Lebensdaten
erwähnt 1517, gestorben um 1529 oder 1530
Geburtsort
Goersdorf (Unterelsass)
Sterbeort
Straßburg
Beruf/Funktion
Wundarzt ; Chirurg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 133022374 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schylhans (Beiname)
  • Gersdorf, Hans
  • Gersdorf, Johann
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Zitierweise

Gersdorff, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd133022374.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Herkunft nicht sicher. Die vielfach behauptete Abkunft v. d. Oberlausitzer Adelsgeschl. v. Gersdorff, v. dem manche Angehörige d. Beinamen „der Schielende“ trugen, ist unwahrscheinlich. Vermutlich kam G. aus d. unterelsäß. Dorf Görsdorf, aus d. auch der nach s. Tode für s. unmündigen Kinder bestellte Vormund gebürtig war. Vielleicht war G. verwandt mit d. Scherer Heinrich von Gersdorf, der 1450 Bürger v. St. wurde u. womöglich d. Vater v. G. ist, weil dieser d. Straßburger Bürgerrecht v. Geburts wegen besessen zu haben scheint. - N. N.;
    2 S.

  • Leben

    Vom Leben G.s ist wenig bekannt, außer spärlichen Nachrichten in seinem 1517 verfaßten Werke. Damals schaute er auf eine 40jährige Praxis zurück, deren Beginn mit dem Burgunderkrieg zusammenfällt. So war er als Feldscher mit den Straßburger Truppen bei Granson, Murten und Nancy (1476/77). Als sein Lehrer zu jener Zeit wird „Nicklaus, den man nennt der Mulartzt“, des Herzogs Siegmund von Österreich Wundarzt, erwähnt; weiter „der toubmeister Nicolaus“, kaiserlicher Wundarzt, vielleicht derselbe. Von seiner emsigen Straßburger Tätigkeit als Chirurg zeugen die 100 bis 200 Gliederablösungen, die er „in sanct Anthonien hoff“, das heißt im Antoniter Spital, in der Regenbogengasse „und usswendig des hoffs“ nach eigenen Angaben ohne Betäubung vollbrachte. Sein „Feldtbuch der Wundtartzney“ wurde 1517 „vorm Winterkalt“ zu Straßburg von J. Schott fertig gedruckt. Den 99 Blätter umfassenden Folioband zieren Figuren im Text, meistens Instrumentenabbildungen sowie Operationsszenen, dazu 2 große Holzschnitte von Hans Wechtlin. Der eine Holzschnitt zeigt das Skelett, welches Nicklaus von Hagenau in Zabern um 1500 in Stein gehauen hatte. Der andere stellt eine sezierte Leiche dar und erinnert an die Anatomie, welche 1517 Wendelin Hock in Straßburg demonstrierte; 1518 wird dieses Bild in den „Spiegel der Artzny“ von L. Fries aufgenommen. G.s Buch wurde bis 1542 in Straßburg sieben- oder neunmal gedruckt, in Frankfurt/Main 1551, 1578 und 1606. Text und Illustration weichen zuweilen von der Urschrift ab; das läßt sich namentlich bei den vom Straßburger Arzte W. H. Ryff besorgten Egenolffschen Ausgaben (Frankfurt 1551 und 1578) feststellen. Ferner werden eine lateinische (Straßburg 1542, 1551, Frankfurt 1551) und eine von Jan Pauwelszon stammende holländische Übersetzung (Amsterdam 1591, 1593, 1622, 1651) erwähnt. G.s Werk, von dem Gurlt eingehend berichtet, vergleicht man gern mit dem „Buch der Cirurgia“ von Hieronymus Brunschwig. Doch beschränkt es sich nicht wie dieses auf Wunden, Knochenbrüche und Verrenkungen, sondern handelt auch von Fistel, Karbunkel, Krebs, heißem und kaltem Brand, Aussatz und von verschiedenen Hautkrankheiten. Der vorangehende anatomische Teil ist der „Chirurgie“ von Guy de Chauliac entnommen; ihm ist einiges über Aderlaß beigefügt.

  • Literatur

    ADB IX;
    H. Häser, Lehrb. d. Gesch. d. Med. II, 31881, S. 162-65;
    ders., in: BLÄ II, S. 728 f., Erg.bd., S. 322;
    L. Thomas, Lectures sur l'histoire de la médicine, Paris 1885, S. 30-33;
    |F. Wieger, Gesch. d. Med. u. ihrer Lehranstalten in Straßburg, 1885, S. 4-11;
    Charles Schmidt, Répertoire bibliogr. strasbourgeois jusque vers 1530, II, Straßburg 1893, Nr. 40, 99, 132, 139;
    E. Gurlt, Gesch. d. Chirurgie II, 1898, S. 222-32;
    Indexcatalogue of the Library of the Surgeon-General's Office US Army, 2. Serie, VI, Washington 1901, S. 189;
    K. Sudhoff, in: Zbl. f. Chirurgie 59, 1932, S. 410 f.;
    ders., in: Vf.-Lex. d. MA II, Sp. 594;
    F. Ritter, Répertoire bibliogr. des livres imprimés en Alsace au 16e siècle II, Straßburg 1938, S. 680-82;
    K. W. Grabert, Die Nomina anatomica b. d. dt. Wundärzten H. Brunschwig u. H. v. G., Diss. Leipzig 1943;
    C. Wittmer u. J. C. Meyer, Le livre de bourgeoisie de la ville de Strasbourg, 1440–1530, I, Straßburg u. Zürich 1948, Nr. 766, 2490, 6643;
    H. Sallander, Bibl. Walleriana I, 1955, Nr. 3505-12. |

  • Quellen

    Qu.: Stadtarchiv Straßburg, Kontraktstube 1529–30, Bl. 293, 305 v0 (z. Nachlaßregelung).

  • Autor/in

    Ernest Wickersheimer
  • Empfohlene Zitierweise

    Wickersheimer, Ernest, "Gersdorff, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 322-323 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133022374.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gersdorff: Johann v. G. (wegen des Gebrechens, an welchem er litt, „Schyl-Hans“ genannt), Arzt, stammt aus einer vornehmen schlesischen Familie. Sein Leben, über welches nur so viel bekannt ist, als aus der von ihm verfaßten chirurgischen Schrift hervorgeht, fällt in die zweite Hälfte des 15. und den Anfang des 16. Jahrhunderts. Seine Studien hatte er in Straßburg bei einem Wundarzte, „Meister Niclaus“ gemacht, sodann hatte er sich daselbst als Chirurg niedergelassen und während einer 40jährigen Praxis, besonders während der von ihm mitgemachten Feldzüge 1476 und 1477 in der Schweiz, in Elsaß und Lothringen, hat er reiche Erfahrungen gesammelt, welche in dem von ihm verfaßten, vorzugsweise für Feldärzte bestimmten und daher als „Feldbuch der Wundarzney“ bezeichneten chirurgischen Lehrbuche niedergelegt sind. — Die Schrift zuerst 1517 (in Straßburg) erschienen, hat zahlreiche Auflagen erlebt und auch eine Uebersetzung ins Lateinische erfahren. — Vor der gleichartigen Arbeit von Brunschwygk zeichnet sie sich, trotz ihres weit geringeren Umfanges, durch einen höheren Grad von Wissenschaftlichkeit, durch Selbständigkeit und Unbefangenheit im Urtheil und durch Reichthum des Inhalts sehr vortheilhaft aus; in derselben findet sich eine der ersten, ausführlichen Beschreibungen von Aussatz. — Ueber die Zeit des Todes Gersdorff's ist nichts bekannt geworden.

  • Autor/in

    A. Hirsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hirsch, August, "Gersdorff, Hans" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 57 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133022374.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA