Lebensdaten
1413 bis 1480
Sterbeort
Leonberg bei Stuttgart
Beruf/Funktion
Graf von Württemberg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 121765482 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ulrich
  • Ulrich V. von Württemberg
  • Ulrich der Vielgeliebte
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Zitierweise

Ulrich V., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121765482.html [05.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Fam. d. Grafen v. Württ.;
    V Eberhard IV. (d. J.), Gf. v. W. (um 1388–1419, s. Haus Württ., S. 74–77), S d. Eberhard III. („der Milde“), Gf. v. W. (n. 1362–1417, s. NDB IV; Haus Württ., S. 39–42) u. d. Antonia Visconti (n. 1350–1405, s. Haus Württ., S. 42 f.);
    M Henriette (1384/91–1444, s. Haus Württ., S. 77–79), T d. Heinrich v. Orbe, Gf. v. MontbéliardMontfaucon (1360–96) u. d. Maria Gfn. v. Châtillon (um 1360–94);
    Ur-Gvv Ulrich, Gf. v. W. (n. 1340–88, s. Haus Württ., S. 38);
    B Ludwig I., Gf. v. W. (1412–50, s. NDB IV*u. 15*; Haus Württ., S. 80–83);
    1) 1441 Margarethe (1416–44, s. Haus Württ., S. 89, 1] Wilhelm III., Hzg. v. Bayern, 1375–1435, s. ADB 42; LexMA), T d. Adolf II. („der Weise“), Hzg. v. Kleve, Gf. v. d. Mark (1373–1448, s. NDB I; Klev. Lb. I) u. d. Maria, Hzgn. v. Burgund (1393–1463), 2) 1445 Elisabeth (1419–51, s. Haus Württ., S. 89 f.), T d. Heinrich IV., Hzg. v. Bayern-Landshut („der Reiche“) (1386–1450, s. NDB VIII) u. d. Margarete, Ehzgn. v. Österr. (1395–1447), 3) 1453 Margarethe (1420–79, s. Haus Württ., S. 90, 1] Ludwig IV, Kf. v. d. Pfalz, 1424–49, s. NDB 15), T d. Amadeus VIII., Hzg. v. Savoyen (als [Gegen-]Papst Felix V.) (1383–1451), u. d. Maria, Hzgn. v. Burgund (1380–1422);
    1 T aus 1) Katharina (1441–97, s. Haus Württ., S. 97 f.), Prämonstratenserin in Kloster Adelberg, dann in Lauffen, zuletzt in Würzburg, 2 S aus 2) Eberhard VI. (II.) („d. J.“), Gf., 1496 Hzg. v. Württ. (1447–1504, s. NDB IV; Haus Württ., S. 98–100), Heinrich (um 1448–1519, s. ADB XI; Haus Württ., S. 123 f.), 2 T aus 2) Margarethe (1445/50–79), Dominikanerin im Kloster St. Agnes in Liebenau b. Worms (s. Haus Württ., S. 100), Elisabeth (1450–1501, s. Haus Württ., S. 101, ⚭ Friedrich II., Gf. v. Henneberg-Aschach, 1429–88), 3 (?) T aus 3) Helene (n. 1453–1506, s. Haus Württ., S. 101 f., ⚭ Kraft VI., Gf. v. HohenloheWaldenburg-Neuenstein, 1503, s. NDB IX*), Margarethe (n. 1453–70, s. Haus Württ., S. 102, ⚭ Philipp, Gf. v. Eppstein-Königstein, 1488), Philippine (n. 1453–75, s. Haus Württ., S. 102, ⚭ Jakob II., Gf. v. Horn, 1502);
    N Ludwig II., Gf. v. Württ.-Urach (1439–57), Eberhard V. („im Bart“), Hzg. v. Württ. u. Teck, Gf. v. Württ.-Urach u. -Stuttgart (1445–96, s. NDB IV), beide 1450–53 bzw. 1459 unter Vormundschaft v. U.

  • Leben

    Nach dem frühen Tod des Vaters 1419 wurde für U. und seinen älteren Bruder Ludwig eine Vormundschaftsregierung, bestehend aus ihrer Mutter und zeitweise bis zu 32 Räten, eingesetzt. Während Ludwig 1426 bereits im Alter von 14 Jahren für mündig erklärt wurde, wurde U. erst 20jährig 1433 zur Regierung zugelassen. Die Brüder führten die Regierung einige Jahre gemeinschaftlich, bis U. 1441 die Teilung des Landes durchsetzte. Unmittelbarer Grund war wohl die Heirat mit Hzgn. Margarete von Kleve, die eine doppelte Hofhaltung innerhalb einer Herrschaft nicht mehr praktikabel erscheinen ließ. Die Teilung, die einvernehmlich zwischen den Brüdern und ihrer Mutter erfolgte, war zunächst auf vier Jahre befristet, wobei der Neckar die Scheidelinie bildete. Im Nürtinger Vertrag 1442 wurde dann aber bereits ein Jahr später eine endgültige Teilung vereinbart, die sich diesmal an der steuerlichen Leistungsfähigkeit der Städte und Ämter orientierte. U. fiel der nördliche und östliche (Stuttgarter) Teil zu.

    U. unterstützte 1444 das Haus Österreich im Kampf gegen die Eidgenossen im Alten Zürichkrieg. Er pflegte engen Kontakt auch mit anderen Fürsten, v. a. mit Mgf. Albrecht Achilles von Brandenburg (1414–86). Sie bildeten mit Ebf. Dieter von Mainz und Mgf. Jakob von Baden den Kern des gegen die Reichsstädte gerichteten Mergentheimer Bundes.|

    Ihren Höhepunkt erreichten die Spannungen zwischen Fürsten und Städten in der Fehde zwischen Albrecht Achilles und der Stadt Nürnberg 1449, die zum letzten Städtekrieg führte. U.s Hauptgegner war die Reichsstadt Esslingen, die dank königlicher Privilegierung ihren Zoll stark erhöht und ausgedehnt hatte und damit die wichtigen Zoll- und Geleiteinnahmen Württembergs beeinträchtigte. Bei den Friedensverhandlungen konnte U. die Reichsstadt zwar zum Verzicht auf die Zollerhöhung bewegen, jedoch nicht verhindern, daß sie sich unter den Schutz der Markgrafen von Baden begab und damit vorläufig seinen hegemonialen Bestrebungen entzog.

    Mit dem Tod seines Bruders Ludwig 1450 fiel U. die Vormundschaft über dessen beide Söhne Ludwig und Eberhard zu. Hierüber entspannen sich Streitigkeiten mit Pfalzgf. Friedrich d. Siegreichen (1425–76), der mütterlicherseits ebenfalls ein Onkel der jungen Uracher Grafen war und eine Beteiligung an der Vormundschaft beanspruchte. Die Differenzen wurden noch verschärft durch U.s Heirat mit Margarethe von Savoyen, Witwe des Kf. Ludwig IV. von der Pfalz und Schwägerin Friedrichs, da dieser sich weigerte, ihr Wittum in voller Höhe auszuzahlen und 1457 die Zahlungen ganz einstellte. Unter dem pfälz. Druck zerbrach in den 1450er Jahren schließlich das durch Schutz- und Schirmverhältnisse abgesicherte württ. Hegemonialsystem im mittleren und oberen Neckarraum.

    Im Reich waren zu dieser Zeit durch den machtpolitischen Gegensatz zwischen den Wittelsbachern einerseits und den Habsburgern und Hohenzollern andererseits zwei Bündnisblöcke entstanden, wobei ersterer von Hzg. Ludwig von Bayern-Landshut (1417–79) und Pfalzgf. Friedrich angeführt wurde, der andere von Ks. Friedrich III. (1415–93) und Albrecht Achilles. U. schloß sich dem letzteren an, da er sich einen Rückhalt gegen die Pfalz sichern wollte. Die Spannungen, die sich in der Mainzer Stiftsfehde bzw. im Bayer. Krieg 1459–63 entluden, endeten für U. in der katastrophalen Niederlage der Schlacht von Seckenheim (30. 6. 1462). Er geriet zusammen mit dem Markgrafen von Baden in pfälz. Gefangenschaft und wurde erst am 27. 4. 1463 nach umfangreichen Zugeständnissen und Geldzahlungen wieder freigelassen.

    In den späteren Jahren seiner Herrschaft versuchte U., die Folgen dieser Niederlage zu bewältigen. Hier gelang es ihm, den württ. Einfluß auf die kleineren Reichsstände in Schwaben zu verstärken und mit Grafen (Hohenlohe, Zollern, Werdenberg, Helfenstein), Reichsstädten (Ulm, Esslingen, Gmünd, Reutlingen, Weil, Giengen, Aalen) und Rittern (Gesellschaften mit St. Jörgenschild) ein interterritoriales Bündnissystem der gegenseitigen Sicherung im nördlichen Schwaben aufzubauen.

    Reichspolitisch bedeutsam war das Projekt einer Koadjutorschaft seines Sohnes Heinrich im Erzstift Mainz von 1465, das durch Albrecht Achilles unterstützt wurde. Es scheiterte jedoch am Widerstand sowohl Ebf. Adolfs als auch Pfalzgf. Friedrichs. In den Burgunderkriegen leistete U. dem Kaiser Beistand bei der Belagerung von Neuss (1474), mußte sich ansonsten aber mit Rücksicht auf seinen von Karl von Burgund gefangengehaltenen Sohn Heinrich vorsichtig verhalten.

    Unter dem Eindruck der Streitigkeiten um die Vormundschaft über seine beiden Neffen hatte sich das Verhältnis zum Uracher Landesteil bis 1459 zunehmend verschlechtert. Der Höhepunkt war die Flucht des jungen Gf. Eberhard V. und die Aufhebung der Vormundschaft durch dessen Räte unter Mithilfe der Kurpfalz. Nach dem Krieg gegen die Wittelsbacher verbesserte sich das Verhältnis zwischen U. und Eberhard wieder. Sie schlossen 1473 einen Hausvertrag, der die gegenseitige Erbfolge regelte. Gegen seinen Sohn, Gf. Eberhard d. J., suchte U. gegen Ende seines Lebens Unterstützung bei Gf. Eberhard V.

    Energisch intensivierte U. den Zugriff auf die kirchlichen Strukturen in seinem Einflußbereich. Er förderte die Gründung von Chorherrenstiften in Göppingen, Backnang und Lauffen, deren Mitglieder das Personal für eine geistliche Gerichtstätigkeit stellten, welche die bischöfliche zu ersetzen suchte. Ebenso trieb U. die Reform von Klöstern voran, die seiner Schutzherrschaft unterstanden.

    Während der Herrschaft U.s erfuhr die bevorzugte Residenz Stuttgart eine erhebliche Erweiterung durch die Anlage der nördlichen „Reichen Vorstadt“. 1471 wurde dort der Grundstein für die Liebfrauenkirche, die Kirche des Stuttgarter Dominikanerklosters, gelegt; seit 1470 ließ U. das Langhaus der St. Leonhardskirche ausbauen und unter Leitung seiner Baumeister Hans und Aberlin Jörg die Stiftskirche vollenden. Ebenso geht die Errichtung des sog. Herrenhauses 1450 auf dem Marktplatz, in dem das Stadtgericht tagte, auf ihn zurück. Während seiner Herrschaft entstanden auch wesentliche Teile der spätgotischen Kirchen in Marbach, Balingen und Schorndorf. Zudem stifteten er und seine Frau Elisabeth die Göppinger Oberhofenkirche.|

  • Literatur

    L ADB 39;
    Ch. Fr. Sattler, Gesch. d. Herzogthums Würtenberg unter d. Reg. d. Graven, Bd. 2 u. 3, 1767/68;
    Ch. Fr. v. Stälin, Wirtemberg. Gesch., Bd. 3, 1856;
    D. Mertens, Württ., in: Hdb. d. badenwürtt. Gesch., Bd. 2, 1995, S. 1–163, bes. S. 55–82;
    Th. Fritz, in: Haus Württ., S. 86–89 (P); ders., U. d. Vielgeliebte (1441–1480), Ein Württemberger im Herbst d. MA, 1999.

  • Portraits

    P Ganzfigur, Seitentafel e. Flügelaltars, vielleicht v. L. Fries, um 1470–80, vgl. dazu H. Schröder (Red.), Kunst im Alten Schloß, hg. v. dems., 1998, S. 96 u. Legendäre MeisterWerke, Kulturgeschichte(n) aus Württ., Begleitbd. z. Dauerausst., hg. v. Landesmus. Württ., 2012, S. 175; U. in spätgot. Plattenrüstung, Steinplastik, im 2. Weltkrieg zerstört, vgl. dazu J. Baum, Dt. Bildwerke d. 10. bis 18. Jh., 1917, S. 205 f. u. H.-M. Maurer u. a., Gesch. Württ. in Bildern 1083–1918, S. 60

  • Autor/in

    Thomas Fritz
  • Empfohlene Zitierweise

    Fritz, Thomas, "Ulrich V." in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 598-600 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121765482.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ulrich V., der Vielgeliebte, Graf von Württemberg, ist im J. 1413 geboren als Sohn des Grafen Eberhard d. J. und der Erbin von Mömpelgard, Henriette. Nach des Vaters frühem Tode (1419) kam er mit seinem älteren Bruder Ludwig unter die Vormundschaft der herrschsüchtigen Mutter und eines dreißigköpfigen Regimentsraths. Der Bruder wurde 1426 mit vierzehn Jahren für mündig erklärt, er selbst mit zwanzig Jahren zur Mitregierung zugelassen. Im Januar 1441 vermählte er sich mit Margarete von Cleve, Witwe des Herzogs Wilhelm von Baiern. Es war in manchen Herrscherhäusern üblich geworden, das Land unter den Söhnen zu theilen; auch U. wünschte jetzt eine eigene Herrschaft zu bekommen und der besonnenere Bruder mußte darauf eingehen. Schon am 23. April erklärte man den Neckar zur Scheidelinie beider Landeshälften; am 25. Januar 1442 erfolgte eine neue Theilung mit Rücksicht auf den Ertrag der Städte und Aemter. U. bekam den Theil mit Stuttgart, Ludwig den mit Urach als Hauptstadt; für jenen kamen als Erbschaft der Mutter 40 000 Gulden hinzu, während dieser Mömpelgard erhielt. Bald gingen die Wege der Brüder auseinander: Ludwig schloß sich den Reichsstädten an, welche zur Abwehr fürstlicher Uebergriffe und zum Schutze des Friedens sich verbanden, U. ergriff die Partei der kriegslustigen Fürsten und stürzte damit sein Land in die Greuel des großen Fürsten- und Städtekriegs. Zuerst brach der Streit mit der Reichsstadt Eßlingen aus, das seine Zölle zum Schaden Württembergs stark erhöht hatte (1449). Nach gegenseitigen Einfällen rückte U. vor die Stadt und verwüstete die ganze Umgegend. Ein großer Zug von Reisigen, der ihr zu Hülfe kam, wurde in wildem Getümmel geworfen; aber Eßlingen selbst blieb|unbezwungen. U. mußte zugeben, daß dessen Schutzvogtei den Markgrafen von Baden übertragen wurde.

    Während dieser Kämpfe fiel an U. die Vormundschaft über seine Neffen im Uracher Theil (1450). Da deren mütterlicher Oheim, Pfalzgraf Friedrich, sich in dieselbe mischte, erhoben sich starke Zwistigkeiten, die durch die neue Vermählung des Grafen nur noch vermehrt wurden. Seine erste Gemahlin war nämlich 1444 gestorben; die zweite, Elisabeth von Baiern-Landshut, war ihr 1451 nachgefolgt; als dritte wählte er 1453 eine Schwägerin des Pfalzgrafen Friedrich, Margarete von Savoyen, Witwe des Kurfürsten Ludwig IV. von der Pfalz. Der Streit über die Vermögensauseinandersetzung ließ schon 1457 den Ausbruch eines Krieges fürchten, der aber noch abgewendet wurde. In demselben Jahre starb der älteste der gemeinsamen Neffen, Ludwig; der Streit um die Vormundschaft über den jüngeren, Eberhard, erneuerte sich und führte zur Flucht desselben und zur Aufhebung der Vormundschaft (1459). Der persönliche Haß fand seine Nahrung in den politischen Verhältnissen. Pfalzgraf Friedrich war das Haupt der kaiserfeindlichen wittelsbachischen Partei, Graf U. hielt zum Reichsoberhaupt. 1460 kam es zum ersten Waffengange: U. besetzte das pfälzische Kloster Maulbronn, vermochte aber gegen Weinsberg, dessen Besatzung in Württemberg plünderte, nichts auszurichten. Da auf dem bairischen Kriegsschauplatze, wohin der Graf Truppen geschickt, die Kaiserlichen im Nachtheil waren, und da Pfalzgraf Friedrich selbst, der sich gegen den gleichfalls von jenem unterstützten Erzbischof von Mainz gewendet, diesen aufs Haupt schlug, mußte U. viele seiner Forderungen an den Pfalzgrafen fallen lassen. Der daraufhin geschlossene Frieden war aber von kurzer Dauer. 1461 ernannte der Kaiser außer den Markgrafen Albrecht von Brandenburg und Karl von Baden U. zum Reichshauptmann und hieß sie das von dem Grafen verwahrte Reichspanier aufwerfen. U. versprach dem neuen Erzbischof von Mainz, Adolf von Nassau, ihn um 40 000 Gulden gegen die Wittelsbacher in sein Erzbisthum einzusetzen und rüstete lebhaft. Er nahm 1462 den Baiern die Stadt Heidenheim ab, wurde aber im Rücken von den Pfälzern beunruhigt, die bis in die Nähe von Stuttgart streiften. Jetzt holte er, zusammen mit dem Markgrafen von Baden und dem Metzer Bischof zu entscheidendem Schlage aus. Sie fielen ohne die nöthigen Vorsichtsmaßregeln in der Pfalz ein, da sie den Pfalzgrafen ferne wähnten; die Schlacht bei Seckenheim (30. Juni 1462) brachte ihnen Niederlage und Gefangenschaft. U. und der Markgraf wurden im Heidelberger Schloß in Ketten gelegt, später sogar in den Stock geschlossen. In Württemberg sammelte man von Haus zu Haus, um das hohe Lösegeld für den Grafen aufzubringen; es war unmöglich. Endlich begnügte sich Friedrich mit 100 000 Gulden und einigen sonstigen Einräumungen; am 27. April 1463 wurde U. frei.

    Er kehrte als halbgebrochener Mann zurück. Dank hatte er vom Kaiser für seine Opfer wenig zu genießen; er begann daher sich jetzt vollständig an seinen Neffen Eberhard von Württemberg-Urach anzuschließen. Mit ihm trat er dem S. Georgenbunde zur Wahrung des Landfriedens bei. Persönlich griff er nur noch einmal zu den Waffen, als der Kaiser gegen Karl den Kühnen von Burgund ins Feld rief. Sein Verhältniß zu Eberhard erlitt eine vorübergehende Trübung, als dieser den vom Konstanzer Capitel gewählten Otto von Waldburg als Bischof anerkannte, während er selbst dem Spruche des Papstes gehorsamte, der Ludwig von Freyberg ernannte. In der Gefangenschaft war er sehr fromm geworden, wie er denn auch zahlreiche Kirchen gründete oder förderte. Großen Kummer bereiteten ihm seine Söhne. Der jüngere, Heinrich, sollte Geistlicher werden und brachte es mit siebzehn Jahren zum Coadjutor von|Mainz. Er wollte aber lieber eine weltliche Herrschaft führen und zwang den Vater, ihm Mömpelgard mit den burgundischen und elsässischen Besitzungen zu überlassen, die der Neffe Eberhard im Uracher Vertrag von 1473 abtrat. Der ältere Sohn, Eberhard, der nachmalige zweite Herzog, wußte ihm allmählich fast die ganze Gewalt zu entwinden, so daß U. am 8. Januar 1480 sich ganz zurückzog. Schon am folgenden 1. September starb er in Leonberg auf der Hirschjagd; sein Leichnam ruht in der Stuttgarter Stiftskirche. Der einst mit kühnem Muthe in die Händel der Welt eingegriffen, ist schwer enttäuscht ins Grab gesunken. Ueber Württemberg hat er viel Schlimmes gebracht; aber der volksthümliche Fürst, der selbst so Bitteres erdulden mußte, hat sich durch seinen wohlwollenden und versöhnlichen Sinn den Ehrennamen des Vielgeliebten erworben.

    • Literatur

      Sattler, Gesch. Würtenbergs unter den Grafen II—III (2. Auflage, 1775—1777). — Pfaff, Gesch. Wirtembergs II, 141 ff. (1839). —
      v. Stälin, Wirtemb. Gesch. III, 416 ff. (1856). — P. Stälin, Gesch. Württembergs I, 596 ff. (1887).

  • Autor/in

    Eugen Schneider.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schneider, Eugen, "Ulrich V." in: Allgemeine Deutsche Biographie 39 (1895), S. 235-237 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121765482.html#adbcontent

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