Anna von Sachsen

Lebensdaten
1437 – 1512
Geburtsort
Meißen
Sterbeort
Neustadt an der Aisch
Beruf/Funktion
Kurfürstin und Markgräfin von Brandenburg ; Prinzessin von Sachsen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 140721479 | GND-Explorer | OGND | VIAF
Namensvarianten

  • Anna von Sachsen
  • Anne, Brandenburg, Kurfürstin
  • Anne, Preußen, Prinzessin
  • Sachsen, Anna von
  • Anna, Sachsen, Prinzessin
  • Anna, von Sachsen
  • Anne, Brandenburg, Curfürstin

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Zitierweise

Anna von Sachsen, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd140721479.html#indexcontent [02.10.2026].

CC0

  • Anna von Sachsen

    1437 – 1512

    Kurfürstin und Markgräfin von Brandenburg, Prinzessin von Sachsen

    Anna von Sachsen, Ehefrau Albrechts (Achilles) von Brandenburg-Ansbach-Kulmbach (1414–1486), nahm eine wichtige Stellung im weit gespannten Netzwerk der hohenzollerischen Familienmitglieder ein und wirkte als Vermittlerin am politischen Interessensausgleich innerhalb des Familienverbands der Wettiner und Hohenzollern mit. 1484 stiftete sie mit ihrem Ehemann das Altarretabel in der Schwanenritterordenskapelle von St. Gumbert in Ansbach. Von 1486 bis 1512 unterhielt sie in Neustadt an der Aisch eine stattliche Witwenresidenz.

    Lebensdaten

    Geboren am 7. März 1437 in Meißen
    Gestorben am 31. Oktober 1512 in Neustadt an der Aisch
    Grabstätte Erbgrablege der Hohenzollern in Kloster Heilsbronn (Mittelfranken)
    Kurfürstin Anna von Sachsen (InC)
    Kurfürstin Anna von Sachsen (InC)
  • 7. März 1437 - Meißen

    12.11.1458 - Ansbach

    Heirat mit Albrecht (Achilles) von Brandenburg-Ansbach-Kulmbach

    26.6.1486 - Ansbach

    ergänzende Regelungen der Söhne zu Annas Witwenversorgung

    Anfang Juli 1486 - Neustadt an der Aisch

    Übersiedlung

    Witwenresidenz

    5.9.1510 - Neustadt an der Aisch

    Abfassung des Testaments

    31. Oktober 1512 - Neustadt an der Aisch

    Anna wuchs am kursächsischen Hof auf und wurde zeitweilig auf Burg Mildenstein in Leisnig bei Grimma erzogen. 1452 wurde sie im Rahmen einer Vereinbarung ihres Vaters, Kurfürst Friedrich II. von Sachsen (1412–1464), über den Anspruch auf das Herzogtum Luxemburg mit Karl dem Kühnen (1433–1477), Sohn Herzog Philipps des Guten von Burgund (1396–1467), verlobt, doch kam die Ehe nicht zustande. Um die dynastischen Beziehungen zwischen Wettinern und Hohenzollern zu vertiefen und die Erbverbrüderung der Häuser Sachsen, Brandenburg und Hessen (1457) zu festigen, schloss ihr Vater am 28. Februar 1458 mit Markgraf Albrecht (Achilles) von Brandenburg-Ansbach-Kulmbach (1414–1486) einen Vertrag über dessen Heirat mit Anna. Im November desselben Jahres fand in Ansbach das Beilager statt.

    Annas Ehe verlief harmonisch, wie u. a. der Briefwechsel des Paars während des Burgundischen Kriegs 1474/75 belegt. Zu ihrer Mutter Margaretha von Österreich (um 1416–1486) und ihren Brüdern Kurfürst Ernst von Sachsen (1441–1486) und Herzog Albrecht von Sachsen (1441–1500) pflegte sie brieflich und durch gegenseitige Besuche regen Kontakt und wirkte in Konflikten als vertrauenswürdige Moderatorin zwischen den wettinischen und zollerschen Familien. Laut Annas Itinerar lagen von ihren 146 nachgewiesenen Aufenthaltsorten 100 in den fränkischen Besitzungen und 40 in der Mark Brandenburg; am häufigsten war sie in Ansbach und Berlin-Cölln. Die Geburt von dreizehn Kindern sicherte den Fortbestand der Hohenzollerndynastie und stärkte Annas Stellung innerhalb des Familienverbands. Zu den Kindern aus Albrechts erster Ehe unterhielt sie ein gutes Verhältnis; 1473 stimmte sie der Dispositio Achillea zu, dem von ihrem Ehemann testamentarisch verfügten Hausgesetz der Hohenzollern über die Unteilbarkeit der Mark Brandenburg, wohingegen die fränkischen Besitzungen unter den Söhnen geteilt werden durften. Infolgedessen wurde ihr Stiefsohn aus der ersten Ehe Albrechts, Johann Cicero (1455–1499), 1486 Markgraf und Kurfürst von Brandenburg, während die beiden Söhne Annas, Friedrich (1460–1536) und Sigmund (1468–1495), die fränkischen Besitzungen erbten.

    Am Ansbacher Hof wirkte Anna bei den Festlichkeiten, wie etwa der großen Landshuter Hochzeit 1475, sowie bei Turnieren und Jagden an der höfischen Repräsentation Albrechts mit. 1471/73, 1476/77 und 1478/79 begleitete sie ihn auf Reisen in die Mark Brandenburg; im März 1475 empfing sie in Ansbach die Königin von Dänemark, Dorothea von Brandenburg (um 1430–1495), eine Nichte Albrechts. Anna unternahm mehrere Wallfahrten, u. a. zweimal zum sog. Wunderblut von Wilsnack (Havelland, heute Bad Wilsnack). Mit ihrem Ehemann stiftete sie 1484 das Altarretabel in der Schwanenritterordenskapelle von St. Gumbert in Ansbach; um 1500 gab sie ein kleineres Retabel für die Pfarrkirche in Neustadt an der Aisch in Auftrag. Zudem setzte sie sich bei sozialen Härtefällen als Fürsprecherin der Betroffenen ein.

    Nach Albrechts Tod 1486 wählte Anna Neustadt an der Aisch als Witwensitz, verfügte dort über Nutzungsrechte im Wert von 8000 Gulden jährlich und unterhielt im Alten Schloss einen stattlichen Hofstaat. Ihre verschriebenen Rechte verteidigte sie energisch gegen ihre Söhne und deren Neustädter Amtmann Sigmund von Schwarzenberg (um 1430–1502). Gegenüber den Juden folgte sie der aus fiskalischen Gründen toleranten Haltung ihres Gemahls und bemühte sich, wenn auch erfolglos, um eine Rückkehrmöglichkeit für die 1498/99 aus Nürnberg vertriebenen Juden bzw. deren Ansiedlung in Windsheim. Durch die fortgesetzte Kommunikation mit ihren Söhnen und Töchtern trug sie wesentlich zum Zusammenhalt der weit verzweigten Hohenzollerndynastie bei; ihr Witwensitz war ein rege frequentierter Familientreffpunkt. Einige Hohenzollernprinzen, darunter der spätere Kurfürst Joachim Nestor I. von Brandenburg (1484–1535), wurden in Neustadt erzogen und ausgebildet.

    Um 1502 ließ sich Anna in der Heilsbronner Klosterkirche, der Erbgrablege der Hohenzollern, wohl vom Hauptmeister des Ansbacher Schwanenritterordens ein mit Familien- und Allianzwappen sowie Heiligenfiguren reich verziertes Hochgrab errichten.

    nach 1458 Mitglied im Schwanenritterorden
    1991 Statue v. Theophil Steinbrenner (1946–2018), Schlosshof zu Neustadt an der Aisch (weiterführende Informationen)
    2017 Figur im nachgefertigten Prunkgewand, Erlebnismuseum Cadolzburg (weiterführende Informationen)

    Editionen:

    Adolph Friedrich Riedel (Hg.), Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellenschriften für die Geschichte der Mark Brandenburg, T. 2, Bd. 5, Nr. 1790, 1848, S. 32–35 (Heiratsvertrag v. 28.2.1458) (Onlineressource); T. 3, Bd. 2, 1860, Nr. 148, S. 178 f. (Wittumsverschreibung des Kurfürsten Albrecht v. 20.3.1476) (Onlineressource) u. Nr. 244, S. 297–301. (Vermächtnis des Kurfürsten Albrecht für seine Ehefrau v. 18.6.1484) (Onlineressource)

    Felix Priebatsch (Hg.), Politische Correspondenz des Kurfürsten Albrecht Achilles, 3 Bde., 1884–1898. (Bd. 3, S. 545 f. Korrespondenzliste Annas, 1472–1484) (Onlineressource)

    Julius Friedlaender, Briefe fürstlicher Frauen aus dem Hohenzollernhaus, in: Hohenzollern-Jahrbuch 1 (1897), Nr. 2–4, S. 113–125. (drei Briefe Annas, 1470–1488) (Onlineressource)

    Georg Steinhausen (Hg.), Deutsche Privatbriefe des Mittelalters, Bd. 1, 1899, S. 63–339. (75 Schreiben von und an Anna, 1463 bis 1499) (Onlineressource)

    Matthias Thumser (Hg.), Ludwig von Eyb der Ältere (1417–1502). Schriften. Denkwürdigkeiten – Gültbuch – Briefe an Kurfürst Albrecht Achilles 1473/74 – Mein Buch, 2002, S. 345–347. (Verzeichnis der Gäste und ihrer Herbergen während Annas Beilager, November 1458)

    Mario Müller, Die Dispositio Achillea des Kurfürsten Albrecht Achilles von Brandenburg von 1473, 2023. (Onlineressource)

    Ernst Daniel Martin Kirchner, Die Churfürstinnen und Königinnen auf dem Throne der Hohenzollern, T. 1, 1866, S. 123–182. (Onlineressource)

    Otto Posse (Hg.), Die Siegel der Wettiner von 1324–1486 und der Herzöge von Sachsen-Wittenberg und Kurfürsten von Sachsen aus askanischem Geschlecht, 1893, Tafel 23, Nr. 5. (Siegel Annas von Brandenburg, 1499) (Onlineressource)

    Reinhard Seyboth, Neustadt an der Aisch als Residenz der Kurfürstenwitwe Anna von Brandenburg 1486–1512, in: Streiflichter aus der Heimatgeschichte 14 (1990), S. 9–35.

    Reinhard Seyboth, Das Testament der Kurfürstenwitwe Anna von Brandenburg (1437–1512), in: Gerhard Rechter (Hg.) in Zusammenarbeit mit Robert Schuh/Werner Bürger, Tradition und Geschichte in Frankens Mitte. Festschrift für Günther Schuhmann, 1991, S. 103–112.

    Wolfgang Mück, Leben und Tod der Markgräfin und Kurfürstin Anna (1437–1512), geb. Herzogin zu Sachsen in Neustadt a. d. Aisch, in: Streiflichter aus der Heimatgeschichte 16 (1992), S. 5–12.

    Reinhard Seyboth, Neustadt a. d. Aisch als markgräflich-brandenburgische Residenzstadt im 16. Jahrhundert, in: Streiflichter aus der Heimatgeschichte 18 (1994), S. 7–43.

    Cordula Nolte, Verbalerotische Kommunikation, „gut schwenck“ oder: Worüber lachte man bei Hofe? Einige Thesen zum Briefwechsel des Kurfürstenpaares Albrecht und Anna von Brandenburg-Ansbach 1474/75, in: Jan Hirschbiegel/Werner Paravicini (Hg.), Das Frauenzimmer. Die Frau bei Hofe in Spätmittelalter und früher Neuzeit. 6. Symposium der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Dresden, 26. bis 29. September 1998, 2000, S. 449–461.

    Ilona Fendrich, Die Beziehung von Fürstin und Fürst. Zum hochadeligen Ehealltag im 15. Jahrhundert, in: Jörg Rogge (Hg.), Fürstin und Fürst. Familienbeziehungen und Handlungsmöglichkeiten von hochadeligen Frauen im Mittelalter, 2004, S. 93–137. (Onlineressource)

    Cordula Nolte, Familie, Hof und Herrschaft. Das verwandtschaftliche Beziehungs- und Kommunikationsnetz der Reichsfürsten am Beispiel der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach (1440–1530), 2005. (Onlineressource)

    Mario Müller, Das Reiseverhalten deutscher Fürstinnen im 15. und 16. Jahrhundert. Mit zwei Itineraren zu den Aufenthaltsorten Kurfürstin Annas von Brandenburg (1437–1512) und Herzogin Marias von Pommern (1515–1583), 2017. (Onlineressource)

    Simona Schellenberger, Vermittlerin zwischen den Dynastien, in: Damals 57 (2025), S. 42–46.

    Leonora Braun, Ein Fenster zum Frauenzimmer – Anna von Sachsen (1437–1512) als Markgräfin und Kurfürstin von Brandenburg, in: WIRKSAM. Frauennetzwerke der Hohenzollern im Spätmittelalter, hg. v. Lisa-Marie Liebig-Micko/Mario Müller/Uta Piereth, 2026, S. 143–167. (Onlineressource)

    Gemälde (Tempera/Blattgold auf Holz), um 1484, Predella des Altars in der Schwanenritterkapelle von St. Gumbert in Ansbach (rechts), Abbildung in: Günther Schuhmann, Die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Eine Bilddokumentation zur Geschichte der Hohenzollern in Franken, 1980, S. 51 (Onlineressource) u. in: Leonora Braun, Ein Fenster zum Frauenzimmer – Anna von Sachsen (1437–1512) als Markgräfin und Kurfürstin von Brandenburg, in: WIRKSAM. Frauennetzwerke der Hohenzollern im Spätmittelalter, hg. v. Lisa-Marie Liebig-Micko/Mario Müller/Uta Piereth, 2026, S. 164. (Onlineressource)

    Grabplastik, um 1502, Deckel des Hochgrabs in der Klosterkirche Heilsbronn, Abbildung in: Günther Schuhmann, Die Hohenzollern-Grablegen in Heilsbronn und Ansbach, 1989, S. 18 f. (Onlineressource) u. in: Leonora Braun, Ein Fenster zum Frauenzimmer – Anna von Sachsen (1437–1512) als Markgräfin und Kurfürstin von Brandenburg, in: WIRKSAM. Frauennetzwerke der Hohenzollern im Spätmittelalter, hg. v. Lisa-Marie Liebig-Micko/Mario Müller/Uta Piereth, 2026, S. 167. (Onlineressource)

    Aquarellierte Zeichnung, um 1500/46, Das Sächsische Stammbuch. Sammlung von Bildnissen sächsischer Fürsten, mit gereimtem Text; Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek Dresden, Mscr. Dresd. R. 3, 1546, fol. 84r, Abbildung in: Leonora Braun, Ein Fenster zum Frauenzimmer – Anna von Sachsen (1437–1512) als Markgräfin und Kurfürstin von Brandenburg, in: WIRKSAM. Frauennetzwerke der Hohenzollern im Spätmittelalter, hg. v. Lisa-Marie Liebig-Micko/Mario Müller/Uta Piereth, 2026, S. 143. (Onlineressource)

    Gemälde (Öl/Leinwand), um 1625, mit Kurfürst Albrecht Achilles von Brandenburg, Nationalmuseum Stockholm, Sammlung Gripsholm, Inv.-Nr. NMGrh 618, Abbildung in: Gottfried Korff (Hg.), Preußen – Versuch einer Bilanz. Katalog der Ausstellung im Martin-Gropius-Bau, Berlin, Bd. 1, 1981, S. 84. (Onlineressource)

  • Autor/in

    →Reinhard Seyboth (Regensburg)

  • Zitierweise

    Seyboth, Reinhard, „Anna von Sachsen“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd140721479.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA