph Anton Koch und Carl Philipp Fohr weniger seine Malerei als seinen Zeichenstil prägte. Die in Rom geschlossenen Freundschaften mit Ludwig Richter, Carl Peschel und Julius Schnorr v. Carolsfeld währten lebenslang. Inspiriert von Joseph Anton Koch, fertigte O. bei der Rückkehr über die Alpen im Sommer 1825 zahlreiche Aquarelle mit Hochgebirgsmotiven an. Diese bildeten in Dresden die Grundlage für Gemäldeaufträge durch Johann Gottlob v. Quandt und Prinz Friedrich August, der ihn auch Bilder für seine „Galerie vaterländischer Landschaften“ malen ließ. Kleinere Studienreisen führten ihn – meist zusammen mit Ludwig Richter – ins Erzgebirge (1826), nach Nordböhmen (1836, 1841, 1849), Franken (1851, 1853) und Oberbayern (1852). Um 1840 verkehrte er auch im Kreise des Kunstfreundes Friedrich Serre (1789–1863) zu Maxen, der mehrere Landschaften der Umgebung bei ihm in Auftrag gab. Seit 1842 bekleidete O. eine Lehrerstelle am Blochmannschen Erziehungsinstitut; 1846 wurde er zum kgl. Hofmaler ernannt.

    Der Einfluß Friedrichs in O.s Frühwerk beschränkt sich auf die Übernahme von Motiven, Farbstimmungen und Maltechnik. Seinen späteren Landschaften eignet ein poesievoll-erzählerisches Element, das in einigen Gemälden um 1840 der Spätromantik Ludwig Richters nahekommt. In seinen reifen Leistungen der 1830er und 40er Jahre gewinnt das malerische Werk durch fein beobachtete Färb- und Lichtstimmungen persönliches Profil. Von bemerkenswerter Qualität sind seine farbig sensiblen Aquarelle, vor allem jene mit Hochgebirgsmotiven, sowie seine kleinformatigen Natur- und Himmelsstudien.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenmitgl. d. Dresdner Kunstak. (1846).

  • Werke

    etwa 200 Zeichnungen u. Aquarelle, 124 Gem. u. Ölstud. (in Privatbes. u. öff. Slgg., u. a. in d. Kunstmus. Berlin, Chemnitz, Dresden, Düsseldorf, Gotha, Hamburg, Hannover, Köln, Kopenhagen, Leipzig, Lübeck, Milwaukee, Weimar u. Wuppertal). – H. J. Neidhardt, Werkverz. d. Gem. u. bildmäßigen Zeichnungen, in: E. F. O. 1797-1855, Ausst.kat. Dresden 1997, S. 173-222.

  • Literatur

    ADB 24;
    Zwei Briefe Prinz Friedrich Augusts an O., in: Dresdner Gesch.bll. 8, 1899, Nr. 4, S. 212 f.;
    K. J. Friedrich, E. O., ein Landschaftsmaler d. Romantik, in: ders., Liebenswerte Künstlergestalten um Ludwig Richter, 1940, S. 19-40;
    L. Richter, Lebenserinnerungen e. dt. Malers, 1944;
    H. J. Neidhardt, E. F. O. u. Caspar David Friedrich, in: Caspar David Friedrich 1774-1840, Landscape Painting in Dresden, Ausst.kat. London 1972, S. 45-49;
    ders., Die Malerei d. Romantik in Dresden, 1976, S. 124-54;
    ders., E. F. O., 1981;
    ders., Die Ruine v. Kamaik in Böhmen, Ein wiederentdecktes Gem. d. E. F. O., in: Niederdt. Btrr. z. Kunstgesch. 25, 1986, S. 181-86;
    E. F. O., 1797-1855, Ein Landschaftsmaler d. Romantik, Ausst.kat. Dresden 1997 (W-Verz., P);
    ThB.

  • Portraits

    Zeichnung v. G. A. Hennig (Kopie v. J. N. Hoff), 1825;
    Zeichnung v. C. C. Vogel v. Vogelstein, 1839;
    Gem. v. J. C. Baehr, 1844;
    Foto (anonym), um 1850, alle abgebildet in: E. F. O., Ein Landschaftsmaler d. Romantik, Ausst.kat. Dresden 1997.

  • Autor/in

    Hans Joachim Neidhardt
  • Empfohlene Zitierweise

    Neidhardt, Hans Joachim, "Oehme, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 432 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11858944X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Oehme: Ernst Ferdinand Oe., Landschaftsmaler, war am 23. April 1797 zu Dresden-Friedrichstadt geboren. Bis in sein zwanzigstes Jahr gezwungen, sich als Schreiber und Expedient eines Thoreinnehmers sein Brod zu verdienen, fand Oe. wenig Zeit, seiner Neigung zur Landschaftsmalerei nachzugehen; doch genügten die geringen Proben seines durch keinerlei Untericht geleiteten Privatfleißes, um den kunstsinnigen Herrn von Quandt auf das junge Talent aufmerksam zu machen. Seiner Empfehlung verdankte es Oe., daß ihm der Prinz Friedrich August von Sachsen, der spätere König, die Mittel gewährte, eine Reihe von Jahren in Dresden dem Studium der Malerei obzuliegen. Er schloß sich, wie viele jüngere Dresdner Künstler, dem originellen Landschaftsmaler Caspar David Friedrich an, welcher die Darstellung abstracter Gedanken durch symbolisirende Naturbilder als die höchste Aufgabe der Landschaftsmalerei ansah. Im Sommer 1821 trat Oe. auf der Ausstellung der königl. sächsischen Akademie der Künste mit seinem Erstlingswerke hervor, einem „Klosterhof“ in winterlicher Abendstimmung. „Aus einer gothischen Halle, so beschreibt Ludwig Richter das Bild, sah man auf einen beschneiten Kirchhof, wo ein Zug Mönche einen Sarg nach der erleuchteten Pforte einer alten Kirche trug.“ Die Ausstellung des nächsten Jahres enthielt zwei weitere Oelgemälde des jungen Künstlers, einen „Felsengrund mit Buchen“ und eine Darstellung des Schlosses Maxen, welches Oe. für den ihm befreundeten Besitzer, den Major v. Serre, gemalt hatte. Der Erfolg dieser Bilder war so bedeutend, daß der fürstliche Gönner sich entschloß, ihm ein Reisestipendium nach Italien für mehrere Jahre zu bewilligen, und überhaupt die Sorge für seine weitere Ausbildung übernahm. Wahrscheinlich schon im J. 1822 siedelte Oe. nach Rom über. Denn als Ludwig Richter im folgenden Jahre gleichfalls nach Rom kam, fand er Oe. bereits daselbst vor. Seit früher Jugend mit einander bekannt, schlossen sich die beiden Männer in der Fremde auf das engste an einander an. Ihre Freundschaft dauerte das ganze Leben hindurch und ging auch auf die beiderseitigen Familienglieder über. Der Dritte in diesem Bunde wurde der erst einige Zeit später in Rom eintreffende Historienmaler Karl Gottlieb Peschel. — Mit Nichter unternahm Oe. im Mai 1824 eine Studienreise in das Albanergebirge; während der Sommermonate zogen sie nach Tivoli, wo Oe. bis Anfang September eifrig nach der Natur arbeitend, verweilte. Zu Weihnachten erkrankte er heftig, genas aber unter der treuen Pflege der Freunde bald wieder. Ende Juni 1825 kehrte er nach Dresden zurück, da ihm Prinz Friedrich August ein, wenn auch sehr geringfügiges, Jahresgehalt zugesichert hatte. — Daß der römische Aufenthalt von wesentlichem Einfluß auf die Entwickelung von Oehme's Kunst gewesen, muß nach den Bemerkungen Richter's geleugnet werden. An dem Anschluß an die in Rom herrschende classische Richtung hinderte Oe. seine zum Sentimentalen und Düstern hinneigende Natur, welche einem Manne wie Koch unverständlich bleiben mußte. Daher machte auch dieser gar kein Hehl daraus, daß ihm die Landschaften Oehme's nicht genügten. Ebenbenso verwarf Julius Schnorr von Carolsfeld, obwol schonender als Koch, bei Gelegenheit der von den Freunden eingerichteten Compositionsabende Oehme's Neigung zum sogenannten Stimmungsbild. So weit es ihm möglich war, fügte sich daher Oe. in Rom der herrschenden Anficht und versuchte gleichfalls einige heitere italienische Landschaften zu malen. Es gelang ihm aber nicht, in denselben über die bloße Vedute hinauszukommen. In|Dresden hingegen entledigte er sich der seiner Natur Zwang anthuenden Auffassungsweise der römischen Freunde; er kehrte wieder zum Stimmungsbilde zurück und wußte dasselbe zwar eigenthümlich, aber meist hochpoetisch zu gestalten. Seine in Italien entstandenen Bilder gingen größten Theils in den Besitz des Prinzen Friedrich August über, welcher sie als eine Art von Ausgleich für die Kosten der Reise empfing. Da die Beziehungen noch in späteren Jahren, als Friedrich August zur Regierung gelangt war, fortbestanden, so war dies auch bei der Mehrzahl der von Oe. in Dresden geschaffenen Werke der Fall. Nach dem Tode Friedrich Augusts erbte sie dessen Wittwe und von dieser wieder der Prinz Georg, Herzog zu Sachsen, in dessen Schlössern daher gegenwärtig die größte Zahl Oehmescher Oelgemälde zu finden sein dürfte. Aus der langen Reihe derselben nennen wir in chronologischer Ordnung folgende: 1826: 1) „Klostergarten der Capuziner in Sorrent"; 2) „Mondnacht aus dem Golf von Salerno"; 3) „Der Vesuv in Morgenbeleuchtung"; 4) „Bergleute betend vor der Einfahrt zum Schacht, Morgendämmerung“ (diese vier Bilder waren nach Ludwig Richter die besten der Ausstellung des Jahres 1827). 1827: „Der Abend in den Tiroler Alpen, ohnweit Niederndorf“ (einst im Besitz des Herrn v. Quandt, in dessen Sammlung das Bild als das Alpenglühen bezeichnet wird). 1828: „Das Schloß zu Colditz, aus dem Thiergarten gesehen“, Herbsttag. 1830: 1) „Finstermünz“ (früher Eigenthum des Herrn v. Quandt); 2) „Das große Gehege bei Dresden“, Herbstabend (Dresdner Galerie). 1837: „Der Kirchhof an einem Sommerabend". 1841: „Mondscheinlandschaft“. 1848: „Das Glühen der Gletscher in der Schweiz". 1852: „Frühlingslaube“. 1853: „Verödetes Schloß im Eichenwalde. Vollmondnacht". 1854: „Abendlandschaft mit Ruine“. Für die Verlosung des sächsischen Kunstvereins wurden fast alle Jahre ein oder mehrere Bilder Oehme's angekauft. Wiederholt wird in den Berichten dieses Vereins auf die von Oe. ausgestellten Landschaften als auf besonders erfreuliche Leistungen hingewiesen. Auch das Leipziger Museum besitzt ein Bild von Oe. Von Reproductionen seiner Werke sind die folgenden bekannt: 1) „Herbstabend“. Radirt von L. Richter, 2) „Der Christtagmorgen“. Gest. von G. Busse, 3) „Partie bei der Friedrichsbrücke in Friedrichstadt-Dresden“. Gest. von Veith. (Diese drei Blätter aus der Bilderchronik des Dresdner Kunstvereins,) 4) „Bergcapelle“ (Ausgeführte Radirungen nach Originalgemälden von Wilh. Witthöft, Leipzig. Fol. o. J.). Aus Oehme's Leben in Dresden sind nur wenig Ereignisse erwähnenswerth. Um sich und seine Familie zu erhalten, mußte er neben seiner künstlerischen Thätigkeit noch Unterricht ertheilen und sich „sein Stücklein Brot im Schweiße des Angesichts“ verdienen. Vom Jahre 1842 an bis zum Schluß seines Lebens war er Zeichenlehrer am Blochmann'schen Institut; 1846 erhielt er den Titel Hofmaler, womit eine Aufbesserung seines Gehaltes verbunden war, und gleichzeitig wurde er zum Ehrenmitgliede der Akademie ernannt. O. starb am 10. Septbr. 1855 zu Dresden. Er war nach dem Urtheile seines Freundes Richter „eine feine, poetische Natur, schlicht und herzlich und bei aller Behaglichkeit seines Wesens voll des köstlichsten Humors und Mutterwitzes". Besonders beliebt machte ihn seine komische Begabung, vermöge deren er „fast ohne alle Hülfsmittel eine Persönlichkeit vollständig in Mienen, Bewegung und Sprache darzustellen vermochte". Er wußte oft in heiteren Stunden durch dieses Talent geradezu „kleine Kunstwerke hervorzuzaubern, welche zu heiterster Laune, ja zum Jubel fortrissen“.

    • Literatur

      Nach einer Mittheilung des Herrn Professors Erwin Oehme in Blasewitz, den Ausstellungsverzeichnissen d. k. s. Akademie der Künste und den Jahresberichten des Kunstvereins zu Dresden, namentlich aber nach Ludwig Richter, Lebenserinnerungen eines deutschen Malers, Frankfurt a. M. 1885. S. 137,|147, 195 ff., 409 ff. und an vielen anderen Stellen. — Vgl. das Verzeichniß der von Herrn v. Quandt hinterlassenen Gemäldesammlung, Dresden o. J. (1868) S. 15, 28, 30. — Die wenigen Angaben in G. K. Nagler's Künstlerlexikon sind sehr unzuverlässig; sogar der Vorname ist falsch angegeben.

  • Autor/in

    H. A. Lier.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lier, Hermann Arthur, "Oehme, Ernst" in: Allgemeine Deutsche Biographie 24 (1887), S. 208-210 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11858944X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA