Lebensdaten
1369 bis 1428
Geburtsort
(? Altenburg/Thüringen)
Sterbeort
Altenburg (Thüringen)
Beruf/Funktion
Kurfürst von Sachsen ; Markgraf von Meißen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119536420 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Friedrich I. der Streitbare
  • Friedrich der Streitbare
  • Friedrich I. von Sachsen
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Zitierweise

Friedrich I., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119536420.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich d. Strenge ( 1381), Mgf. v. Meißen, Landgf. v. Thüringen (s. NDB V);
    Ov Landgf. Balthasar v. Th. (1336–1406, s. ADB II), Mgf. Wilhelm I. d. Einäugige v. M. (1343–1407, s. ADB 43);
    B Mgf. Wilhelm II. d. Reiche v. M. (1371–1425, s. ADB 43), Mgf. Georg v. M. (1380–1401);
    Vt Landgf. Friedrich d. Friedfertige v. Th. (1385–1440, s. ADB VII);
    7.2.1402 Katharina ( 1442), T d. Hzg. Heinr. II. v. Braunschweig-Calenberg ( 1416);
    4 S, 3 T, u. a. Kf. Friedrich d. Sanftmütige v. S. ( 1464, s. NDB V), Sigmund (1416–71), Bischof v. Würzburg 1440-43 (s. ADB 34), Mgf. Wilh. III. d. Tapfere v. M. (1425–82, s. ADB 43), Anna ( Landgf. Ludw. I. v. Hessen, 1458, s. ADB 52), Katharina ( Kf. Friedrich II. v. Brandenburg, 1471, s. NDB V).

  • Leben

    F. stand nach dem frühzeitigen Tode seines Vaters mit seinen Brüdern unter der Vormundschaft seines Oheims Wilhelm I. Bei der am 13.11.1382 verabredeten Teilung des Landes (Chemnitzer Teilung) war den Brüdern nur ein kleiner Teil des wettinischen Hausbesitzes im Osterland zugefallen, während ihre Oheime Balthasar und Wilhelm die beiden Kernländer, Thüringen beziehungsweise Meißen, erhielten. Erst nach dem kinderlosen Tode Wilhelms 1407 begann F., der inzwischen großjährig geworden war, selbst in die Politik seines Hauses einzugreifen. Über den von Wilhelm hinterlassenen Besitz kam 1410 im Naumburger Vertrag zwischen F., seinem Bruder Wilhelm und seinem Vetter Friedrich von Thüringen, dem Sohn Balthasars, eine Verabredung zustande, die F. den Erwerb von Meißen einbrachte. Als nunmehriger Senior des Gesamthauses spielte F. von jetzt an auch in der Reichspolitik eine Rolle. 1417 erschien er auf dem Konzil von Konstanz, wo er von Sigmund seine Reichslehen empfing; doch kam es zu einer Verstimmung zwischen ihm und dem König, als dieser ihm die Belehnung mit den böhmischen Lehen verweigerte. Dies veranlaßte F., das Konzil wieder zu verlassen. Die inzwischen in Böhmen an die Macht gelangte hussitische Bewegung ließ es jedoch Sigmund geraten erscheinen, sich F. wieder zu nähern, zumal dieser Angebote der Hussiten zu einem Zusammengehen abgelehnt hatte und Sigmund als rechtmäßigen König von Böhmen anerkannte. F. beteiligte sich mit ansehnlichen Erfolgen an den Kämpfen gegen die Hussiten, die ihm im Felde vor Prag 1420 endlich die Belehnung mit den böhmischen Lehen eintrugen. Aber sein kräftiges Eintreten für die Sache Sigmunds sollte ihm eine weitere, für die Zukunft seines Hauses bedeutsame Machterweiterung einbringen. Am 6.1.1423 belehnte ihn Sigmund unter Zurücksetzung anderer Bewerber mit dem seit dem Tode des Kurfürsten Albrecht III. von Sachsen erledigten Kurfürstentum, und es gelang F., diesen Besitz in der Folgezeit gegen die Versuche seiner Mitbewerber, ihm die Würde wieder streitig zu machen, zu behaupten. Sein Dank für die Erhebung in den Kurfürstenstand war eine energische Unterstützung des Kampfes Sigmunds gegen die Hussiten, die F.s Ländern schwere Lasten auferlegte; ein während seiner Abwesenheit von seiner Gemahlin zusammengebrachtes Heer wurde 1426 von den Hussiten bei Aussig so gut wie aufgerieben. Trotz dieser Niederlage führte der Kurfürst den Kampf weiter und vermochte sein Land bis zu seinem Tode von den verheerenden Einfällen der Hussiten freizuhalten. Im Zusammenhang mit den böhmischen Wirren steht auch F.s bedeutendste Tat auf kulturellem Gebiet; als 1409 deutsche Professoren und Studenten aus Prag vertrieben wurden, gewährte er ihnen eine neue Wirkungsstätte, indem er in Leipzig eine Universität errichtete, der Papst Alexander V. am 9.9.1409 die Genehmigung erteilte, akademische Würden und Grade zu verleihen. Die Erwerbung der Kurwürde für sein Haus und die Gründung der Universität Leipzig machen F. zu einem der bedeutendsten Vertreter seiner Familie, der den Grundstein für deren spätere Machtstellung im Deutschen Reiche legte.

  • Literatur

    ADB VII;
    J. G. Horn, Lebens- u. Heldengesch. F. d. Streitbaren…, Leipzig 1733;
    E. Hinze, Der Übergang d. sächs. Kur auf d. Wettiner, Diss. Halle 1906;
    R. Kötzschke-H. Kretzschmar, Sächs. Gesch. I, 1935, S. 142-54 (P vor S. 129);
    I. v. Broesigke, F. d. Streitbare, Mgf. v. Meißen u. Kf. v. S., Diss. Berlin 1938;
    G. Opitz, Urkk.wesen, Rat u. Kanzlei F.s IV. (d. Streitbaren), Mgf. v. Meißen u. Kf. v. S. 1381-1428, Diss. München 1938.

  • Quellen

    Qu.: Cod. diplomaticus Saxoniae Regiae, I. Hauptabt. Abt. B, Bd. 1-4, Dresden 1899-1941.

  • Portraits

    Bronzegrabplatte (Meißen, Dom), Abb. in: J. L. Sponsel, Fürsten-Bildnisse a. d. Hause Wettin, 1906, u. Kötzschke-Kretzschmar (s. L).

  • Autor/in

    Gottfried Opitz
  • Empfohlene Zitierweise

    Opitz, Gottfried, "Friedrich I." in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 567 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119536420.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Friedrich I., Kurfürst v. Sachsen, der Streitbare, Friedrichs des Str. ältester Sohn, geb. am 29. März 1369, 1428, erhielt bei der Ländertheilung, welche die wettinischen Fürsten am 13. Novbr. 1382 zu Chemnitz vornahmen und von der nur Freiberg und die Bergwerke ausgenommen blieben, zusammen mit seinen Brüdern Wilhelm (II.) und Georg (der jedoch schon 1402 ohne Nachkommen starb) das Osterland, die vogtländischen Erwerbungen und Landsberg, welche Gebiete dieselben zunächst gemeinschaftlich regierten und durch die käufliche Erwerbung von Saalfeld 1389, von Altenberg bei Jena 1393, von Leuchtenburg mit Kahla und Roda und des Amts Königsberg in Franken 1396, von Schmölln, Ronneburg und Werda 1440 vermehrten. Ueberall tritt F. nicht blos als der älteste, sondern auch als der bedeutendste unter den Brüdern hervor. Nachdem dieselben 1403 zu Freiberg die Aufnahme in den von ihren Oheimen Balthasar und Wilhelm 1387 geschlossenen Erbvertrag erzwungen hatten, fiel ihnen 1407 bei dem kinderlosen Tode des letzteren, dem sie 1402 in der Fehde gegen die Burggrafen von Dohna Beistand geleistet hatten, die Hälfte von Meißen zu, jedoch nicht ohne längeren Streit mit Balthasar, den erst der Hauptreceß zu Naumburg am 21. Januar 1410 beendigte. Hierauf nahmen beide im J. 1411 eine Mutschirung auf vier Jahre vor, wobei F. als Hauptland den größeren Theil von Meißen, Wilhelm den größeren des Osterlandes erhielt; nach Ablauf dieser Zeit wurde dieselbe durch eine neue, unter Vermittlung des Bischofs Gerhard von Naumburg und des Burggrafen Friedrich von Nürnberg geschlossene Sonderung ersetzt, kraft welcher F. seinen Antheil, jedoch etwas vermehrt, behielt. Die daraus entstandenen Mißhelligkeiten legte F. endlich 1423 bei, indem er seinem Bruder Leipzig gegen Jena überließ, doch brachte Wilhelms kinderloser Tod 1425 auch dessen Antheil ganz an F. Lebhaften Antheil nahm F. 1388 an dem Städtekriege, indem er seinem Oheim, Burggraf Friedrich V. von Nürnberg, Windsheim und Rotenburg erobern und Nürnberg demüthigen half; dann zog er 1391 dem deutschen Orden gegen Ladislaus Jagello zu Hülfe. Das frühere gute Einvernehmen der Wettiner mit dem Hause Luxemburg war, seitdem Wenzel seine mit F. verlobte Schwester Anna dem König Richard II. von England vermählt hatte, in das Gegentheil umgeschlagen, und wenn auch Wenzel, dem Andringen Friedrichs und seiner Brüder nachgebend, ihnen, anstatt der für die Nichtvollziehung jener Ehe bedungenen 10000 Schock Groschen, 1397 die Städte Brüx und Laun verpfändete, so schlossen sie sich doch dem Bunde an, welcher 1400 die Absetzung Wenzels und die Wahl Ruprechts herbeiführte, und unternahmen sogar 1401 einen wennschon erfolglosen Zug gegen Prag. Um so bereitwilliger nahm F. 1409 die in Folge von Wenzels Maßregeln aus Prag ausgewanderten Lehrer und Studenten in seinem Lande auf, was die Veranlassung zur Gründung der Universität Leipzig wurde. Diese Spannung schien auch unter Sigismund fortdauern zu sollen, nachdem F., erzürnt über des Kaisers Weigerung, ihm die Lehen über seine böhmischen Erwerbungen zu ertheilen, die Kostnitzer Versammlung plötzlich und ohne Abschied am 12. Mai 1417 wieder verlassen hatte; allein die gleiche ihnen durch die Hussiten drohende Gefahr machte bald beide zu Bundesgenossen gegen dieselben. Schon 1420 stießen F. und sein Bruder vor Prag mit starker Streitmacht zu Sigismund, ihr Sturm auf den Witkowberg am 13. Juli wurde, schon dem Gelingen nahe, zurückgeschlagen. Im folgenden Jahre zog F., nachdem er auch mit der Oberlausitz ein Bündniß gegen die Hussiten geschlossen hatte, abermals nach Böhmen, entsetzte das belagerte Brüx und eroberte den Leitmeritzer Kreis, Kadan und Kommotau. Es war dies der größte überhaupt je gegen die Hussiten errungene Erfolg; die Auflösung des Reichsheeres hinderte ihn, denselben weiter zu verfolgen. Für die auf 90000 Fl. berechneten Kriegskosten und die Zusage weiterer Hilfe verpfändete Sigismund den Wettinern eine Anzahl böhmische, vogtländische und andere Ortschaften. Da aber gab die Erledigung der sächsischen Kur durch das Aussterben von Sachsen-Wittenberg dem Kaiser Gelegenheit, den streitbaren Markgrafen, der seine Bewerbung um dieselbe durch seinen Hofmarschall Apel Vitzthum betreiben ließ, sich noch wirksamer und ohne eigene Opfer zu verpflichten. Ohne Rücksicht auf die Erbansprüche der sachsen-lauenburgischen Linie, auf die Erbverbrüderung der Askanier mit Braunschweig und selbst auf die dem Kurfürsten Friedrich I. von Brandenburg gegebene Zusage, der daraufhin schon von dem Lande Besitz genommen hatte, ertheilte er am 6. Januar 1423 F. einen Lehnbrief über das Kurfürstenthum Sachsen, das auch der Brandenburger gegen das Versprechen von 10000 Schock Groschen freiwillig räumte, worauf der kaiserliche Hofrichter Johann v. Lupfen ihn in dasselbe einwies Die feierliche Belehnung erfolgte am 1. August 1425 zu Ofen, nachdem F. am 25. Juni zu Waitzen ein neues Bündniß mit Sigismund und Herzog Albrecht von Oesterreich abgeschlossen hatte. So erkaufte F. die Erwerbung der sächsischen Kur für sich und seine Nachkommen mit der Uebernahme neuer Kriegslast gegen die Hussiten, die um so schwerer auf ihm und seinem Lande lag, je weniger er das Reich zu einer energischen Betheiligung an dem Kampfe zu bringen vermochte. Auch das von ihm zu Bingen 1424 mit den übrigen Kurfürsten geschlossene Bündniß fruchtete nichts. Erst nach der Niederlage der Meißner bei Brüx 1425 und nach der viel furchtbareren, welche dieselben am 16. August 1426 vor Aussig erlitten, erreichte er auf dem Reichstage zu Frankfurt, daß ein neues Reichsheer gegen die Hussiten gesendet wurde, aber auch dieses stob vor Mieß|bei Annäherung der Feinde auseinander. Von Gram über diese Unfälle und von Sorge um die Zukunft gebeugt starb F. am 4. Januar 1428 zu Altenburg und wurde anfangs, aus Furcht vor den Hussiten, an einer verborgenen Stelle, später in der von ihm am Meißner Dom gestifteten Begräbnißkapelle beigesetzt. Von seiner Gemahlin Katharina von Braunschweig hinterließ er vier Söhne, Friedrich (II.), Sigismund, Heinrich und Wilhelm, und zwei Töchter, Anna, Gemahlin des Landgrafs Ludwig von Hessen, und Katharina, vermählt mit dem Kurfürsten Friedrich II. von Brandenburg.

    • Literatur

      Spalatin, Vita Friderici I. in Mencke, SS. II. 1067—78. — J. G. Horn, Lebens- u. Heldengeschichte Friedrichs des Streitbaren, Leipzig 1733.

  • Autor/in

    Flathe.
  • Empfohlene Zitierweise

    Flathe, Heinrich Theodor, "Friedrich I." in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 776-778 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119536420.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA