Lebensdaten
1666 oder 1667 bis 1740
Geburtsort
Prag
Sterbeort
Nürnberg
Beruf/Funktion
Porträtmaler
Konfession
Anhänger der Böhmischen Brüder
Normdaten
GND: 121110559 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kupecký, Jan
  • Kupezky, Johannes
  • Kupetzky, Johann
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Kupezky, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121110559.html [20.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Jan, Weber, S d. Webers Jan in Jungbunzlau;
    M Barbara N. N.;
    Wien 1709 Susanna (1677–1759), T. d. Benedikt Klaus ( 1707), Maler (s. ThB);
    1 S, 1 T.

  • Leben

    Um nicht das Weberhandwerk erlernen zu müssen, wozu ihn sein Vater zwingen wollte, floh K. im Alter von 15 Jahren aus dem Elternhaus in Pezinok. Im Schloß Holic des Grafen Adam Czabor (an der mähr. Grenze), wo der aus der Schweiz stammende Maler B. Klaus als Restaurator arbeitete, wurde K.s Malertalent entdeckt. Klaus nahm den Jungen mit nach Wien, und dieser erhielt dort 1682-85 vor allem eine Ausbildung im Handwerklich-Technischen, übte sich aber auch im Bildnismalen durch Kopieren von Werken Karl Loths. Nach Abschluß seiner Lehre zog K. auf Gesellenreise nach Venedig und Rom. Dort arbeitete er zwei Jahre in einem „Kopieratelier“, besuchte die Malerakademie und vervollkommnete durch Kopieren von Werken der großen ital. Meister seine Ausbildung. Schon damals erwarb er sich den Ruf eines guten Porträtisten, gewann viele Freunde (u. a. die Maler Joachim Beich und Joh. Gg. Blendinger, 1667–1741, s. ThB) und erhielt zahlreiche Aufträge, z. B. von dem poln. Prinzen Alexander Sobieski, in dessen Diensten er zwei Jahre blieb. Nun bereits gut situiert, unternahm K. Reisen nach Bologna, Florenz, Mantua und Venedig, auf denen er vor allem Werke Guido Renis, Correggios und Tizians studierte. 1709 zog er mit Fürst Johann Adam von Liechtenstein nach Wien. Hier wurde er mit Aufträgen aus Adelskreisen überhäuft. Kaiser Joseph I. und die Kaiserin ließen sich von ihm porträtieren, ebenso Zar Peter I. 1711 rief August der Starke den Künstler an seinen Dresdener Hof, um sich und einige Mitglieder seines Hofstaates malen zu lassen. Als K. die Kaiserin Elisabeth, Gemahlin Karls VI. porträtierte, wollte ihn dieser unter den günstigsten Bedingungen zu seinem Hofmaler machen. Doch K. nahm diese Ehre nicht an. Dadurch zog er sich die Ungnade des Kaisers zu und fühlte sich seitdem in Wien nicht mehr sicher, zumal in diesen Jahren die Verfolgung der Nichtkatholiken in den österr. Landen wieder strenger wurde. K. verhandelte nun insgeheim mit seinem Freund Blendinger in Nürnberg, der ihm sein Haus zur Wohnung anbot, und zog 1723 dorthin. K. war auch in Nürnberg vor allem als Porträtist tätig und hatte von Anfang an Aufträge, meist von Bürgern. Er wandte sich hier aber auch anderen Themen zu, besonders dem Genre, wobei er sich die großen holländ. Meister zum Vorbild nahm. In den Kreisen der Künstlerschaft war er beliebt, weniger dagegen bei der Bürgerschaft, da er rauh und unzugänglich erschien. Auch in seiner Nürnberger Zeit porträtierte er zahlreiche Fürsten und hochgestellte Persönlichkeiten (z. B. die Bischöfe von Würzburg und Bamberg), lehnte aber Einladungen des Königs von England und der Königin von Dänemark ab.

    K. gehörte schon zu Lebzeiten zu den bekanntesten Bildnismalern. Sein Ruhm ist auch nach seinem Tode nicht verblaßt. In Italien hatte er sich meist an die großen Meister des Landes angeschlossen. In den Arbeiten seiner Wiener Epoche ist ein Wandel erkennbar. Die verinnerlichten Bildnisse des 17. Jh. entsprachen nun nicht mehr der Zeitmode, die in der Bildniskomposition mehr Äußerlichkeiten suchte. Der Künstler mußte sich jetzt mit den Anforderungen des „offiziellen“ Porträts auseinandersetzen, das von hohen Auftraggebern vorgeschrieben und von „pompösem“ Geist erfüllt war. Man kann jedoch von den offiziellen Schöpfungen, mit denen K. seinen Verpflichtungen nachkam, jene anderen unterscheiden, zu denen ihn das Streben nach Wahrheit getrieben hat. Diese „privaten“ Schöpfungen der Wiener und vor allem der Nürnberger Zeit zeigen seine eigentliche Größe und begründen seinen Ruhm. Durch diese Arbeiten hat sich K. einen hervorragenden Rang unter den Porträtisten seiner Zeit gesichert.

  • Werke

    Gem. u. a.: Berlin (Staatl. Slg.), Braunschweig (Gem.gal., Anton-Ulrich-Mus.), Budapest (Országos Szépmüvézeti múzeum), Graz (Landesgem.-slg), Hannover (Prozinzialmus.), Krakau (Burg, Mus. d. Univ.), München (Bayer. Staatsgem.-slgg.), Nürnberg (German. Nat.mus., Akademie), Prag (Gal. d. Burg, Nat.gal., Privatslgg.), Troppau (Schles. Mus.), Wien (Staatsgal., Kunsthist. Mus., Privatslgg.), Zürich (Kunsthaus).

  • Literatur

    ADB 17;
    J. C. Fueßli, Leben Gg. Phil. Rugendas u. J. K., 1758;
    G. A. Will, Der Nürnberg. Münzbelustigungen 3. Stück, 1764;
    ders. u. Ch. K. Nopitsch, Nürnberg. Gel.lex., 1805;
    Ch. G. Murr, Journal z. Kunstgesch. 1775-89;
    E. Šafařík, J. K., 1928 (L);
    F. Dvořák, K., 1956;
    K. Sitzmann, Künstler u. Kunsthandwerker in Ostfranken, 1957;
    Ausst.kat. Barock in Nürnberg, 1962;
    W. Schwemmer, in: Fränk. Lb. VII, 1977;
    ThB.

  • Portraits

    Selbstbildnisse (Öl), 1709 (Wien, Staatsgal.), 1711 (Prag, Nat.gal.), 1728/29 (Braunschweig, Landesmus.), sämtl. Abb. b. Dvořák u. Šafařík;
    um 1736 (Budapest, Országos Szepmuvészeti múzeum, Abb. b. Dvořák);
    Ausst.kat. Wolfenbüttel 1980, Nr. 10 f.

  • Autor/in

    Wilhelm Schwemmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Schwemmer, Wilhelm, "Kupezky, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 315 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121110559.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kupetzky: Johann K., Maler, wurde 1666 zu Pösing in der deutschungarischen Gespannschaft Preßburg geboren, und war der Sohn eines armen Mannes, welcher zur Zeit der Religionsverfolgungen aus Böhmen flüchten mußte. Als Knabe von etwa zwölf Jahren wurde Johann zu einem Weber in die Lehre gegeben, entlief aber bald und trieb sich bettelnd in den österreichischen Grenzlanden herum, bis er zufällig die Bekanntschaft eines im Schloße des Grafen Czobor beschäftigten Malers machte. Diesem sah er einige Zeit bei der Arbeit zu, ergriff dann eine Kohle und zeichnete allerlei Verzierungen mit solchem Geschick an die Wand, daß der Maler den Grafen auf das Talent des Knaben aufmerksam machte. Der Graf fand Gefallen an dem lernbegierigen Jungen, sorgte für seinen Unterhalt und übergab ihn dem Maler Klaus, einem Schweizer, zur weitern Ausbildung. Bei diesem durchaus untergeordneten Meister, der sich in Wien niedergelassen hatte, verblieb K. über drei Jahre und lernte in dieser Zeit eigentlich nicht viel mehr, als Farben reiben, Anstreichen und ein bischen Kopiren. Dann trieb es ihn fort nach Italien, obgleich er weder Vorkenntnisse, Empfehlungen noch Geld besaß. Vergebens suchte er in Venedig unterzukommen, keiner von den dort beschäftigten Meistern wollte ihn aufnehmen, weil sein ärmliches Aussehen keine große Geschicklichkeit verhieß. Wieder zum Wanderstabe greifend, bettelte er sich bis Rom, wo er von den deutschen Künstlern freundlich aufgenommen und unterstützt wurde. Matthias Füßli d. J. verschaffte ihm einträgliche Arbeiten, Agricola und andere halfen mit Rath und That aus, daß der zwar vom besten Willen beseelte, aber einigermaßen verwilderte Kunstjünger gründliche Studien machen konnte. Nun ging es mit Riesenschritten vorwärts, nicht allmählich, wie sein Freund Füßli sich ausdrückte, sondern mit einem plötzlichen Sprunge erreichte K. seine künstlerische Vollkommenheit. Seine Gemälde fanden solchen Beifall, daß er viele Aufträge erhielt, und unter andern für den Fürsten Alexander Sobiesky volle zwei Jahre thätig sein mußte. Als anerkannter Künstler durchreiste K. in den J. 1706—1709 Italien, um die Meisterwerke in Neapel, Florenz, Bologna, Venedig und andern Städten kennen zu lernen, und hinterließ überall treffliche Arbeiten seiner Hand: dann folgte er einer Einladung des Fürsten Adam Liechtenstein, und begab sich, nachdem er zwei und zwanzig Jahre in Italien verlebt, nach Wien, wo er anfänglich nur für den Fürsten beschäftigt war. Sein Talent als Portraitmaler fand in kurzer Zeit allgemeine Anerkennung: Kaiser Karl VI. und seine jugendliche Gemahlin, Elisabeth von Braunschweig, dann Fürst Liechtenstein und viele Personen höchsten Ranges, ließen sich von ihm abbilden. Im J. 1716 wurde er von dem damals in Karlsbad weilenden Kaiser Peter I. von Rußland berufen, um dessen Portrait zu malen. K. vollendete dieses Bild mit solcher Meisterschaft, daß ihm der Kaiser noch viele Aufträge ertheilte und ihn als Hofmaler nach Petersburg berufen wollte. So vortheilhaft dieser Antrag, lehnte der Künstler dennoch ab, wie er schon mehrere Berufungen an Höfe zurückgewiesen hatte. Bald nach seiner Niederlassung in Wien heirathete er, bereits zwei und vierzig Jahre zählend, aus Dankbarkeit gegen seinen ersten Lehrer Klaus, dessen hinterlassene, in den bedrängtesten Verhältnissen lebende Tochter, welche Ehe mit einem Sohne und zwei Töchtern gesegnet war, sollst aber nicht ganz glücklich gewesen zu sein scheint. Das Glaubensbekenntniß des Meisters (er gehörte der Gemeinde der Böhmischen Brüder an) war Ursache von allerlei Zerwürfnissen, denn K. schwärmte für seinen Glauben und suchte|demselben hohe Beschützer zuzuführen. Weil er seine Gattin überredet hatte, in die Brüdergemeinde einzutreten, kam er mit der katholischen Geistlichkeit Wiens in Conflict, und hielt sich dort nicht mehr sicher. Um weitläufigen Verdrießlichkeiten zu entgehen, begab er sich mit seiner Familie plötzlich nach Nürnberg und wirkte dort bis an sein Ende als vielbeschäftigter Portraitmaler. Von nah und fern fanden sich Fürsten, Bischöfe und andere hochgestellte Personen ein, um von seinem Pinsel verewigt zu werden; der Kurfürst von Mainz, der Herzog von Gotha beriefen ihn zu sich, und von England und Dänemark aus wurden ihm Aufträge zu Theil. Wenige Künstler Deutschlands hatten sich so ungetheilter Anerkennung zu erfreuen, als K.; beinahe von allen europäischen Regenten waren ihm einträgliche Stellen angeboten worden, seine Neigung jedoch, ein unabhängiges Leben führen zu können, hieß ihn die glänzendsten Einladungen abzulehnen. Als Fürst Adam Liechtenstein ihm eine prächtige Wohnung in seinem Palaste zur Verfügung stellte, zog er ein bescheidenes Quartier in der Stadt vor, angebend, daß er dort ungestörter arbeiten könne. So sehr die hohen Herrn ihn auszeichneten, vermied er doch jede nähere Berührung mit denselben, und war überhaupt kein sehr geselliger umgänglicher Mann; dagegen ein treuer Freund und stets eingedenk aller in früherer Zeit empfangenen Wohlthaten. Mit Matthäus Füßli d. J., welcher um den Schlich des siebzehnten Jahrhunderts in Rom unter Luti studirte und Johann Caspar Füßli verblieb er in einem ununterbrochenen Verkehr und ernannte letzteren zu seinem Testamentsvollstrecker. Dem freundschaftlichen Umgang mit der Familie Füßli ist es zu verdanken, daß wir über Kupetzky's Leben zusammenhängende Nachrichten besitzen. Sehr wohlhabend und in äußerlich günstigen Verhältnissen lebend überfiel den im hohen Alter fortwährend thätigen Meister eine tiefe Melancholie, als sein talentvoller und zärtlich geliebter Sohn starb. Er wollte fortan Niemanden mehr sehen und verschied bald nachher im J. 1749, indem er seine ihn überlebende Frau zwar als Haupterbin einsetzte, aber die Schulen, und namentlich die Armen Nürnbergs reichlich bedachte, auch den Salzburgschen Emigranten einen Theil seines Vermögens zuwandte. Bei seinem Leichenbegängnisse zeigte sich die protestantische Geistlichkeit der freien Reichsstadt Nürnberg ebenso intolerant, wie ehemals die katholische in Wien: der Anhänger der Böhmischen Brüder mußte am frühesten Morgen in aller Stille begraben werden. Neben einem ansehnlichen Baarvermögen hinterließ K. eine werthvolle Sammlung theils eigenhändig gefertigter, theils erworbener Kunstwerke, von denen eine ausgewählte Partie um den Preis von 16 000 Gulden verkauft wurde. Seine Schüler waren: Benjamin und Gabriel Müller, Brendel, Konrad Mannlich, Joh. Noah Bemmel, Jg. Roth und sein bereits erwähnter Sohn, welche alle sich zu namhaften Malern ausbildeten. Als Historienmaler konnte sich K. nicht über die Geschmacksrichtung seiner Zeit erheben, er gehörte zu den künstlerischen Eklektikern, welche aus den Werken Raphaels. Correggios, Tizians u. A. das Beste auszuwählen und sich anzueignen strebten, dabei aber in leere Virtuosität verfielen. Auch waren Darstellungen, welche sorgfältig überdacht und in allen Theilen mit Gewissenhaftigkeit durchgebildet sein wollen, nicht Sache des unruhigen und vielbeschäftigten Meisters: doch zeichnen sich alle seine hierher gehörigen Arbeiten durch einen kräftigen Auftrag und eine natürliche Farbengebung aus. Die meisten dieser Bilder trifft man in den Sammlungen zu Wien, namentlich in der Liechtenstein'schen Gallerie, sie bewegen sich in einem ziemlich engen Kreise und bestehen nur aus wenigen Figuren: man sieht einzelne Heiligenbilder, wie „Bartholomäus". „Franciscus", „Maria Magdalena“, heilige Familien, auch mythologische Darstellungen, wie den „Tod des Adonis“ u. dgl. mehr. Ansprechender wird R., wenn er eine Stufe tiefer steigt und das|Genrefach behandelt. Wo es gilt, frisch in das Leben hineinzugreifen und den malerischen Moment zu erfassen, leistet der Künstler treffliches. Allbekannt ist das schöne, von Bause gestochene Bild „Die Vertraute“, ebenso der sogenannte „Philosoph“, abgebildet in Kugler's Atlas der Kunstgeschichte: nicht minder gelungen sind einige Gruppen von Bettlern und Musikanten. Am höchsten jedoch steht K. als Bildnißmaler. Welch ungemessene Verehrung ihm seinerseits zu Theil wurde, ersieht man aus nachstehenden Worten Füßli's: „Um sich eine gründliche Einbildung von Kupetzky's Köpfen zu machen, muß man die Starte von Rubens, das Zarte und Geistige von Vandyck und den Schatten und die Zauberei von Rembrandt sich vorstellen.“ — Ohne in diese und ähnliche überschwängliche Lobreden einstimmen zu wollen, dürfen wir ihn unbedingt den ersten Meistern des Portraitfaches beizählen; ja ihm (von den Niederländern abgesehen) unter seinen deutschen Genossen die Palme zuerkennen. Die Auffassung seiner Bildnisse ist immer edel und dem Charakter der dargestellten Personen entsprechend, die Stellung lebendig, Farbe und Haltung naturgemäß und von feinster Nüancirung. Ob K“ wie von mehreren Seiten behauptet wurde, den Rembrandt habe nachahmen wollen, darf bezweifelt werden: wo er sich diesem Meister nähert, geschah es zufällig, indem die Natur ihn auf denselben Weg leitete. Ebenso verhält es sich mit den Anklängen an Vandyck und Tizian. Vorzügliche Portraits seiner Hand enthalten beinahe alle Gallerien in Europa, vorzugsweise Wien, wo er am längsten, und in voller Manneskraft wirkte. Die schon genannten Bilder der kaiserlichen Familie gehören zu den besten; sehr charakteristisch ist die Gestalt des edlen Ritters „Prinz Eugenius“ aufgefaßt, ferner die des „Franz Rakoczy II. von Siebenbürgen“. Sein eigenes Portrait hat K. öfters gemalt, ein sehr gelungenes befindet sich in Stuttgart, ein zweites in Dresden. Die Pinakothek zu München besitzt das Bildniß eines jungen Mädchens, welches lustig und schelmisch aus dem Rahmen blickt; im Schloße Pommersfelden sah man vor einigen Jahren das mit besonderm Fleiß durchgeführte Kniestück eines reformirten Geistlichen, neben welchem sein Söhnchen steht. Man erkennt, daß der Dargestellte den nähern Freunden des Künstlers, wahrscheinlich auch der Brüdergemeinde angehört. Der Ausdruck des alten Mannes, welcher seine Predigt zu überlegen scheint, ist von höchster Wahrheit, und bildet zugleich einen interessanten Gegensatz zu dem harmlosen Kindergesichte nebenan: dabei ist das Ganze aufs feinste modellirt und von bewunderungswürdiger Harmonie. Dieses Bild soll nach England gekommen sein, genaue Nachrichten fehlen. Mit Vorliebe wählte K. für seine Portraits das Format des Kniestücks und eine Höhe von 3—4 Fuß neben entsprechender Breite. Nach ihm haben gestochen: Balzer, Bause, Joh. Jak. Haid, Kraupertz, Schmutzer, Vogel und Westermayer. Bernhard Vogel veröffentlichte unter dem Titel: Joh. Kupetzky imagines et picturae quotquot earum haberi potuerunt, antea arte quam vocant nigra incisase a Bernh. Vogelio, jam vero similiter continuatae opera et sumptibus V. D. Preisleri, eine Sammlung von 73 Bildnissen.

    • Literatur

      Füßli, Allgemeines Künstlerlexikon. Zürich 1773. — Abbildungen und Lebensbeschreibungen der böhmischen und mährischen Gelehrten und Künstler. —
      Lipowsky. Bairisches Künstlerlexikon. —
      Meusel, Museum für Künstler und Kunstliebhaber. — Eigene Untersuchungen.

  • Autor/in

    B. Grueber.
  • Empfohlene Zitierweise

    Grueber, Bernhard, "Kupezky, Johann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 408-410 unter Kupetzky [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121110559.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA